Universität Dortmund, Fakultät Rehabilitationswissenschaften
Seminar: Dysphagie: Diagnostik und Behandlung
schluckgestörter Menschen Schluckstörungen im Alter
Wintersemester 2005/2006, 5. Semester (HS)
Schluckstörungen im Alter
von: Christina Wiesemann
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Grundlegende Informationen 3
2.1 Der reguläre Schluckvorgang 4
2.2 Begriffsklärung – Was ist eine Dysphagie? 6
2.3 Anzeichen für eine Schluckstörung 7
3. Veränderungen der Schluckphysiologie im Alter 8
3.1 Zusammenhang von Dysphagien und Alter 8
3.2 Presbyphagie 9
3.3 Konsequenzen der Presbyphagie in den einzelnen Phasen des Schluckaktes 12
3.4 Erkrankungen neurodegnerativer Art im Kontext von Dysphagie im Alter 15
3.4.1 Demenz 16
3.4.2 Morbus Parkinson 16
3.4.3 Amyotrophische Lateralsklerose 17
3.4.4 Myasthenia gravis 18
3.5 Erkrankungen (partiell-) reversibler Art 18
4. Logopädische Therapie bei Altersschluckstörungen 19
5. Schlussbemerkung 23
6. Quellenverzeichnis 25
6.1 Literatur 25
6.2 Nachschlagewerke 25
6.3 Internet 25
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit, welche im Rahmen des Kompaktseminares „Dysphagie: Diagnostik und Behandlung schluckgestörter Menschen“ entstanden ist, trägt den Titel „Schluckstörungen im Alter“ und setzt sich mit elementaren Aspekten des angesprochenen Gegenstandsbereiches auseinander. Ich habe mich aus dem einfachen Grund für dieses Thema entschieden, dass ein großes persönliches Interesse hinsichtlich des Gegenstandsbereiches vorherrscht. In meinem bisherigen Studium wurden Schluckstörungen im Alter nur marginal thematisiert, so dass aus meiner Sicht noch einige Fragen und Informationen im Unklaren sind. Durch das Verfassen dieser Abhandlung möchte ich meinen Horizont in dieser Hinsicht erweitern.
Im Allgemeinen ist der Themenpunkt der Schluckstörungen als äußerst vielschichtig zu bezeichnen. Der Schluckvorgang ist untrennbar mit dem alltäglichen Leben eines Menschen verbunden. Er dient beispielsweise der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und hat somit Einfluss auf lebensnotwendige Faktoren. Am Tag schluckt ein erwachsener Mensch annährend bis zu 2000 Mal. In der Nacht schluckt man zwar nicht so häufig wie tagsüber, allerdings ist es dennoch erforderlich, dass der Speichel durch die Zunge und die Wangenmuskulatur erst in den Rachenbereich und anschließend in die Speiseröhre befördert wird.1 Ist der reguläre Schluckvorgang gestört, aus welchen Gründen auch immer, so bedeutet diese Tatsache gravierende Konsequenzen für jeden betroffenen Menschen. Schluckstörungen treten in sämtlichen denkbaren Altersklassen auf. Unabhängig davon, ob Dysphagien primär mit bestimmten Altersklassen einhergehen, sind sie doch als dominantes Krankheitsbild bei der älteren Generation vorherrschend.2 Mit zunehmendem Alter wandelt sich die Schluckphysiologie und in Wechselwirkung mit verschiedenen anderen Einflussfaktoren wie beispielsweise der körperlichen Konstitution eines alten Menschen treten spezifische Veränderungen auf. Sich mit dem Thema der Schluckstörungen im Alter zu beschäftigen, erachte ich als interessantes Unterfangen. Nachfolgend möchte ich darstellen, welche inhaltlichen Bezüge ich in meiner Ausarbeitung zu thematisieren gedenke. Zu Beginn der Abhandlung liegt es nahe, einen Fokus auf grundlegende Informationen den Schluckvorgang betreffend zu legen. Dies beinhaltet zunächst eine präzise Beschreibung des regulären Schluckvorgangs am Gegenstand der einzelnen Phasen des Schluckaktes. Daraufhin soll eine Begriffsklärung stattfinden, um verständlich zu machen, was man sich unter einer Schluckstörung im Konkreten als Krankheitsbild vorzustellen hat. Im Anschluss werde ich darauf eingehen, wie man eine Schluckstörung erkennt, also welche Anzeichen auf das Vorliegen einer Dysphagie hindeuten können. Nachdem die grundlegende Verständnisbasis abgehandelt wurde, möchte ich mich dem eigentlichen Themenschwerpunkt der Hausarbeit widmen: den Schluckstörungen im Alter. Einleitend soll diesbezüglich der Zusammenhang von Dysphagien und Alter aufgezeigt werden. Danach sollen die primäre bzw. sekundäre Presbyphagie aufgegriffen und beschrieben werden. Nachfolgend möchte ich sowohl Erkrankungen neurodegenerativer Art als Auch Erkrankungen (partiell-) reversibler Art im Kontext von Schluckstörungen im Alter erläutern. Vor dem Hintergrund des Hausarbeitsthemas erscheint es sinnvoll sich grundsätzlich mit Möglichkeiten und Grenzen einer logopädischen Therapie bei Dysphagien im Alter zu befassen, um herauszufinden, inwiefern sich die Störung kompensieren lässt bzw. auf welche Art und Weise man die Lebensqualität betroffener alter Menschen trotz Dysphagie vergrößern kann. Abschließend werde ich Konklusionen ziehen und versuchen, ein Résumée aus meiner Recherche und der gesamten Hausarbeit abzuleiten. Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, alle erwähnten Informationen wahrheitsgemäß darzustellen. Ich hoffe, dass mir dies gelingen wird.
2. Grundlegende Informationen
Bei jedem Menschen lässt sich der Schluckakt als enorm komplexer physiologischer Prozess charakterisieren. Seine Aufgaben bestehen in der Aufnahme und dem Transport von Nahrung und Flüssigkeit sowie dem Abtransport von Speichel. Flüssigkeiten und feste Nahrung werden zerkleinert und durchgemischt, anschließend werden diese unter Schutz der Atemwege in den Magen transportiert. Es besteht die Möglichkeit, den Schluckakt willkürlich einzuleiten, allerdings geschieht er dann in erster Linie reflektorisch. Während dieses Prozesses ist eine sensibel abgestimmte Zusammenarbeit vieler Muskelgruppen und einzelnen Muskeln, von Gelenken, Knorpelstrukturen, Speicheldrüsen und Schleimhäuten unerlässlich. Bestimmte Zentren im menschlichen Gehirn, im Cortex, im Mittelhirn sowie im Hirnstamm, tragen die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf der einzelnen Elemente.3
2.1 Der reguläre Schluckvorgang
Die Differenzierung des Schluckvorgangs in separate Phasen ist in den Wissenschaften gang und Gebe. In mancherlei Hinsicht wird dieses Faktum als „künstlich“ betrachtet, da das Schlucken ein einheitlicher physiologischer Vorgang sei und da die unterschiedlichen Schluckzentren im Gehirn für mehrere Phasen des Schluckaktes gleichzeitig zuständig seien.4 Aus der Einteilung resultieren entweder vier oder fünf verschiedene Phasen. Einerseits unterscheidet man die orale Vorbereitungsphase, die orale (Transport-) Phase, die pharyngeale Phase sowie die ösophageale Phase.5 Andererseits nennen manche Autoren als einzelne Phasen auch die präorale Phase, die Kauphase, die Transportphase, die pharyngeale Phase und die ösophageale Phase und addieren somit eine präorale Phase, da bereits die Aussicht auf genussvolle Speisen die psychische Bereitschaft zur Aufnahme von Nahrung beeinflusst und physiologische Prozesse, beispielsweise die Sekretion von Speichel und Magensaft, in Gang setzt.6 Im Zuge einer Beschreibung der einzelnen Phasen orientiere ich mich an der Klassifikation nach Gudrun Bartolome (1999).7
[...]
1 http://www.dysphagia.de
2 Shapiro, Jo/Downey, Lorraine: The Evaluation and Management of Swallowing Disorders in the Elderly. Geriatric Times. November/December 2003.Vol. IV. Issue 6. In: http://www.geriatrictimes.com/g031217.html
3 http://www.dysphagia.de
4 Prosiegel, Mario: Anatomie der am Schluckakt beteiligten zentralnervösen Strukturen. In: Bartholome, Gudrun u.a.: Diagnostik und Therapie neurologisch bedingter Schluckstörungen. Stuttgart; Jena; New York. Gustav Fischer Verlag 1993. S.1
5 Herbst, Wiebke: Physiologie des Schluckens. In: Prosiegel, Mario u.a.: Praxisleitfaden Dysphagie – Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen. 1.Auflage. Bad Homburg. Verlag Hygieneplan 2000. S.47-51
6 Bartolome, Gudrun: Dysphagien. In: Grohnfeldt, M.: Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie. Band 2. Erscheinungsformen und Störungsbilder. Stuttgart; Berlin; Köln. Kohlhammer Verlag 2001. S.332
7 Bartolome, Gudrun: Dysphagien. In: Grohnfeldt, M.: Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie. Band 2. Erscheinungsformen und Störungsbilder. Stuttgart; Berlin; Köln. Kohlhammer Verlag 2001. S.332-333
Arbeit zitieren:
Christina Wiesemann, 2006, Schluckstörungen im Alter, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Aspekte gesundheitsbezogener Lebensqualität bei heimbeatmeten Erwachse...
Bachelorarbeit, 104 Seiten
Welche mundpflegerischen Maßnahmen können das Auftreten von beatmungsa...
Literaturrecherche zur Evidenz...
Hausarbeit, 17 Seiten
Grundlagen und Praxis der tiergestützten Therapie und Pädagogik
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 26 Seiten
Entlassungsmanagement einer invasiv beatmeten COPD-Patientin
Eine Einzelfallanalyse
Forschungsarbeit, 94 Seiten
Unterstützte Kommunikation bei globaler Aphasie
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Wissenschaftlicher Aufsatz, 23 Seiten
Die Pflegetheorien von Virginia Henderson und Joyce Travelbee im Vergl...
Seminararbeit, 24 Seiten
Christina Wiesemann hat den Text Schluckstörungen im Alter veröffentlicht
Christina Wiesemann hat einen neuen Text hochgeladen
Dysphagie - Diagnostik und Therapie
Ein Kompendium. Dysphagie Foru...
Anna Awounou, Anja Block, Marcel Blonder, Hans Bogaardt, Christiane Borr, Annette Hartwanger, Simone Seidel, Sönke Stanschus
Hintergrundwissen und Anwendun...
Jutta Burger-Gartner, Dolores Heber
S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen
Stephan Herpertz, Beate Herpertz-Dahlmann, Brunna Tuschen-Caffier, Almut Zeeck, Manfred M. Fichter
Bedeutungen von pränataler Diagnostik für Menschen mit Behinderungen
Eine qualitative Studie
Jan Gerdts
Diagnostik bei Menschen mit geistiger Behinderung
Ein interdisziplinäres Handbuc...
Burkhard Stahl, Dieter Irblich
Basiswissen Medizin des Alterns und des alten Menschen
Andrej Zeyfang, Ulrich Hagg-Grün, Thorsten Nikolaus
Medizin des alternden Menschen
Lehrbuch zum Gegenstandskatalo...
Gerald F. Kolb, Andreas H. Leischker
Das erzwungene Paradies des Alters?
Fragen an eine Kritische Geron...
Anton Amann, Franz Kolland
0 Kommentare