Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kulturelle Leitbilder, Wertvorstellungen und berufliches Selbstverständnis 6
2.1 Bildungsbürgerliches Selbstverständnis und bedrohte Kultur des Abendlandes 6
2.2 Film und Fernsehen als kulturelle Gefahr 9
2.3 Gesellschaftliches Ansehen des Lehrerberufs und Bezahlung. 11
3. Schlussbetrachtung. 15
4. Literaturverzeichnis. 16
Quellen 16
Forschungsliteratur. 17
2
1. Einleitung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges litten die Deutschen nicht nur unter den materiellen Folgen des Krieges und der ungewissen Zukunft, auch die gesellschaftliche Ordnung war erheblich gestört worden und konnte sich erst allmählich neu formieren.
Obwohl die bürgerliche Oberschicht gerade einmal 5% der westdeutschen Bevölkerung ausmachte, hatte sie offenbar maßgeblichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung im Wiederaufbauprozess. Im Rahmen dieser Arbeit soll am Beispiel der Hamburger Lehrer untersucht werden, von welchen Wertvorstellungen die Akademiker geprägt waren und welches berufliche Selbstverständnis sie hatten.
Dazu wurden die zwischen 1950 und 1960 erschienenen Ausgaben der Hamburger Lehrerzeitung (HLZ) untersucht. Die HLZ erschien als offizielle Verbandszeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg seit 1949 mit 18 Ausgaben jährlich.
Die vorliegende Arbeit geht zunächst der Frage nach, von welchen Wertvorstellungen die westdeutschen Lehrer nach Kriegsende getragen waren und welche kulturellen Leitbilder sie daraus in den 50er Jahren entwickelten.
Im zweiten Teil werden Film und Fernsehen eingehender behandelt: wie beurteilten die Pädagogen den Einfluss der Massenmedien, und wie begegneten sie der zunehmenden Ausbreitung von Film und Fernsehen?
Zuletzt steht die Frage nach dem beruflichen Selbstverständnis der Lehrer im Mittelpunkt. Es wird untersucht, wie sie ihre eigene Arbeit bewerteten, wie diese Arbeit ihrer Ansicht nach gesellschaftlich honoriert wurde und welche konkreten Forderungen zur Bezahlung sie daraus ableiteten.
Gerwin Schefer veröffentlichte 1969 seine Dissertation „Das Gesellschaftsbild des Gymnasiallehrers“ 1 . Er wertet darin Befragungen von 384 Gymnasiallehrern zu ihrem beruflichen Selbstverständnis und ihren Einstellungen zu Bildung, Schule, Kultur und Gesellschaft aus. Schefer stellt fest, dass das Gesellschaftsbild des Gymnasiallehrers
1 Schefer, Gerwin, Das Gesellschaftsbild des Gymnasiallehrers, Gießen 1969.
3
Ende der 60er Jahre noch immer sehr statisch und von konservativen Vorstellungen geprägt ist. Er folgert, dass die Gymnasiallehrer nicht als Träger von Modernität gelten können, sondern vielmehr ein Hindernis für progressive Reformen darstellen. Schefers Studie kann auch für den Untersuchungszeitraum der 50er Jahre als sehr aufschlussreich gelten, da sich die Wertvorstellungen und Ansichten der Lehrer über einen langen Zeitraum herausgebildet hatten und die Ergebnisse seiner Studie somit auch auf die 50er Jahre übertragbar sind.
Hannes Siegrist charakterisiert in seinen beiden 1994 2 und 1995 3 erschienenen Aufsätzen die Situation der Akademiker zwischen 1945 und 1965. Er beschreibt ihr Selbstverständnis als geistige Elite und ihren sich daraus ergebenden Führungsanspruch. Durch den Einfluss der akademischen Berufsverbände war es ihnen möglich, gemeinsame Forderungen und ihre bildungsbürgerliche Ideologie in der Gesellschaft durchzusetzen. Siegrist kommt zu dem Schluss, das Bildungsbürgertum sei insgesamt eine wichtige Trägergruppe im Wiederaufbauprozess gewesen und habe sich schnell in Politik und Öffentlichkeit etablieren können.
Georg Bollenbeck untersucht 1994 in „Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters“ 4 die Entwicklung des Kulturbegriffs und des Bildungsideals über die Jahrhunderte. Er stellt fest, dass es in den 50er Jahren zu einer starken und teilweise übertriebenen Aufwertung des Kulturbegriffs kam. Es sei vielmehr nur der Begriff hoch gehalten worden, die abendländische Kultur aber kaum wirklich gepflegt worden.
2 Siegrist, Hannes, „Der Wandel als Krise und Chance. Die westdeutschen Akademiker 1945-1965“, in:
Tenfelde, Klaus / Wehler, Hans-Ulrich (Hrsg.), Wege zur Geschichte des Bürgertums, Göttingen 1994, S.
289-314.
3 Siegrist, Hannes, „Der Akademiker als Bürger. Die westdeutschen gebildeten Mittelklassen 1945-1965
in historischer Perspektive“, in: Fischer-Rosenthal, Wolfram / Alheit, Peter (Hrsg.), Biographien in
Deutschland. Soziologische Rekonstruktionen gelebter Gesellschaftsgeschichte, Opladen 1995, S. 118-
136.
4 Bollenbeck, Georg, Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters,
Frankfurt/Main 1994.
4
In seinem 2000 erschienenen Aufsatz „Bürgerliche Gesellschaft und kleinbürgerliche Geborgenheit“ 5 erklärt Axel Schildt, dass sich bürgerliche Moral- und Wertvorstellungen in den 50er Jahren in größeren Teilen der Gesellschaft durchsetzen und festigen konnten. Die Grenzen zwischen bürgerlicher Oberschicht und der Masse der Bevölkerung seien in diesem Zeitraum zunehmend verschwommen, der Begriff „bürgerlich“ verlor seine negative Konnotation und ein bürgerlicher Lebensstil sei für viele erstrebenswert gewesen.
5 Schildt, Axel, „Bürgerliche Gesellschaft und kleinbürgerliche Geborgenheit“, in: Althaus, Thomas
(Hrsg.): Kleinbürger. Zur Kulturgeschichte des begrenzten Bewusstseins, Tübingen 2001, S. 295-312.
5
Arbeit zitieren:
Christian Schulze, 2004, Kulturelle Leitbilder, Wertvorstellungen und berufliches Selbstverständnis westdeutscher Lehrer in den 50er Jahren, München, GRIN Verlag GmbH
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