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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement 4
2.1 Begriffsdefinition 4
2.2 Formen freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements 6
2.2.1 Individuelles bürgerschaftliches Engagement 7
2.2.2 Gemeinschaftliches bürgerschaftliches Engagement 8
2.2.3 Politisches bürgerschaftliches Engagement 8
2.3 Profil des freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements 9
3. Historische Entwicklung des freiwilligen
b ürgerschaftlichen Engagements 12
3.1 Das politische Engagement 12
3.2 Das soziale Engagement 15
3.3 Exkurs: Frauen im sozialen Ehrenamt 18
4. Verbreitung freiwilligen bürgerschaftlichen
Engagements S. 21
4.1 Empirische Unklarheiten 21
4.2 Umfang und Struktur des freiwilligen bürgerschaftlichen
Engagements S. 22
4.3 Soziale Bedingungen freiwilligen bürgerschaftlichen
Engagements S. 23
5. Motivationen der freiwillig Engagierten 26
5.1 Motivationswandel 26
5.2 Motive 28
5.3 Erwartungen an die freiwillige Tätigkeit 29
5.4 Konzept der biographischen Passung 31
6. Ökonomie des freiwilligen bürgerschaftlichen
Engagements S. 33
7. Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement -
neue Strukturen oder historische Kontinuität? 36
8. Literaturverzeichnis S 41
3
1. Einleitung
In dieser Arbeit soll die Diskussion um den „Strukturwandel des Ehrenamts“ aus individualistischer Sicht beleuchtet werden. Begonnen wird mit dem Wandel der Begrifflichkeit und der Begründung, warum in der vorliegenden Arbeit die Wortwahl freiwilliges bürgerschaftliches Engagement getroffen wurde. Im weiteren werden die Formen und das Profil bürgerschaftlichen Engagements dargestellt, um zu verdeutlichen wie vielfältig das Themengebiet sich präsentiert. Der Vollständigkeit halber wird das bürgerschaftliche Engagement aus politischer Sicht hier mit dargestellt, aber nicht weiter vertieft, da die individuellen Gesichtspunkte im Vordergrund stehen sollen.
Anschließend an die erste Darstellung, was unter freiwilligem bürgerschaftlichen Engagement verstanden wird, folgt die historische Entwicklung, aufgegliedert in die Hauptströmungen politisches und soziales Engagement, um die „Wurzeln“ des Engagements aufzuzeigen. Das soziale Engagement von Frauen hat sich etwas differenzierter ausgebildet und wird deswegen in einem Exkurs dargestellt. Schon hier wird deutlich werden, dass es auch heute noch historische Einwirkungen gibt.
Um dann genauer das Phänomen bürgerschaftliches Engagement zu betrachten, werde ich auf die Strukturen, den Umfang und die sozialen Bedingungen des Engagements eingehen um im nächsten Kapitel den Motivationswandel und die Motive und Erwartungen der Engagierten darzustellen. Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung zu einem Engagement stellt das Konzept der biographischen Passung dar, weswegen diesem Aspekt dann im folgenden ein Unterkapitel gewidmet wird.
4
In Kapitel 6 folgt dann die Ökonomie des Engagements aus Sicht des Individuums. Hier wird der Blick nur auf den subjektiven Nutzen für engagierte Personen gerichtet. Der Nutzen für das Gemeinwesen in Anlehnung an die Kommunitarismus Debatte wird nur peripher tangiert. In dieser Arbeit soll die Aufmerksamkeit auf der Mikroebene bleiben. Abschließend wird die Frage gestellt, ob es zu wirklich neuen Entfaltungen des freiwilligen Engagements gekommen ist oder ob es sich hier um eine Weiterentwicklung der historischen Anfänge handelt. Lassen sich also Merkmale des freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements finden, die schon das „Ehrenamt“ im 19. Jahrhundert prägten? Überspitzt könnte man fragen: „Wie fortschrittlich und innovativ sind wir wirklich?“.
2. Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement 2.1 Begriffsdefinition
Eine einheitliche Begriffsdefinition für bürgerschaftliches Engagement lässt sich in der Literatur nicht finden. Viele der Autoren benutzen den Begriff „Ehrenamt“, wahlweise mit dem Adjektiv „neu“ kombiniert. Des weiteren lassen sich Bezeichnungen wie „Freiwilligenarbeit“, „Bürgerengagement“, „zivilgesellschaftliches Engagement“, „soziales Engagement“ oder auch „ehrenamtliches Engagement“ finden, RAUSCHENBACH spricht gar von einem „Wettbewerb um die semantische Lufthoheit“. 1
Das „Ehrenamt“ als alleinige Bezeichnung für das Phänomen bürgerschaftliches Engagement scheint heute in der wissenschaftlichen Diskussion überholt zu sein. Dennoch fällt auf, dass viele Autoren es weiterhin als Synonym für freiwillig ausgeführte Tätigkeiten benutzen.
1 Rauschenbach (2002), S. 67
5
BROSCH weist z.B. darauf hin, dass der Begriff Ehrenamt vielgestaltig und unscharf ist. „Unter »Ehrenamt« wird eine freiwillige, nicht auf Entgelt ausgerichtete und ohne direkte Gegenleistung erbrachte Tätigkeit im Rahmen von Institutionen und Vereinigungen verstanden.“ 2 Begriffsgeschichtlich lässt sich zeigen, dass die ständischen Klammern von Ehre und Stand, Dienst und Opfer begannen sich im Modernisierungsprozess aufzulösen, insofern der geborene Stand ersetzt wurde durch die erworbene Position von Amt und Beruf. Die funktionale Bewährung von Verdienst und Leistung trat an die Stelle einer Wahrung der Ehre. Das heutige bürgerschaftliche Engagement zeichnet sich nicht mehr durch eine ehrvolle Amtsausübung aus. 3 Rat und Hilfe für notleidende Menschen waren „Ehrensache“, diese ständische Verpflichtung war zugleich auch Bestätigung und Bestärkung ständischer Ordnung. So konnte über symbolische Interaktion die Differenz von reich und arm gefestigt werden. Bürgerschaftliches Engagement gibt es in vielen gesellschaftlichen Bereichen, u.a. in Sport, Freizeit, Gesundheit, Sozialem, Politik, Religion, Kultur oder bürgerschaftliche Aktivitäten am Wohnort. So unterscheidet GITTER zwischen öffentlichen, wirtschaftlichen, sozialen und sonstigen Ehrenämtern. 4
KISTLER/SCHÄFER-WALKMANN unterscheiden fünf Ausprägungen des ehrenamtlichen Engagements: Soziales Engagement, Eigenarbeit, Selbsthilfe, Politische Beteiligung und ehrenamtlichen Wahrnehmung öffentlicher Funktionen im Gemeinwesen. 5 NÖRBER schreibt zur Debatte um die neue Begrifflichkeit: „Auszugehen ist aktuell davon, dass keine einheitliche Begrifflichkeit im Hinblick auf soziales Engagement für andere und /oder anderes
2 Brosch, (1995a), S. 235
3 Pankoke (1988), S. 207
4 Gitter (1997) nach Peglow (2002), S. 7
5 Kistler/Schäfer-Walkmann (1999), S. 49
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existiert, die praktisch von jedermann/-frau gleichermaßen verstanden und zustimmend geteilt wird, ohne dass langwierige Erläuterungen und Abgrenzungen notwendig sind.“ 6 Er bezieht sich hier zwar explizit auf das soziale Engagement, ähnliches gilt aber für alle Bereiche des freiwilligen Engagements.
Im weiteren Verlauf der Arbeit wird für all diese Formen des Engagements der Begriff „freiwilliges bürgerschaftliches Engagement“ verwendet. Der Lesbarkeit wegen, wird Engagement entweder gekoppelt mit den Adjektiven bürgerschaftlich oder freiwillig. Die Diskussionen um die richtige Begrifflichkeit könnte man auch als ein Problem der Sache selbst sehen, d.h. als Folge der Komplexität der zugrundeliegenden Sachverhalte. 7
2.2 Formen freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements BROSCH definiert bürgerschaftliches Engagement in einem engerem Sinne. Er betont, dass es sich um Engagement von Bürgern in der lokalen Gemeinschaft handele, die an den Angelegenheiten und der Vielfalt des Lebensverlaufes im Gemeinwesen in kooperativer Weise teilhaben möchten. Die Förderung des Gemeinwohls wird hier als zentrale Aufgabe gesehen und Verantwortung dafür übernommen. Nach Meinung der Engagierten legen ihre Projekte eine bessere Interpretation ihrer sozialen Situation vor. Sie versuchen durch selbstorganisierte Projekte gesellschaftliche Solidarität zu leben und dadurch eine höhere Lebensqualität zu erlangen. 8
„Formen bürgerschaftlichen Engagements sind das Ergebnis von Menschen in sozialen Wechselwirkungen und differieren nach der Struktur des Interaktionsprozesses, der sich im jeweiligen Grad der
6 Nörber (1999), S. 21
7 Beher/Liebig/Rauschenbach (2000), S. 16
8 Brosch (1995b), S. 73
7
gesellschaftlichen Reichweite, in der Interaktionsebene (privat, Gruppe, Teilgesellschaft) und im Netzwerk (individuell, sektoral/gruppenzentriert, lokal/gemeinwesenzentriert) oder auch territorial, kategorial (Alter) und funktional (Interessen) auswirkt, in dem man/frau sich bürgerschaftlich engagiert.“ 9
Daraus leitet BROSCH drei Formen des bürgerschaftlichen Engagements ab: individuelles, gemeinschaftliches und politisches bürgerschaftliches Engagement. Er selbst weist darauf hin, dass diese Kategorisierungen als relativ vorläufige, ungefestigte
Verallgemeinerungen zu verstehen sind, die als Konstrukte Abstraktionen und Generalisierungen von Handlungssituationen darstellen.
2.2.1 Individuelles bürgerschaftliches Engagement
Der Einzelne engagiert sich situativ, zeitlich und inhaltlich begrenzt für sich selbst, dies ist die Haltung die dem individuellem bürgerschaftlichen Engagement zugrunde liegt. Mit dem Recht der Selbstbestimmung wird die Pflicht der Selbstverantwortung übernommen.
Individualisierungschancen bestehen in der freien Entscheidung für das Tätigwerden, welches man sich zu einem Teil des eigenen biographischen Kontextes macht. Die Individualisierungsrisiken liegen in der subjektiven Motivation; passende Partner müssen gefunden werden, Herausforderungen müssen akzeptiert werden um sie anzugehen und man muss sich für jedes Engagement neu entscheiden. 10
VON ROSENBLADT stellt innerhalb des Freiwilligensurveys 1999 bestätigend dazu fest, dass fast zwei Drittel der Engagierten ihre
9 Brosch (1995b), S.74
10 Brosch (1995b), S. 75
8
momentane freiwillige Aufgabe übernommen haben, weil sie angesprochen worden sind, d.h. Anstöße und Hinweise von anderen erhalten haben. 11 Die eigene Motivation braucht also oftmals den letzten Anstoß von außerhalb, um ein mögliches Engagement in ein faktisches Engagement wandeln zu können, sei dies durch Freunde und Bekannte, Werbung/ Presseartikel oder Freiwilligenzentren.
2.2.2 Gemeinschaftliches bürgerschaftliches Engagement
Diese Form des Engagements beinhaltet die Pflicht zur individuellen Mitwirkung an der kollektiven Verantwortung. BROSCH nennt als Motivation den Wunsch sich bürgerschaftlich mit anderen für ein Projekt zu engagieren, von dem eigene konkrete Vorteile erwartet werden. Die eigene Meinung wird gesellschaftlich und politisch vertreten, Aufgaben und Verantwortung werden angenommen. Gemeinsam mit anderen werden Überlegungen über das je relevante Netzwerk angestellt. Ein gemeinsamer Handlungszusammenhang ermöglicht und erfordert eine gegenseitige Unterstützung und macht das Engagement für den Einzelnen, in der Gemeinschaft und nach außen hin kommunizierbar. 12
2.2.3 Politisches bürgerschaftliches Engagement
Dieses Engagement fordert sein Recht auf gesellschaftliche Selbstgestaltung, politische Mitgestaltung und Teilnahme an der bürgerschaftlichen Verwaltung, verbunden mit der Bereitschaft, die damit zusammenhängenden Pflichten wie die Verantwortung für das Allgemeine und die verantwortliche Teilnahme am Lokalen zu übernehmen und zu gestalten. Eigene Rechte und Pflichten können von der einzelnen Person nur verwirklicht werden, wenn sich gleichzeitig um das Gesellschaftliche gekümmert wird, eine qualitative Verschiebung des Wertesystems soll erreicht werden. BROSCH selbst ist der
11 Von Rosenbladt (2001), S. 24
12 Brosch (1995b), S. 75f.
9
Meinung, dass nur wenige diese abstrakte Idee in konkrete Projekte umsetzten werden. Es wird seiner Meinung nach zentrale Personen und Institutionen mit der nötigen Kontinuität geben, an die diese Idee gebunden ist. 13
In diesem und im vorherigen Unterpunkt wird die theoretische Konstruktion dieser Formen deutlich, eine klare Trennung zwischen den Formen ist nicht möglich. Dies bestätigt die Wahl bürgerschaftliches Engagement als Oberbegriff zu wählen, der die vielfältigsten Formen und Tätigkeiten mit einschließt.
Auch wird in dieser Arbeit nicht BROSCHS Trennung zwischen bürgerschaftlichem und sozialem Engagement aufrechterhalten, sondern die von ihm beschriebene Gemeinsamkeit, dass die Engagierten beider Formen etwas für sich und etwas für andere und die Gesellschaft tun wollen 14 , soll im Vordergrund stehen. In einem anderen Text spricht BROSCH davon, dass sich engagieren bedeutet, im bürgerschaftlichen Kontext Verantwortung zu übernehmen für die Freiheit der anderen; sowohl für ihre Befähigung, dass sie ihre Freiheit nutzen können, als auch für die entsprechenden Vorraussetzungen, also für den Rahmen. 15 Für mich lässt sich hier auch das soziale Engagement subsumieren, da sich Hilfe für „Schwächere“ im weitesten Sinne immer auch deuten lassen kann als Hilfe, sie zu etwas zu befähigen.
2.3 Profil des freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements
An dieser Stelle soll das Profil bürgerschaftlichen Engagements nach KLIE dargestellt werden, welches sich im Rahmen des Programms „Förderung Bürgerschaftlichen Engagements in Baden-Württemberg“ herausgebildet hat.
13 Brosch (1995b), S. 76f.
14 Brosch (1995b), S. 77
15 Brosch (1995a), S. 238
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Astrid Vorhoff, 2003, Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement - neue Strukturen oder historische Kontinuität?, München, GRIN Verlag GmbH
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