Inhaltsverzeichnis
Seite :
1. Einleitung. 1
2. Modelle monopolistischer Konkurrenz mit Transportkosten 2
2.1. Das Grundmodell von Krugman (1980) 2
2.2. Erweiterung auf zwei Länder 4
2.3. Erweiterung nach Helpman-Krugman (1985) 7
2.4. Ausblick von Krugman und kritische Würdigung vorgenannter
Modelle 8
3. Kritik von Davis 9
3.1. Sind in der Realität die Transportkosten von homogenen und
differenzierten Produkten verschieden hoch? 10
3.2. Transportkosten nur bei differenzierten Gütern 10
3.3. Identische Transportkosten in beiden Produktkategorien 11
3.4. Transportkosten des differenzierten Gutes in „ungewöhnlicher“
H öhe 13
4. Zusammenfassung und Ausblick 15
5. Literaturverzeichnis. 16
6. Anhang 18
Jens Becker Seite II
1. Einleitung
Warum handeln Länder überhaupt miteinander?
Die vorherrschende Meinung stützte sich auf die „Neoklassische Handelstheorie“ mit ihren komparativen Vorteilen 1 . Steffan Burenstam Linder veröffentlichte 1961 „An Essay on Trade and Transformation“, in dem er unter anderem behauptete, dass Länder dazu neigen, die Waren zu exportieren, bei denen ihre eigene Inlandsnachfrage sehr hoch ist.
Allerdings konnte die Neoklassische Handelstheorie diesen veränderten Produktions- und Handelsstrukturen nicht mehr gerecht werden, denn ihrer Theorie zufolge führt ein Nachfrageanstieg zu einem Anstieg der Importe dieses stark präferierten Gutes.
Obwohl Burenstam Lindner eine analytische Untermauerung schuldig blieb, erschien vielen Beobachtern diese Hypothese intuitiv plausibel und erzeugte eine umfangreiche empirische Literatur. Die sogenannte „Neue Handelstheorie“ wurde damit geboren. Schließlich wurden von Krugman (1979 u. 1980) und Helpman (1981) Modelle entwickelt, die u.a. unterstellen, dass es unvollständige Konkurrenz, Transportkosten und Massenproduktionsvorteile, d.h. steigende Skalenerträge, gibt. Diese Annahmen sind realitätsnäher als die idealtypischen Modelle der Neoklassischen Handelstheorie mit vollständiger Konkurrenz und ohne jegliche Kosten für den Transport. Krugman zeigte, dass auf unvollkommenen Märkten überproportionale Nachfragestrukturen innerhalb eines Landes und positive Handelskosten den Produzenten Anreize gebe, die Produktion des überproportional nachgefragten Gutes im größeren Nachfragemarkt zu konzentrieren und somit die verhältnismäßig kleinere Nachfrage der anderen Länder von dort zu bedienen. Dies führe dazu, dass dieses Gut nicht importiert, sondern exportiert wird.
Krugman titulierte dies als „home market effect“ und die Herleitung und Erklärung genau dieses Effektes, sowie die Erweiterung dieser Modelle von Helpman und Krugman (1985) bildet den ersten von zwei Schwerpunkten dieses vorliegenden Papiers (Kapitel 2).
Davis (1998) zeigte, dass unter gewissen Prämissen der „home market effect“ nicht auftreten wird (vgl. Kapitel 3). Dies wird den zweiten Schwerpunkt dieser Arbeit ausmachen.
1 Beispiele hierfür sind das „Heckscher-Ohlin-Modell“ und das „Ricado-Modell“.
Jens Becker Seite 1
Eine Zusammenfassung und ein kurzer Ausblick bilden in Kapitel 4 den Schluss dieses Papiers.
2. Modelle monopolistischer Konkurrenz
mit Transportkosten
Durch das Modell von Krugman (1980), welches in seinen Grundzügen im Kapitel 2.1 vorgestellt werden wird, soll gezeigt werden, dass jedes Land mit der entsprechenden Industrie, die das Produkt mit der relativ größeren Inlandsnachfrage herstellt, als Nettoexporteur 2 auftritt. In den Kapiteln 2.2 bis 2.3 werden Modifikationen des Modells von Krugman (1980) vorgenommen und schließlich im Kapitel 2.4 eine vorläufige Bilanz gezogen.
2.1. Das Grundmodell von Krugman (1980) 3
Es soll angenommen werden, dass es zwei Kategorien von Produkten, nämlich alpha und beta gibt, die wiederum viele verschiedene Produkte innerhalb ihrer Kategorie beinhalten können. Die alpha-Produkte werden als 1 c ,..., n c bezeichnet und die beta-Produkte zusätzlich mit einer Tilde ~ c ~ . versehen, also 1 c ,..., n
Die Annahme dieser beiden Gruppen erfolgt, weil so die Bevölkerung in zwei Konsumgruppen geteilt werden kann.
Der erste Teil der Bevölkerung soll mit „ L “ bezeichnet werden und ~ “
konsumiert nur alpha-Produkte, während der zweite Teil mit „ L bezeichnet werden soll, der nur beta-Produkte konsumiert. ~ des jeweiligen
Folglich kann man eine Nutzenfunktion U bzw. U Bevölkerungsteils durch Aggregation wie folgt darstellen:
Es wird angenommen, dass identische Typen für die Kostenfunktion 5 der beiden Produktkategorien vorherrschen: (2) l = α + x i mit , i = 1, ..., n und β β α , > 0
i
~ = ~ mit j = 1,..., n ~ (3) β α + l x
j j
2 Nettoexporteur bedeutet, dass sowohl Importe wie auch Exporte auftreten können, aber
die Differenz von Export und Import positiv ist.
3 Vgl. Krugmann (1980), S.950-956
4 Aus Vereinfachungsgründen soll hier θ für beide Funktionen gleich gesetzt werden.
5 An den Gleichungen (2) und (3) kann man sehr schön sehen, dass es in dem Modell von
Krugman nur einen Produktionsfaktor, nämlich Arbeit, gibt. Jens Becker Seite 2
~ die Arbeit ist, die in der jeweiligen Kategorie zur
wobei i l bzw. j l
~ den Output der jeweiligen Produktion eingesetzt wird und i x bzw. j x
Kategorie darstellen soll. n bzw. n ~ steht für die Anzahl der Waren. 6
Folglich wird eine Kostenfunktion mit Fixkosten (α ) und konstanten Grenzkosten ( β ) angenommen.
Die Produktion der Waren muss gleich der Summe des Verbrauchs der einzelnen Personen sein. Noch spezieller kann gesagt werden, dass die ~ )
gesamte Arbeitszeit für die jeweilige Produktkategorie ( L bzw. L multipliziert mit dem Gut ( c bzw. c ~ ) den Output ( x bzw. x ~ ) darstellt:
(4) mit i = 1, ..., n und ⋅ = c L x
i i
~ ⋅ L ~ ~ = mit j = 1,..., n ~ (5) c x
j j
Durch die Annahme der Vollbeschäftigung gilt:
l
i
= 1 i
mit L als den gesamten Produktionsfaktor Arbeit. Weiterhin wird angenommen, dass die Unternehmen Gewinn- und die Personen Nutzenmaximierer sind. Durch die weitere Annahme, dass keinerlei Ein-und
Austrittsbeschränkungen gelten sollen, folgt, dass die Gewinne der Unternehmen null sind.
Die Gesamtproduktion soll nun in zwei Industrien geteilt werden: (7) und ⋅ = ⋅ ⋅ L w x p n ~ ~ ~ ~ ~ ~ als Preis der jeweiligen Ware. (8) mit p bzw. p ⋅ = ⋅ ⋅ L w x p n
Da die Löhne der beiden Gruppen gleich sein müssen, ebenso wie die Preise und der Output jeder Industrie, gilt:
(9)
(10)
Folglich kann gesagt werden, dass der wertmäßige Anteil der jeweiligen Industrie am Output gleich dem Verhältnis der jeweiligen Bevölkerungsgruppe ist.
6 Die Anzahl der Waren ist gleichbedeutend mit der Anzahl der Unternehmen, da bei der
monopolistischen Konkurrenz jede Warenart nur von einem Unternehmen hergestellt wird. Jens Becker Seite 3
2.2. Erweiterung auf zwei Länder 7
Es soll nun unser Modell auf zwei Länder ausgeweitet werden. Im Heimatland soll ein Teil der Bevölkerung (nachfolgend als f bezeichnet) alpha-Produkte konsumieren. Nun soll vereinfachungshalber unterstellt werden, dass das andere Land (=Ausland, welches das Suffix „*“ tragen soll) das Spiegelbild des Heimatlandes ist, also alle Annahmen ceteris paribus gelten.
Durch das Hinzukommen des zweiten Landes sollen Arbeitskräfte wie folgt neu quantifiziert werden: ~ ~
8 (11) = + = + * * L L L L L
Die Gleichung (11) bedeutet also, dass die Summe aus der in der alpha-Produktion und der beta-Produktion arbeitenden Bevölkerung des Inlandes gleich der Summe der in der alpha- und beta-Produktion des Auslandes und diese Summe exogen ist.
Im Ausland sollen die zur Produktion eingesetzten Bevölkerungsanteile allerdings umgekehrt verteilt sein: (12) und ⋅ = L f L
(13) mit ⋅ − = < < f ) 1 ( * 1 0 L f L
Wenn nun f größer (kleiner) als 0,5 ist, dann hat das Heimatland den größeren (kleineren) Inlandsmarkt für alpha-Produkte. Für den Transport von Waren in eine andere Region werden sogenannte „Eisberg“-Transportkosten unterstellt, d.h. das nur ein Teil (g) von dem zu befördernden Gut beim Empfänger in der anderen Region ankommt, also 1-g während des Transportes „schmilzt“. Innerhalb einer Region fallen keine Transportkosten an. Krugman (1980) behauptet nun (vgl. S. 956), wenn ist, wird das > 5 , 0 f
Heimatland Nettoexporteur bezüglich dieser Produkte. Auf den ersten Blick scheint diese Hypothese unlogisch! Warum sollte in dem Land, in dem schon eine (relativ) hohe Nachfrage nach einem Gut herrscht (also das Angebot in Verhältnis relativ gering ist), noch Waren dieser Kategorie im Ausland anbieten? Unter den oben genannten Prämissen (besonders hervorzuheben sind die hier unterstellten Massenproduktionsvorteile und die Transportkosten!) ist die Hypothese von Krugman allerdings richtig.
7 Vgl. Krugman (1980), S. 956-958
8 Hiermit sei noch mal explizit verwiesen, dass identische Länder- und damit Faktorgrößen
unterstellt sind. Jens Becker Seite 4
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kaufmann/Dipl.-Volkswirt Jens Becker, 2006, Theorie des Internationalen Handels: Monopolistische Konkurrenz und internationaler Handel mit Transportkosten: Der Inlandsmarkteffekt (home market effect), München, GRIN Verlag GmbH
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