Gedichte des Expressionismus
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 1
1.1 DIE DEUTUNG DES EXPRESSIONISMUS 1
2. HAUPTTEIL 5
2.1 DIE MELANCHOLIE 5
2.2 DIE LYRIK DES EXPRESSIONISMUS 7
2.2.1 Georg Heym 10
2.2.2 Albert Ehrenstein 12
2.2.3 Ernst Stadler 13
2.2.4 Georg Trakl 15
2.2.5 Franz Werfel 20
3. SCHLUß 21
3.1 DIE WESENTLICHEN ELEMENTE DER EPOCHALEN GEMEINSAMKEITEN 21
4. ANHANG 22
4.1 GEORG HEYM: HORA MORTIS 22
4.1.1 Interpretation "Hora mortis" 23
4.2 ALBERT EHRENSTEIN: MELANCHOLIE 25
4.2.1 Interpretation "Melancholie" 25
4.3 ERNST STADLER: PANS TRAUER 26
4.3.1 Interpretation "Pans Trauer" 27
4.4 GEORG TRAKL: AN DIE MELANCHOLIE 30
4.4.1 Interpretation "An die Melancholie" 30
4.5 FRANZ WERFEL: FÜNF UHR NACHMITTAGS TRAURIGKEIT 31
4.5.1 Interpretation "Fünf Uhr nachmittags Traurigkeit" 32
5. LITERATURVERZEICHNIS 34
1. Einleitung
1.1 Die Deutung des Expressionismus
In jüngster Zeit ist es zur Mode geworden, die Gültigkeit der Bezeichnung Expressionismus für die große künstlerische Bewegung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts in Frage zu stellen. Angeführt wird, daß das Wort abseits in Paris aus einem Atelierwitz von Malern, dem schon sprachlich naheliegenden Gegensatz zum Impressionismus, entstanden ist. Dort, wo es nichts wirklich repräsentierte, wurde es von Deutschen im Ernst aufgegriffen und generalisiert
Der Expressionismus hat, wie immer das Wort auch entstanden sein mag, in Deutschland und später darüber hinaus eine reale Bedeutung gewonnen. Der Expressionismus ist mehr als eine Etikette, er ist ein Entwicklungsschritt. Der vorhergehende Impressionismus, der sich überwiegend in der Malerei ausgewirkt hat, hatte bereits den Begriff der objektiven, ganz gegenständlichen, ganz stabilen Naturwahrheit erschüttert. So hatte er gezeigt, wieviel Vorgewußtes sich in die naturalistische Darstellung einschleicht, wie damit die statisch geglaubte Substanz und die feste Gegenständlichkeit sich aufzulösen beginnt und die wirkliche Wahrheit in der individuell veränderlichen, gegenwärtigen Perzeption, in der Beziehung des Sehenden zum Gegenständlichen zu finden ist. Damit war schon sehr viel in Richtung auf unsere heutigen Anschauungen geschehen und zunächst ein wichtiger Schritt vom Naturalismus auf den Expressionismus zu.
Die Zolasche Formel "la nature vue à travers un tempérament" verschiebt das Schwergewicht der Darstellung in das subjektive Innere des Künstlers, was an der Darstellung der Natur festgehalten wird. Die bloße Darstellung der Natur hat sich in eine Erforschung der Natur, eine Erforschung der sinnlichen Erscheinung verwandelt. Seit Cézanne hat sie sich in die Erforschung der Struktur des Erscheinens verwandelt. Dies bedeutet einerseits eine Verengung, zugleich aber auch eine Vertiefung des Gesichtsfeldes. Die Aufmerksamkeit hat sich auf das Problem der Naturauffassung, auf das rein Malerische konzentriert; der Gegenstand, das Literarische, wurde nebensächlich behandelt, dem malerischen Interesse geopfert.
Van Gogh beschreibt in einem Brief an seinen Bruder eine Landschaft so, wie er sie später malen wird. In dieser Landschaft sah van Gogh ein Gleichnis: "So kann auch ein Mensch mit albernen Formen und Konventionen, oder ein anderer voller Exzentrizitäten und Kapricen, wenn ihn nur ein wahrhafter Schmerz ergreift, eine Kalamität (schlimme, mißliche Lage) ihn aufregt, eine dramatische Figur von eigenartigem Charakter werden. Und einen Augenblick dachte ich auch an die Gesellschaft von heute - wie auch sie sich jetzt, während sie untergeht, zuweilen, wenn man sie gegen das Licht irgendeiner Erneuerung betrachtet, wie eine große, düstere Silhouette davon abhebt." (Expressionismus als Literatur, gesammelte Studien, Eric von Kahler, S. 14)
Hier liegt der Keim des Expressionismus. Noch ist die Natur malerisch angeschaut, malerisch verfolgt. Schon aber reicht es auch über den malerischen Bereich als solchen hinaus in das "Gleichnis", in das Dichterische, Allgemeinmenschliche. Damit ist ein Durchbruch geschehen, der schon einmal, erfolglos, in der Romantik angelegt war.
Das Kastensystem der Berufe ist durchbrochen. Die Malerei, Dichtung, Politik und das Sozialwesen laufen nicht mehr gegeneinander abgeschlossen nebeneinander her, sie werden unmittelbar als eine gemeinsame neue Lebensform empfunden. In der Anlage des Expressionismus ist schon die Konsequenz des Aktivismus gegeben. Schon bei van Gogh ist vom "Untergang der Gesellschaft von heute" die Rede, und es scheint kein Zufall oder Einzelfall zu sein, wenn in den Dichtungen des frühen Expressionismus bei Georg Heym, bei Benn und bei dem jungen Brecht das Erlebnis der Verwesung so beherrschend ist. Das "Weltende" ist der Auftakt der neuen Bewegung. Das ist die allgemeine Stimmung unter den jungen Menschen in der ersten Phase der Bewegung. Es ist noch kein anderes Ziel greifbar als das der Befreiung von dem öffentlichen Zustand des Vorkriegs. Zunächst wollte man einmal handeln, in unmittelbaren Kontakt mit dem Leben kommen, und man wollte in diesem gemeinsam sein.
2. Hauptteil
2.1 Die Melancholie
[...]
Arbeit zitieren:
Stephanie Ebert, 1997, Gedichte des Expressionismus, München, GRIN Verlag GmbH
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