Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Begriffsbegrenzung, Besonderheiten von Dual-Career Couples und Gründe für ihren
Bedeutungsanstieg. 2
2.1 Definitorische Bestimmung des Begriffs Dual-Career Couple. 2
2.2 Besonderheiten von Dual-Career Couples. 3
2.3 Bedeutungsanstieg von Dual-Career Couples durch soziokulturellen Wandel. 4
3 Berufliche und nicht-berufliche Koordination bei Dual-Career Couples. 5
3.1 Koordination zweier Karrieren. 6
3.1.1 Typologie der gemeinsamen Karriereplanung. 6
3.1.2. Muster einer gemeinsamen Karrierekoordination. 7
3.1.3 Commuting als Karrierekoordination und neue Lebensform. 8
3.2 Koordination von Karriere und Beziehung. 9
3.2.1 Vereinbarkeit von Karrieren und Familienplanung. 9
3.2.2 Aufteilung der Kinderbetreuung. 11
3.2.3 Aufteilung der Hausarbeit. 11
3.2.4 Einteilung von Freizeit und sozialen Kontakten. 12
4 Qualitative Vorzüge und negative Streßbereiche einer Dual-Career Beziehung. 13
4.1 Qualitätsbereiche: Erweiterte Autonomie und erhöhtes Selbstwertkonzept. 13
4.2 Streßbereiche in Interaktion und Identität. 14
4.2.1 Rollenkonflikt und Rollenüberlastung. 14
4.2.2 Konflikte in der Identität. 16
5 Lösungsstrategien für die Problematiken der Dual-Career Couples. 17
5.1 Personenzentrierte Strategien. 17
5.2 Paarzentrierte Strategien. 18
5.3 Strategien auf Seiten der Unternehmen. 18
6 Fazit. 20
7 Literaturverzeichnis 21
Dual-Career Couples: Karriere in Beruf und Beziehung 1
1 Einleitung
In den letzten Jahrzehnten vollzog sich in rasanten Schritten ein Wandel im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich, der traditionelle Wertverständnisse und Rollenmodelle aufweichen und teilweise sogar aufbrechen ließ. Erkennen lassen sich diese veränderten Wert-und Lebensvorstellungen nicht nur an der Vielzahl von Menschen, die bezüglich Lebensstil, beruflicher Karriere und partnerschaftlicher Beziehung nach individueller Selbstverwirklichung streben, sondern auch daran, daß dieses Ziel von Frauen und Männern gleichermaßen verfolgt wird. Die Zuständigkeitszuweisung der Reproduktionsarbeit an die (Ehe-)Frauen ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Immer mehr Frauen nehmen für sich die gleichen Rechte im privaten und beruflichen Umfeld wahr und erweitern gerade im Hinblick auf berufliche Karrieren ihre Möglichkeiten enorm. Die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit in den letzten Jahrzehnten ist dafür genauso ein Anzeichen wie die zunehmende Qualifizierung von Frauen, welche nicht nur zu einer höheren Akademikerinnenzahl, sondern gerade auch in der freien Wirtschaft zu immer mehr Frauen in Management und leitenden Positionen führt. Basierend auf diesen gesellschaftlichen Wandel von Wert- und Rollenvorstellungen weckt im angloamerikanischen Sprachraum schon seit Ende der 60iger Jahre eine Entwicklung das Interesse von psychologischer und soziologischer Forschung: das Phänomen der „Dual-Career Families“ oder der „Dual-Career Couples 1 “. Diese Doppelkarrierepaare, so die deutsche Übersetzung, sind heute schon längst keine Randgruppenerscheinung mehr. Eine Studie der Universität Chicago belegt, daß in den USA mittlerweile fast zwei Drittel aller Paare Doppelkarrierepaare sind 2 . Und auch für Deutschland ergibt eine Studie der Bundeswehruniversität Hamburg, daß Dual-Career Couples (DCCs) zehn Prozent der verheirateten Doppelverdiener ausmachen. Die Besonderheit der DCCs liegt darin, daß sie nicht einfach nur zwei Partner mit zwei Einkommen darstellen, sondern daß beide Partner, meist hoch qualifiziert und karriere-orientiert sind und sich beruflich verwirklichen wollen. Diese Zielsetzung von beiden Partnern erfordert nicht nur eine ungemeine Koordinationsarbeit zwischen beiden Karrieren, sondern auch große Abstimmung beider Karrieren und der Beziehung. Stress- und Problemsituationen sind daher vorprogrammiert.
In nachfolgender Hausarbeit soll genau diese Problematik der DCCs verdeutlicht werden. Nach einer kurzen Definition des zentralen Begriffs Dual-Career Couple und einer Darstel-
1 Diesebeiden Begriffe wurden geprägt von Rhona und Robert N.Rapoport, die in ihrem Beitrag: „The Dual-
Career Family“ in der Zeitschrift Human Relations zuerst das Forschungsinteresse auf Karrierepaare lenkten.
Vgl. dazu: Rapoport, Rhona; Rapoport, Robert N.: The Dual-Career Family, in: Human Relations, Jg. 22, Nr.1,
1969, S.1-30.
Dual-Career Couples: Karriere in Beruf und Beziehung 2
lung ihrer Besonderheiten werden nicht nur kurz die Gründe für die Bedeutungszunahme der DCCs angeführt, sondern in einzelnen Abschnitten die Problematik der unterschiedlichen Abstimmung zweier Karrieren bzw. der beiden Karrieren und der Beziehung aufgezeigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Darstellung der sozialen und psychologischen Problemfelder einer solchen doppelten Karrierebeziehung. Abschließend werden noch kurz individuelle, paarbezogene und unternehmensbezogene Abhilfen für die genannte Problematik aufgeführt.
2 Begriffsbegrenzung, Besonderheiten von Dual-Career Couples und Gründe für ihren Bedeutungsanstieg
2.1 Definitorische Bestimmung des Begriffs Dual-Career Couple
In den anfänglichen Forschungen zu Doppelkarrierepaaren prägten vor allem Rhona und Robert N. Rapoport die Definition einer Dual-Career Family. Sie verstanden darunter „a type of family structure in which both heads of household - the husband and the wife - pursue active careers and family lives. 3 “ DCCs sind also nicht darauf zu beschränken, daß sowohl der Mann als auch die Frau einer Erwerbsarbeit nachgehen, sondern zentraler Punkt dabei ist, daß beide Partner aktiv eine Karriere verfolgen und gleichzeitig das Familienleben gleichermaßen hoch schätzen. Der Begriff der Karriere wird demnach nicht nur als wichtiges Merkmal betrachtet, sondern bei Rapoport und Rapoport sogar als hervorstehendes persönliches Element eingeschätzt, das bestimmte Entwicklungsstufen durchläuft und immer einen hohen Grad an Engagement benötigt. 4 In Zusammenhang mit dem Begriff der Karriere ist für DCCs auch das Verständnis von „Arbeit“ charakteristisch: Arbeit wird definiert als „essentiell für den psychologischen Sinn von sich Selbst und als ein integrierter Bestandteil der persönlichen Identität“ 5 .
Doppelkarrierepaare wurden in den ersten Forschungen als verheiratete Paare definiert, die individuellen Karrieren nachgehen und zur selben Zeit eine Familie mit mindestens einem Kind etablieren wollen. Spätere Ansätze berücksichtigen jedoch soziokulturelle Wandlungstendenzen und beschränken sich nicht mehr nur auf eheliche Partnerschaften 6 . In neuesten
2 Erwähnung finden beide Studien in: Wiede, Thomas: Tanz nach Terminen, in: Wirtschaftswoche Nr. 49 vom
30.11.2000.
3 Rapoport, Rhona; Rapoport Robert N.: Dual-Career Families Re-examined, London 1976, S. 9.
4 Ebenda, S. 9f.
5 Domsch, Michel.E.; Laswig, Ariane (2): Dual Career Couples. Die unerkannte Zielgruppe, in: Gross, W.
(Hrsg.): Karriere 2000. Hoffnungen - Chancen - Perspektiven - Probleme - Risiken, Bonn 1998, S. 128.
6 Vgl. hierzu: Corpina, Piero: Laufbahnentwicklung von Dural-Career Couples - Gestaltung
partnerschaftsorientierter Laufbahnen, Bamberg 1996, S. 16ff.
Dual-Career Couples: Karriere in Beruf und Beziehung 3
Arbeiten, die sich dem Phänomen der Dual-Career Couples widmen, werden DCCs als „(Ehe)Paare mit oder ohne Kinder verstanden, wo beide Partner kontinuierliche oder weitgehend abgestimmte Laufbahnen im selben oder unterschiedlichen Unternehmen anstreben und gleichzeitig über weite Strecken gemeinsames und weitgehend gleichberechtigtes (Familien-) Leben führen 7 .“ Die Institution Ehe ist somit keine Charakteristikum für Doppelkarrierepaare, wohingegen der Beruf und die Beziehung zu zentralen Kernelementen der Lebensbiographien beider Partner gehören. Auch im Folgenden wird Karriere als eine sich ständig nach oben entwickelnde berufliche Positionsabfolge (in Sinne der traditionellen Hierarchie) aufgefaßt 8 . Die besondere Konstellation der Lebensform der DCCs liegt demnach darin, daß sie zwei berufliche Karrieren vereinbart, aber trotzdem stark beziehungsorientiert ist. Die Abstimmung der Karrieren und Beziehungspläne stehen im Vordergrund und führen zu einer Reihe von Problem- und Streßbereichen. Dual-Career Partner haben somit mindestens zwei Rollen: die des Berufes und die der Partnerschaft, welche beide mit ihren Verantwortlichkeiten und Handlungsspielräumen vereinbart werden müssen
2.2 Besonderheiten von Dual-Career Couples 9
Um die nachfolgend aufgeführten Problematiken einer Dual-Career Beziehung richtig zu interpretieren, ist es nötig, einige Besonderheiten von DCCs aufzuführen, welche sie von anderen, doppelt erwerbstätigen (Ehe-) Paaren unterscheidet.
Der wesentliche Unterschied zu den sogenannten „Dual-Earner Familien“ liegt darin, daß DCCs ihre beruflichen Belange nicht nur mit den Anforderungen des Familienlebens abstimmen müssen, sondern ebenso mit der beruflichen Karriere ihres Partners. Dies führt zu einem hohen Abstimmungsbedarf bei strategischen Entscheidungen wie beispielsweise der Zeitpunkt der Familiengründung als auch zu einem hohen Abstimmungsbedarf bezüglich der Dinge des täglichen Lebensablaufs wie Arbeit im Haushalt, Kinderbetreuung oder gemeinsame Freizeit. Zu einem besonders hohen Abstimmungsbedarf kommt es im Fall von beruflicher Mobilität eines Partners, denn nicht selten kommt es durch einen Positionswechsel auch zu einem Wohnungswechsel und damit zu beruflichen Nachteilen für den anderen Partner oder zu privaten Nachteilen, wenn ein Doppelhaushalt geführt werden sollte. Damit eng verbunden ist eine besondere Belastung für DCCs: die Frage der Zeitressourcen. Da DCCs zur Etablierung und Verfolgung ihrer beiden Karrieren gewöhnlich sehr viel Zeit
8 Domsch, Michel E.; Krüger-Basener, Maria(2): Personalplanung und -entwicklung für DCCs, in: Rosenstiel,
Lutz von; Regnet, Erika; Domsch, Michel E. (Hrsg): Führung von Mitarbeitern. Stuttgart 1995, S. 548.
9 Eine ausführliche Darstellung der Besonderheiten findet sich in: Ebenda, S. 549ff.
Dual-Career Couples: Karriere in Beruf und Beziehung 4
und Energie investieren, scheint gerade der private Bereich, also das Beziehungs- und Familienleben sowie die Sozialkontakte zu anderen Menschen der Bereich zu sein, für den oft nur noch wenig Zeit bleibt. Ein Problemfeld, das im Nachfolgenden in einigen Punkten aufgegriffen wird. Hier deutet sich bereits ein weiteres Merkmal von Dual-Career Männer und Frauen an: beide sind oftmals gekennzeichnet von einer überdurchschnittlich hohen Leistungsbereitschaft in ihre berufliche und „private Karriere“. Große finanzielle und körperliche Investitionen in Berufs - und Privatleben sind dabei eine Selbstverständlichkeit und kommen nicht nur bei getrennten Wohnsitzen vor. Angeregt wird diese hohe Leistungsbereitschaft nicht nur durch gegenseitige Unterstützung, sondern, so eine Studie der Bundeswehruniversität Hamburg 1987, auch wegen „stimulierendem Konkurrenzdenken zum Partner“ 10 . Finanzielle Investitionen in Berufs- oder Privatleben fallen DCCs jedoch leichter als anderen Nicht-Karrierepaaren. Denn dadurch, daß sowohl der Mann als auch die Frau in ihren Laufbahnen ein überdurchschnittliches Einkommen erzielen, sind sie im Schnitt finanziell unabhängiger als andere Paare. Eine Unabhängigkeit, welche sie zur Koordination ihrer Karrieren und ihres Beziehungs- oder Familienlebens auch benötigen, wie weiter unten dargestellt wird.
2.3 Bedeutungsanstieg von Dual-Career Couples durch soziokulturellen Wandel
Wie im einleitenden Abschnitt bereits Erwähnung fand, läßt sich der Bedeutungsanstieg der Karrierepaare vor allem auf den soziokulturellen Wandel der letzten Jahrzehnte zurückführen. Der wohl bedeutendste Faktor liegt in einem gesellschaftlichen Wertewandel, welcher die Einstellung zu Arbeit und Familie entscheidend beeinflußte. Individuelle Selbstverwirklichung führt zum Teil dazu, daß für Männer Beziehung oder Familie zu einem gleichberechtigten Ort neben dem Beruf wird und Frauen ihre Identität zunehmend auch aus beruflicher Erwerbstätigkeit oder gar Karriere schöpfen 11 . Verbunden mit diesem Wertewandel läßt sich auch ein Wandel der Familie verzeichnen 12 . Die traditionelle Kernfamilie ist nicht mehr haltbar, so daß mehr und mehr alternative und partnerschaftliche Lebensformen eine wichtige Rolle spielen. Die Ehe gehört nicht mehr unmittelbar zum strikt einzuhaltenden Lebensplan, so daß es gerade auch bei Frauen nicht mehr nur die starre „Normalbiographie“ gibt, sondern wie Ulrich Beck vorschlug, der Lebenslauf oft zur selbst gestaltbaren „Wahlbiographie“ wird.
10
Die Studie, welche die hohe Leistungsbereitschaft, Konkurrenzdenken und gegenseitige Förderung unter
DCCs untersucht, findet Eingang in: Domsch, Michel E.; Krüger-Basener, Maria (2), a.a.O., S. 549.
11 Eine ausführliche Darstellung des Wertewandels und seiner Auswirkung auf männliche und weibliche
Karriere- und Beziehungswerte findet sich in: Corpina, Piero, a.a.O., S. 23ff.
Darüber hinaus wird der Wandel in wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht zwar als Faktor anerkannt,
findet jedoch in dieser Hausarbeit keinen weiteren Eingang. Aspekte dazu vgl. Ebenda, S. 2ff.
12 Die Ausführungen sind nach zu lesen in :Corpina, Piero: a.a.O.., S. 39ff.
Dual-Career Couples: Karriere in Beruf und Beziehung 5
Dieses weibliche Selbstbewußtsein und die zunehmende Entwicklung von nicht ehelichen Lebensgemeinschaften können somit ebenso zu einer Zunahme von DCCs geführt haben, wie die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit. Der Wandel der weiblichen Erwerbssituation ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen 13 . Das traditionell-funktionale Rollenbild der Frau mit dem Leben am Herd für die Familie wurde seitdem kontinuierlich aufgebrochen. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Angleichung der Bildungschancen für Mädchen und Frauen an die Bildungsmöglichkeiten von Jungen und Männern. In den letzten Jahrzehnten stieg gerade auch im Hochschulbereich der Frauenanteil enorm an, so daß sich Frauen die nötigen Qualifikationen verschafften, um qualifizierte Berufstätigkeiten aufzunehmen und beruflich unabhängiger zu werden. Der gestiegene Anteil von Frauen in Management und führenden Positionen in den traditionellen „Männerdomänen“ ist dafür bezeichnend. Diese Entwicklung ist heutzutage sicherlich noch nicht abgeschlossen und wird deshalb künftig in stärkerem Maße den Forschungsschwerpunkt auf Frauen und Männern in Dual-Career-Beziehungen lenken müssen.
3 Berufliche und nicht-berufliche Koordination bei Dual-Career Couples
Die wohl entscheidende Aufgabe im Leben von Karrierepaaren beinhaltet die Koordination bzw. Integration zweier Laufbahnen mit einem Beziehungsgefüge, denn wie oben bereits festgehalten wurde, räumen die beiden Partner der Beziehung neben den eigenen Karrieren eine wichtige Stellung ein. Die Partnerschaft wird als „...‘dritte Laufbahn‘ (.) zum ruhenden Pol, um den die beruflichen Laufbahnen kreisen, ein Bezugspunkt aller laufbahnbezogener Aspekte...“ 14 . Piero Corpina geht sogar davon aus, daß beide Partner bei der Koordinationsleistung mittels einer fairen Verteilung von Chancen, Pflichten und Restriktionen ihre individuellen Karrieren ein Stück weit für ihre gemeinsame Laufbahnentwicklung opfern müssen. Die beiden Aufgabenbereiche der Abstimmung der individuellen Laufbahnen bzw. ihrer Ko-ordination und die Vereinbarung über eine gemeinsame Beziehung ist seiner Einschätzung nach somit geprägt von kompromisshaftem Handeln 15 .
13 Der Wandel von Qualifizierung, Erwerbstätigkeit und Familienarbeit wird im Überblick dargestellt in: Dienel,
Christiane: Frauen in Führungspositionen in Europa, München 1996, S. 55ff.
14 Corpina, Piero: a.a.O., S. 49.
Arbeit zitieren:
Bettina Dettendorfer, 2001, Dual Career Couples - Karrierre in Beruf und Beziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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