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Inhaltsverzeichnis:
S e i t e
1. Autoren und Herkunft der Romane. 3
2. Die Erziehung Lanzelets 4
3. Die Erziehung Parzivals 8
4. Abschließender Vergleich zwischen Lanzelets und Parzivals Erziehung. 12
5. Literaturverzeichnis 15
3
Die Erziehung des Helden - Ein Vergleich zwischen Lanzelet und Parzival
1. Autoren und Herkunft der Romane
In dieser Arbeit soll die Erziehung der Helden der gleichnamigen Werke `Lanzelet´ von Ulrich von Zatzikhoven 1 und `Parzival´ von Wolfram von Eschenbach 2 in den Mittelpunkt gerückt werden. Beide Werke gehören der Gattung des Artusromans an und haben ihr Vorbild in den Artusromanen des Chrétien de Troyes, auch wenn Ulrichs `Lanzelet´ auf einer anderen, unbekannten französischen Quelle basiert. Im Zentrum dieser Romane steht stets König Artus mit seinem Hof und den Rittern der Tafelrunde. Die Ritter beziehungsweise Protagonisten müssen sich in einer Phantasiewelt bewähren, indem sie Abenteuer und Minneprüfungen bestehen. 3 Der `Lanzelet´ erscheint dabei als neues Modell des Artusromans, das wie erwähnt auf einer nicht erhaltenen Quelle beruht. Ulrich berichtet selbst 4 , dass er einem welschen buoch gefolgt sei, dass er von einem gewissen Hugo von Morville, einer der vornehmen Geiseln für Richard Löwenherz, erhalten hatte. Dabei könnte es sich um einen der Noblen handeln, die 1170 bei Ermordung Thomas Beckets zugegen waren. Seine endgültige Identität bleibt aber ebenso wie die Quelle des welschen buoches unbestätigt. 5 Das Werk ist wohl Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden und die Auftraggeber Ulrichs sind wahrscheinlich am Kaiserhof zu suchen. Dennoch erfährt man vom Autor selbst äußerst wenig über seine eigene Person und seine Gönner beziehungsweise Auftraggeber.
„ Ein Ulrich von Cecinchoven, den man allgemein mit dem Autor gleichsetzt, ist im Jahre 1214 als Leutpriester bezeugt, er war also lateinisch gebildet […], aber nicht Ritter, sondern Geistlicher.“ 6
`Lanzelet´ ist ein Aventiurenroman mit einem krisenlosen Held, der kontinuierlich aufsteigt. Nach einem vorbestimmten Programm soll der Held durch einen bestimmten Kampf seinen Namen erfahren und so in die höfische Gemeinschaft aufgenommen werden. 7
Da es sich bei Wolfram von Eschenbach um den bedeutendsten Epiker des Mittelalters handelt und er in Selbstaussagen mehr über sich berichtet als Ulrich, sind sein
1 alle folgenden Textzitate aus: Ulrich von Zatzikhoven 1965
2 alle folgenden Textzitate aus: Wolfram von Eschenbach 1973
3 Vgl. Brunner 2000, S. 194f
4 Vgl. Ulrich von Zatzikhoven 1965, V. 9322ff
5 Vgl. Ruh o.J., S. 34f
6 Mertens 1998, S. 89
7 Vgl. Mertens 1998, S. 90
4
Leben und seine Werke besser erforscht. Wolfram wurde um 1170 im fränkischen Ort Eschenbach (seit 1917 offiziell Wolframs-Eschenbach genannt) südöstlich von Ansbach geboren 8 und entstammt vermutlich einem armen Ministerialengeschlecht. Der `Parzival´ umfasst 24810 Verse, entstand auf Grundlage des `Perceval´ Chrétien de Troyes 9 und kann zwischen 1203 und 1210 datiert werden, da sich Wolfram auf kriegerische Handlungen der Jahre 1203/04 bezieht, bei denen Erfurt belagert und Weinberge verwüstet wurden. 10 Die Fülle von Wolframs Werken lassen darauf schließen, dass auch er an einem großen Fürstenhof beschäftigt war und dort als Berufsdichter Werke für seine hochgestellten Gönner schrieb. Bemerkenswert ist, dass Wolfram selbst von fehlender persönlicher Bildung spricht, dies aber in Worten und Wendungen der lateinischen Bildungstradition tut.
Bildung und Erziehung spielten demnach bereits im Mittelalter eine äußerst wichtige Rolle. Doch welch entscheidende Rolle die Erziehung von Lanzelet und Parzival für den weiteren Handlungsverlauf der Geschichten hat, soll im Folgenden dargestellt werden.
2. Die Erziehung Lanzelets (V. 189-666)
Der besondere Status, den Lanzelets Erziehung einnimmt, ist schon an ihrer Ausgangssituation zu erkennen. Die Familienverhältnisse in Genewis sind desolat, nachdem der Vater Pant getötet wurde und die Mutter Herzeloide vergeblich Zuflucht mit ihrem Kind Lanzelet sucht. In dieser Not greift die kluge Meerfee ein, die Lanzelet der Mutter raubt und ihn somit vor den blutrünstigen Untertanen des Königs schützt. Der Raub ist demnach keineswegs ein Verbrechen, sondern bewahrt das Leben des einjährigen Kindes.
„ Der Kindsraub ist eine notwendige Intervention, um dem schönen Knäblein und seiner Herrenzukunft Lebenschancen zu sichern. Die Trennung von der leiblichen Mutter wird entschärft durch die rührende Fürsorge der zehntausend Jungfrauen.“ 11 Die Meerfee bringt den Knaben nämlich in das Feenreich, dessen Königin sie ist und das unangreifbar (V. 215-220), vom Meer umschlossen und von großer Schönheit (222-225) ist. Zudem herrscht auf dem Inselreich ewiger Frühling und auch zeitliche Vergänglichkeit gibt es nicht: dehein dinc wart dà virne (226). Zudem ist es ein Ort jenseits aller negativen Stimmung und Gefühle wie Hass, Zorn oder Schmerz (230-
8 Vgl.Bumke 1991, S. 1
9 Vgl. Brunner 2000, S. 211f
10 Vgl. Mertens 1998, S. 102
11 Zellmann 1996, S. 192
5
233). Die Isolation nach außen und das paradiesische Leben während seiner Erziehung auf der Insel machen bereits die Sonderstellung Lanzelets in der Ritterwelt deutlich: 12 nun wuohs àn alle schande / daz kint in dem lande. / mit vreuden, àne riuwe. (241-243) Die Erziehung Lanzelets bei den Feen teilt sich auf in Courtoisie und körperliche Ertüchtigung. Stets muss Lanzelet getriuwe. / hübsch unde wol gemuot sein. (244f) Die Feen lehren ihm elegantes Auftreten und die zentralen Eigenschaften höfischer Kultur. Von den fröhlichen Damen lernt er im spielerischen Umgang die Grundlagen höfischen Verhaltens und höfischer Rede- und Gesprächskultur: „ Im Reich der merfeine konzentriert sich alles Helle, Höfische, Harmonische und Weltzugewandte. Die kultivierten Damen lehren den Knaben gemeinsam die Sprache der Gebärden und der unterhaltsamen Artigkeit im Umgang mit dem anderen Geschlecht. (256f)“ 13
Doch dabei sind die Frauen keineswegs strenge Lehrmeister, sondern gelten als höfische Ideale, die Lanzelet als Vorbild dienen. Er genießt eine musische Ausbildung, indem er Singen und allerhande seiten spil (263) lernt, was ebenfalls Ausdruck höfischer Bildung darstellt. Zudem lernt er, um nicht den Unmut der Damen heraufzubeschwören (258f), im rechten Maß zu schweigen, womit er den Kanon der hübescheit komplettiert: 14 wan er von adele was geborn ./ ze mâze muos er swigen. (260f) Da keine der zehntausend Feen je einen Mann erblickt hat, wächst mit der Zeit auch die Begierde der Frauen nach dem schönen Lanzelet. Während sie sich mit dem jugendlichen Gespielen amüsieren, verwischt „die Grenze zwischen mütterlicher Zuwendung und libidinösen Strebungen“: 15 der vrowen wunste iegelich, / daz er si sollte minnen (270f) Doch erneut ist die kultivierte Beherrschtheit dieser Gefühle für den jungen Schüler ein Vorbild höfisch korrekten Umgangs mit Frauen und der Minne, was sich z.B. bei seiner ersten Begegnung mit Iblis auszeichnen wird. 16 „Die Aneignung der Regeln der Courtoisie haben einen sozialen Sinn und zielen auf Formung, nicht auf intellektuelle Leistung.“ 17
Auch bei der körperlichen Erziehung verfolgt die Feenkönigin einen bestimmten Plan, der keineswegs in das fröhliche Bild des Feenreichs passt. In ihrem Reich der Frauen wird der Mann zwar nicht als künftiger Ehemann der Königin oder einer Fee erzogen, jedoch hat auch seine Erziehung einen Zweck. Mit Lanzelets Hilfe will sich die
12 Vgl. Schmid 1992, S. 244
13 Zellmann 1996, S. 192
14 Vgl. Zellmann 1996, S. 192f
15 Schmid 1992, S. 245
16 Vgl. Zellmann 1996, S. 196
17 Zellmann 1996, S. 195
Arbeit zitieren:
Diplom-Germanist / -Journalist Martin Siegordner, 2003, Die Erziehung des Helden - Eine Gegenüberstellung von Lanzelet und Parzival, München, GRIN Verlag GmbH
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