a. Inhaltsverzeichnis:
a. Inhaltsverzeichnis: i
1. Einleitung. 1
1.1. Forschungsgegenstand und Kontext. 4
1.2 Methodik 5
2. Vom historischen Verständnis der Stadt zum modernen
Begriff urbaner Räume. 6
2.1 Historische Definitionen der Stadt. 7
2.1.1 Historischer Materialismus und seine moderne Restauration
durch die New Urban Sociology 7
2.1.2 Stadt bei Weber. 9
2.1.3 Kurzes Resümee der historischen Studien. 12
2.2 Aktuelle Tendenzen 12
3. Stadt als Raum differenzierter Systeme 13
3.1 Zeit im Verhältnis zum Raum. 15
3.2 Raum in der Stadtsoziologie 17
4. Vision HafenCity. 18
4.1 Geschichte 19
4.2 Die Vision HafenCity im Leitbild. 21
5. Der Raum der Ströme 23
6. Die HafenCity im Licht der Theorie. 27
7. Fazit. 29
b. Literaturverzeichnis ii
i
1. Einleitung
Die europäische Stadt konstituierte sich aus zwei grundverschiedenen und doch interdependenten Charakteristika: Einerseits ist die europäische Stadt emanzipatorischer Raum, in welchem sich die sozialen und ökonomischen Sprengkräfte entwickeln konnten, welche die geschlossenen Kreisläufe der feudalen Gesellschaft durchbrachen und in dem sich jene bürgerliche Freiheit entfaltete, die für unsere heutige Gesellschaftsform normativ ist; andererseits potenzierte sich mit der Verstädterung auch die individuelle Einsamkeit (soziale Kälte) und die gesellschaftliche Entfremdung (arbeitsteilige Stadtökonomie mit Marktprinzip). Privatsphäre und Öffentlichkeit traten dabei in ein dialektisches Wechselspiel: Die Polarität aus Öffentlichkeit, als Raum der „unvollständigen Integration“, 1 in den der Bürger lediglich in funktionalen Rollen, in einem offenen System loser Beziehungen eintritt und der Privatsphäre, als Ort der „vollständigen Integration“, bildeten die konstitutiven Merkmale des städtischen Lebens. Erst in der Privatsphäre lokalisierte sich das persönliche Glück oder Elend des Citoyens.
Die persönliche Intimität und Daseinsschwere wird, nach Simmel, in der Öffentlichkeit mit „Blasiertheit“ 2 überlegt und das Glück und Unglück wird folglich erst in der Privatsphäre sichtbar. Jedoch scheinen sich in den letzten einhundert Jahren diese grundlegenden Bedingungen des städtischen Lebens, die wir heute als Urbanität bezeichnen, grundlegend verändert zu haben. Vermutlich ging diese Transformation von der Privatsphäre aus: Die Individualisierung als grundlegende Tendenz sowie der Bedeutungsverlust der Familienbeziehung zu Gunsten von formalisierten, oftmals monetären bzw. vertraglichen Beziehungsgeflechten, entgrenzte die Privatsphäre in die
1 Bahrdt, H-P. zitiert in: Häussermann, H., Siebel, W.: Stadtsoziologie - Eine
Einführung, Frankfurt 2004, S. 56
2 Simmel, G.: Die Großtädte und das Geistesleben, ex: Die Großstadt. Vorträge und
Aufsätze zur Städteausstellung. (Jahrbuch der Gehe-Stiftung Dresden, hrsg. von Th.
Petermann, Band 9, Dresden 1903, S. 188
1
Öffentlichkeit hinein. Der Terror der Intimität (Sennet) in der Öffentlichkeit führte, gemeinsam mit ökonomischen Segregationstendenzen, zu den modernen sozialräumlichen Disparitäten und einer ökonomisch funktional differenzierten „Verräumlichung“ der Stadtlandschaften. Diese sozial und ökonomisch häufig monofunktionalen Stadtraummodelle polarisieren Problemlagen wie z.B. die Konzentration von Randgruppen in Armutsquartieren. Der große Trend des 20. Jahrhunderts in der europäischen Stadt war die Segregation und die räumliche, ökonomisch-funktionale Differenzierung. Insgesamt scheint die Stadt hierdurch an Lebensqualität verloren zu haben, auch wenn die Qualität des Wohnens enorm zugenommen hat. Jedoch gilt letztbenanntes ebenso, wenn nicht sogar insbesondere, für den ländlichen Raum, wogegen die Segregationstendenz in der Stadt deutlicher ist.
Der urbane Raum muss mit neuen Konzepten den gewandelten Bedürfnissen und Problemlagen der Citoyen angepasst werden, da die Polarität aus Öffentlichkeit und Privatsphäre nicht mehr als Kompensation für ungelöste gesellschaftliche Probleme (Armut, Gewalt, Sucht etc.) wirkt. Die allseits beschworene Renaissance der Stadt kann insofern nur durch die Überwindung der sozialen Probleme selbst oder durch eine klare Abschottung der „gewünschten Bürger“ von den unerwünschten Störenfrieden (Drogensüchtige, Obdachlose, Kriminelle, politische Gruppierungen und Künstler mit systemkritischem Potential etc.) in Form von „Gated Communities“ erreicht werden. Die Überwindung der sozialen Probleme selbst ist nicht mehr primärer Inhalt der Hamburger Stadtentwicklung, was am hier vorliegenden Untersuchungsgegenstand, der HafenCity-Vision und dem Leitbild „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“, abgelesen werden kann. In der Konkurrenz um die „gewünschte Zuwanderung“, die hohes Steueraufkommen und Arbeitsplatzeffekte mit sich bringen soll, und im Kampf gegen die Abwanderung von einkommensstarken Familien ins Umland (Suburbanisierung), wird auf hohem Niveau geplant, wobei die stadtplanerischen Alternativen aufgrund der negativen städtebaulichen Erfahrungen der letzten einhundert Jahre (Gettoisierung, ethnische Segregation, Suburbanisierung etc.) bescheiden ausfallen. Es kommt zu einer intensiven Suche nach neuen und praktikablen Modellen der Stadtentwicklung, die den ökonomischen Ansprüchen der Investoren gerecht werden und nicht die historischen Fehler wiederholen. Die Rekultivierung der Wasserfront, wie sie mit der Hamburger HafenCity im Brachland des ehemaligen Zollgebietes angestrebt wird, erscheint hierbei als ein adäquates
2
und international anerkanntes Erfolgskonzept, das aus Metropolen wie Barcelona, London und Sydney bekannt ist.
Der primäre Zweck dieses elitären urbanen Raumes soll eine hohe Attraktivität für Investoren und potentielle Nutzer sein. Insofern soll die HafenCity auf finanzstarke Investoren und Nutzer gewissermaßen magnetisch wirken. Dabei produziert die moderne Stadtplanung und -architektur in der HafenCity gerade jenen Typus der scheinbar identitätslosen, globalen und überall gleichen Stadtlandschaft, die Georg Heyme im oben zitierten „Gott der Stadt“ als unmenschlich und beängstigend brandmarkt. Diese Furcht, die aus Tiefeninterviews mit Hamburger BürgerInnen deutlich wurde, soll hier im Hamburg-spezifischen Kontext des politischen Leitbildes „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ ideologiekritisch analysiert werden. Die HafenCity-Vision richtet sich explizit nicht an alle Hamburger BürgerInnen, sondern versucht bestimmte Zielgruppen zu erreichen. Andere bleiben aufgrund ökonomischer wie auch und insbesondere „geschmacklicher“ Faktoren ausgeschlossen. Eine der hier zu prüfenden Thesen ist insofern, ob es sich bei der HafenCity-Vision um eine Vision einer einerseits ökonomischen, andererseits aber auch und insbesondere einer distinktiven Gated Community handelt.
In dieser Arbeit werden die Visionen und Vorstellungen der HafenCity-Initiatoren (soweit diese bekannt und identifizierbar sind) über die künftige Funktion und den Nutzen dieses ambitionierten Projektes ideologiekritisch aufgearbeitet. Die zu ergründende Frage ist, wie mit der HafenCity-Vision unnahbaren „Geistern“ der Globalisierungshybris hinterher gejagt wirdmediale Geister, die aus der Zeit der New Economy rühren und deren Neuheit, bei aller vorhandenen Euphorie, kritisch reflektiert werden sollte. Die Sprache der Initiatoren über die HafenCity-Vision sowie die öffentliche Rezeption dieser Vorstellungen sollen Anhaltspunkte dieser Untersuchung sein.
3
1.1. Forschungsgegenstand und Kontext
Der erste Forschungsauftrag des instituts.was, 3 der „Soziale Masterplan HafenCity“, 4 führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Charakter der HafenCity und seiner sozialpolitischen Konnotation. Die privatrechtlich organisierte Exekutive der HafenCity-Vision, die HafenCity GmbH, reagierte auf den angestoßenen Diskursprozess überaus nervös. Andererseits ließ sich die interessierte Öffentlichkeit bereitwillig für die Thematik aktivieren und die lokale Presse zeigte sich interessiert. Die „Hamburger Morgenpost“ titelte unter Bezugnahme auf diese Arbeit am 1. August 2005 auf einer Doppelseite: „Wir wollen hier kein Luxusquartier“. 5 Eine prägnante Botschaft die den gängigen sprachlichen Codes der HafenCity-Vision diametral entgegensteht. Es wurde erstmals deutlich, dass die HafenCity-Vision an zweifelhafte Annahmen gekoppelt ist, die oftmals nicht mit den Stadtvorstellungen der BürgerInnen kompatibel sind. Insofern erschien es zeitweise sogar so, als würde die HafenCity gegen den Willen der Mehrheit der BürgerInnen erbaut. Doch woher rühren die sozialen und ökonomischen Grundannahmen, wie eine hohe Flexibilität von gut ausgebildeten, hochqualifizierten SpezialistInnen (Human Ressources) und die viel beschworene hohe internationale Attraktivität dieses Projektes? Erst die Sicherheit mit der diese Annahmen verfochten werden, macht die HafenCity-Vision immun gegen jede sozialpolitische Kritik. Wer die Annahmen er „Visionäre“ nicht teilt, wird kurzerhand als unwissend abgeurteilt und im Diskurs, der ohnehin Mangelware ist, schlicht ignoriert. Die Forschungsfrage lässt sich deshalb kurz und prägnant auf folgende Formel reduzieren: Woher rühren die Dogmen der HafenCity-Vision? Dokumentiert sind diese im Leitbild „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ 6 sowie im „Masterplankonzept
3 Im Juni 2005 wurde das institut.was gegründet, welches für freie, wissenschaftliche
Kompetenz in sozialer Stadtentwicklung steht. Unter seinem Dach werden die
Probleme des Alltages von Morgen fokussiert, seine Konzepte fordern zum Handeln
im Jetzt auf, heißt es in seiner Präambel. Dieser hohe Anspruch soll durch die
Interdisziplinparität der Forschenden angestrebt werden. Es vereint insofern junge,
kreative Wissenschaftler aus Soziologie und Architektur, aus Betriebs- und
Volkswirtschaftslehre. Es steht für integrative Emanzipation sowie für Freiheit und
Offenheit in Wissenschaft und Praxis ein.
4 www.institut-was.de, Rubrik Sozialer Masterplan HafenCity
5 Pauls, S.: Hamburger Morgenpost, Wir wollen hier kein Luxusquartier, 1. August
2005, S. 8 f. (Auch verfübar unter www.institut-was.de, Rubrik Presse)
6 Es sind zwei „Leitbildteile“ verfügbar. Der erste Teil wurde am 11.07.2002 unter dem
Titel „Leitbild: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ veröffentlicht und soll im
Folgenden als Leitbild 2002 zitiert sein. Am 22.07.2003 wurde die „Fortschreibung
des Leitbildes: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ veröffentlicht, die als
Leitbild 2003 zitiert wird.
4
HafenCity“, was im Folgenden aufgezeigt wird. Aufgabe dieser Arbeit will es sein, die Herkunft dieser Dogmen und der allgemeinen HafenCity-Hybris theoretisch zu erklären. Hierzu wird eine der bekanntesten Theorien der modernen Stadtforschung, der „Raum der Ströme“ von Manuel Castells, vorgestellt und gezeigt werden, dass die Initiatoren der HafenCity-Vision den gleichen Grundannahmen anhängen, wie sie in Castells Theorie dokumentiert sind. Kritisch wird dies deshalb reflektiert, weil Castells Theorie ein typisches Abbild einer hochmodernen Informations- und Netzwerkgesellschaft ist. Sie geht völlig in den teilweise unreflektierten Vorstellungen über die Globalisierung auf.
1.2 Methodik
Das Leitbild und die HafenCity-Vision stehen in einem interdependenten Zusammenhang und zwar in folgendem Verhältnis:
• Die Idee der HafenCity (1997) ist zwar älter als das Leitbild (2002 und 2003), jedoch nimmt das Leitbild die Vision der HafenCity in sich auf und erkennt es als ein elementares Projekt der Wachsenden Stadt an. 7
Ein reflexiver Zusammenhang der typisch für Leitbilder jedweder Art sein muss, denn die Vision der „Wachsende Stadt“ entsteht natürlich nicht im luftleeren Raum, sondern greift oftmals auf vorhandene Projekte zurück (Pfadabhängigkeit). Werden diese als hilfreich oder notwendig erkannt, stoßen sie im Leitbildprozess auf positive Resonanz. Es wird versucht diese Visionen zu beschleunigen, zu intensivieren und gestalterisch zu beeinflussen.
Die angestellte Studie zeigt als Arbeitsergebnis auf, dass die HafenCity-Vision und ihre städtebaulichen Vorstellungen, in einer postmodernen
Stadtentwicklungstheorie zu finden sind - im Raum der Ströme, den Manuel Castells beschrieben hat. Castells allerdings schrieb seine Theorie in der Hochzeit der New Economy und sah die Welt im Umbruch zur „Netzwerkgesellschaft“. Seine vielbeachtete Theorie weist daher Schwächen und Gefahren auf. Teilweise beruhen diese auf der Hybris des damaligen Zeitgeistes (Big Bubble in der New Economy). Insgesamt handelt der Raum der Ströme die globalen Erfahrungen des so genannten „Schrumpfen des
7 Vgl. Kapitel: Die Vision der HafenCity im Leitbild
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Arbeit zitieren:
Oliver J. Haas, 2005, Die HafenCity im Kontext des Leitbildes - Utopie in Klinker, Glas und Stahl, München, GRIN Verlag GmbH
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