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Das Drama Minna von Barnhelm nicht im Zusammenhang mit dem Siebenjährigen Krieg und dessen Auswirkungen zu betrachten erscheint unsinnig. Vielmehr ist es geradezu zwingend erforderlich sich ein Bild über die damaligen Verhältnisse in Preußen, die militärischen Strukturen und die gesellschaftlichen Begebenheiten, die durch den Krieg hervorgerufen wurden, zu machen. Daher beschäftige ich mich im ersten Teil meiner Arbeit kurz mit den Kriegsjahren. Das zweite Kapitel beschreibt dann umfangreicher die Lage nach Kriegsende. In beiden Kapiteln nehme ich Bezug auf das Drama, sofern Anlass dazu gegeben ist. Im dritten Abschnitt befasse ich mich mit der Dramenfigur des Major Tellheim und versuche zu erläutern, ob diese Figur den Standard eines preußischen Offiziers, wenn auch eines abgedankten, und den wirklichen Umständen entsprach. Zur Quellensituation lässt sich sagen, dass an Sekundärliteratur über das Drama an sich einiges gefunden werden kann. Zur Bearbeitung meines Themas war jedoch ein großer Teil davon kaum brauchbar. Größtenteils berufe ich mich daher auf die Abhandlung Joachim Dycks, der es, wie ich meine, sehr gut verstand, die Umstände der damaligen Zeit, sowohl die militärischen, als auch die sozialen, wiederzugeben und verständlich zu machen. 'HU6LHEHQMlKULJH.ULHJ Preußen im Siebenjährigen Krieg
Um das von Friedrich den Großen im 1. und 2. Schlesischen Krieg eroberte Schlesien zurückzugewinnen, verbündete sich Österreich u.a. mit Russland und Frankreich. Preußen stand nur im Bunde mit Großbritannien. Nach Siegen und Niederlagen beider Seiten konnte sich Preußen nach dem Ausscheiden Russlands durchsetzen und im Frieden von Hubertusburg seine Großmachtstellung behaupten.
Die Kriegserfolge verdankte Preußen der militärischen Stärke, die durch die von König Friedrich II. verkündete Forderung nach „Disziplin, Gehorsam und Pünktlichkeit“ zu maximieren versucht wurde. Selbst die leiseste Kritik an Anordnungen eines Ranghöheren war strengstens verboten. Zudem wurden Offiziere sogar angewiesen, sich allen Umgang mit Bürgerlichen zu enthalten, um ihre ganze Aufmerksamkeit dem Militärapparat zukommen zu lassen. 1
Rolle der Offiziere
Zu dieser Zeit setzte sich der Offiziersstand ausnahmslos aus Personen des Adels zusammen und galt als erster Stand der Gesellschaft. Dennoch betrachtete der Kriegsherr Friedrich II. seine Offiziere als bloßes Werkzeug, das in allen Fällen austauschbar sei. Weiterhin konnten die Offiziere vom Sold
1 Dyck 46f
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nicht standesgemäß leben. In ihrer Funktion als Kompaniechef waren sie so etwas wie Unternehmer auf Gewinn und Verlust, und mussten mit dem zur Verfügung stehendem Geld haushalten, konnten aber auch z.B. durch Handel die Kriegskasse aufbessern. 2 Aus zeitgenössischen Quellen wurde ermittelt, dass Major Tellheim mit seiner Kompanie 2700-3000 Taler im Jahr verdienen konnte, was heutzutage rund 60000-70000 ¼HQWVSULFKW 3
Lazarettwesen
Da Just einige Zeit im Lazarett lag(I,8), werde ich mich auch kurz mit diesem Aspekt befassen. Just sagt selber, dass Tellheim ihn dort hätte krepieren lassen sollen. Wahrscheinlich wäre das passiert, hätte Tellheim nicht eingegriffen, denn um das preußische Lazarettwesen war es nicht gut bestellt, insbesondere im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Zum einen war die medizinische Versorgung und die Zahl der Ärzte unzureichend, zum anderen war das Befördern der Verwundeten vom Schlachtfeld auf Befehl des Königs untersagt, was dazu führte, das den erst nach Schlachtende Eingelieferten kaum noch geholfen werden konnte und die Zahl der Kriegsopfer auf preußischer Seite mit 180.000 Soldaten sehr hoch war.
1DFKNULHJVVLWXDWLRQ±DOOJHPHLQXQGLP'UDPD Freibataillone
Die preußischen Freibataillone setzten sich hauptsächlich aus ausländischen Soldaten zusammen, wodurch das Ansehen dieser Truppenteile bei den einheimischen Einheiten verhältnismäßig gering war. Nach Kriegsende wurden diese Bataillone aus Kostengründen aufgelöst. Insgesamt waren 15000 Männer davon betroffen, sodass Offiziere wie Mannschaftssoldaten ab 1763 ziellos umherirrten.
Major Tellheim, aus Kurland stammend und damit ebenfalls Ausländer in Preußen, traf zusammen mit seiner Einheit das gleiche Schicksal. 4
Desertion
Allgemein lässt sich feststellen, dass die Desertion Armeeangehöriger in Preußen in den Zeiten stärker anstieg, in denen es schlechter um das Land stand. In und nach dem Siebenjährigen Krieg war dies der Fall. Kröger meint sogar, dass die Desertion, trotz harter Strafen, gang und gäbe war. 5 Auch Tellheims Einheit ist davon betroffen. Deutlich wird dies im Gespräch zwischen Franziska und Just in Kapitel III,2. Auf die Frage Franziskas, wo denn die anderen Bedienten des Majors seien, antwortet Just mit „dahin, dorthin, überall hin“.
2 Dyck 101, 104, 107f 3 Dyck 108
4 Dyck 83-85; Kröger 18
5 Kröger 17
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Arbeit zitieren:
Stefan Schusterbauer, 2002, Minna von Barnhelm als Nachkriegsdrama, München, GRIN Verlag GmbH
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