Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definitionen im Vergleich 3
3. Wissenschaftliche Stellungnahmen im Vergleich 4
4. Interview mit Frau L. 6
5. Pädagogik und Antipädagogik in der Sozialpädagogik. 7
6. Schlussbetrachtung 7
Interview mit Frau L. 8
Bibliografie 10
2
1. Einleitung
Pädagogik und Antipädagogik - jeder Sozialpädagoge kennt diese Begriffe. Wer sich schon einmal näher mit ihnen auseinander gesetzt hat und die erheblichen Unterschiede zwischen beiden Theorien kennt, wird sich nur schwer vorstellen können, dass es einen „fruchtbaren Dialog“ 1 zwischen ihnen gibt. Und doch wird einleitend die These aufgestellt, dass Pädagogik und Antipädagogik mehr Parallelen haben und stärker zusammenwirken, als so manch einer denkt - u.a. in der Sozialpädagogik. Dies soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden. Nach zunächst einführenden Definitionen über beide Disziplinen werden unterschiedliche Stellungnahmen aus der Literatur miteinander verglichen und zunehmend in Verbindung zueinander gesetzt. Ein Interview mit einer Sozialarbeiterin und ein Bezug zur Sozialpädagogik runden die Ausführungen ab. Es ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, einen tiefergehenden wissenschaftlichen Einblick in Pädagogik und Antipädagogik zu vermitteln. Stattdessen sollen bewusst sich scheinbar widersprechende Aussagen gegenübergestellt werden, um die These zu unterstreichen, dass die vermeintlichen Widersprüche gar nicht zwangsläufig wirkliche Widersprüche sind.
2. Definitionen im Vergleich
Wissenschaftliche Definitionen von Pädagogik und Antipädagogik könnten zunächst einmal nicht entgegengesetzter und damit unvereinbarer zueinander erscheinen.
So bedeutet Pädagogik bzw. Erziehung als Instrument der Pädagogik die „Summe der Reaktionen einer Gesellschaft auf die Entwicklungstatsache“ 2 . Grundgedanke der Pädagogik ist, dass junge Menschen nicht von Geburt an mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet sind. Die Antipädagogik setzt dem entgegen, dass ein Kind sehr wohl fähig sei, von Geburt an das eigene Beste zu spüren. 3 Geht die Pädagogik folglich davon aus, Menschen schrittweise Kompetenzen erwerben zu lassen, um sie zu mündigen Menschen zu machen, sind die Antipädagogen hingegen davon überzeugt, dass jedes Kind selbst die Kraft für seine eigene Entwicklung hat. 4 Erziehung ist also der maßgebliche Begriff, an dem sich Pädagogik und Anti-
1 Schoenebeck,Hubertus von: Antipädagogik im Dialog. Eine Einführung in antipädagogisches Denken. 3.Auflage. Weinheim; Basel 1992. S.14.
2 Bernfeld, S.: Sisyphus oder die Grenzen der Erziehung. 6.Auflage. Frankfurt am Main 1990. Nach: Thole, Werner; Hans Pfaffenberger: Erziehung. S.280. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.): Fachlexikon der sozialen Arbeit. 5.Auflage. Frankfurt am Main 2002. S.280-281.
3 vgl. von Schoenebeck 1992. S.19.
4 vgl. Menck, Peter: Was ist Erziehung? Eine Einführung in die Erziehungswissenschaft. Donauwörth. 1998. S.23 und 174.
3
pädagogik reiben. VON SCHOENEBECK fasst dies in zwei markanten Sätzen zusammen: „[D]er (junge) Mensch ist ein zu erziehendes Wesen“ auf der Seite der Pädagogik, „[d]er (junge) Mensch ist kein zu erziehendes Wesen“ auf der Seite der Antipädagogik. 5
Noch eindeutiger wird dies, betrachtet man die daraus abzuleitenden Konstellationen, die zwischen Menschen, z.B. Eltern und Kind, entstehen. Wenn es - den Ideen der Pädagogik nach - Unmündige (Kinder) gibt, denen Werte und Normen der Gesellschaft erst gelehrt werden müssen, setzt dies Mündige (Eltern) voraus, die (theoretisch) über Ersteren stehen. Auf-grund des freiheitlich-demokratischen Bildes vom Kind, das Antipädagogen anführen, werden Kind und Eltern hier als nebeneinander gleichgestellt aufgezeigt. 6
Deutlicher können Widersprüche nicht sein. Dass trotzdem Gemeinsamkeiten oder zumindest Anhaltspunkte für den eingangs benannten „fruchtbaren Dialog“ zu finden sind, soll im Folgenden dargestellt werden.
3. Wissenschaftliche Stellungnahmen im Vergleich
OELKERS und LEHMANN definieren Erziehung als einen bewusst gestalteten Prozess, der Mündigkeit erst hervorbringe (Hervorhebung durch den Verfasser). Dass Mündigkeit mit Werten und Normen besetzt ist, wurde bereits in Kapitel 2 gesagt. Darüber hinaus gehend aber kann - in Bezug zur Philosophie der Aufklärung und Immanuel Kant - Mündigkeit mit Vernunft und Freiheit verbunden werden. 7 Diese sind daher als Ziele von Erziehung zu nennen. Unter dem bewusst gestalteten Prozess ist ein Verhältnis zwischen Eltern und Kind zu verstehen, das über den bloßen Umgang hinausgeht. Er orientiert sich nach bestimmten Maximen, mit denen dem Kind Vernunft und Freiheit näher gebracht werden sollen. 8 Erziehung ist - in Hinblick auf ihre Intention, Mündigkeit hervorzubringen - „objektiv die Vermittlung des Gesetzes und subjektiv die Herausbildung personaler Identität“ 9 . Gemeint ist, dass gesellschaftliche Rechte und Pflichten zusammen mit Moralvorstellungen und Charakterbildung Kernelemente der Erziehung sind und sich wechselseitig beeinflussen.
Diese Theorie kann in ihrer Schlüssigkeit problemlos nachvollzogen werden. Es stellt sich die Frage: Was hat nun die Antipädagogik dem konkret entgegenzusetzen?
5 Von Schoenbeck 1992. S.19f.
6 vgl. Braunmühl, Ekkehard von: Antipädagogik. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.) 2002. S.44.
7 vgl. Oelkers, Jürgen; Thomas Lehmann: Antipädagogik: Herausforderung und Kritik. 2.Auflage. Weinheim; Basel 1990. S.112.
8 vgl. Oelkers; Lehmann 1990. S.118ff.
9 Oelkers; Lehmann 1990. S.122.
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Arbeit zitieren:
Henning Becker, 2006, Pädagogik und Antipädagogik in der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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