Manch junger Katholik mag der Meinung sein, ein katholischer Gottesdienst, vor allem mit Kirchenliedern in deutscher Sprache sei selbstverständlich. Mittlerweile mag dies vielleicht auch so stimmen.
Doch mein Ziel ist es, in dieser Arbeit das Resultat eines langen Inkulturationsprozesses darzustellen, dessen Wurzeln bereits im 7. Jahrhundert liegen.
Die Probleme, die eine sprachliche Inkulturation mit sich bringt, sind auf den ersten Blick nur schwer zu überblicken, da mehr als ein einfacher Beschluss für die Übersetzung des Messgesanges in die deutsche Sprache nötig war.
Erst durch ausführliche Beschäftigung mit geschichtlichen Fragen und Vorschriften kann erkannt werden, dass die ganze Intention eines Gottesdienstes durch eine sprachliche Interlinearversion geändert werden kann.
Vom Mysterienspiel, zu dem der Christ als reiner Zuschauer geladen war, wurde der Gottesdienst im Laufe der Jahrhunderte zur Gemeinschaftsmesse, in der seit dem II. Batikanum die tätige Teilnahme der Gläubigen anerkannt wird.
Erst seit dem Konzil gelten Messteile, die das Volk singt oder spricht messweiterführend.
Zu Beginn der Arbeit werde ich den Begriff ,,Inkulturation" erläutern, sowie die Geschichte der deutschsprachigen Kirchenmusik. Das folgende Kapitel gilt den Bemühungen um eine Approbation von Seiten des Hl. Stuhls, zum Einsatz des messweiterführenden Kirchengesangs .
Im Anschluss daran werde ich die Beschlüsse des II. Vatikanums, die das Deutsche Hochamt in seiner heutigen Form ermöglichten, erörtern, bevor ich mich mit der Frage befasse, ob die Beschlüsse des Zweiten Vatikanums zu einem neuen Liturgieverständnis geführt haben und wie in der Praxis mit diesen umgegangen wird.
[...]
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. Zum Begriff: „ Inkulturation“
1.1 Allgemeine Begriffsdefinition
1.2 Das Phänomen der Inkulturation auf die christliche Liturgie bezogen
2. Geschichte und Bedeutung der dt. Kirchenmusik
3. Die vorkonziliaren Inkulturationsbemühungen zur Übersetzung der Kirchenmusik in die deutsche Sprache
3.1 Bemühungen um die Approbation zur Übersetzung der Kirchenmusik in die deutsche Sprache vor der Ankündigung zum II. Vatikanischen Konzil
3.2 Die allgemeine Vorbereitungsphase des II. Vatikanischen konzils
3.2.1 Die Voten der deutscher Theologen
4. Die Beschlüsse des II. Vatikanums zur Erneuerung der Kirchenmusik
4.1 Die Beschlüsse des „Sacrosanctum concilium“
4.2 Die Ausführungsbestimmungen des „Sacrosanctum Concilium“ in dem Dokument „musicam sacram“
4.3 Erläuterung der Beschlüsse und daraus resultierende aufgaben der Kirchemusik
5. Ist aufgrund der Beschlüsse infolge des II. Vatikanums ein neues Liturgieverständnis entstanden?
5.1 Wie wird in der Praxis mit diesen Beschlüssen umgegangen?
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den langjährigen Inkulturationsprozess der deutschsprachigen Kirchenmusik und analysiert, wie dieser durch die Konzilsbeschlüsse des II. Vatikanums (insbesondere "Sacrosanctum concilium" und "Musicam sacram") in eine neue liturgische Form überführt wurde, um die aktive Teilnahme der Gläubigen zu fördern.
- Historische Entwicklung des muttersprachlichen Messgesangs seit dem 7. Jahrhundert.
- Die vorkonziliaren Bemühungen um kirchliche Approbationen im deutschsprachigen Raum.
- Analyse der Konzilsdokumente hinsichtlich ihrer Bedeutung für die liturgische Erneuerung.
- Spannungsfeld zwischen lateinischer Tradition und muttersprachlicher Erneuerung.
- Gegenwärtige Umsetzung der liturgischen Bestimmungen in der kirchlichen Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bemühungen um die Approbation zur Übersetzung der Kirchenmusik in die deutsche Sprache vor der Ankündigung zum II. Vatikanischen Konzil
Nach dem ersten Weltkrieg waren in Deutschland und Österreich vielerorts Bestrebungen erkennbar, die Muttersprache mit möglichst großem Umfang in die Kirchenmusik einzubinden. Hiermit sollte vor allem auf die Entfremdung der Gläubigen gegenüber der kirchlichen Liturgie reagiert werden. Das 1903 von Pius X. beschlossene Motu proprio: „Tra le sollicitudini“ war mit der Zielsetzung entstanden, allgemeine Richtlinien für die Kirchenmusik aufzustellen. Der volkssprachliche Gesang wurde darin ausdrücklich verboten, die Gläubigen wurden zur Mitwirkung an lateinischen Kirchengesängen aufgefordert.
Kardinal A. Bertram (Breslau) bat im Auftrag der deutschen Bischöfe 1943 in Rom um eine vorübergehende Befreiung von der Verpflichtung, in Singmessen ausschließlich lateinische Lieder zu singen. Am Heiligen Abend des Jahres 1943 wurde diesem Antrag vom päpstlichen Staatssekretär Kardinal A. Maglione stattgegeben. Damit war die bereits ein Jahr zuvor von den Deutschen Bischöfen erschienene Richtlinie zur Erlaubnis des deutschen Messgesangs, der bereits seit mehreren Jahrhunderten in Teilen Deutschlands praktiziert worden war, auch von päpstliche Seite anerkannt.
Papst Pius griff die Ideen der Deutschen Bischofskonferenz in der Enzyklika „Mediator Dei“ von 1947 erneut auf und versuchte, diesen Beschluss auf weitere Teilkirchen auszudehnen. Diese Genehmigung spitzte den bestehenden Konflikt zwischen dem Allgemeinen Deutschen Cäcilienverein und der Liturgischen Bewegung des 20. Jahrhunderts weiter zu.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Der Autor erläutert das Ziel der Arbeit, den langen Inkulturationsprozess des muttersprachlichen Messgesangs bis hin zum II. Vatikanum nachzuzeichnen.
1. Zum Begriff: „ Inkulturation“: Dieses Kapitel definiert theoretisch den Begriff der Inkulturation und grenzt ihn von Akkulturation und Enkulturation ab.
2. Geschichte und Bedeutung der dt. Kirchenmusik: Es wird die historische Entwicklung der Kirchenmusik vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert beleuchtet, inklusive des Einflusses der Reformation und Aufklärung.
3. Die vorkonziliaren Inkulturationsbemühungen zur Übersetzung der Kirchenmusik in die deutsche Sprache: Hier werden die Bemühungen der deutschen Bischöfe vor dem II. Vatikanum beschrieben, den deutschen Gesang trotz lateinischer Vorgaben in die Liturgie zu integrieren.
4. Die Beschlüsse des II. Vatikanums zur Erneuerung der Kirchenmusik: Dieses Kapitel analysiert die Konzilsdokumente „Sacrosanctum concilium“ und „Musicam sacram“ bezüglich ihrer Reformen für die Liturgie und den Kirchengesang.
5. Ist aufgrund der Beschlüsse infolge des II. Vatikanums ein neues Liturgieverständnis entstanden?: Der Autor diskutiert die Auswirkungen der Konzilsbeschlüsse auf das tatsächliche Liturgieverständnis und vergleicht dies mit der praktischen Umsetzung in heutigen Gemeinden.
6. Schlussbemerkung: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Quellenlage sowie die Einheit von Wort und Gesang in der Liturgie.
Schlüsselwörter
Inkulturation, II. Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum concilium, Musicam sacram, Kirchenmusik, Muttersprache, Liturgie, Messgesang, aktive Teilnahme, Gemeindemesse, Liturgiereform, mediator dei, lateinische Sprache, Cäcilienverein, Liturgische Bewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Prozess der Inkulturation der Kirchenmusik im deutschsprachigen Raum und der Entwicklung hin zum muttersprachlichen Messgesang als festem Bestandteil der Liturgie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen der Begriff der Inkulturation, die historische Entwicklung der deutschen Kirchenmusik, die vorkonziliaren Initiativen der Bischöfe sowie die kirchenrechtlichen Dokumente des II. Vatikanums.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch einen langen historischen Prozess der muttersprachliche Gesang offiziell in die Messe integriert wurde, um die aktive Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse kirchengeschichtlicher Dokumente, Konzilsakten und theologischer Fachliteratur, um die Entwicklungsschritte der Liturgiereform zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den konkreten Konzilsbeschlüssen des Zweiten Vatikanums und deren Auswirkungen auf die liturgische Praxis sowie der kritischen Prüfung, inwieweit diese Vorgaben heute umgesetzt werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind Inkulturation, Sacrosanctum concilium, Kirchenmusik, Liturgie und aktive Teilnahme der Gläubigen.
Welche Rolle spielte die Sonderrolle Deutschlands vor dem II. Vatikanum?
Deutschland nahm eine Sonderrolle ein, da hier bereits vor dem Konzil in verschiedenen Formen muttersprachliche Liturgie praktiziert wurde, was als Grundlage für die spätere weltkirchliche Reform diente.
Wie steht es laut der Arbeit um die aktuelle Umsetzung in der Praxis?
Der Autor weist darauf hin, dass die Praxis in einigen Gemeinden deutlich von den Konzilsbeschlüssen abweicht, etwa durch das Singen von Liedern, die nicht dem Diakon vorbehalten sind, oder durch eine Rückbesinnung auf rein lateinische Messen in manchen Kontexten.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2002, Inkulturationsbemühungen um die deutschsprachige Kirchenmusik im 20. Jh., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5829