Inhalt
Einleitung 3
1 Anne Friedberg 5
1.1 Das Kino mobilzed gaze: eine erweiterte Form der Flanerie 5
1.2 Shopping Malls Ort der Flaneuse 7
2 Antje Wagner Liebesbriefe aus Erfurt 8
Fazit 11
Literatur und Quellenverzeichnis 12
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Einleitung
Jeder Mensch nimmt seine Umwelt auf unterschiedliche Art und Weise wahr, interpretiert Sachverhalte und Verhaltensweisen seiner Mitmenschen anders und besitzt ein individuelles Aufnahmevermögen, das diesen Menschen prägt und das er ebenso auf seine Umwelt reflektiert. Diese Hausarbeit soll sich mit dem Phänomen des expliziten Beobachters in der Stadt und in verschiedenen anderen sozialen Gefügen befassen – dem Flaneur und speziell in dieser Hinsicht auf die weibliche Form des Flaneurs eingehen. Was sind sozusagen 'typische' weibliche Charakteristika, welche Stile verfolgen und repräsentieren diese Frauen? Wie können und konnten sich Frauen im künstlerischen und literarischen Diskurs behaupten und ist eine Lesart der 'Flaneuse' als die weibliche Form des Flaneurs zulässig? Ist sie als dessen Gegenstück zu betrachten oder stellt sie eine eigene Gattung im weiteren Sinne dar? Der Typus Flaneur in der Literatur wurde von seinem früheren Ebenbild, dem Wanderer, abgeleitet, der die Natur durchstreifte und, an dem, was er dort beobachtete, seinen Gedanken und Gefühle artikulierte. Den Eingang in die Literatur fand er schließlich mit Edgar Allan Poes Erzählung „The man of the crowd“ von 1838. Seitdem sah sich der beobachtende Mensch in einer städtischen Welt, die geprägt war, durch stete Veränderung und rasanter Entwicklung im Alltag, der Industrie und vielen anderen Bereichen. Problematisch in diesem Bereich des künstlerischen, und in diesem Zusammenhang nicht immer literarischen Schaffens emanzipierter Frauen, besonders des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, ist die Tatsache, dass diese kaum gefördert und in der Kritik unwürdig als eine eigene, fast 'kuriose' Gattung von Versuchsreihen weiblicher Ausdruckskunst deklariert wurden. Das bedeutet also, dass Männer, und somit auch der männliche Flaneur, als einzige, für solche Aufgaben prädestinierte Menschen angesehen wurden. Aufgrund dessen müssen hier durch stete Distanziertheit, jedoch immer mit dem historischen Kontext der vorherrschenden männlichen Dominanz in jener Zeit, die Werke und vor allem die Interpretation dieser, von Frauen geschaffenen Künste betrachtet werden. Bisweilen werden an angemessenen Stellen Exkurse im intertextualen Diskurs unternommen, um mithilfe derer Bezug zum Sachverhalt zu intensivieren und gleichzeitig zu globalisieren. Des weiteren werde ich auf das Kino eingehen, da dies den Irrtum der alleinigen Existenz eines „rein männlichen Flaneurs“ aufdeckt, hintergründet und exemplarisch als Gegenargument zu sehen ist. Shopping Malls sollen in Anbetracht des weiblichen Typus klischeehaft veranschaulichen, welche Möglichkeiten und Grenzen der Frau entgegenstehen und analysiert ansatzweise diese neue Form der weiblichen Flanerie ohne ausschweifend in dieses Klischee zu verfallen. Das Thema der Frau als Autor und Künstler von Werken gegenüber der männlichen kritischen Betrachtungsweise ist
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teilweise noch bis in die heutige Zeit zu beobachten. Somit ist die Emanzipation der Frau in 'typisch männlichen' Bereichen immer noch aktuell. Prof. Dr. Anne Friedberg befasste und befasst sich engagiert als Wissenschaftlerin für Filme und Literatur mit diesem Thema und setzte somit Meilensteine in diesem Bereich der Forschung. Als regionaler Vergleichspunkt eignete sich für diese Arbeit die Stadtschreiberin für Erfurt, Antje Wagner, die 2005 ein Stipendium erhielt, um ihre Eindrücke der Stadt wiederzugeben. Leider war es nicht möglich, mit ihr persönlichen Kontakt aufzunehmen, ihre publizierte Reihe „Magische Schlangen“ in der Thüringer Allgemeinen Zeitung eröffnete jedoch eine gute Grundlage für eine Stilanalyse und die Wahrnehmung von städtischen Gegebenheiten einer weiblichen Person. In der gesamten Arbeit wurde immer wieder der Vergleich zu dem 'typischen' Flaneur als männliches Phänomen gezogen. Dadurch rückt stellenweise die Frau in den Hintergrund, jedoch nicht, weil der Flaneur qualitativ (wenn auch quantitativ) höherwertig wäre, sondern durch historische Tatsachen, dass die vermeintliche Flaneuse sich erst etablieren musste und somit nur bedingt Vergleichspunkte gezogen werden können.
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Mathias Seeling, 2006, Flaneur vs. Flaneuse - Abklatsch oder etablierte literarische Gattung?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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