Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Grundzüge der Dependenztheorie. 2
2.1 Die Entstehungsgeschichte. 2
2.2 Grundaussagen innerhalb der Dependenztheorie. 4
2.3 Theoretische Richtungen in der Dependenztheorie. 5
3 Die Dependenztheorie in zwei Werken Armando Córdovas. 6
3.1 Zur Person des Autors. 6
3.1.1 Der Kontext des Autors. 6
3.1.2 Córdovas Geschichtsverständnis. 7
3.1.3 Die Analysekategorien. 8
3.2 Die wirtschaftliche Struktur der unterentwickelten Länder. 9
3.2.1 Definition und Einteilung der wirtschaftlichen Struktur. 9
3.2.2 Ökonomische Systeme in der Wirtschaftsstruktur. 11
3.2.3 Merkmale einer unterentwickelten Wirtschaft. 12
3.2.3.1 Allgemeine Merkmale. 12
3.2.3.2 Die strukturelle Heterogenität. 13
3.2.4 Mechanismen der Abhängigkeit. 14
3.3 Das Problem der Marginalität und Beschäftigung in rückständigen Ländern. 15
3.3.1 Die Beschäftigungsdynamik in der primären Exportwirtschaft. 15
3.3.2 Die Phase von der Substitutionsindustrialisierung bis Anfang der 70er Jahre. 16
3.3.3 Das Problem der Marginalität. 17
3.4 Wirtschaftsintegration als Ausweg aus der Unterentwicklung? 18
3.4.1 Der Lösungsansatz. 18
3.4.2 Die Kritik des Autors am Integrationsansatz. 19
3.4.3 Die Lösung aus der Sicht des Dependenztheoretikers Córdova. 21
4 Zur kritischen Auseinandersetzung mit der Dependenztheorie. S.21
4.1 Kritik aus methodischer Sicht. 22
4.1.1 Die Abstraktheit der Theorie. 22
4.2.2 Die Einseitigkeit der Theorie: Konzentration auf die Ökonomie S 22
4.2 Kritik an der ideologischen Sichtweise. 24
4.2.1 Importsubstitution und Industrialisierungsversuche. 24
4.2.2 Der Begriff des Kapitalismus. 25
4.3 Positive Betrachtung der Dependenztheorie. 26
5 Fazit. 27
6 Literaturverzeichnis S 28
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 1
1 Einleitung
„Armut im Süden durch Wohlstand im Norden“ 1 . Auf einen Nenner gebracht lautete so die Kernaussage der Dependenztheorien 2 , die in den 60er und 70er Jahren in Lateinamerika entstand. Die verschiedenen Ansätze der Dependenztheorie versuchten fast alle in einer sozioökonomischen Gesamtinterpretation die Entwicklungsproblematik Lateinamerikas als Problem der Abhängigkeit von den industrialisierten Ländern auf zu deuten, die Rahmenbedingungen der Entwicklung in ein theoretisches Konzept einzuordnen und Erklärungsmuster für diese Rahmenbedingungen zu finden 3 . Die in der Nachfolge der Imperialismustheorie stehende Dependenztheorie erklärt die Entwicklung der lateinamerikanischen Länder als „Entwicklung zur Unterentwicklung“, die durch exogene Faktoren veranlaßt wird. In dieser Einleitung mag es genügen die Hauptaussage der Dependenztheorie so darzustellen: Die kapitalistischen Länder des Nordens sichern ihre eigenen Aufstieg und ihre wirtschaftliche Potenz durch die Ausbeutung der Länder der sogenannten Dritten Welt. Diese Länder sind assymetrisch in die Weltwirtschaft integriert und haben in dieser Konstellation keine Möglichkeit, sich der Ausbeutung selbst zu entziehen. Die industrialisierten Länder haben wiederum kein Interesse daran, die Situation zu ändern, da sie selbst von der Ausbeutung profitieren. Lösungen, die innerhalb der Dependenztheorie angeboten werden, variieren je nach Richtung zwischen der Schaffung eines lateinamerikanischen Wirtschaftsmarktes bis hin zu radikalen Umstürzung der Welt(wirtschafts)ordnung, um den Kapitalismus zu vernichten.
Obwohl die Dependenztheorie seit ihrer wissenschaftlichen Glanzphase in den 70er Jahren heutzutage eher an Bedeutung verloren hat, soll in dieser Arbeit die Dependenztheorie als eine mögliche Theorie der Modernisierung von Ländern betrachtet, ihre Besonderheiten aufgezeigt und als theoretische Konzeption kritisiert werden. Dies geschieht anhand von zwei Werken des Dependenztheoretikers Armando Córdova: „Strukturelle Heterogenität und wirtschaftliches Wachstum“ 4 und sein Buch „Die wirtschaftliche Struktur Lateinamerikas“ 5 ,
1 So lautet der provokante Titel eines Buches, das Nachträge und Schlaglichter zur Dependenztheorie liefert: Alt, Gerhard/ Wrobèl-Leitpold, Andreas: Armut im Süden durch Wohlstand im Norden? Vilsbiburg 1988.
2 Stammt ab vom spanisch-portugiesischem Wort „dependencia“, das „Abhängigkeit“ bedeutet. Vgl. hierzu: ebenda, S. 17. Obwohl es auch eine afrikanisch geprägte Dependenztheorie gibt, soll hier lediglich von der lateinamerikanischen Dependenztheorie die Rede sein.
3 Auch die Modernisierungstheorien versuchten die Entwicklung bzw. Unterentwicklung der industrialisierten und rückständigen Länder zu erklären. Natürlich werden in diesen Theorien andere analytische und methodische Kategorien verwandt, die aber nichts desto trotz auch kritikwürdig sind. Vgl. hierzu: Resasade, Hadi: Modernisierungstheorien, Opladen 1984. Jedoch würde es den Umfang der Arbeit sprängen, die verschiedenen Konzeptionen von Modernisierungstheorien hier darzustellen.
4 Córdova, Armando: Strukturelle Heterogenität und wirtschaftliches Wachstum, Frankfurt am Main 1973.
5 Córdova, Armando/ Michelena, Héctor Silva: Die wirtschaftliche Struktur Lateinamerikas, Frankfurt 1969.
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 2
das er zusammen mit Hector Silva Michelena verfaßte. Da Córdova mit diesen Werken vor allem die ökonomische Situation betrachtet und die kapitalistische Ausbeutung daran festmacht, sollen in einem Hauptkapitel die wirtschaftliche Struktur der unterentwickelten Länder mit besonderer Gewichtung auf den Begriff der „Strukturellen Heterogenität“, die Beschäftigungslage und das Problem der Marginalität in lateinamerikanischen Ländern dargestellt und Córdovas Sichtweise zur Lösung der Situation durch eine noch stärkere, aber gleichberechtigtere Integration in den Weltwirtschaftsmarkt erörtert werden. Zum Verständnis der Problematik wird es zuvor jedoch nötig sein, zum einen die Entstehungsgeschichte und die zentralen Kernaussagen der Dependenztheorie kurz vorzustellen und zum anderen die Analysekategorien des Autors und sein Geschichtsverständnis zu erörtern. Einen weiteren Schwerpunkt dieser Arbeit soll die Kritik an den Dependenztheorien darstellen, wobei versucht wird, nicht nur an der Ideologiebehaftung dieser Theorie Kritik zu üben, sondern auch analytische und methodische Mängel zu benennen und die Dependenztheorie im Ganzen von den Modernisierungstheorien abzugrenzen.
2 Grundzüge der Dependenztheorie
2.1 Die Entstehungsgeschichte 6
Ende der 60er Jahre entstand in Lateinamerika die Dependenztheorie. Streng genommen kann man eigentlich nicht von „einer“ oder „der“ Dependenztheorie sprechen, da die Theorie in Form von vielen Einzelstudien, Zeitschriftenbeiträgen oder Monographien entstand, die sich nur zum Teil ergänzten, des öfteren aber zu sich selbst im Widerspruch standen. In dieser Arbeit soll aber vereinfachend von „der“ Dependenztheorie gesprochen werden. Sie ist keine „begrifflich und logisch geschlossene Theorie im strengen sozialwissenschaftlichen Sinn“ 7 , sondern in gewisser Weise eine Art Sammelbegriff für die verschiedenen Ansätze, deren gemeinsame Annahme jedoch darin liegt, daß die Abhängigkeit von den industrialisierten Ländern ein wichtiger, wenn nicht gar der zentrale Grund für die Unterentwicklung Lateinamerikas ist. In Europa wurden vor allem die Werke von André Gunder Frank bekannt, der entscheidende Impulse zur Determination der Dependenztheorie setzte und entsprechende Thesen wohl als einer der ersten formulierte 8 .
6 Vgl. hierzu: Mansilla, Hugo C.F.: Entwicklung als Nachahmung, Meisenheim am Glan 1978, S. 49ff.
7 Alt, Gerhard/ Wrobèl-Leitpold, Andreas, a.a.O., S. 20.
8 Vgl. hierzu beispielsweise Franks Werke „Kapitalismus und Unterentwicklung in Lateinamerika“, Frankfurt am Main 1968 oder „Die Entwicklung der Unterentwicklung“ in ders.: Kritik des bürgerlichen Anti- Imperialismus, Berlin 1969.
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 3
Die Vorläufer der Dependenztheorie sind in den Imperialismustheorien zu sehen: Lenin, mit seiner These der Monopolbildung und der weltweiten Gwinnmaximierung durch Kapitalexport, Luxemburg, Bucharin oder Sternberg lieferten die klassische Beiträge zur Theorie des Imperialismus 9 . Somit trat die Dependenztheorie, obwohl sie auch von andern marxistischen Wirtschaftswissenschaftler wie Baran oder Sweezy beeinflußt war und ihr Ausgangspunkt natürlich an der marxschen Kritik der politischen Ökonomie ansetzt, in den „Prozeß der Neuinterpretation von klassischen Imperialismustheorien“ 10 . Diese wurden nach dem zweiten Weltkrieg neu aufgelegt, weil sich die wirtschaftliche Lage in den lateinamerikanischen Ländern nach einer positiven Wirtschaftsphase in den ersten Dekaden dieses Jahrhunderts nach 1945 drastisch verschlechterte 11 . Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise und des zweiten Weltkriegs leiteten die Phase einer anderen Wirtschaftspolitik ein. Durch die drastische Verringerung des Außenhandels und der nachlassenden Investitionstätigkeit seitens der Industrieländer mußten viele
lateinamerikanische Länder dazu übergehen, eine relativ bescheidene Industrialisierung mit eigenen Mitteln anzugehen. Das Heil der beginnenden Industrialisierung wurde in der Importsubstitution gesucht. Jedoch in den frühen 60er Jahren erkannte man, daß diese nicht entscheidend zur Wirtschaftsveränderung beitrug. Der Abstand zwischen dem lateinamerikanischen und dem europäischen Pro-Kopf-Einkommen war immer größer geworden und es wurde festgestellt, daß bei gleichzeitiger Erholung der westlichen Industrieländer immer mehr Betriebe in ausländisches Eigentum übergegangen waren. Die Abhängigkeit vom Weltmarkt hatte sich verstärkt statt vermindert. In dieser Phase „allgemeiner Frustration“ 12 wurde die Frage nach den Ursachen und möglichen Erklärungen gestellt. Es wurde die Tatsache eines „zusammenhängenden Komplex von internationalen Beziehungen, Märkten und Investitionen“ 13 und die Wirkung der Abhängigkeitsstrukturen, die die lateinamerikanischen Länder mit den Industrieländer verband, in einer neuen Art aufgelegt, in den Dependenztheorien. An anderer Stelle 14 wird darauf hingewiesen, daß die Dependenztheorie als Antwort auf die desarollistische Theorie, die ebenfalls in Lateinamerika entstand, konzipiert wurde. Diese Theorie des Desarollo-Ansatzes sah in einer Theorie-
9 Eineausführliche Darstellung der verschiedenen Schwerpunkte der Imperialismustheorien und die Gegenüberstellung von Imperialismus und Kapitalismus läßt sich wieder finden in: Riegel, Klaus Georg: Politische Soziologie unterindustrialisierter Gesellschaften: Entwicklungsländer, Wiesbaden 1976, S. 78ff. Weiterhin auch in Goetze, Dieter: Entwicklungssoziologie, München 1976, S. 89ff.
10 Riegel, Klaus-Georg, a.a.O., S. 77.
11 Eine ausführliche Darstellung zur Wirtschaftsproblematik findet sich in Mansilla, Hugo C.F., a.a.O., S. 51ff.
12 Ebenda, S. 53.
13 Ebenda.
14 Vgl. hierzu Alt, Gerhard/ Wrobèl-Leitpold, Andreas, a.a.O., S.20f.
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 4
richtung eine „Entwicklung nach innen“ zur Beseitigung der Unterentwicklung vor, wobei einen innengeleitete Entwicklung, der sich die externe Entwicklungsdynamik unterordnen sollte, propagiert wurde. Andererseits wurde nach dem Scheitern dieser nach innen gerichteten Entwicklung, die seit den 50er Jahren vor allem Ziel der internationalen Entwicklungspolitik war, eine Entwicklung nach außen zur Diskussion gestellt, wobei hier die möglichst intensive Integration in den Weltmarkt im Vordergrund stand. Die Dependenztheorie betont hingegen, obwohl einige Vertreter dieser Theorie mit dem Desarollo-Ansatz Ähnlichkeiten zeigen, daß Entwicklung und Unterentwicklung „synchrone, miteinander verbundene Prozesse“ 15 sind.
2.2 Grundaussagen innerhalb der Dependenztheorie
Eine Grundtendenz, die sich in den Ansätzen der Dependenztheorie wiederfinden läßt, liegt in dem Metropolen-Satelliten-Modell. Dieses Modell teilt die internationale Ordnung in bestimmte Zentren, die Metropolen, und in die Peripherie, sogenannte „Satelliten“, die von ihnen abhängig sind. Diese Konstellation weist zwei verschiedene Gesellschaftstypen aus, die über das Wirtschaftssystem miteinander verbunden sind. Die Metropolen mit relativ „ausgeglichenen, technologisch hochstehenden und auf differenzierten Infrastrukturen aufbauenden Gesellschaftsordnungen“ 16 dominieren das Weltwirtschaftssystem. Die Peripherien haben eine von den Metropolen beherrschte Wirtschaftsstruktur und stehen in Abhängigkeit zu den Zentren, so daß „periphere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen deformiert und ausgeglichene Entwicklungsprozesse verhindert werden“ 17 . Die weltwirtschaftliche Integration des unterentwickelten Landes führt innerhalb dieses Zentrum-Peripherie-Modells dazu, daß „zwar ein kleiner, aber sehr dynamischer Sektor“ 18 entwickelt wird, der mit dem Zentrum des modernen Landes verbunden ist und durch es konditioniert wird. Dieser Sektor hat seinerseits wieder Einfluß auf die Gesamtgesellschaft des peripheren Landes und bestimmt über seine Verteilung der Ressourcen.
Ein zweiter Punkt, der als gemeinsamer Nenner erkannt werden kann, liegt in der Bedeutung der Eliten in den unterentwickelten Ländern. Diese werden als „Brückenköpfe“ 19 bezeichnet, wirken direkt in die abhängigen Länder hinein und sind somit die ausführenden Organe der Industrieländer. Somit kann man die Rolle des Staates aus der Sicht der Dependenztheorie dahin definieren, daß der Staat, durch die Eliten gestellt, die Rahmenbedingungen für die
15 Ebenda, S. 21.
16 Senghaas, Dieter: Imperialismus und strukturelle Gewalt, Frankfurt am Main 1972, S. 19.
17 Ebenda.
18 Alt, Gerhard/ Wrobèl-Leitpold, Andreas, a.a.O., S. 23.
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 5
abhängige Entwicklung des eigenen Landes garantiert. Eliten in den abhängigen Ländern und Eliten in den Industrieländern weisen nämlich gemeinsame Interessen auf. Diese liegen nach Ansicht von Vertretern der Dependenztheorie allein in der Abschöpfung des Mehrwerts durch die Abhängigkeitsbeziehungen.
Die assymetrische Integration in den Weltmarkt führt zu einem dritten gemeinsamen Merkmal 20 , das für die Dependenztheorie konstitutiv ist: der strukturellen Abhängigkeit. Diese besteht darin, daß die assymetrische Integration in die weltwirtschaftlichen Strukturen, die auf stabilisierten internationalen Beziehungen beruhen, sich übersetzt in die interne Entwicklung der Länder. Die Konditionierung durch die Industriestaaten erzwingt „interne strukturelle Disparitäten“, wo nur eine deformierte Entwicklung zugelassen und jede autarke Entwicklung verhindert wird. Somit wird die Unterentwicklung von außen erzeugt und immer wieder erhalten. Ein besonderes Ausmaß dieser strukturellen Abhängigkeit zeigt sich darin, daß sich beispielsweise eine ganz spezifische Form der sozialen Unterentwicklung entfaltet: das Problem der Marginalität. Dieses wird bei der Vorstellung der beiden Werke Córdovas aber genauso konkreter erläutert wie die strukturelle Heterogenität, die Córdova als Folge der strukturellen Abhängigkeit definiert.
2.3 Theoretische Richtungen in der Dependenztheorie
Obwohl sich nun so etwas wie ein gemeinsamer Nenner der Dependenztheorie definieren läßt 21 , sollte um diese Grundaussagen nicht in einem falschen Licht erscheinen zu lassen, festgehalten werden, daß es zwei unterschiedliche Grundtendenzen 22 innerhalb der Dependenz-theorie gibt: zum einen die bürgerlich-nationalistische Richtung, die in gewisser Hinsicht Ähnlichkeiten mit dem oben erwähnten Desarollo-Ansatz aufweist, also auch die Entwicklung nach innen als primär ansieht. Bedeutende Vertreter dieses Ansatzes sind beispielsweise Osvaldo Sunkel, Furtado, Pinto. Sie gehen davon aus, daß die Unterentwicklung zunächst Ergebnis des Zusammenwirkens interner und externer Hindernisse ist, die vor allem intern beseitigt werden müssen. Die zweite Richtung ist die marxistische Richtung, die im begrifflichen Rahmen der politischen Ökonomie agierten, also die Herrschaftssicherung im Überbau anprangerten und am deutlichsten die ursprünglichen Imperialismustheorien ergänzten und neu auflegten. Bekannteste Vertreter sind hier André Gunder Frank, F.H. Cardoso, dos Santos und Armando Córdova. Das
19 Senghaas, Dieter, a.a.O., S. 11.
20 Vgl. hierzu Alt, Gerhard/ Wrobèl-Leitpold, Andreas, a.a.O., S. 23.
21 Ebenda, S. 23ff.
22 Mansilla, Hugo C.F., a.a.O., S. 58f.
Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien 6
Unterscheidungskriterium zwischen diesen beiden Richtungen liegt in der Betrachtung der Träger der Abhängigkeitsbeziehungen und der Rangordnung der Abhängigkeitsfaktoren. Doch anscheinend kann beiden theoretischen Richtungen unterstellt werden, daß sie vor allem ein „Fragment der lateinamerikanischen Suche nach authentischer Identität darstellen, der es um Selbsterkenntnis und Selbstverständnis geht“ 23 .
Im Folgenden soll nun nach einer kurzen Vorstellung des Autors, seiner Analysekategorien und seines Geschichtsverständnis seine beiden Werke zur Dependenztheorie dargelegt werden.
3 Die Dependenztheorie in zwei Werken Armando Córdovas
3.1 Zur Person des Autors
3.1.1 Der Kontext des Autors 24
Armando Córdova war zur Zeit, als die Werke „Die wirtschaftliche Situation Lateinamerikas“ und „Strukturelle Heterogenität und wirtschaftliches Wachstum“ 1971 und 1973 erschienen, Professor für Nationalökonomie an der Universidad Central de Venezuela. Er und sein Mit-autor bei zuerst genanntem Werk, Hector Silva Michelena, waren Mitglieder des Forschungsstabs am Institut für wirtschaftliche Forschung. Córdova galt damals als führender lateinamerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Dependenztheoretiker. Seine Werke stehen unter marxistischer Beeinflussung, was ihn zum Vertreter eines kritischen Denkens in Lateinamerika macht. Das Denken ist materialistisch, d.h. es geht von der historisch-sozialen Wirklichkeit des Menschen und seiner Vergesellschaftungsformen aus. Seine Bücher stellen einen Beitrag zur Morphologie der wirtschaftlichen Abhängigkeit der lateinamerikanischen Gesellschaften dar. Córdovas Kritik richtet sich vor allem gegen die seiner Meinung nach imperialistische Politik der Industriestaaten und gegen die Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung durch die dortigen Eliten, die mit den Eliten der Industriestaaten in einer Interessenssymbiose stehen. Weiterhin richtet sich seine Kritik gegen das Konzept der Entwicklungshilfe, das seiner Meinung nach die Ausbeutung nur fixieren will und auf die strukturellen Merkmale der Unterentwicklung kaum Rücksicht nimmt. Dies beabsichtigt er in seinen Werken um so mehr in den Vordergrund zu stellen.
23 Mansilla, Hugo C.F., a.a.O., S. 59.
24 Eine kurze biographische und kontextgebundene Einordnung des Autors Armando Córdova läßt sich auf beiden Deckelinnenseite dieser Werke nachlesen.
Arbeit zitieren:
Bettina Dettendorfer, 1999, Modernisierung, Dependenz und Unterentwicklung - Die Dependenztheorie im Rahmen der Modernisierungstheorien - Analyse und Kritik anhand von zwei ausgewählten Schriften Armando Córdovas, München, GRIN Verlag GmbH
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