Die Fernsehreportage
von Lars-Marten Nagel
Gliederung
1. Einleitung: Die Reportage, eine journalistische Darstellungsform
2. Reportage in den Printmedien
2.1 Historischer Abriss
2.2 Definitionsansätze und definitorisches Problem
2.3 Funktionsleitende Merkmale der Reportage
3. Reportage im Hörfunk
3.1 Formen
3.2 Gelegenheiten der Anwendung
3.3 Gestalterische Elemente
3.4 Konkurrenzverhältnis Fernsehen-Hörfunk
4. Folgerungen für die Fernsehreportage
4.1 Definitorisches Problem
4.2 Funktionsleitende Merkmale
4.3 Formen und die Gelegenheiten der Anwendung
4.4 Gestalterische Elemente
4.5 Stil- und Wirkungselemente
5. Geschichte der Fernsehreportage
6. Theoretischer Produktionsablauf der Fernsehreportage
6.1 Idee
6.2 Recherche und Kostenkalkulation
6.3 Dreh
6.4 Schnitt
6.5 Text und Ton
7. Wirklichkeit und Inszenierung
8. Analyse einer Beispielreportage: "Der Landarzt aus der Heide"
8.1 Inhalt und Kontext
8.2 Funktionsleitende Merkmale
8.3 Gestalterische, Stil- und Wirkungselemente
9. Schlusswort: Stärken und Schwächen der Fernsehreportage
10. Quellen
10.1 Monographien
10.2 Lexika und Jahrbücher
10.3 Sammelwerke und Aufsätze
10.4 Zeitungsartikel
10.5 Fernsehreportagen
Anhang
1. Einleitung: Die Reportage, eine journalistische Darstellungsform
Wer regelmäßig das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland verfolgt, kennt den Sendeplatz: Freitags um 21:15 Uhr läuft die ZDF-Reportage im Zweiten Deutschen Fernsehen. Sie hat fast jede Woche eine der attraktivsten Sendezeiten. Die 41 Sendungen des Jahres 2000 sahen im Schnitt 3,14 Millionen Menschen. Die Einschaltquote schwankte zwischen zwei und knapp fünf Millionen. Der Marktanteil lag zwischen 16,3 und 6,2 Prozent. Die Bedeutung dieses Reportageformats für die Medienlandschaft ist offensichtlich.
Die Reportagethemen sind vielfältig. So berichteten die ZDF-Reporter in drei aufeinander folgenden Wochen im Frühjahr 2002 über die Missstände in der deutschen Altenpflege und einen Sozialarbeiter, der dagegen ankämpft , über die deutschen Soldaten in Kabul und über Schauspieler, die in Hollywood vergebens nach ihrem Glück suchen. Von sozialen Brennpunkten über Politik hin zu Lifestyle und Gesellschaft, in allen Bereichen des Lebens lassen sich Themen für Reportagen aufspüren.
Obwohl ich mich bisher auf das ZDF bezogen habe, bleibt zu festzustellen, dass andere Sendeanstalten sowohl die Privaten als auch die Öffentlich-Rechtlichen ebenfalls Reportagen in ihren Programmen senden. Aufgrund des öffentlichen Auftrages und der Lage der Medienlandschaft in Deutschland ist allerdings die journalistische Qualität der Reportagen in den öffentlich-rechtlichen Programmen hervorzuheben.
Die Arbeit der Journalisten beginnt mit der Ideenfindung, der Themenwahl und der Recherche. Sie zieht sich über Planung und Dreh bis hin zum Schnitt. Eine Vielzahl von Arbeitsschritten muss erfolgen, bevor der Beitrag sendefertig vorliegt. Oft dauert es Monate. Unzählige Autoren, Kameramänner, Cutter, um nur die wichtigsten Beteiligten zu nennen, stecken hinter den dreißig Minuten am Freitagabend, die der Zuschauer so flüchtig konsumiert.
Was ist das Ziel dieser Hausarbeit? Schon dem Titel "Die Fernsehreportage" und den ersten einleitenden Worten ist zu entnehmen, dass hier ein weites Feld ohne konkrete Spezialisierung zu bearbeiten ist. Deswegen muss darauf verwiesen werden, dass die Hausarbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Dafür ist das Thema zu komplex. Ein Nachteil, der der Hausarbeit jedoch zum Vorteil gereichen sollten, denn die wichtigsten Teilbereiche des Themas werden in ihren wesentlichen Aspekten zusammengestellt. Außerdem sollen die Literaturhinweise dem interessierten Leser ermöglichen, schnell und einfach tiefer in die Materie vorzudringen.
Die Hausarbeit soll sowohl theoretische Grundlagen aufzeigen als auch die Theorie an Beispielen aus der Praxis überprüfen. So werden die Formen der Fernsehreportage, ihre Stärken und Schwächen betrachtet. Ebenso wird auf die handwerkliche Gestaltung und Umsetzung, auf die Macher und die Technik eingegangen. Mit der Untersuchung einer Beispielreportage, die dem eingangs erwähnten Reportageformat des ZDF entnommen ist, wird der Bezug zur Praxis hergestellt.
Bevor die Fernsehreportage in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, müssen die Medien Print und Hörfunk auf ihren Umgang mit der Reportage untersucht werden. Es kann vorweggenommen werden, dass die Fernsehreportage dort Vorläufer hat, die entscheidend Funktion, funktionsleitende Merkmale und die Elemente der Darstellungsform und damit auch ihres Fernsehablegers geprägt haben. Fest steht, dass allein die verschiedenen Präsentationsformen der Reportage - in der Zeitung auf dem Papier, im Hörfunk rein akustisch oder im Fernsehen mit betexteten Bildern - eine getrennte Untersuchung erfordern. Da es sich um drei verschiedene Medien handelt, existieren zwangläufig Unterschiede. Ob diese ausschließlich auf technischem Gebiet zu suchen sind und ob es Parallelen in der Anwendung der Reportage zwischen den Medien gibt, wird in dieser Hausarbeit erörtert.
2. Reportage in den Printmedien
2.1 Historischer Abriss
Auf den ersten Blick scheint es, als hätte die Printreportage wegen der grundverschiedenen technischen Präsentation nicht viel mit der Fernsehreportage gemeinsam. Doch wie ihr Medium ist sie in der Geschichte früher entstanden und prägte Reportagenormen lange bevor an Fernsehen und Radio zu denken war. Einen Teil dieser Normen haben Hörfunk und Fernsehen für sich übernommen. Das ist Grund genug, die Entwicklung der Printreportage näher zu betrachten.
Folgt man den Spuren der Reportage in der Geschichte, gelangt man zurück bis in die Antike. Es gibt frühe Formen der Reiseberichte unter anderem von Herodot, die reportagehafte Züge erkennen lassen. Diese Reiseberichte dienten in der Antike der Information über Fremdes und der Unterhaltung. Der Erzähler - die Berichte wurden oftmals mündlich vorgetragen - ließ das Publikum an seinen Erlebnissen teilhaben. Aus der gleichen Motivation heraus schreiben Journalisten noch heute Reportagen. Die Grundlagen der Reportage sind vermutlich so alt sind wie die literarische gestaltete Kultur. Das erscheint logisch, denn in gewisser Weise dient die Reportage der Befriedigung eines Bedürfnisses des Menschen: Sie stillt seine Neugier.
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Arbeit zitieren:
Lars-Marten Nagel, 2002, Die Fernsehreportage, München, GRIN Verlag GmbH
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