Inhaltsverzeichnis ► Die Faszination des Gruselns
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Die Gespenstergeschichte 4
Die Faszination des Gruselns 4
Das Gespenst 6
Das Wort. 6
Das Motiv. 6
Unterscheidungskriterien 8
Linear , analytisch oder retrospektiv 8
Mysteri ös, fantastisch oder unecht 8
Scherzspiel , Märchenspiel, Illusionsspiel oder Anekdoten-Spiel. 9
William Fryer Harvey 10
Kurzbiografie 10
Werke. 10
Die Bestie mit fünf Fingern 11
Strukturanalyse 11
Merkmale der Gespenstergeschichte 15
Fazit. 21
Literatur 22
2
Einleitung
Gespenstergeschichten und unheimliche Erzählungen haben mich schon immer in ihren Bann gezogen. Diese Faszination ist begründet in dem schauerlichen Gefühl, welches sich beim Lesen langsam aufbaut - und im Erschrecken bei den Höhepunkten des Spuks und Grusels, von dem die Geschichten handeln. Die Geschichte „Die Bestie mit den fünf Fingern“ von William Fryer Harvey 1 entdeckte ich bei der Studie des Artikels „Die Struktur der Penzoldt 2 Gespenstergeschichte“ von Peter im Rahmen eines
literaturwissenschaftlichen Hauptseminars. Darin zitiert der Autor die Klimax der Geschichte von W.F. Harvey.
Beim Durchlesen des kurzen Auszugs wurde ich gleich zu anfang von einem unheimlichen Schauergefühl erfasst. Beeindruckend war das unmittelbare Erleben des gruseligen Höhepunkts. Kurz darauf las ich die ganze Geschichte und war von ihrem Aufbau begeistert; zwar „einfach“ gestaltet, aber dennoch charakteristisch für eine Gespenstergeschichte, die mich als Leser eindrucksvoll zum Gruseln brachte.
Deshalb habe ich diese Geschichte für eine eingehende Analyse im Rahmen dieser Hausarbeit ausgewählt.
Im Folgenden werden die Merkmale der literarischen Gattung der Gespenstergeschichte beschrieben und der Autor W.F. Harvey mit einer Kurzbiographie und einem groben Überblick seiner Werke vorgestellt. Des Weiteren wird die Erzählung „Die Bestie mit den fünf Fingern“ strukturell und unter den Aspekten als Gespenstergeschichte analysiert.
1 Harvey, William Fryer (1964): Die Bestie mit den fünf Fingern. Gruselgeschichten. Aus dem Englischen übertragen von G. Eichel und mit einem Vorwort von M. Richardson. Zürich: Diogenes Verlag.[Orig.: The
beast with five fingers and other midnight-tales. J.M. Dent & Sons, London 1946]
2 Penzoldt, Peter: „Die Struktur der Gespenstergeschichte“. In: R.A. Zondergeld (Hg.)(1952): Phaicon 2. Frankfurt a. M., S. 11 - 32. 3 Seite
Die Gespenstergeschichte
Die am Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Gespenstergeschichte gehört zu den modernen Erzählgattungen. In diesem Kapitel soll ihre Entstehungsgeschichte beleuchtet und auf das Wort „Gespenst“ sowie auf das gleichnamige Motiv eingegangen werden. Des Weiteren sind die möglichen Unterscheidungskriterien bei Gespenstergeschichten zu klären.
Die Faszination des Gruselns
Schon seit Jahrhunderten werden Geschichten mündlich weitergegeben, die die Zuhörer erschaudern lassen. Der Inhalt solcher Erzählungen dreht sich um unheimliche Begegnungen von Menschen mit Verstorbenen oder Gespenstern, welcher die Zuhörer schockiert und ängstlich in seinen Bann nimmt. Aber das Erschaudern bei solchen Geschichten tut deren Weitergabe an andere Menschen keinen Abbruch. Ist es nicht eigentlich seltsam, dass sich die Menschen mit solchen buchstäblich unerklärlichen, nicht plausiblen Inhalten schon seit jeher beschäftigen?! Und ist es nicht erstaunlich, dass sie dabei mehr oder weniger freiwillig unangenehme Empfindungen wie Angst und Erschrecken in Kauf nehmen?
Richard Alewyn 3 bringt es auf den Punkt: Die Menschen empfinden diese Angst als lustvoll.
Vor der Aufklärung brauchte man nicht unbedingt Geschichten zum Gruseln. Da gab allein die Dunkelheit der Nacht, ein starkes Gewitter und steinige Gebirgslandschaften genug Anlass, dass die Menschen sich fürchteten. Der Glaube an Gespenster und ähnliche mysteriöse Gestalten, wie beispielsweise Geister, Kobolde, Dämonen und Elfen war fest in den Ansichten und dem Glauben der Menschen verwurzelt.
Nachdem die Aufklärung diese alltäglichen Phänomene weitgehend entzaubert hatte, stellte sich ein Gefühl der Sicherheit ein. Alles war erklärbar und die unheimlichen Wesen wurden als nicht existent erklärt. Und genau dieser Umstand erfüllte die Vorbedingung „Angst als Genuss ohne Risiko“ 4 zu empfinden. Nur wer sich in Sicherheit wiegt, kann ein „angenehmes Schaudern“ 5
3 Alewyn, Richard: „Die Lust an der Angst“. In: Ders (1974): Probleme und Gestalten. Frankfurt/Main: Verlag. Seite 307 - 330.
4 Alewyn. 1974. Seite 316.
5 Alewyn. 1974. Seite 313. 4 Seite
empfinden. Ist man in einer realen Angstsituation, wird wohl niemand behaupten, dass der dabei gefühlte Zustand sehr angenehm ist. Aber neben der Sicherheit gibt es auch noch eine andere Vorbedingung, um Angst lustvoll zu erleben: Der Glaube an Gespenster. Dieser ist trotz der Aufklärung nicht gänzlich verschwunden und steht im Gegensatz zur Überzeugung der Vernunft. Alewyn zitiert in seinem Artikel eine angesehene Dame der französischen Gesellschaft, deren Aussage das nach der Aufklärung herrschende Gefühl beschreibt. Die Marquise du Deffand gibt auf die Frage, ob sie an Gespenster glaube, folgende Antwort: „Ich glaube nicht daran, aber ich fürchte mich davor.“ 4 Obwohl ihre Vernunft ihr suggeriert, dass Gespenster nicht existieren, empfindet sie dennoch Furcht vor solchen Wesen. Eigentlich gilt der Gespensterglaube als verloren, die Angst ist jedoch geblieben. Die Menschen haben anscheinend trotz der Aufklärung ihre „fantastische Furcht“ behalten.
Was letztendlich die Entstehung von Gespenstergeschichten und Schauerromanen begründet, macht folgende Aussage deutlich: „Was aus dem Leben vertrieben war rettet sich in die Literatur“ 6 . Anders gesagt bietet Literatur damals wie heute die beste Möglichkeit, Angst und Erschrecken ohne eigenes Risiko zu vermitteln.
Als Mitbegründer des
„gothic novel“
6
, also dem Schauerroman, gilt
Sir Horace
Walpole 6 , der 1764 seine Geschichte vom „Castle of Otranto“ veröffentlichte. Danach folgten viele Autoren seinem Beispiel, wobei von dem Wort „mystery“ 7 oft Gebrauch gemacht wurde.
In Deutschland setzte Schiller 1789 mit seinem Roman „Der Geisterseher“ 8 den Trend aus England fort.
Es wurden in den folgenden Jahrhunderten bis heute unzählige Gespenstergeschichten und unheimliche Erzählungen geschrieben. Die Gespenstergeschichte etablierte sich erfolgreich in der Weltliteratur und ist heutzutage in unzähligen Bücherregalen zu finden.
6 Alewyn. 1974. Seite 319.
7 engl. mystery = dtsch. Geheimnis, Rätsel
8 Schiller, Friedrich (1996): Der Geisterseher. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 5 Seite
Das Gespenst
Um den Merkmalen und der Bedeutung der Gespenstergeschichte auf den Grund zu kommen, ist eine nähere Betrachtung des Ausdrucks „Gespenst“ vonnöten. Deshalb wird im Folgenden auf das Wort und das Motiv „Gespenst“ eingegangen.
Das Wort
Das Wort „Gespenst“ gründet im althochdeutschen Wort „spanan“, das „locken“ bedeutet. Das Wort „gispanst“ oder „gespanst“ meint zu anfangs die Verlockung und Verführung der Menschen durch den Teufel 9 . Des Weiteren werden die „im Umfeld des Volksglaubens und des Dämonismus vor allem schreckende Gestalten und Erscheinungen“ 9 derart bezeichnet. In den Lexika findet man bei „Gespenst“ viele Beschreibungen, wie beispielsweise „Geist, Spukgestalt, Erscheinung eines Toten, Trugbild, drohende Gefahr“ 10 .
Das Motiv
Um Verwechslungen mit gespensterähnlichen Gestalten zu vermeiden, muss geklärt werden, was ein Gespenst genau ist. Allerdings sei vorweggenommen, dass eine scharfe Definition kaum möglich ist, da der Begriff für eine Vielzahl von paranormalen Erscheinungen verwendet wird und daher weitläufig ist. Hier soll es speziell um das Motiv des Gespensts in der literarischen Gattung der Gespenstergeschichte gehen.
Zur Abgrenzung von anderen Gruselgestalten teilt Gero von Wilpert 11 die verschiedenen fantastischen Figuren in unterschiedliche Gruppen ein. Da wären zum einen die so genannte „Gruselkabinettfraktion“, wie beispielsweise Hexen, Zauberer, Werwölfe, Vampire, Frankenstein und Automaten 11 . Sie treten meist in Schauerromanen auf und werden fälschlicherweise oft mit Gespenstern gleichgesetzt.
9 Vgl. Kanzog, Klaus (1997): „Gespenstergeschichte“. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Band 1. Berlin: Verlag. Seite 718 f.
10 Wahrig, Gerhard (1968): Deutsches Wörterbuch. Sonderausgabe. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon-Verlag. Seite 1492.
11 von Wilpert, Gero (1994): Die deutsche Gespenstergeschichte. Motiv - Form - Entwicklung. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag. Seite 5 f. 6 Seite
Arbeit zitieren:
Jennifer Volz, 2005, Die Bestie mit den fünf Fingern - Analyse einer Gespenstergeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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