Elektronisches Geld
von: Christoph Treude
Inhalt
1 Einleitung 1
2 Abgrenzung 2
2.1 Zahlungssysteme im Internet 2
2.2 Abgrenzung von elektronischem Geld 4
2.3 Motivationen für elektronisches Geld 5
3 Anforderungen 6
3.1 Anonymität 6
3.2 Kopierschutz 8
3.3 Anforderungen potentieller Händler 11
3.4 Weitere Anforderungen 13
4 Verfahren 14
4.1 NetCash 14
4.2 eCash 17
5 Akzeptanz 19
5.1 Aktuelle Situation 20
5.2 Fallbeispiel zur Akzeptanz 24
5.3 Bewertung der Situation 25
6 Fazit und Ausblick 28
Abbildungsverzeichnis 30
Tabellenverzeichnis 30
Literaturverzeichnis 30
Zusammenfassung: Aufgrund der starken Zunahme von Geschäften im Internet wird nach Möglichkeiten gesucht, auch die Bezahlvorgänge kostengünstig per Internet durchzuführen. Die momentan meist verwendeten Verfahren Kreditkarte, Lastschrift und Rechnung weisen diverse Nachteile auf, insbesondere die fehlende Anonymität ist ein Ansatzpunkt zur Entwicklung neuer Methoden der Zahlungsabwicklung. Elektronisches Geld stellt in diesem Bereich eine innovative Alternative dar, die versucht, die Eigenschaften von herkömmlichem Bargeld auf Softwarebasis in elektronischen Münzen nachzubilden. Obwohl viel versprechende Ansätze existieren, wurden die ersten Prototypen von den potentiellen Nutzern nicht in hinreichendem Ausmaß angenommen. Die Gründe für diese mangelnde Akzeptanz, die eine breite Einführung bislang verhindert, sind oft trivial und erweisen sich bei genauer Betrachtung als wenig stichhaltig, vor allem, wenn man sie gegen die Nachteile der gegenwärtig vornehmlich eingesetzten Verfahren aufrechnet.
1 Einleitung
"While many people are focused on making computers do more, a few of us are focused on technology for ensuring that there are certain things computers will not do, such as invade your privacy." – David Chaum1
Das vorstehende Zitat des Kryptographen David Chaum stellt die aktuelle Situation im Bereich von Zahlungssystemen im Internet sehr prägnant dar. Es werden laufend neue Möglichkeiten entwickelt, im WWW Geld auszugeben, und parallel dazu entstehen viele neue Möglichkeiten zur Zahlungsabwicklung, die das Bezahlen bequemer, schneller und billiger machen sollen. Auf der anderen Seite steht der vielzitierte "gläserne Kunde", der Unmengen von Spuren beim Einkaufen im Internet hinterlässt und damit die Erstellung von umfassenden Kundenprofilen ermöglicht. Diese Schwäche fast aller momentan eingesetzten Zahlungssysteme im Internet adressieren nur sehr wenige der neuen Ansätze, Stichworte wie anonymes Einkaufen hört man eher selten. Und wenn doch, so handelt es sich meist um Prototypen, die nach einer kurzen Testphase aufgrund mangelnder Nachfrage wieder vom Markt verschwinden. Genau hier liegt das entscheidende Problem neuartiger Zahlungssysteme, die sich in erster Linie auf Eigenschaften wie Anonymität spezialisiert haben. Es finden sich nur wenige Kunden, die bereit sind, ihre Zahlungsmethoden zu überdenken und neue Systeme auszuprobieren. Dafür sind zwei Gründe anzuführen: Zum einen ist der Mehraufwand für die Nutzung neuer Methoden teilweise erheblich, zum anderen fehlt in der Gesellschaft das Bewusstsein für die fehlende Anonymität, die die derzeit eingesetzten Verfahren bieten, sowie für die damit verbundenen Risiken. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer spezifischen neuen Zahlungsmethode, dem elektronischen Geld. Darunter versteht man Systeme, bei denen Bargeld in elektronische Form umgewandelt und die entstandene Bitfolge zum Bezahlen benutzt wird. Wie bei Bargeld-Transaktionen bleiben Kunden bei Benutzung dieser Methode beim Zahlungsvorgang anonym.
Im folgenden Kapitel wird zunächst auf Zahlungssysteme im Internet eingegangen und das in dieser Arbeit vorgestellte elektronische Geld in den Gesamtzusammenhang gestellt. Außerdem wird erläutert, welche Motivationen hinter der Entwicklung von elektronischem Geld stehen. In Kapitel 3 werden die Anforderungen an Zahlungssysteme im Internet vorgestellt. Besonders ausführliche Betrachtung finden dabei Anonymität und Kopierschutz, dazu werden jeweils auch Lösungen in Form von Algorithmen erläutert. Das Kapitel grenzt außerdem Anforderungen potentieller Händler ab. Kapitel 4 stellt zwei Verfahren vor, die zum Bezahlen mit elektronischem Geld entwickelt und als Prototypen eingesetzt wurden. Diese Systeme haben sich jedoch nicht durchgesetzt, mögliche Gründe für die mangelnde Akzeptanz durch die Gesellschaft werden in Kapitel 5 ausführlich dargelegt. Dabei wird unter anderem am Beispiel der versuchten eCash-Einführung durch die Deutsche Bank 24 erläutert, welchen Hürden eine breite Akzeptanz und Verwendung elektronischen Geldes im Moment noch gegenübersteht. Das Kapitel schließt eine Beurteilung des Verhaltens potentieller Nutzer ein und stellt ferner Möglichkeiten zur Akzeptanzerhöhung vor. Das letzte Kapitel bietet abschließend eine Zusammenfassung der Arbeit sowie einen Ausblick auf die Zukunft von elektronischem Geld.
2 Abgrenzung
Dieses Kapitel stellt das in der vorliegenden Arbeit betrachtete elektronische Geld in den Gesamtzusammenhang. Zu diesem Zweck werden unterschiedliche Zahlungssysteme im Internet betrachtet und kategorisiert, darauf aufbauend wird eine Definition für elektronisches Geld gegeben. Abschnitt 2.3 stellt schließlich dar, welche Gründe es gibt, die breite Einführung von elektronischem Geld zu forcieren.
2.1 Zahlungssysteme im Internet
Das Internet zeichnet sich gegenwärtig durch eine Vielzahl von Zahlungssystemen aus, von denen Händler und Kunden Gebrauch machen, ein dominierendes System ist nicht zu erkennen. Es werden laufend neue Systeme entwickelt, die sich stark voneinander unterscheiden und teilweise nur in Verbindung mit bestimmten Händlern eingesetzt werden können. Das System PayPal beispielsweise ist ein Prepaid-System, das in erster Linie für die Bezahlung von ersteigerten Artikeln beim Online-Auktionshaus ebay entwickelt wurde und die Bezahlung per eMail erlaubt (vgl. [36]). Auf der anderen Seite wird mit SET ein Standard entwickelt, der das sichere Bezahlen mit Kreditkarte ermöglicht und zusätzlich dem Händler das Zahlungsrisiko nimmt (vgl. [1]).
Historischer Überblick
Im Zuge des selbstorganisierten Wachstums des Internet spielte das für Zahlungsvorgänge essentielle Thema Datensicherheit lange Zeit praktisch keine Rolle. Bevor das WWW mit Beginn der neunziger Jahre zunehmend kommerziell genutzt wurde legten die Entwickler der Internet-Technik keinen Wert darauf, Daten sicher zu übertragen. In der Anfangsphase kam es vielmehr darauf an, dass Datenpakete ihre Ziele überhaupt erreichten, viele der etablierten Internet-Protokolle wie IP sind daher unsicher.
Erst seit Mitte der neunziger Jahre werden verschiedene Anstrengungen unternommen, Sicherheit im Internet zu etablieren. Dazu gehören auch die Versuche, die eine sichere Bezahlung im Internet ermöglichen sollen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Bezahlen per Kreditkarte sowie dem in dieser Arbeit vorgestellten elektronischen Geld. Die Zahlung per Kreditkarte hat sich – im Gegensatz zu elektronischem Geld, das den Prototyp-Status noch nicht überwunden hat - bereits in großem Umfang etabliert2, die Übertragung der notwendigen Daten wird mit Hilfe von sicheren Protokollen wie SSL abhörsicher gemacht. Eine auf diese Art und Weise verschlüsselte Übertragung wird inzwischen auch von den Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard gebilligt, die jahrelang vor dem Preisgeben der Daten im Internet gewarnt hatten (vgl. [1]). Daneben gibt es Systeme, bei denen eine dritte Partei neben Händler und Kunden an der Abwicklung einer Zahlung beteiligt ist. Diese dritte Partei ist dann für die Verwaltung, den Schutz und die Verifizierung der entsprechenden Daten zuständig, Beispiele sind die Systeme der Firmen FirstVirtual3 und Cybercash4. Der Großteil der Internet-Benutzer wickelt finanzielle Transaktionen, die im Zusammenhang mit dem Internet stehen, nach wie vor über Systeme ab, die bereits vor dem Internet existierten und auch außerhalb des WWW eingesetzt werden. Dazu zählen neben der schon erwähnten Kreditkarte die klassische Rechnung, das Lastschriftverfahren oder der Bankeinzug. Bezahltechniken, die erst durch das Internet möglich wurden, sind hingegen kaum im Einsatz. Das ist jedoch lediglich der Status quo, Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Internet haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sich Gewohnheiten dieser Art durch die Verbreitung neuer Technologien rasch ändern können.
Langfristig sind außerdem Systeme denkbar, die auf Chipkarten-Basis arbeiten. Dazu ist ein zusätzlicher Kartenleser neben dem PC notwendig, der Chipkarten ausliest, die Geld in elektronischer Form speichern. In letzter Zeit ist darüber hinaus das System Paybox im Gespräch, dieses System verbindet mehrere Medien untereinander und ermöglicht auf diese Weise das Zahlen per Handy. Nach einem getätigten Kauf im Internet wird per Handy eine Bestätigung für die Transaktion eingeholt, es ist also eine zusätzliche Sicherung gegen einen möglichen Betrug vorhanden (vgl. [28]). Ein Punkt, der bei Transaktionen im Internet oft im Vordergrund steht, sind sehr kleine Geldbeträge. Gerade im Internet könnten Beträge im Cent-Bereich oder gar darunter für das Ansehen eines Bildes, eines Artikels, etc. verlangt werden (pay-per-view), wenn sich eine Technik etablieren würde, die einen Transfer dieser Beträge zu angemessenen Kosten ermöglichen würde. Für diesen Bereich sind momentan viele Systeme in der Planung und Entwicklung, die jedoch alle den Prototyp-Status noch nicht überwunden haben. Eine eventuelle Markttauglichkeit und Durchsetzungsfähigkeit kann daher noch nicht prognostiziert werden (vgl. [34]).
Kategorien von Zahlungssystemen
[...]
1 Aus [25].
2 In den USA ist die Zahlung per Kreditkarte im Internet deutlich stärker verbreitet als in Deutschland. Aber auch hierzulande nimmt die Zahl der Transaktionen, die per Kreditkarte getätigt werden, zu.
3 www.firstvirtual.com
4 www.cybercash.com
Arbeit zitieren:
Diplom-Wirtschaftsinformatiker Christoph Treude, 2005, Elektronisches Geld, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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