Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung 3
2 Geschichtlicher Hintergrund des Werkes 4
2.1 Biografischer Kontext 4
2.2 Historisch-politischer Kontext 5
2.3 Sozialer Kontext 6
3 Text und Wirkung 8
3.1 Einfl usse 8
3.2 Wichtige Argumentationslinien 10
3.3 Stilistische Mittel 16
3.4 Rezeption: Stimmen und Reaktionen 18
4 Fazit: Common Sense“ und die amerikanische Identit at 20
5 Bibliografie 22
5.1 Prim arquellen 22
5.2 Biografien uber Thomas Paine 22
5.3 Allgemeine und spezielle historische Darstellungen 22
5.4 Spezielle Schriften zu Paine bzw. Common Sense“ 23
5.5 Zeitschriftenartikel 23
5.6 Weitere zitierte Quellen 24
1 Vorbemerkung
Kaum ein Werk, das die amerikanische Revolutionszeit behandelt, l¨ asst es sich nehmen, auf Thomas Paines Pamphlet ” Common Sense“ zu verweisen. Die ” meisterhafte
Agitationsprosa“ 1 brach mit Tabus, polarisierte die ¨ offentliche Meinung, ” wurde von M¨ annern in ¨ offentlichen ¨ Amtern gelesen, in Clubs besprochen, in Schulen deklamiert
und in einem Fall, in Connecticut, anstelle einer Predigt von der Kanzel verlesen“. 2 Dennoch ist die Frage nach der Bedeutung von ” Common Sense“ f¨ ur die Unabh¨ angigkeit wenig hilfreich: Zu wenig und zu viel sei, wie Bernard Bailyn in seinem zentralen Essay ” The Anatomy of Common Sense“ bemerkt, ¨ uber den tats¨ achlichen Einfluss bekannt. Die Kenntnis ¨ uber Details der Entstehungsphase der Unabh¨ angigkeitserkl¨ arung lassen ” Common Sense“ in den Hintergrund treten. Die eigentliche Frage, die man stellen sollte, lautet also: Was ist das Besondere, das ” Common Sense“ von der restlichen politischen Literatur der Zeit unterscheidet? 3
Der transformatorische Kontext der Revolution bot die besten Voraussetzungen f¨ ur Ver¨ anderungen der Art des Wahrnehmens, Ausdr¨ uckens und Wertens politischer Probleme. Die neue politische Mentalit¨ at war ¨ Anderungen gegen¨ uber empf¨ anglich und
wandte sich statt der Vergangenheit den Problemen der Gegenwart und Zukunft zu. 4 Die vorliegende Arbeit wird die Besonderheiten in Paines Schrift ergr¨ unden und sich neben den weitreichenden, sofortigen Auswirkungen auf den politischen und gesellschaftlichen Diskurs auch dem Grad des Einflusses auf die amerikanische Identit¨ at uber die Revolutionszeit hinaus widmen. Die zentrale These stammt dabei aus dem ¨
bereits erw¨ ahnten Aufsatz des bedeutenden Historikers Bailyn. Sehr gute Analysen des Werkes bieten neben einigen Aufs¨ atzen, die speziellere Aspekte beleuchten, vor allem die literaturwissenschaftlichen Schriften von Woodcock (1992), Clark (1978) und Ginsberg (1977). Kramnick (1986) gibt einen konzisen ¨ Uberblick ¨ uber milieubedingte
Einfl¨ usse auf Paine und die Rezeption des Pamphlets. Außer den allgemeinen USA-Geschichtswerken, von denen besonders Sautter (1998) und Jones (1995) hervorzuheben sind, erm¨ oglichen Dippel (1985) und das k¨ urzlich erschienene Werk von Cogliano (2000) einen exzellenten Einblick in soziale und politische Details der amerikanischen Revolution. Die Dissertation von Woll (1992) soll nicht unerw¨ ahnt bleiben, die zu Paines Leben, Werk und Motivationen ein vollst¨ andiges Hintergrundwissen liefert.
1 Adams 1976, 221.
2 Benjamin Rush, zit. in: Ebd., 233.
3 Vgl. Bailyn 1979, 132.
4 Vgl. Greene 1978, 73.
3
2 Geschichtlicher Hintergrund des Werkes
2.1 Biografischer Kontext
Wenige der Paine-Biografen oder Rezensenten seiner Schriften sahen Thomas Paine als wirklichen Autor an, anders als seinen sp¨ ateren Gegenspieler im Diskurs ¨ uber die englische Verfassung, Edmund Burke, der bereits zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten politischen Prosaisten galt und gilt. Paine dagegen war mehr als Aktivist, Vision¨ ar und Polemiker bekannt, 5 eine Pr¨ amisse, die f¨ ur eine Stilanalyse seines ” Common Sense“ von besonderer Bedeutung ist.
Thomas Paine wurde 1737 in Thetford, England, als einziger Sohn des Korsettmachers Joseph Paine geboren und wuchs im Milieu der Londoner Unterschicht auf. Sein Vater, der der Glaubensgemeinschaft der Qu¨ aker angeh¨ orte, unterrichtete ihn im Alter von sechs bis dreizehn Jahren selbst im Handwerk und vermittelte ihm die notwendige Allgemeinbildung. 6 Zwanzigj¨ ahrig versuchte sich Thomas als Meister und Ladeninhaber in London. Aus dem Zolldienst wurde er 1765 nach drei Dienstjahren entlassen, vermutlich wegen Pflichtvergessenheit. Drei Jahre sp¨ ater ernannte man ihn wiederum zum excise officer, diesmal in Lewes, Sussex. Seine erste bekannte Schrift, ein Pamphlet ¨ uber
die Situation der Steuerbeamten (1772) sowie Paines Bem¨ uhungen, sich beim Parlament Geh¨ or zu verschaffen, brachten ihm 1774 die zweite Suspendierung ein. Im November des gleichen Jahres segelte Thomas Paine nach Amerika und erreichte Philadelphia mit einem Empfehlungsschreiben von Benjamin Franklin, den er in London kennen gelernt hatte. 7
Im M¨ arz 1775 war Paine bereits als Herausgeber der Zeitschrift The Pennsylvania Magazine t¨ atig, allerdings ohne Vertrag, sodass er auf sein Zusatzeinkommen als Privatlehrer angewiesen war. 8 In diesem Zusammenhang verwundert es zun¨ achst und mag als Nachweis f¨ ur Paines starke politische ¨ Uberzeugung gelten, dass er seine durchaus
respektablen Eink¨ unfte aus dem Verkauf seines am 10.1.1776 erschienenen Pamphlets national cause“) spendete: 9 Er ¨ Common Sense“ der amerikanischen Sache ( ubergab
” ”
die Rechte an der Schrift den Einzelstaaten der Union und leitete seinen Anteil in die amerikanische Kriegskasse. 10
Common Sense“ war eigentlich als Folge von Leserbriefen in einer Zeitung konzipiert
”
5 Vgl. Woodcock 1992, 171.
6 Vgl. ebd., 175.
7 Kurzbiografie in Woll 1992, 10-14. F¨ ur ausf¨ uhrlichere Biografien vgl. 5.2.
8 Vgl. Woll 1992, 50f.
9 Vgl. ebd., 51.
10 Vgl. Wilson/Ricketson 1989, 15.
4
gewesen, ein Plan, f¨ ur den Paine jedoch keinen Verleger fand. Sein Bekannter und Freund in Philadelphia, der Arzt Dr. Benjamin Rush, von dem auch der Titel der Schrift stammt, empfahl ihn dem schottischen Drucker Robert Bell, der sich auf das Projekt einließ. Bedingung war allerdings, dass Paine eventuelle Verluste selbst tragen m¨ usse. Etwaige Gewinne gingen zu H¨ alfte an Bell, die andere H¨ alfte stiftete Paine zum Kauf von Handschuhen f¨ ur die amerikanischen Soldaten in Quebec 11 - auch in dieser Vorvereinbarung manifestiert sich Paines uneingeschr¨ ankte Unterst¨ utzung der amerikanischen Kolonien, nicht nur ideologisch, sondern auch materiell. Trotz seines geringen Wissens um die amerikanischen Angelegenheiten hatte Paine Benjamin Franklins Anregung, eine Geschichte der britisch-amerikanischen Streitigkeiten zu verfassen, in das ber¨ uhmte Pamphlet ” Common Sense“, einen passionierten
Aufruf zur Unabh¨ angigkeit Amerikas von England, verwandelt. 12 Auf Grund der biografischen Konstellation scheint es trivial, zu erw¨ ahnen, dass Paine Engl¨ ander war. Dennoch muss dies auch und ganz besonders im Hinblick auf ” Common Sense“ betont
werden, da diese Schrift stark unter dem Einfluss des englischen Radikalismus steht, dem sich Paine in seiner Zeit in England nach und nach angeschlossen hatte. 13 Außerdem ist Paine insofern stellvertretend f¨ ur die amerikanische Bev¨ olkerung zu sehen, als es sich 1776 ohnehin noch nicht um ” Amerikaner“, sondern um Engl¨ ander in engli-
schen Kolonien handelte - ein Umstand, der sich besonders in der Argumentation der Unabh¨ angigkeitserkl¨ arung niederschlagen sollte. 14
2.2 Historisch-politischer Kontext
Seit dem Ende des Siebenj¨ ahrigen Krieges 1763 hatte sich ein Konflikt zwischen dem Mutterland und den Kolonien entz¨ undet und stetig weiterentwickelt. Neben der ungeschickten und unflexiblen Politik der Londoner Regierung - als bekannte und besonders signifikante Beispiele m¨ ogen der Sugar Act (1764), der Stamp Act (1765), die Townshend Acts (1767) und der sp¨ aterhin eskalationsf¨ ordernde Tea Act (1773) gelten - taten das Desinteresse der Krone in Gestalt von George III. (Amtszeit 1760-1820) an den amerikanischen Entwicklungen und die ung¨ unstige zeitliche ¨ Uberlagerung bestimmter
Ereignisse, z.B. des Quebec Acts mit den Coercive Acts 15 ihr ¨ ubriges, die Streitigkeiten
11 Vgl. ebd., 15.
12 Vgl. Bailyn 1979, 129.
13 Vgl. Kramnick 1986, 77.
14 Vgl. genauere Ausf¨ uhrungen in 1.3.
15 Die 1774 als Strafaktion f¨ ur die erlittenen ¨ okonomischen und ideellen Verluste der Boston Tea
Party (1773) erlassenen Coercive Acts fielen mit dem Quebec Act zeitlich zusammen. Obwohl Letzte-
rer eigentlich zur L¨ osung administrativer Probleme in der vorwiegend franz¨ osisch besiedelten Provinz
Quebec dienen sollte, wurde er in Amerika als Bestandteil der von den Kolonisten als Intolerable Acts
5
zu versch¨ arfen. Als im April 1775 bei Concord und Lexington der bewaffnete Konflikt ausbrach, war der amerikanische Kontinentalkongress bereits ¨ uber ein halbes Jahr alt
und konnte im Mai die kolonialen Milizen zur Kontinentalarmee und George Washington zu deren Oberbefehlshaber machen. 16
Obgleich die amerikanischen Truppen außer der Eroberung Montreals im November 1775 keine nennenswerten milit¨ arischen Erfolge errungen hatten, folgten die Ereignisse im Fr¨ uhjahr 1776, also nach der Publikation von ” Common Sense“, rasch aufeinander:
Im M¨ arz zog sich der britische General Lord Howe mit seiner Armee und ¨ uber 1.000
Loyalisten auf Schiffen nach Halifax (Neuschottland) zur¨ uck; im April ¨ offnete der Kongress die amerikanischen Seeh¨ afen f¨ ur den Handel mit allen L¨ andern außer Britannien. Bereits im Mai empfahl er den Kolonien die Bildung unabh¨ angiger Staatsregierungen und im Juli nahm er die ber¨ uhmte Resolution Richard Henry Lees an, nach der ” these
United Colonies are, and of right ought to be, free and independent states“. 17 Thomas Jefferson gilt als Hauptverfasser der eigentlichen Unabh¨ angigkeitserkl¨ arung, welche die Pflichtverletzungen der englischen Krone aufz¨ ahlt und Rebellion und Unabh¨ angigkeit so moralisch und rechtlich legitimiert.
2.3 Sozialer Kontext
Ursache der amerikanischen Revolution waren nicht soziale Ungleichheiten. Dennoch erkennt Bernard Bailyn in ihr eine subtile, indirekt und latent vorhandene soziale Common Sense“ unter anderem einwirke. 18 Horst Dippel Komponente, auf welche ”
beschreibt neben der so genannnten Pflanzeraristokratie, der d¨ unnen Oberschicht der s¨ udlichen Kolonien, auch im Norden eine verst¨ arkte soziale Differenzierung:
Die politische F¨ uhrung in der Kolonie [hier: Pennsylvania] unterhalb der Ebene des Eigent¨ umers lag fest in der Hand einer kleinen, elit¨ aren Oberschicht, die nicht von ungef¨ ahr als Proprietary Gentry bezeichnet wurde. 19
Trotz der ethnischen Heterogenit¨ at z.B. Pennsylvanias oder New Yorks habe die Elite fast ausschließlich aus englischen Einwanderern bestanden. Dippel unterscheidet im Folgenden st¨ adtische und l¨ andliche Mittelklassen von der vierten Schicht der ” Laboring
Poor“, 20 die jedoch im Verh¨ altnis zur europ¨ aischen Unterschicht zahlenm¨ aßig geringer ausgefallen sei. Coglianos Unterscheidung zwischen ” those who worked with their bezeichneten Serie von Strafgesetzen rezipiert.
16 F¨ ur detaillierte historische Darstellungen der Revolutionszeit vgl. 5.3.
17 Zit. in Jones 2 1995, 47.
18 Vgl. Bailyn 1979, 141f.
19 Dippel 1985, 32.
20 Ebd., 33.
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Arbeit zitieren:
Christof Belka, 2001, Tis time to part: Thomas Paines -Common Sense- und seine Auswirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
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