Inhalt
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1. Einleitung 3
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit 3
1.2 Das Märchen in der europäischen Kultur 4
Definition des Volksmärchens
Symbolsprache im Märchen
Funktion Moral
2. Der Spiegel im europäischen Märchen von damals und heute 5
2.1 Sneewittchen Der sprechende Spiegel der Königin 5
2.2 Die Schneekönigin Der trügerische Spiegel des Teufels 8
2.3 Harry Potter Der Spiegel Nerhegeb 9
3. Ein Blick über den Tellerrand
Der Spiegel im Märchen fremder Kulturen 11
3.1 Der Prinz Zeyn Alasnam und der König der Geister 11
3.2 Das Kagami 12
4. Vergleich 13
5. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit
Seit jeher gehört der Spiegel zu einem der geheimnisvollsten und faszinierendsten Motive in Literatur, Kunst und Kultur.
Im Rahmen des Seminars „Sinnesgeschichten III – Spiegelbilder, Augenblicke“ wurde die Rolle des Spiegels in verschiedenen Zusammenhängen beleuchtet: Seine kulturelle Geschichte, sein Auftreten in der Mythologie und die Beziehung zwischen sehendem Mensch und reflektierendem Spiegel wurden eingehend erörtert.
In dieser Hausarbeit soll die Rolle des Spiegels innerhalb des literarischen Genres des Märchens analytisch betrachtet werden. Dazu werden märchenhafte Erzählungen unterschiedlicher Herkunft – sowohl zeitlicher, als auch kultureller – als Beispiele herangezogen: Die beiden europäischen Volksmärchen „Sneewittchen“ und „Die Schneekönigin“ aus der Zeit der Romantik erlauben einen Blick auf traditionelle Verarbeitung des
Spiegelmotivs in der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts. Die Geschichte von Harry Potter als „Märchen unserer Zeit“ offenbart, wie auch heute die Faszination des Spiegels in der Kinderliteratur Beachtung findet. Das Märchen „Der Prinz Zeyn Alasnam und der König der Geister“ aus dem arabischen Raum und das asiatische Märchen „Das Kagami“ zeigen den literarischen Umgang mit dem Spiegel in zwei fremden Kulturen. Im Vordergrund der analytischen Betrachtung soll die Frage nach der Art und Weise stehen, auf welche der Spiegel eingesetzt wird und welche besonderen Eigenschaften ihm jeweils zugeschrieben werden.
Unter der Annahme, dass das Märchen als erzieherisch agierender Text eine moralisierende Wirkung hat, soll dargestellt werden, welche Botschaft im Zusammenhang mit dem Spiegel vermittelt wird.
Des weiteren soll die in Überlegung einfließen, ob die Rolle des Spiegels etwas über bestimmte kulturelle Gegebenheiten verrät.
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Die aus den oben vorgestellten Fragestellungen resultierenden Ergebnisse sollen vergleichend gegenübergestellt werden.
1.2 Das Märchen in der europäischen Kultur
Der Begriff des Märchens ist heute klar definiert. Abgeleitet von „Mär“ bezeichnet es „eine phantasievoll ausgeschmückte Erzählung, bei der die Naturgesetze aufgehoben sind und das Wunder vorwaltet. Tiere und Gegenstände aller Art sprechen und verkehren mit den Menschen auf einer Ebene. Es gibt zaubermächtige Helfer und wunderbare Hilfsmittel. Der Abschluß des M. ist immer befriedigend, von ausgleichender Gerechtigkeit [...].“ 1 Das europäische Märchen wird seit dem 9. und 10. Jh. vor allem von keltischen Geschichten beeinflusst, später lassen sich jüdische und byzantinische und seit den Kreuzzügen indische Einflüsse herauslesen. Ein erstes konkretes wissenschaftliches Interesse an Märchen erwachte im 18. Jahrhundert. 2 Zugleich entdeckte man den symbolischen Charakter des
Märchens 3 und beschäftigte sich intensiver mit einzelnen Motiven. Erst durch die wissenschaftlich – systematische Arbeit und Erforschung des Unbewussten von Sigmund Freud konnte für Träume und auch für das Märchen eine Deutungsbasis geschaffen werden. Für Freud stehen Träume und kindliche Vorstellung in direktem Zusammenhang.
Es ist jedoch anzunehmen, dass Märchen in Europa ursprünglich nicht ausschließlich als Literatur für Kinder verstanden wurde. Vielmehr zeigen sie Lösungsvorschläge für zwischenmenschliche Konflikte auf. Bei der Entschlüsselung der Botschaft eines Märchens kann aber ähnlich
vorgegangen werden wie in der Traumdeutung, in der nach heutigen Erkenntnissen der Spiegel als Symbol für selbstkritische und selbstgefällige
Aus: Neues großes Volkslexikon, Fackelverlag G.Bowitz GmbH/ Stuttgart
1 2 2 Winckelmann, Hamann und J. G. Herder.
Symbolische Schule: Chr. C. Heyne, F. Creuzer und J. Görres. „Mythen sind der
3 symbolische Ausdruck tiefer philosophischer Erkenntnisse und Gedanken und enthalten eine mystische Lehre von einigen der tiefsten Wahrheiten über Gott und die Welt.“
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Selbstbetrachtung, aber auch als Zeichen der Unsicherheit und des Minderwertigkeitsgefühls gehandelt wird. 1
2. Der Spiegel im Märchen
Mit dem Märchen von Sneewittchen schufen die Gebrüder Wilhelm und Jacob Grimm eines der populärsten deutschen Volksmärchen überhaupt. Sein bekannter Vers, möglicherweise der populärsten Satz aus der gesamten westlichen Märchenwelt lautet:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Man kann vermuten, dass das Märchen von Sneewittchen sich deshalb eines so enormen Bekanntheitsgrades erfreuen kann, weil es das Motiv des wunderbaren Spiegels, und damit das eines ohnehin schon rätselhaften Gegenstandes, aufgreift. Diese Theorie unterstützt auch Franz Vonessen in seinen Überlegungen zum Zauberspiegel und behauptet, das Spiegelmotiv sei so einprägsam wie kaum ein anderes. 1 Die Frage, wer die Schönste im ganzen Land sei, wird von der Stiefmutter der Titelheldin an deren zauberhaften Spiegel gerichtet. Sie erhält auf diese Frage hin stets die Antwort, dass Sneewittchen schöner als sie sei. Daraufhin beginnt die Königin ihre Stieftochter zu hassen und gibt in Auftrag, sie zu töten. Sneewittchen entgeht dem Anschlag und findet fortan Zuflucht bei den sieben Zwergen. Die Königin glaubt Sneewittchen tot. Auf die erneute Frage an den Spiegel, wer die Schönste im ganzen Land sei, antwortet dieser aber:
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Quote paper:
Jennifer Kuhnert, 2004, Die Rolle des Spiegels in der märchenhaften Erzählung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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