Inhalt
1. Einleitung 3
2. Der Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft 4
3. Dienstleistungsberufe in der Geschichte 6
4. Die Dienstbaren Geister des langen 19 Jahrhunderts 8
4.1. Der häusliche Dienst wird zum typischen Frauenberuf 8
4.2. Der Weg vom Land in die Stadt 9
4.3. Arbeiten und Leben der Dienstmädchen im bürgerlichen Haushalt 13
4.3.1. Die Arbeit im Haus 13
4.3.2. Die Arbeitszeit 18
4.3.3. Die Entlohnung 19
4.3.4. Die Unterbringung und Verpflegung 20
4.3.5. Gesindeordnungen Dienstbotenbücher und andere Reglementierungswerke 21
5. Didaktische Analyse 24
6. Fazit 28
7. Literatur 30
Anhang
Anlagenverzeichnis
Anlage 1 Folie: Von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft
Anlage 2 Arbeitsblatt: Soziale Herkunft und Alterstruktur der Dienstmädchen in Berlin
Anlage 3 Arbeitsblatt: Einkommen und Verdienst der Dienstboten im Kaiserreich
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1. Einleitung In der vorliegenden Arbeit soll sich mit den Lebens- und Arbeitsverhältnissen der häuslichen Dienstboten, vornehmlich der der Dienstmädchen um die Jahrhundertwende befasst werden. Es ist Ziel dieser Arbeit aufzuzeigen, dass diese gesellschaftliche Gruppe den Prozess der Verstädterung, der mit der Industrialisierung einherging, prägte.
Da die Dienstboten ein Phänomen vom ausgehenden 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhun- dert waren, soll auf den von J. Kocka geprägten Begriff des „lange 19. Jahrhunderts“ zurück gegriffen werden.
Bevor sich aber mit den „sogenannten Dienstbaren Geistern“ auseinandergesetzt wird, soll der Frage nachgegangen werden, wie sich der Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesell- schaft vollzogen hat bzw. vollzieht. Dabei wird zu untersuchen sein, inwieweit der steigende Wohlstand den Weg in die Welt der Dienstleistungsgesellschaft beschleunigt. Die Dienst- mädchen, so die These, waren ein Beispiel für die im 19. Jahrhundert stattfindende Wohl- standsvergrößerung vom höheren Bürgertum auf das mittlere Bürgertum. Die heutige Dienst- leistungsgesellschaft profitiert im wesentlichen von einer massiven Erhöhung des Wohlstandsniveaus aller gesellschaftlichen Schichten. Somit könnten die Dienstmädchen als Vorboten der Dienstleistungsgesellschaft gelten.
Allerdings wäre es falsch zu sagen, dass das Dienen bzw. Bedient werden ein Phänomen des
19. und 20. Jahrhunderts sei. Dienende und Bediente gibt es seit alters her. Dennoch wird zu
fragen sein, welchen Unterschied es z.B. zwischen dem landwirtschaftlichen Gesinde und den Dienstboten gab.
Der zentrale Teil dieser Arbeit wird sich mit den Lebensumständen und Arbeitsbedingungen befassen. Dabei soll untersucht werden, was die Anziehungskraft des Dienstmädchenberufes ausmachte, welche Erwartungen die Mädchen an die Arbeit im städtischen Haushalt richteten und wie die Realität sich oftmals darstellte. Die These hierbei ist, dass die Mädchen häufig in völliger Naivität vom Land in die Stadt gingen und viele der Erwartungen sich nicht erfüllten. Es soll in dieser Arbeit auch auf die Beziehungen der Mädchen mit den Herrschaften einge- gangen werden sowie auf deren Arbeitszeit, Entlohnung, Unterbringung und Verpflegung. Wichtige Quellen, wenn man sich mit den Dienstboten beschäftigt, sind die Gesindeordnun- gen. Sie sorgten im Grunde bis 1918 für ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Dienenden und Herrschaften, dass in anderen Berufszweigen schon lange liberalisiert wurde. Deshalb soll der Behauptung nachgegangen werden, dass die Gesindeordnungen den Beruf des „Mäd- chens für Alles“ künstlich aufrecht erhalten haben.
Nachdem die Vielfältigkeit des Themas „Dienstbare Geister“ bzw. Dienstmädchen in der Ar- beit deutlich gemacht wurde, soll sich in einem letzten Teil damit befasst werden, wie die dargestellten Inhalte im Unterricht gewinnbringend umgesetzt werden können. Die dazu nöti- ge didaktische Analyse soll sich an den fünf Fragen orientieren, welche Klafki einst dazu
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formulierte. Abschließend ist es Ziel einige Überlegungen anzustellen, wie das Thema in der Unterrichtspraxis behandelt werden könnte.
Zum Forschungsstand sei soviel gesagt, dass erst seit den 70er Jahren, im Zuge des einsetzen- den Perspektivenwechsels, die Lage der Dienstmädchen im Rahmen der historischen Frauen- forschung untersucht wird. Die Forschung greift dabei auf zeitgenössische Quellen (z.B. Brief, Haushaltsbücher), Zeitzeugenbefragungen und individuelle Erfahrungsberichte zurück. Der Vorteil Lebensgeschichtlicher Forschungen liegt darin, dass sie Gesellschaftsgeschichte, Politik, Kultur und soziale Verhältnisse wiederspiegeln und so eine sinnlich greifbarere Ge- schichtsschreibung ermöglichen.
2. Der Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft Die Dienstmädchen und Dienstboten aus der Zeit um 1900 stehen symbolisch für eine Bran- che, welche im Verlauf des 20. Jahrhunderts zusehends an Bedeutung gewonnen hat. Nun wäre es verfehlt, zu behaupten, die dienende Schicht selbst ist verantwortlich für das Entste- hen der Dienstleistungsgesellschaft. Vielmehr verdeutlichen diese Berufsfelder, dass es zu allen Zeiten der Geschichte Personen gegeben hat, die für andere dienen. Dass gerade im 19. Jahrhundert ein Anwachsen des Dienstpersonals zu verzeichnen ist, mag der Tatsache ge- schuldet sein, dass eine aufstrebende Schicht (aufstrebendes Bürgertum) zu mehr Reichtum und Ansehen gelangte. Dieses Vorhandensein von Geld bei einer immer größer werdenden gesellschaftlichen Schicht bewirkte, dass man zunehmend „niedrige Arbeiten“ von anderen erledigen ließ. Verstärkend kam hinzu, dass dieser Lebensstil bei den Zeitgenossen Beachtung und Bewunderung fand. Dieser Wandel hin zu den Dienstleistungen vollzog sich zunächst im häuslichen Rahmen und griff mit fortschreitender Industrialisierung und steigendem Wohl- stand auf die gesamte Volkswirtschaft über.
Dieses eben vereinfacht beschriebene Modell nimmt Bezug auf den Strukturwandel, welcher „sich durch veränderte binnenwirtschaftliche wie internationale Nachfrage-, Angebots- und Wettbewerbsbedingungen und aus Produktivitätssteigerungen durch grundlegende technische Entwicklungen“ ergibt. 1 Der Weg in die Dienstleistungsgesellschaft ist in westlichen Industrieländern besonders durch die Verschiebungen zwischen den Wirtschaftssektoren gekennzeichnet, welchen sich die Ar- beitnehmer zuordnen lassen.
Die „Drei-Sektoren-Theorie“ von Jean Fourastié bzw. Colin Clark beschreibt diesen Wandel und verdeutlicht dessen Ursachen. Die Grundannahme ist jene, dass es zu einer Verlagerung des Schwerpunktes der Wirtschaft und Erwerbstätigkeit vom primären Sektor der Produktge- winnung (Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft), über den sekundären Sektor der Produktver- arbeitung (Industrie und Handwerk, Bergbau und Energiewirtschaft – verarbeitendes Gewer- 1 Hoffmeister, Hainer (Hrsg.): Politik im Handel, Paderborn 2002, S. 28.
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be), hin zum tertiären Sektor (private und öffentliche Dienstleistungen [Handel, Banken, Pflegedienste, staatl. Leistungen - ÖPNV]) kommt.
Während zu Beginn der Industrialisierung in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts noch etwa 80 % der Beschäftigten im Primärsektor tätig waren, änderte sich dies im Zuge der Industrialisierung zu Gunsten des Sekundärsektors. Heute arbeiten weniger als 2 Prozent der Beschäftigten in der BRD im primären Sektor. 2 Gegenwärtig erleben wir eine erneute starke Ausweitung des Anteils der im tertiären Sektor Beschäftigten bei rückläufigem Anteil des sekundären Sektors. Gründe für den damaligen und heutigen Strukturwandel lassen sich im wesentlichen auf drei Punkte zusammenfassen. Zum einen der wissenschaftliche und technische Fortschritt, zum zweiten das Anwachsen der Bevölkerung und drittens das An- wachsen des Produktivvermögens (Realkapital). 3 Vor dem Einsetzen der Industriellen Revolution, in der sogenannten Agrargesellschaft, dien- te die landwirtschaftliche Arbeit zur Deckung der Lebensbedürfnisse. Im Zuge des wissen- schaftlich - technischen Fortschritts wurden die Arbeiten in der Landwirtschaft einfacher, weniger und billiger. Die Folge war, dass im landwirtschaftlichen Bereich viele Menschen ihre Arbeit verloren und in die entstehenden Fabriken und Städte abwanderten (Urbanisie- rung). Auch wenn die Tätigkeiten in der Industrie beschwerlich waren, das Einkommen und der Wohlstand stieg im Vergleich zur Agrargesellschaft allmählich an. Kennzeichnend für die Industriegesellschaft ist schließlich, dass mit steigendem Einkommen die Nachfrage nach industriellen (langlebigen) Erzeugnissen wächst. Nachdem auch hier ein gewisses Ausstat- tungsniveau erreicht wurde, beginnt die Nachfrage nach Freizeitgütern (Reisen, Unterhaltung) zu steigen. Der wachsende gesellschaftliche und staatliche Wohlstand führt in die Dienstleis- tungsgesellschaft. Hier kommt es zur verstärkten Nachfrage nach Diensten anderer Personen bzw. Unternehmen und zur Bereiststellung von Diensten durch den Staat (z.B. soziale Hilfen, Bildungswesen, Gesundheitswesen). 4 In diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass kleiner werdende Familien mit dafür verantwortlich sind, dass Dienstleistun- gen eher nachgefragt werden, als zu Zeiten der Großfamilie, wo die Familie sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stand. 5 Die unsere Gegenwart prägende und wie eben gezeigt historisch gewachsene Dienstleistungs- gesellschaft ist gekennzeichnet durch das zur Verfügung stellen von eigenen Fähigkeiten, Wissen, Möglichkeiten, Ressourcen und Produktionsmittel für andere Person, Gruppen oder Unternehmen. Dieses Dienen für andere hat seine Motivation in der Existenzsicherung und zudem ist zu beobachten, dass es eine starke Spezialisierung gibt. All diese Merkmale trafen, wie noch zu zeigen sein wird, auch auf die Dienstmädchen zu.
2 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Das Lexikon der Wirtschaft, Bonn 2004, S. 119.
3 Vgl. Schäfers, Bernhard / Zapf, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Opladen 1998, S. 715. 4 Vgl. Anlage 1 – Grafik: Von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft.
5 Vgl. Häußermann, Hartmut / Siebel, Walter: Dienstleistungsgesellschaften, Frankfurt/M. 1995, S. 26f.
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3. Dienstleistungsberufe in der Geschichte
Dass die Menschen sich seit jeher gegenseitig unterstützten und gegenseitig bei der Verrich- tung von Aufgaben halfen, steht außer Frage. In der Urgesellschaft dienten z.B. die flinken Jäger den anderen, die nicht in der Lage waren, sich mit Jagdprodukten zu versorgen. In der Antike gab es die Sklaven, die in den Haushalten unverzichtbare Arbeiten leisteten und im Mittelalter bzw. in der Frühen Neuzeit kann man die Mägde und Knechte als Vorboten der Dienstboten des 19. und 20. Jahrhunderts nennen.
Das Gesinde, wie man Mägde und Knechte bezeichnete, arbeitete in bäuerlichen oder hand- werklichen Betrieben auf dem Lande. Dort lebten sie fest eingebunden in den Familienver- band manchmal sogar ihr gesamtes Leben. In der Regel kamen die Kinder mit 14 Jahren zum Bauern, wo sie bis zur Hochzeit blieben und hart arbeiteten. Ende des 19. Jahrhunderts betrug so der Anteil der unter Dreißigjährigen über 80 %. Auffällig dabei ist, dass um so jünger die Kinder der Bauern waren, um so mehr Gesinde gab es auf dem Hof. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sobald die Kinder im arbeitsfähigem Alter waren, sie auf dem Hof mit zur Arbeit heran gezogen wurden und so das Gesinde kostengünstig ersetzten.
Die meisten Mägde und Knechte stammten aus kleinen Bauern- oder Händlerfamilien, die kaum in der Lage waren, ihre vielen Kinder ausreichend zu ernähren und zu kleiden. Das „In- Dienst-Gehen“ war so weitverbreitet und gewissermaßen nötig. Die Aufgaben, welche das Gesinde erledigen musste, kannten kaum Grenzen. Alle anfallenden Aufgaben auf Hof oder Feld, in Stall oder Küche mussten erledigt werden. Aber im Unterschied zu den städtischen Dienstboten des 19. Jahrhunderts war es auf dem Lande normal, dass die Gutfamilie Hand in Hand mit ihrem Gesinde arbeitete. Eine geregelte Arbeitszeit gab es nicht, vielmehr bestimm- te das Wetter die Arbeiten und bis wann diese erledigt sein mussten. Wurde ein Knecht un- verhältnismäßig lang beansprucht, konnte es sein, dass dieser kündigte. Da die Nachfrage nach gutem Gesinde groß war, konnte es sich ein Bauer selten leisten, als Ausbeuter ver- schrieen zu sein. Kennzeichnend ist zudem, dass die Arbeitszeit der Mägde höher war, als die der Knechte. War nämlich die Arbeit unter freiem Himmel erledigt, begann für sie das Putzen, Waschen, Nähen, Butterrühren, Gänserupfen, Stricken usw. Diese zusätzlichen Tätigkeiten im Haushalt sind auch der Grund dafür, dass das männliche Gesinde über mehr Freizeit verfügte als die Mägde. Die geringe Entlohnung erfolgte nach Rang, Alter und Geschlecht, wobei Nah- rung, Kleidung und Unterkunft ebenfalls als Lohn angesehen wurden.
Die fortschreitende Industrialisierung und die daraus resultierende Landflucht führte zu einem stetig sinkenden Anteil des ländlichen Gesindes. Heute gibt es im ländlichen Bereich kaum noch Dienstboten. Maximal finden sich noch Angestellte (Landarbeiter) auf traditionsreichen Gütern die für den privat wirtschaftenden Gutsbesitzer nach modernen arbeitsrechtlichen Bestimmungen arbeiten. 6 6 Vgl. Weber, Therese (Hrsg.): Mägde: Lebenserinnerungen an die Dienstbotenzeit bei Bauern, 3. Aufl., Wien 1991, S. 38-54.
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Ein weiterer Beruf, der sich bis in die Gegenwart verfolgen lässt, ist der Beruf der Kontoris- tin. Kontoristinnen wurde im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung immer häufiger in den Fabriken eingesetzt. Die Mädchen waren oftmals nicht älter als 14 Jahre, als sie ihre Stel- lung annahmen. Sie verbrachten zwischen 10 und 12 Stunden mit mechanischem Schreiben in engen, kühlen, dunklen und feuchten Räumen, die oftmals nicht mehr als ein Holzverschlag waren. Für die Tätigkeiten der Kontoristin war keine Ausbildung nötig. Die Jungs hingegen, welche Kaufmänner werden wollten, absolvierten eine Lehre von drei Jahren. Dadurch blieb das Bildungsniveau der Mädchen häufig auf einem geringen Stand. Dies ‚menschlichen Schreibmaschinen’ waren so massiv von Arbeitslosigkeit bedroht, wenn sie wegen der schlechten Arbeitsbedingungen nicht mehr im Kontor arbeiten konnten. 7 Die dritte Berufsgruppe, welche in dieser Replik auf historische Dienstleistungsberufe kurz betrachtet werden soll, ist der der Verkäuferin im Warenhaus. Große Warenhäuser entstanden in der Zeit des Kaiserreiches (z.B. Wertheim, Karstadt, Dietz) und diese waren geprägt durch eine hohe Arbeitsteiligkeit, was von den Frauen eine große Anpassungsfähigkeit erforderte. Die Arbeitsteiligkeit wird sehr gut deutlich, wenn man sich den Verkauf von Kleidungsstü- cken in solchen Kaufhäusern betrachtet. Die sachkundige Verkäuferin berät zunächst den Kunden und schließ dann mit diesem den Kauf ab indem sie den Preis auf einen Block mit Durchschlag notierte. Anschließend trägt die Zuträgerin (meist Lehrmädchen) die Ware zur Kasse, wo die Packerin oder Kassenkontrolleuse die Ware und den Bon in Empfang nimmt. Als nächstes zahlt der Kunde bei der Kassiererin die Ware. Auf dem Beleg steht nun der Vermerk „bezahlt“ und der Kunde kann sich die Ware mit dem Bon bei der Packerin abholen. Dieses System war besonders effektiv um die Verkäuferinnen zu kontrollieren. So konnte am Abend geschaut werden, wer wie viel verkauft hatte und die Kasse musste genau mit den Bonsummen der einzelnen Verkäuferinnen übereinstimmen. Der Nachteil dieser Arbeitstei- lung lag darin, dass sich Kunden häufig beim Weg zum Bezahlen ihren Kauf überlegten und sich entschlossen die Ware doch nicht zu nehmen. Deshalb gingen bei teuren Waren die Ver- käuferinnen häufig mit zur Kasse.
Neben diesen drei, etwas ausführlicher vorgestellten historischen Dienstleistungsberufen, gab es noch viele weitere. Im engeren Sinn lassen sich vier Branchen erkennen, in welchen Dienstleistungen in der Geschichte eine Rolle spielten. Nämlich im Haushalt, in der Land- wirtschaft, im Gewerbe bzw. Laden und in der Kranken- und Schwachenpflege. Im Zuge der fortschreitenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung fand innerhalb dieser Branchen eine große Spezialisierung statt, die, wie beschrieben, in die heutige Dienstleis- tungsgesellschaft führte. In der Gegenwart unterscheidet man Dienstleistungen in verbrau- cherbezogene Dienstleistungen (z.B. Erholung, Reparaturarbeiten, Service), in produktions- bezogene Dienstleistungen (z.B. Unternehmensberatung, Marktforschung), in Verbraucher- 7 Vgl. Berger, Franz Severin / Holler, Christiane: Von der Waschfrau zum Fräulein zum Amt. Frauenarbeit durch drei Jahrhunderte, Wien 1997, S. 181-188.
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Christian Tischner, 2004, Dienstmädchen im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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