Einleitende Bemerkungen. Jeder Mensch ist von seiner Einzigartigkeit überzeugt und versucht dies durch Abgrenzung von anderen Personen zu bewahren. Zwar existieren durch Statisti - kenentwickelte Sollwerte, die vorschreiben, wann und wie man zu funktionieren habe, um im Bereich des "Normalen" zu liegen. Manche Eltern stellen sich deshalb die bange Frage, ob sich ihr Nachwuchs richtig entwickelt, wenn das hypothetische Alter mit dem ein Baby eben sprechen oder laufen lernt, ohne Erfolg überschritten wird. Dennoch besteht eine enorme Variationsbreite im Verhalten unterschiedlicher Individuen in ihrer Reaktion in offensichtlich gleichen Situationen. Auf der anderen Seite agieren Menschen, die sich in Gruppen zusammenschließen mit ganz anderen Verhaltensweisen, die sie als Einzelperson nie an den Tag legen würden. Zum Verständnis genügt ein Blick auf ein Fußballspiel. Hier kann es im Laufe des Wettkampfes zu einer recht hitzigen Atmosphäre zwischen den Fans der rivalisierenden Vereine kommen. In dieser Lage handeln die Individuen nicht mehr als Einzelne sondern als Gruppenangehörige. Zu beobachten sind Ausschreitungen, die schlimmste Ausmaße annehmen, ja sogar Menschenleben kosten können. Da nicht persönliche Feindschaft der Auslöser von solcher Aggressivität sein kann, muß die Beziehung zwischen den Gruppen die soziale Interaktion beeinflussen. Man spricht von einer Deindividuation. In diesem Zustand werden soziale Regeln vergessen. Selbst das sonst so wichtige gute Ansehen in den Augen anderer gerät in Vergessenheit - um die Kon _ sequenz, die auf das Handeln folgt, wird sich nicht gekümmert. Hemmungen werden reduziert und impulsives Verhalten, wie
- 2 - diesalles anscheinend durch die Anonymität, die durch die
Gruppe gewährleistet wird.
Traditionelle Ansätze. Im Laufe der Zeit sind viele Theorien entstanden, die das Verhalten von Menschenmassen mit den gleichen Konzepten wie das individuelle erklären wollten. Sigmund Freud und Konrad Lorenz, beides Vertreter der In-stinkt-Theorie, beschreiben Aggression als unvermeidliche Verhaltensweise.
Nach Ansicht Freuds existieren im Menschen zwei konkurrierende Triebe: der Lebenstrieb (Eros) und der Todestrieb (Thanatos). Während Eros der Fortpflanzung dient und somit das überleben sichert, zielt Thanatos auf Selbstzerstörung hin. Um dies zu verhindern, muß die im Körper erzeugte destruktive Energie nach außen gerichtet werden. Die sich so entladenen aggressiven Handlungen dienen zur Spannungsreduzierung. Der Aufbau der Spannungen beginnt nach der Entladung von neuem. Der Energieabbau muß jedoch nicht zwangsläufig in destruktiver Weise erfolgen. Er geschieht ebenso beispielsweise durch bissigen Humor oder in der Phantasie. Lorenz postuliert ebenfalls Aggression als angeboren. übertragen aus der Ethologie besteht sie aus einer spontanen Kampfbereitschaft, die das überleben des Organismus sichert. Jedem Individuum ist ein aggressionsspezifisches Potential eigen, das sich stetig aufläd, wozu er die Metapher des Dampfkessels wählt. Das unumgängliche Auftreten von Gewalt, wie die Entladung dieses Dampfkessels, ist nicht zu verhindern. Um aber unkontrollierte Ausbrüche von Aggression zu vermeiden, empfiehlt er die kontinuierliche Abfuhr kleinerer Energiemengen durch sozial akzeptable Formen. Als Beispiel wäre die Teilnahme an Sportwettbewerben zu nennen. Als Nachteil dieser beiden vorgestellten Theorien ist das Problem der empirischen Überprüfbarkeit zu nennen. Es lassen i h k i ä i V h d H th bl it
Arbeit zitieren:
Werner Müller, 1993, Theorie der sozialen Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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