Inhaltverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Rolle eines Schulentwicklungsberaters 4
2.1. Schematische Entwürfe über Routinen bzw. Routinewissen 4
2.2. Folie zu Vor- und Nachteilen von Routinen 7
2.3. Die Institutionalisierung neuer Routinen 8
2.4. Routinewissen in problematischen Unterrichtssituationen 9
3. Beispiel einer problematischen Unterrichtssituation 11
3.1. Zur Problematik und den gebrochenen Routinen 13
3.2. Welche Handlungsalternativen gibt es neben der des Lehrers? 16
3.3. Meine bevorzugte Handlungsalternative 19
3.4. Theoretisierung der beschriebenen Situation an Hand einer Forschungsrichtung der
Erziehungswissenschaft 20
4. Die Erziehungswissenschaft als reflexive Beobachtungswissenschaft 24
5. Fazit 25
6. Literatur 26
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Einflüsse bei der Entstehung von Routinen 4
Abbildung 2: Routinen als wichtiger Teil des Wissensvorrat 5
Abbildung 3: Auftreten von Routinen 6
Abbildung 4: Funktionen institutionalisierten Verhaltens 6
2
1. Vorwort
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit Routinen und Ritualen in der Schule. Dabei stehen die Routinen als wesentlicher Bestandteil des Unterrichts im Mittelpunkt. Nach einigen theoretischen Betrachtungen und Analysen über Routine und Routinewissen, wird im zweiten Teil meiner Arbeit der Praxisbezug im Mittelpunkt stehen. Zunächst sollen einige Entwürfe entwickelt werden, aus welchen deutlich wird, was unter Routine bzw. Routinewissen aus wissenssoziologischer und institutioneller Perspektive zu verstehen ist. Hierbei stellen sich mir so viele Informationen entgegen, dass ich es für nötig halte, einige Anmerkungen den Schemen folgen zu lassen. Auch soll eine Abwägung von Vor- und Nachteilen der Routinen nicht vergessen. Wenn man sich mit Routinen auseinander setzt, ist es natürlich wichtig, die Entstehung und Institutionalisierung solcher nicht zu vergessen. Des weiteren möchte ich im ersten Teil der Frage nachgehen, inwieweit das Routinewissen für den Lehrer wichtig ist und in welchem Umfang gerade in schwierigen Unterrichtssituationen Routinewissen eine Hilfe bietet.
In Bezug auf die Praxis soll eine Unterrichtssituation aus meinem Praktikum beschrieben werden, welche für einen problematischen Bruch des routinierten Unterrichtsablaufes steht. In der Folge möchte ich mich mit den verschiedenen Routinen dieser Stunde auseinandersetzen und verdeutlichen, an welche Stellen das routinierte Handeln gestört wurde. Dabei steht die Lehrer - Schüler - Interaktion wesentlich im Vordergrund. In einem weiterem Schritt möchte ich versuchen, andere Handlungsoptionen zu entwickeln, und schließlich meine bevorzugte Handlungsalternative näher beschreiben.
Schließlich möchte ich versuchen die beschriebene Unterrichtssituation in eine Theorierichtung der Erziehungswissenschaft einzuordnen, wobei ich mich auf den vorgeschlagenen „Labelingansatz“ beziehen möchte. In diesem Zusammenhang möchte ich mich mit meiner Behauptung auseinandersetzen, dass manche Unterrichtssituation nicht so problematisch wären, wenn Lehrer gewisse Vorurteile über ihre Schüler nicht hätten. Der Erziehungswissenschaft als reflexive Beobachtungswissenschaft soll am Ende der Arbeit nochmals kurz Beachtung geschenkt werden. Der Frage, welche Perspektive stellt dieseentgegen Gebrauchs- und Rezeptwissen - zusätzlich für Pädagogische Handlungsfelder und Bildungsprozesse auf, soll nachgegangen werden.
3
2. Rolle eines Schulentwicklungsberaters
2.1. Schematische Entwürfe über Routinen bzw. Routinewissen
Die Entstehung des Wissensvorrates und somit auch der Routinen ist auf Situationen bezogen, welche eine Persönlichkeit erlebt. Dabei lassen sich Situationen immer in ihrer räumlichen, zeitlichen und sozialen Struktur unterscheiden. Diese einzelnen Erfahrungen charakterisieren die Situation. Auch die biographischen Erfahrungen und Prägungen (Kultur, Sitten ect.) sind entscheidend für die Entstehung von Routinen, wobei biographische Erfahrungen natürlich in Situationen weiter gegeben werden. Situationen werden immer unterschiedlich und subjektiv bewertet. Dies liegt u.a. daran, dass der Wissensvorrat und die Erfahrungen eines Menschen nicht gleich sind.
Erfahrungen sind Grundelemente des Wissensvorrates, welche in jeder Situation gegenwärtig sind. Die Folge ist, dass Erfahrungen durch Situationen begrenzt werden. Wie in Abbildung 1 dargestellt, ist der Körper und sein Funktionieren ein Grundelement (räumlich) einer jeglichen Situation. 1 Wie in Abbildung 1 dargestellt ist die Entstehung von Routinen auch von zeitlichen Erfahrungen abhängig. So steht in einer Situation nur eine bestimmte Zeit für die Handlung zur Verfügung. Letztendlich muss ich mein Routinehandeln also an die mir zur Verfügung stehende Zeit anpassen - Erinnerungen und Erwartungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Zudem kommt es durchaus vor, dass sich Weltzeit, biologische Zeit und soziale Zeit überschneiden. 2 Schließlich haben alle Erfahrungen auch noch eine soziale Dimension. Jeder ist in einer Gesellschaft verschieden sozialisiert und eingegliedert. Die Wir - Beziehungen spielen in Situationen, wo gehandelt wird und Routine stattfindet, eine wichtige Rolle. Natürlich kann die soziale Welt- wo gehandelt wird - auch Anonym sein. Erfahrungen und deren eben dargestellte Einteilungen können durch neue Erfahrungen immer in Frage gestellt, verändert oder gar vernachlässigt werden. Dies wirkt sich dann auch auf das Routinewissen aus.
1 Vgl. Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas: Der Wissensvorrat: Seine Situationsbezogenheit, seine Genese und Struktur. in: dies.: Strukturen
der Lebenswelt. Bd. 1, Frankfurt a. M. 1994, S. 134-136.
2 Vgl. ebd., S. 137.
4
Abbildung 2: Routinen als wichtiger Teil des Wissensvorrat
Zwischen den Grundelementen des Wissensvorrates und bestimmten Bereichen des Gewohnheitswissens lässt sich nur schwer eine Grenze ziehen. Deshalb finden sich Routinen in verschiedenen Bereichen des Wissensvorrates. Ein erstes sind die Fertigkeiten. Das Wissen, welches durch Erfahrung, um die Körperlichkeit und die damit verbundenen Funktionen des Körpers entsteht, geht in ein unbewusstes (d.h. gewohntes) Wissen über. Dieses Funktionieren des Körpers ist lebenswichtig! Denkt man nur an den Umgang mit Essbesteck bzw. das Halten von Stiften oder auch die Fähigkeit des Schwimmens. 3 Ein zweites, was zum Gewohnheitswissen gezählt werden kann, ist das Gebrauchswissen. Dieses beruht zwar auch auf Fertigkeiten, gehört aber nicht mehr zum gewohnheitsmäßigen Funktionieren des Körpers. Der Mensch hat in seinem Alltag ständig Handlungsziele vor Augen. Hier wird es nun nötig, auch die entsprechenden Mittel für den Erfolg der Handlung zu kennen. Auch wenn das Lösen „problematischer“ Situationen zunächst schwierig ist, hilft die Routine, diese Probleme auf Dauer zu lösen. Die Motivation tritt, wenn Handeln zur Routine wird, in den Hintergrund und die Suche nach anderen Handlungsoptionen wird nicht aktiv betrieben. Beispiele können sein; Rauchen, Schreiben, Reiten, sprechen von Fremdsprachen oder Kerzen anzünden.
Und schließlich ein drittes - wo sich Routine im Wissensvorrat zeigt - ist das Rezeptwissen. Dieses zählt zwar kaum noch zu den Grundelementen des Wissensvorrates, ist aber dennoch automatisiertes und standardisiertes Wissen, welches in Situationen vorhanden sein kann,
3 Vgl. Schütz, A. / Luckmann, T.: Der Wissensvorrat, Frankfurt a. M. 1994, S. 139.
5
ohne thematisiert zu werden. Beispiele können sein, dass Spurenlesen des Jägers oder das Senken der Stimme des Lehrers um Konzentration der Schüler zu erhöhen. 4
Auch aus institutioneller Sicht lassen sich Schemata für Routinewissen entwickeln. Mit der folgenden Grafik sollen die Funktionen des routinierten Handelns etwas näher verdeutlicht werden. Erläuterungen zu den Funktionen finden sich im weiterem Verlauf der Arbeit.
Abbildung 4: Funktionen institutionalisierten Verhaltens
4 Vgl. Schütz, A. / Luckmann, T.: Der Wissensvorrat, Frankfurt a. M. 1994, S. 141f.
6
2.2. Folie zu Vor- und Nachteilen von Routinen
- strukturieren Handlungen
- wirken motivierend - organisieren die schnellere Lösung - hemmt die Konzentrationsvon Problemen / Problemlösungsstrategien fähigkeit - entlasten bei der Entscheidung & - Gefahr: dass eigene Routine bei Durchführung von Handlungen anderen nicht anerkannt ist - optimieren das Gelingen des Unterrichts - keine Suche nach - legitimieren gewisse Verhaltensweisen Handlungsalternativen - helfen bei der Sozialisation - Monotonität
- fördert die Verlässigkeit unter Akteuren - vorbestimmte Handlungen - stiften Verpflichtungen - zu hohe Verbindlichkeit - helfen bei der Einhaltung von Erwartungen - gibt Rollenerwartungen vor - geben einen Wissensvorrat vor - Routinen bergen bei Nicht- enthalten Handlungsstrategien hinterfragen & Erneuerung - hilft beim zurechtfinden in sozialen Rollen Gefahren - Handeln leicht verständlich - Formatisierung von Handlungen - Handeln bedarf nicht der Rechtfertigung - geben Zeit für andere Dinge (weniger Überlegung nötig) - vermitteln Traditionen - Ordnungsstiftend - Verpflichtung zum Handeln wird größer
Die Vorteile des routinierten Handelns können leicht zu Nachteilen werden! Routinebildung kann zur Folge haben, dass man in vergleichbaren, aber nicht identischen Situationen gleich bewertet und gleich handelt. Dabei besteht die Gefahr, dass man die Sensibilität für die
Arbeit zitieren:
Christian Tischner, 2003, Routinen und Rituale im Schulunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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