Feindbildkonstruktion in den Medien
von: Claudia Felber
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Begrifferläuterungen 3
2.1 Der Begriff des Konstruktivismus 3
2.2 Der Begriff des Feindbildes 5
2.2.1 Stereotyp 6
2.2.2 Vorurteil 7
2.2.3 Image 7
3. Funktionen von Feindbildern 8
3.1 Die Funktionen Ordnung und Orientierung 8
3.2 Feindbilder als Produzenten und Stabilisatoren von Identität 10
4. Zustandekommen von Feindbildern 11
5. Der Anteil der Medien an Feindbildern 13
6. Der Nutzen der Feindbildverbreitung für das Mediensystem 15
7. Die Produktion und Stabilisation von Feindbildern durch die Medien 17
8. Fazit und Lösungsansätze 22
9. Literaturliste 25
1. Einleitung
Feindbilder sind allgegenwärtig. Sie finden sich auf der Ebene des Individuums, der Gesellschaft und auch des Internationalen Systems und fungieren dabei mit Hilfe ihrer inkludierten Vereinfachungen als Strukturierung komplexer Zusammenhänge. Somit sind Feindbilder also ein Mittel zum Zurechtfinden und Verstehen innerhalb von Gesellschaften. Auf der anderen Seite impliziert der Begriff des Feindbildes bereits seine negative Komponente. Die Einteilung in Freund und Feind wird durch ihn erst ermöglicht und schafft dadurch die Grundlage für verschiedenartige Konflikte.
In weitaus geringerem Maß als die Folgen von Feindbildern sind deren Ursachen geklärt. In der Wissenschaft mangelt es bislang noch an einer detaillierten und umfassenden Analyse über Feindbildentstehung und den Anteil, den die damit in Verbindung gebrachten Akteure haben. Allerdings besteht wenig Zweifel, dass gerade die Massenmedien einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Produktion und Reproduktion von Feindbildern leisten. Dabei greifen die Medienschaffenden nicht nur auf in der Gesellschaft bestehende Bilder zurück, sondern sind auch in der Lage, neue zu implementieren, gar zu konstruieren. Ausgehend davon beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Fragen, auf welche Art und Weise und zu welchem Zweck die Feindbildkonstruktion in den Medien stattfindet. Zudem muss - soweit möglich - untersucht werden, wie groß der Einfluss der Massenmedien auf gesellschaftliche Feindbilder tatsächlich ist, um daran anschließend Überlegungen zur Notwendigkeit des Abbaus aufzeigen zu können. Stellt sich heraus, dass die Feindbildkonstruktion in den Medien einen verstärkenden Effekt auf die gesellschaftlichen Feindbilder besitzt oder diese sogar erst entstehen lässt, müssen die Massenmedien und ihre Akteure sich konfrontiert sehen mit dem Vorwurf der Konfliktschürung. Dies würde die erwartete Aufgabe der möglichst neutralen Berichterstattung beziehungsweise die häufig gewünschte Funktion der Konfliktschlichtung konterkarieren.
Um das voran stehende Erkenntnisinteresse verfolgen zu können, bedarf es zunächst der Klärung und Abgrenzung der verwendeten Begrifflichkeiten. Dazu werden im ersten Abschnitt der Arbeit die Begriffe Feindbild, Stereotyp, Vorurteil und Image geklärt, wobei letztere drei aufgrund ihrer thematischen Nähe zur Konkretisierung des ersteren beitragen können. Zudem muss kurz auf die Theorie des Konstruktivismus eingegangen werden, da diese als Ausgangspunkt für den Umgang mit den Diskursen und der spezifischen Realität von Medien dient. Von der Abbildtheorie, also der Vorstellung von Medien als bloße Abbildungsinstitutionen von Realität, wird Abstand genommen, da die Auswahl von Wort und Bild bereits verbunden ist mit einer Verzerrung der Wirklichkeit. Der Konstruktivismus erklärt gerade für den Bereich der Sprache einleuchtend die Schaffung einer eigenen, von der tatsächlichen entfernten Welt.
Im Folgenden wird auf theoretische Fragen zum Feindbild im Allgemeinen Bezug genommen und dabei vor allem dessen Funktionen und Zustandekommen betrachtet. Diese Reflexionen bilden die Grundlage für die vertiefte Auseinandersetzung mit Feindbildern in den Medien. Zunächst soll dafür in Abschnitt 5 die Frage nach dem Anteil der Medien an Feindbildern im Zentrum stehen. Darauf folgen Überlegungen über den spezifischen Nutzen der Verbreitung von Feindbildern für das Mediensystem, um schließlich den Fokus auf die Produktion von Feindbildern innerhalb der Massenmedien zu legen. Anschließend beschäftigt sich der letzte Teil der Arbeit mit dem Problem des Abbaus von Feindbildern und versucht, aus der Zusammenführung der verschiedenen Aspekte Handlungsoptionen zu generieren. Aufgrund der weiten Verbreitung und allgemeinen Zugänglichkeit von Presse und Fernsehen in Deutschland wird sich die Arbeit auf diese Medienprodukte beschränken. Außerdem geht mit diesen auch der für die Feindbildkonstruktion wichtige Aspekt der Visualisierung (sowohl in Schrift und Bild) einher. Die Ausführungen basieren auf einer Sekundärliteraturanalyse.
2. Begrifferläuterungen
Sowohl der Begriff des Feindbildes als auch der des Konstruktivismus werden häufig unpräzise und uneindeutig verwandt. Gleichzeitig bestehen in der Wissenschaft unterschiedliche Auffassungen über ihren Sinngehalt. Eine umfassende Darlegung der bestehenden Differenzen in den Forschungsrichtungen kann und soll hier nicht stattfinden. Nachstehend soll lediglich kurz auf das der Arbeit zugrunde liegende Begriffsverständnis eingegangen werden. Im Fall des Konstruktivismus beschränke ich mich dabei auf die für den Umgang mit Medien entscheidenden Faktoren, wohingegen der Begriff des Feindbildes umfangreicher und vor allem in Abgrenzung zu häufig synonym verwandten Begriffen erläutert wird.
2.1 Der Begriff des Konstruktivismus
In der Umgangssprache wird der Begriff Konstruktivismus verwendet, wenn angezeigt werden soll, dass etwas planvoll hergestellt wird. Dieses Verständnis spielt in der sozialwissenschaftlichen Debatte allerdings keine Rolle.1 Dort wird mit Konstruktivismus der Theoriestrang bezeichnet, der sich mit der Untersuchung über die Art und Weise der Wirklichkeitserschaffung durch den Menschen auseinandersetzt. Dabei können individuelle und gesellschaftliche Prozesse im Vordergrund stehen. Als zentrale Aussagen generierbar sind dabei die Idee, dass es nicht eine Wirklichkeit, sondern unendlich viele gibt und dass, das einzige Wissen über die wirkliche, falls existente Realität das Nichtwissen über diese ist. Für den Konstruktivismus ist demzufolge Wissen nicht als Abbild der externen Wirklichkeit zu verstehen, sondern als eine Funktion innerhalb des Erkenntnisprozesses.2 Im Rahmen dieses Prozesses bilden sich die Entwürfe der Wirklichkeit nicht willkürlich heraus, sondern sind als Produkt zu verstehen von sozialen, kognitiven und biologischen Bedingungen, über die allerdings von den Individuen nicht verfügt werden kann. Die Konstruiertheit der jeweils eigenen Wirklichkeit gerät erst ins Bewusstsein, wenn der Einzelne beobachtet, wie er beobachtet und kommuniziert.3 Letzteres deutet auf einen für die Analyse von Medien entscheidenden Faktor hin. Sprache produziert Wirklichkeiten und bereits Wittgenstein hat darauf verwiesen, dass die Grenzen des einzelnen Weltbildes in den Grenzen der Sprache zu finden sind.4
[...]
1 Schmidt, Siegfried J.: Die Wirklichkeit des Beobachters, in: Merten, Klaus/Ders./Weischenberg, Siegfried (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien, Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft, Opladen 1994, S.5.
2 Duschlbauer, Thomas W.: medium. macht. manipulation, Aspekte zu Medien, Kultur und Psychologie, Wien 2004, S.40.
3 Schmidt, Siegfried J.: Die Wirklichkeit des Beobachters, a.a.O., S.5.
4 Duschlbauer, Thomas W.: medium. macht. manipulation., a.a.O., S.40.
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Claudia Felber, 2006, Feindbildkonstruktion in den Medien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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