Für meine schriftliche Ausarbeitung habe ich 2 Quellen genutzt. Das Buch „Havana Two faces of the Antillean Metropolis” geht auf die Entwicklung der kubanischen Hauptstadt seit 1519 ein. Die zweite Quelle „Vivir en el centro“ ist eine Forschungsarbeit, die von der Technischen Universität Hamburg-Harburg in Auftrag gegeben wurde. Sie beschäftigt sich mit einzelnen Vierteln in den Zentren der Metropolen Lateinamerikas.
2. Havanna (ab 1950) - ein kurzes Portrait
Am Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts lebten in Havanna mehr als 20% der Kubaner. Die Tendenz ist steigend. Der starke Bevölkerungsanstieg wurde bewirkt durch den Zuzug aus der Peripherie und der Erschließung von Wohngebäuden im Zentrum Havannas. Ein weiterer Faktor war der geplante Bau von neuen Wohngebäuden. Über Dreiviertel der Kernfamilien lebten auf gemieteten Wohnraum. Da die Mieten oft bis zu einem Viertel des Familieneinkommens betrugen, kam es zu Zwangsräumungen auf Grund von Zahlungsunfähigkeit.
Zu dieser Zeit hatte Kuba, als abhängiges Entwicklungsland (Ortega, 1996: 97) mit Problemen, wie der Industrialisierung, der Arbeitslosigkeit, der Gesundheit, des Lebensraumes und der Bildung zu kämpfen (Coyula, 1997: 94). Ca. 6% der Einwohner von Havanna lebten in Slums (Ortega, 1996: 97).
Durch den Triumph der Revolution unter Fidel Castro im Januar des Jahres 1959 wurde der Diktator Fulgencio Batista gestürzt. Die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus regelten nicht mehr den Markttausch. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass Havanna stark von anderen Lateinamerikanischen Metropolen variiert (Ortega, 1996: 133). Die Einwohnerzahl sowie das Bevölkerungswachstum ist vergleichsweise gering. Die Bevölkerung ist von etwas über knapp 1,5 Millionen Einwohnern 1959 auf ca. 2,2 Millionen in der Mitte der 90 Jahre gestiegen. Nach Coyula hat sich das Stadtbild in den 45 Jahren kaum verändert ( Coyula, 1997: 323). „ It’s skyline changed little and the neighbourhoods, streets, blocks, and houses have not significantly altered the look of the capital since 1959. Nevertheless, a visitor returning to Havana after an absence of nearly half a century will find changes in the people and the land uses of the city. The façades of many buildings are tired, streets are dark, potholes are large, and neighbourhoods are quiet except for the sound of passing bicyclists. But that same visitor would be struck by the persistence of the city and the tenacity of its urban heritage. (…) (A)lmost everything, remains in the same place” (Coyula, 1997: 323-324).
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3. Sozialistische Stadtplanung in Havanna
Die sozialistische Politik prägte die Stadtplanung durch Masterpläne, die von Gelehrten aus verschiedenen Richtungen, wie Bauingenieuren und Soziologen entwickelt wurden (Coyula, 1997: 146-156).
3.1. Erster Masterplan 1963/1964: Unter der Regierung Batistas war Havanna in 6 Bezirke eingeteilt. Jeder Stadtteil hatte seinen eigenen Bürgermeister und wurde autonom verwaltet. Die Aufteilung führte zu vielen Schwierigkeiten im Bereich der Stadtplanung. Die einzelnen Bezirke arbeiteten ohne Absprachen und es war unmöglich Probleme effektiv zu lösen. Um diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, wurde Havanna im ersten Masterplan als ein Ganzes betrachtet.
Eines der Ziele des Planes von 1963/1964 war es, das Bevölkerungswachstum zu stoppen. Die Stadt, die knapp 1,5 Millionen Einwohnern hatte, besaß zu dieser Zeit ein natürliches Wachstum von 23000 Einwohnern pro Jahr, durch die Landflucht kamen noch einmal 17000 Migranten pro Jahr hinzu. Um den Zuwachs zu stoppen, wurden wichtige Teile der Industrie in andere Regionen Kubas verlagert. Der Bevölkerungswachstum stieg nun geringer an, ging aber nicht zurück.
Um die Bevölkerungsdichte im Zentrum Havannas zu verringern, wurde weniger Geld in den Erhalt sowie Bau neuer Wohngebäude des Stadtkerns investiert. Die Bevölkerungsdichte ging nicht zurück, stattdessen kam es zu einem Qualitätsverlust im Bereich der Gebäude und beim Stadtbild im allgemeinem.
Ein weiterer Schwerpunkt des Planes lag in der Bekämpfung der Umweltverschmutzung, insbesondere in der Hafengegend. In Folge dieses Zieles wurde Müll besser recycelt sowie Mülldeponien verlagert. Um mehr Grünfläche zu schaffen, entstand der Parque Metropolitano in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Parque Metropolitano ist ein System von Parks’, zu den bekanntesten gehören der Botanische Garten sowie der Zoo. Bis heute sind sie erhalten geblieben und werden noch erweitert.
Die Kritik an diesem ersten Masterplan bezieht sich auf die mangelhafte Umsetzung, fehlende Analyse der Infrastruktur und Defizite im Bereich der Teamarbeit. Außerdem wurde hervorgehoben, dass der Plan nicht auf die Gegebenheiten des damaligen Havannas einging. Teilweise wurde nicht über die Folgen nachgedacht. Statt bestehende Sachen zu verbessern, wurde neues geplant (Coyula, 1997: 146-149).
3.2. Zweiter Masterplan 1971: Im Allgemeinen sollte dieser Plan die Schwächen des vorherigen ausgleichen. Der Schwerpunkt lag nun auf dem Technischen, dem Naturwissenschaftlichen und dem Kulturellen.
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Im Zuge des Ausbaus des Straßensystems und des öffentlichen Nahverkehrs wurden teilweise die Verbindungen zwischen den einzelnen Bezirken verbessert. Die Busse wurden miteinbezogen, zur Integration eines Bahnnetzes kam es nicht. Auch das Vorhaben einer Autobahn die bis zur Hafengegend reicht, wurde nicht umgesetzt. Am Hafen entstanden zwei neue Terminals für die Industrie und den Handel. 1995 wurde der erste Passagierterminal gebaut.
Im Zuge des Planes von 1971 wurden Shoppingcenter sowie Arbeitsmöglichkeiten in der Nähe von Wohnvierteln geschaffen.
In Hinsicht auf ausländische Besucher galt es die Altstadt (Habana Vieja) zu restaurieren. Es entstanden Museen sowie Kulturzentren. 1982 wurde Habana Vieja von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Dies erhöhte den Druck auf die Arbeiten in der Altstadt, so das mehr Geld und mehr Zeit investiert wurden.
Der Plan vernachlässigte die Umweltprobleme, sowie Wünsche und Sorgen der Ansässigen (Coyula, 1997: 149-152).
3.3 Dritter Masterplan 1984: Dieser Plan untersuchte zum ersten Mal die Stadt und die Provinz Havanna. Hierzu gehörten Aspekte wie die Bewohner, das Verkehrsnetz, die landwirtschaftliche Produktion, sowie der Tourismus.
1984 hatte Havanna 1,9 Millionen Einwohner und ein Bevölkerungswachstum von 2,3 Prozent pro Jahr. Auch die Stadtfläche selber war gewachsen. Es musste eine Balance zwischen der Metropolregion und dem traditionellen Stadtkern geschaffen werden. Hierzu wurde im Plan von 1984 ein System von Plätzen, mit einem großen Anteil im Stadtkern sowie in 5 weiteren Gebieten, angedacht. Der Fokus lag dadurch immer noch auf der Altstadt, es konnte aber auch eine Identitätsbildung in anderen Stadtvierteln geben. Um den Tourismus, der inzwischen notwendig für die kubanische Wirtschaft geworden war, auszubauen, wurden neue Hotels gebaut sowie ältere Gebäude restauriert. Eine Gruppe von jungen Architekten beschäftigte sich mit dieser Aufgabe. Des weiteren planten sie den Ausbau der medizinischen Versorgung sowie erste naturwissenschaftliche Forschungscenter. Der Plan enthält gute Ansätze, aber die Ausführungen kommen meistens nicht zu Stande, wie das folgende Beispiel zeigt. 3 Hauptverbindungsstraßen, die parallel zur Küste verlaufen, sollten gebaut werden. 2 wurden gar nicht gebaut. Die dritte wurde im Jahre 1989 angefangen, wurde aber nicht fertiggestellt (Coyula, 1997: 152-154). 3.4. Vierter Masterplan 1990: Das Ziel war, den Plan von 1984 zu verbessern und fortzuführen. Dafür wurde angefangen, die Fehler in den Ausführungen des vorherigen Planes zu analysieren.
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Arbeit zitieren:
Anja Nikodem, 2005, Havanna - Stadtentwicklung seit 1950, München, GRIN Verlag GmbH
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Stadterneuerung und -sanierung in der Altstadt von Havanna
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Hausarbeit, 52 Seiten
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