Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Robert Campin Seite 1
3. Der Mérode-Altar Seite 2
3.1 Der Stifterflügel Seite 4
3.2 Die Mitteltafel Seite 8
3.2.1 Die Wohnstube als Ort des heiligen Ereignisses Seite 8
3.2.2 Größenverhältnisse und Perspektiven im Bild Seite 8
3.2.3 Das Thema der Mitteltafel Seite 9
3.2.4 „Engelbrecht - ein sprechender Name“ Seite 12
4. Woran erkennt der Betrachter, dass es sich bei der
auf der Mitteltafel des Triptychons dargestellten Szene
um ein heiliges Ereignis handelt? Seite 13
5. Fazit Seite 17
6. Literaturverzeichnis Seite 18
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dem Mérode-Triptychon von Robert Campin beschäftigen. Nachdem ich den Maler des Werkes in seinem zeitlichen Kontext und die Geschichte des Altars vorgestellt habe, möchte ich sowohl den Stifterflügel als auch die Mitteltafel des Altars genauer beschreiben und analysieren. Auf den rechten Flügel, der Joseph in seiner Werkstatt zeigt, gehe ich nach Absprache mit dem Dozenten in dieser Hausarbeit nicht ein, da es den vorgegebenen Rahmen überschreiten würde.
Im Zentrum meiner Arbeit wird die spannende Frage stehen, wie es Robert Campin schafft, dem Betrachter zu verdeutlichen, dass es sich trotz des naturalistischen Umfeldes bei der dargestellten Szene um ein „Heilsgeschehen“ handelt. Ich werde herausarbeiten, welche Zeichen und Hinweise er dem aufmerksamen Betrachter liefert, um den versteckten Symbolgehalt des Werkes entschlüsseln zu können.
2. Robert Campin
Robert Campin wurde etwa 1375 in Tournai - im heutigen Belgien -geboren und verstarb dort im Jahre 1445, wobei die Angaben je nach Quelle unterschiedlich ausfallen. Von der Kunstgeschichte wurde er als eigenständiger Maler erst recht spät zur Kenntnis genommen, heutzutage gilt er jedoch neben Jan van Eyck als einer der Begründer der altniederländischen Malerei. Sein berühmtester Schüler war Rogier van der Weyden, wobei sich die beiden Maler im Laufe ihres Schaffens mehr und mehr gegenseitig beeinflussten, was auch bei der Betrachtung vieler ihrer Bilder deutlich wird. Über die Person des „Meisters von Flemalle“ 1 ist von Wissenschaftlern viel gerätselt worden und noch immer sind sie sich nicht ganz einig, ob es sich bei ihm und Campin um dieselbe Person handelt. Bei verschiedenen Bildern ist die Maltechnik tatsächlich nicht eindeutig voneinander zu trennen. Campins Werke weisen alle eine große Detailgenauigkeit auf und sind in ihrem Detail-
1 Der Meister von Flémalle (tätig um 1410-1440) ist einer der bedeutendsten Künstler der frühniederländischen Malerei. Er bekam seinen Namen nach drei Altartafeln, von denen man glaubte, sie stammten aus der Abtei Flémalle bei Lüttich (Eine Madonna, Die hl. Veronika, Die Heilige Dreifaltigkeit).
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Naturalismus revolutionär. Die menschliche Figur wird von ihm in einzigartiger Weise ebenso würdevoll und majestätisch wie naturnah und realistisch dargestellt. Durch die plastische Ausformung seiner Figuren schafft er es, dem Betrachter die Gefühlsregungen der dargestellten Menschen vor Augen zu führen. Zudem sind seine Bilder durch eine naturnahe Tiefe der Räume gekennzeichnet, auch wenn diese nicht immer mathematisch exakt dargestellt waren. Die Möglichkeiten der Ölmalerei verliehen den Gemälden eine Transparenz und leuchtende Tiefe, die bis dahin in diesem Maße nicht möglich war. Ihr neuartiger Naturalismus, die akribische Darstellung von Details, darunter auch von stofflichen Oberflächen, machten die flämischen Gemälde rasch in ganz Europa berühmt und zu einem begehrten Importartikel.
3. Der Mérode-Altar
Beim Mérode-Triptychon handelt es sich um ein Faltbild, das sich aus drei Teilen zusammensetzt: einem rechten und einem linken Flügel und der Mitteltafel. Die Flügel messen jeweils etwa 64 x 27cm und bestehen aus je einem Eichenbrett.
Die Mitteltafel misst 64,5 x 63,3cm und setzt sich aus drei Eichenbrettern zusammen, sie zeigt die Verkündigung an Maria. Auf dem linken Flügel ist ein kniendes Stifterpaar und auf dem rechten Flügel Joseph in der Werkstatt abgebildet.
Der Mérode-Altar ist eines der berühmtesten Werke der altniederländischen Malerei. Da es bis 1956 nur zweimal öffentlich gezeigt wurde - 1907 und 1923 - konnte es von Forschern lange Zeit nur anhand von Abbildungen diskutiert werden. Bevor das Triptychon 1956 vom Metropolitan Museum of Art in New York erworben wurde, kaufte es 1820 zunächst Fürst Arenberg in Brügge. Dieser vererbte es später an die belgische Adelsfamilie Mérode, die das Stück daraufhin jahrzehntelang in ihrem Besitz behielt. Da der
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Künstler zur damaligen Zeit noch unbekannt war, wurde das Werk schließlich auch nach ihr benannt.
Heute befindet es sich in der Mittelalterabteilung des Metropolitan Museums - The Cloisters - im Norden von Manhattan und wird dort im Spanish Room 2 ausgestellt. Die Aufmachung des Spanish Room stellt eine Art Inszenierung für den Museumsbesucher dar. Er soll das Kunstwerk in einem ähnlichen Umfeld betrachten, wie es die Menschen zur damaligen Zeit taten. Dem zur Folge ist der Spanish Room hauptsächlich mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen aus den Niederlanden des 15. Jahrhunderts ausgestattet: „Von der Decke hängt ein großer Engelleuchter herab. In einer Ecke des Raumes steht ein kostbares Wassergefäß mit zwei Ausgüssen und beweglichem Bügel, auf dem Tisch davor ein Kerzenständer, ebenfalls aus Messing, daneben ein blau gemusterter florentinischer Majolikakrug vom Ende des 14. Jahrhunderts. Der Eingangstür gegenüber hängt - als Prunkstück des ganzen Saales - das Mérode-Triptychon.“ 3 Aufgrund vielfältiger Untersuchungen geht man heute davon aus, dass das Mérode-Triptychons etwa in den Jahren 1425 bis 1428 entstanden ist. Peter Klein ist aufgrund seiner dendrologischen Untersuchungen, die ergaben, dass der jüngste Jahresring bei allen drei Brettern der Mitteltafel 1373 gewachsen ist, und die der beiden Flügel aus dem Jahr 1400 stammen, hingegen davon überzeugt, dass die Entstehungszeit für die Verkündigung bereits etwa um 1398, die der Flügel um circa 1425 anzusiedeln ist.
Relativ sicher ist inzwischen, dass das Mérode-Triptychon ein Auftragswerk und damit „ein charakteristisches Beispiel für ein privates Andachtsbild“ ist. 4 Wenn auch die Meinungen darüber auseinander gehen, ob die Verkündigungsszene und die Flügel alle von demselben Maler oder von unterschiedlicher Hand erstellt wurden. Thürlemann schreibt in seiner Monographie über Robert Campin - und stützt sich dabei auf die 1966 von Frinta erhobenen Zweifel an der Einheitlichkeit des Werkes: „Noch etwas irritiert. Der linke Flügel kann - auch in seiner
2 Der Spanish Room ist benannt nach seiner bemalten spanischen Holzdecke.
3 Thürlemann, Felix: Robert Campin - Das Mérode-Triptychon: ein Hochzeitsbild für Peter Engelbrecht und Gretchen Schrinmechers aus Köln. Frankfurt am Main: Fischer-Verlag 1997, S. 5
4 Thürlemann, Felix: Robert Campin. Eine Monographie mit Werkkatalog. München: Prestel 2002, S. 58
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Urfassung mit dem Mann allein (….) - nicht vom selben Künstler geschaffen worden sein wie die beiden übrigen Tafeln des Triptychons. Die Verkündigungsszene auf der Mitteltafel und der Josephsflügel sind ganz im Stil Robert Campins mit voluminösen, in starken Farben gehaltenen Figuren gefüllt. In perspektivisch fast gewaltsam geordnete Räume eingefügt, konkurrieren sie mit ebenso individuell aufgefassten, deutlich voneinander abgesetzten Gegenständen. Diese werfen bisweilen, von mehreren Lichtquellen gleichzeitig beleuchtet, doppelte und dreifache Schlagschatten. Ganz anders der Malstil des linken Flügels: Hier scheinen die Figuren und Gegenstände flächiger und weniger stark voneinander abgehoben. (…) Gewisse malerische Besonderheiten deuten daraufhin, dass der linke Flügel von Campins begabtestem Schüler, Rogier van der Weyden, geschaffen wurde.“ 5 Dafür würde ebenfalls sprechen, dass die Bretter der beiden Flügel jeweils das gleiche Fälldatum haben und dem zur Folge wahrscheinlich auch gleichzeitig hergestellt wurden. Robert Campin könnte van der Weyden daher als ein Mitglied seiner Werkstatt mit der Anfertigung des Stifterflügels beauftragt haben. Ob die Flügel tatsächlich bereits zum ursprünglichen Konzept des Werkes gehörten, oder sich erst „entwickelten“, wird weiterhin diskutiert. Eine Möglichkeit wäre, dass sich der Auftraggeber erst später für die Erweiterung durch die beiden Flügel entschied.
3.1 Der Stifterflügel:
Auf dem Stifterflügel sind drei Personen abgebildet: ein in schwarz gekleideter Mann, der einen Hut in der Hand hält und vor einer Türe kniet. Direkt hinter ihm eine Frau „im pelzgefütterten roten Rock und schwarzen Überwurf, einen Rosenkranz aus roter Koralle in den Händen“ 6 und ein auffällig gekleideter, bärtiger Mann am Tor. Wie aus dem obigen Zitat bereits hervorgeht und Röntgenaufnahmen belegen, war auf dem Stifterflügel ursprünglich der Mann alleine abgebildet. Die
5 Ebd., S. 65
6 Thürlemann, Felix: Robert Campin - Das Mérode-Triptychon: ein Hochzeitsbild für Peter Engelbrecht und Gretchen Schrinmechers aus Köln. Frankfurt am Main: Fischer-Verlag 1997, S. 10
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Isabelle Chelius, 2005, Die Darstellung des Heiligen im Mérode-Altar, Munich, GRIN Publishing GmbH
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