Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 1
A Ältere Menschen als Konsumenten aus sozial-
gerontologischer Sicht 4
1 Demographische Grunddaten 4
1.1 Mortalität 5
1.2 Bevölkerungsstruktur 6
1.2.1 Entwicklung der Hochaltrigkeit 9
1.2.2 Entwicklung der Pflegebedürftigkeit 9
1.2.3 Ältere Migranten 10
2 Sozio-ökonomische Lebensverhältnisse älterer Menschen 12
2.1 Wirtschaftliche Situation im Alter 12
2.1.1 Einkommen 13
2.1.2 Vermögen 17
2.1.2.1 Geldvermögen 17
2.1.2.2 Immobilienvermögen 19
2.1.2.3 Erbschaften und Verschuldung 20
2.2 Haushaltsstrukturen 21
II
Inhaltsverzeichnis
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3 Sozial-gerontologische Thesen zur Entwicklung alters-
spezifischer Konsumbedürfnisse 23
3.1 Das expansive Bedürfnisideal 23
3.2 Das restriktive Bedürfnisideal 25
3.3 Die These von der Beibehaltung des gewohnten
Konsumstandards 26
4 Einkommensverwendung nach Konsumfeldern 28
4.1 Wohnen 28
4.1.1 Monatliche Ausgaben für „Wohnen“ 29
4.1.2 Altersgerechte Wohnraumanpassung 31
4.1.3 Haushaltsbezogene Dienstleistungen 32
4.2 Ernährung und Genuss 34
4.3 Freizeitaktivitäten 36
4.3.1 Reisen 37
4.3.2 Medienkonsum 39
4.3.3 Informations- und Kommunikationstechnologien 41
4.3.4 Sonstige Freizeitaktivitäten 42
4.4 Gesundheit 43
4.5 Mobilität 46
4.6 Größere Anschaffungen 48
5 Empirische Bewertung der sozial-gerontologischen Thesen
zur Entwicklung alterspezifischer Konsumbedürfnisse 51
5.1 Konsumstrukturen und Zahlungsfähigkeit 51
5.2 Empirische Bewertung des expansiven und des restriktiven
Bed ürfnisideals 51
5.3 Empirische Bewertung der These von der Beibehaltung des
gewohnten Konsumstandards 53
III
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B Ältere Menschen als Konsumenten aus Sicht des Marketing 56
1 Theorie des Konsumentenverhaltens 56
2 Psychische Einflussgrößen auf das Konsumentenverhalten 58
2.1 Bedürfnisse 58
2.1.1 Abgrenzung des Begriffes „Bedürfnisse“ 58
2.1.2 Darstellung allgemeiner Bedürfnisse älterer Menschen 59
2.2 Einstellungen 62
2.2.1 Abgrenzung des Begriffes „Einstellungen“ 63
2.2.2 Einstellungsbildung und -veränderung bei älteren Menschen 64
2.3 Werte 66
2.3.1 Abgrenzung des Begriffes „Werte“ 67
2.3.2 Werteausprägungen älterer Menschen 68
2.4 Die Unsicherheit älterer Menschen im Kaufentscheidungsprozess 71
2.4.1 Abgrenzung des Begriffes „Risiko“ 72
2.4.2 Wahrgenommenes Risiko bei älteren Konsumenten 73
2.5 Involvement 74
2.5.1 Abgrenzung des Begriffes „Involvement“ 74
2.5.2 Involvement älterer Konsumenten 75
3 Entscheidungs- und Informationsverhalten älterer Konsumenten
78
3.1 Das Entscheidungsverhalten 78
3.1.1 Formen der Kaufentscheidung 78
3.1.1.1 Extensive Kaufentscheidungsprozesse 78
3.1.1.2 Limitierte Kaufentscheidungsprozesse 79
3.1.1.3 Habitualisierte Kaufentscheidungsprozesse 80
3.1.1.4 Impulsive Kaufentscheidungsprozesse 80
3.1.2 Das Entscheidungsverhalten älterer Menschen 81
IV
Inhaltsverzeichnis
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3.1.2.1 Kaufentscheidungen mit stärkerer kognitiver Kontrolle bei
älteren Konsumenten 81
3.1.2.2 Kaufentscheidungen mit geringer kognitiver Kontrolle bei älteren
Konsumenten 82
3.2 Das Informationsverhalten 84
3.2.1 Informationsbeschaffung 84
3.2.2 Informationsbeschaffung älterer Konsumenten 86
3.2.3 Einflüsse von Bezugsgruppen und Familie 88
3.2.3.1 Bezugsgruppeneinfluss älterer Konsumenten 88
3.2.3.2 Familieneinfluss älterer Konsumenten 89
C Zusammenfassung und Ausblick 91
1 Zusammenfassung zentraler Ergebnisse über ältere
Konsumenten 91
2 Ausgewählte Gestaltungsfelder 95
2.1 Wohnen 97
2.2 Freizeitaktivitäten 100
2.3 Gesundheit und soziale Dienstleistungen 104
3 Weiterer Forschungsbedarf 107
D Anhang 114
1 Literaturverzeichnis 114
2 Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 119
V
Einleitung
„Demographischer Wandel und Konsum“ - was verbirgt sich hinter diesem Titel? In dieser Arbeit soll das Thema ältere Menschen als Konsumenten anhand einer Literaturstudie näher beleuchtet werden. Wie sieht das Konsumentenverhalten, als ein spezieller Lebensbereich älterer Menschen, aus? Da Konsumforschung einen interdisziplinären Charakter besitzt, sollen ältere Menschen als Konsumenten in dieser Arbeit aus Sicht der Sozial-Gerontologie und des Marketing dargestellt werden.
Ältere Menschen als Konsumenten bzw. Verbraucher werden in der gerontologischen Literatur selten betrachtet. Publikationen stammen hauptsächlich aus dem marketing- und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich und beschäftigen sich mit älteren Menschen als Zielgruppe, begründet durch den wachsenden Anteil älterer Menschen und der dieser Gruppe zugeschriebenen hohen Kaufkraft; SAWCHUK nennt dies den Wandel „From gloom to boom“. 1
Da der demographische Wandel und die sozio-ökonomischen Lebensverhältnisse älterer Menschen sowohl für das Marketing als auch für die Gerontologie von grundlegendem Interesse sind, werden diese Themen zu Anfang der Arbeit aufgegriffen und näher dargestellt.
Das erste Kapitel in Teil A „Ältere Konsumenten aus Sicht der Sozial-Gerontologie“ beschäftigt sich mit Aussagen der Demographie über die gestiegene Lebenserwartung der Menschen, die Anzahl älterer Menschen und die sich daraus ergebende Bevölkerungsstruktur. Allgemein wird hier vom „demographischen Wandel“ gesprochen. Dieses Kapitel greift nur die Aspekte des demographischen Wandels auf, die hinsichtlich des Interesses an älteren Menschen von besonderer Bedeutung sind.
Da nach NAEGELE, dem führenden Vertreter der sozial-gerontologischen Kon-sumforschung in Deutschland, „die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem wirtschaftlichen Verhalten von älteren Menschen bzw. von Menschen im höheren Lebensalter in privaten Haushalten bei der Einkommensentstehung und der Einkommensverwendung“ 2 Gegenstand der Forschung ist, werden dann in Kapitel 2 die sozio-ökonomischen Lebensverhältnisse älterer Menschen beleuchtet.
1 Sawchuk, 1995, S. 173.
2 Naegele, 1978, S. 51f.
1
Diese beinhalten zum einen die Ebene der Einkommensentstehung. Wie sieht die wirtschaftliche Situation der Mehrheit der älteren Menschen zur Zeit aus? Da die Einkommensentstehung die Grundlage für die Einkommensverwendung bildet, wird sie zu Beginn des speziellen Themas „ältere Menschen als Konsumenten“ dargestellt. Dem Einkommen kommt „die Rolle eines Rahmens zu , innerhalb dessen Entscheidungen überhaupt getroffen werden [...] Das Eingreifen der Kaufkraft erweist sich somit als wesentliches Element der Realitätsanreicherung von Bedürfnissen“. 3 Zu den sozio-ökonomischen Lebensverhältnissen zählen zudem die Haushaltsstrukturen, die einen bedeutenden Einfluss auf das Konsumentenverhalten zeigen.
Kapitel 3, 4 und 5 beschäftigen sich dann mit der Ebene der Einkommensverwendung. Im dritten Kapitel werden sozial-gerontologische Thesen zur Entwicklung altersspezifischer Konsumbedürfnisse vorgestellt. Kapitel 4 thematisiert dann ausführlich die Einkommensverwendung nach speziellen Konsumfeldern, die sogenannten Konsumstrukturen. Es wird dargestellt, welche monetären Mittel für unterschiedliche Konsumbereiche ausgegeben werden, um dadurch die sozialgerontologischen Thesen zur Entwicklung altersspezifischer Konsumbedürfnisse empirisch zu bewerten. Dieses wird dann im fünften Kapitel unternommen. Teil B: „Ältere Menschen als Konsumenten aus Sicht des Marketing“ wird das Entscheidungs- und Informationsverhalten älterer Konsumenten analysiert. Lassen sich unterschiedliche Verhaltensweisen im Kaufentscheidungsprozess zwischen älteren und jüngeren Konsumenten feststellen? Zu diesem Zweck werden ausgehend von einer Theorie des Konsumentenverhaltens (Kapitel 1) psychische Einflussgrößen auf das Konsumentenverhalten beschrieben (Kapitel 2), um dann im dritten Kapitel das Entscheidungs- und Informationsverhalten älterer Konsumenten darzustellen. Dieses Thema bildet einen Schwerpunkt der Marketingforschung in Bezug auf die Zielgruppe „ältere Menschen“.
Abschließend werden in Teil C, Kapitel 1 die zentralen Ergebnisse aus Gerontologie und Marketing zusammengefasst. Kapitel 2 und 3 sollen einen Ausblick darstellen. Im zweiten Kapitel werden ausgewählte Konsumbereiche vorgestellt, in denen Gestaltungspotential vermutet wird, sowohl zur Verbesserung der Lebenssituation im Alter, als auch zur Mobilisierung zusätzlicher Kaufkraft. Weiterer For-
3 Wiswede,1972, zit. n. Naegele, 1978, S. 212.
2
schungsbedarf zum Thema „Ältere Menschen als Konsumenten“ wird dann im dritten Kapitel angeführt.
Im Verlauf der Arbeit muss im Hintergrund berücksichtigt werden, dass ältere Konsumenten eine sehr heterogene Gruppe von Menschen sind und ihr Konsumverhalten keineswegs homogen ist.
3
A Ältere Menschen als Konsumenten aus sozial-gerontologischer Sicht
1 Demographische Grunddaten
Die Demographie beschreibt und analysiert die Größe, Verteilung, Struktur und Veränderung von Populationen. Fertilität, Mortalität und Migration und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerungszahl und -struktur sind ihre wichtigsten Themen. 4 Am 31.12.2002 lebten in Deutschland über 82,5 Millionen Menschen (82.536.680). 5
Die demographische Entwicklung in Deutschland ist im Wesentlichen durch zwei Merkmale geprägt. Eine anhaltend niedrige Geburtenhäufigkeit, die auf einem Niveau von etwa einem Drittel unter dem Generationenersatz liegt und eine steigende Lebenserwartung haben zur Folge, dass es eine sinkende Anzahl (und einen abnehmenden Anteil) jüngerer Menschen und eine steigende Anzahl (und einen zunehmenden Anteil) älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung gibt. Ein zweites Merkmal sind die Zuwanderungen ohne die die Bevölkerung in Deutschland bereits seit Beginn der 1970er Jahre zurückgegangen wäre. 6 Im Rahmen dieser Arbeit interessieren vor allem die demographischen Daten über ältere Menschen in Deutschland. Durch die „Alterung der Gesellschaft“ nehmen die absoluten Zahlen und der Anteil älterer Menschen in Deutschland zu. Diese Feststellung zeigt auch Folgen für den Bereich Konsum, denn „Konsum ist untrennbar mit Demographie verbunden“ 7 . Sowohl für die Gerontologie als auch für das Marketing sind demographische Daten Basisdaten, ohne deren Kenntnis eine Analyse des aktuellen und künftigen Konsums älterer Menschen nicht möglich ist. Diese Daten verdeutlichen auch, warum „in Zukunft das Altern der Gesellschaft nicht mehr nur als gesellschaftliche Last, sondern auch als eine der wichtigsten wirtschaftlichen Chancen wahrgenommen“ 8 werden sollte. Im Folgenden soll nun auf die wichtigsten Aspekte der Bevölkerungswissenschaft hinsichtlich des Themas „Demographischer Wandel und Konsum“ eingegangen
4 Vgl. Schimany, 2003, S. 15.
5 Vgl. GeroStat, 2004.
6 Deutscher Bundestag, 2002, S. 15.
7 Görtler, 2000, S. 323.
8 Hilbert/ Naegele, 2001, S. 123.
4
werden. Dies sind vor allem der Anstieg der Lebenserwartung und die Altersstruktur der Bevölkerung.
1.1 Mortalität
Wird die Entwicklung der Sterblichkeit betrachtet, zeigt sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Abnahme der rohen Sterbeziffer (Gestorbene je 1000 Einwohner), mit Ausnahme der Zeiten während der beiden Weltkriege. Die stetige Reduzierung der Sterblichkeit ist u.a. bedingt durch eine Verbesserung der Ernährung, der Wohn- und Arbeitsverhältnisse, Veränderungen der privaten und öffentlichen Hygiene und den medizinischen Fortschritt. Vor allem der Rückgang der meisten Infektionskrankheiten hat die Sterblichkeit gesenkt. Hier wird von einem Übergang von den Infektions- zu den Zivilisationskrankheiten gesprochen. 9 Zu einer besseren und anschaulicheren Darstellung der Sterblichkeitsentwicklung wird die Lebenserwartung bei Geburt und die fernere Lebenserwartung bei höheren Altersgruppen herangezogen. 10
Die Lebenserwartung für Neugeborene beträgt 1999 für Jungen 74,4 und für Mädchen 80,6 Jahre. Im Alter von 60 Jahren liegt die fernere Lebenserwartung für Männer bei 19 Jahren und für Frauen bei 23,3 Jahren; im Alter von 80 Jahren für Männer bei 6,9 und für Frauen bei 8,4 Jahren. 11
Die mittlere Variante der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung 12 des Statistischen Bundesamtes geht davon aus, dass die Lebenserwartung 2050 für männliche Neugeborene bei 81,1 Jahren und bei weiblichen bei 86,6 liegt. Die fernere Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren beträgt nach dieser Annahme für Männer 23,7 und für Frauen 28,2 Jahre. 13 Eine Übersicht zur Entwicklung der Lebenserwartung von 1999 bis 2050 gibt Tabelle 1.
9 Vgl. Schimany, 2003, S. 125 u. 131; Mai, 2003, S. 26f.
10 Vgl. Mai, 2003, S. 27.
11 Vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S.19.
12 Diese Variante geht davon aus, dass mittelfristig per Saldo 200 000 Menschen nach Deutsch-
land kommen, die Geburtenziffer pro Frau bei 1,4 Kindern bleibt und die Lebenserwartung Neu-
geborener bis 2050 um ca. 6 Jahre steigt. Statistisches Bundesamt, 2003, S. 25.
13 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2003, S. 19.
5
Tab. 1: Lebenserwartung 1999 und 2050 nach Geschlecht und Alter
1.2 Bevölkerungsstruktur
Die Bevölkerungsstruktur ist das Ergebnis von Veränderungen der Fertilität, Mortalität und Wanderungen der letzten hundert Jahre. 15 Die Anzahl der unter 20-Jährigen hatte sich seit Beginn der 1970er-Jahre bis Ende der 1980er-Jahre stark vermindert. Auf Grund von Zuwanderungen und als Folge der Zeit der Familiengründungen der geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre stieg die Zahl wieder an und steht in Deutschland insgesamt seit Mitte der 1990er-Jahre bei etwa 17,5 Mio. Im Jahr 2002 gab es 17.089.016 Menschen unter 20 Jahren in Deutschland. Die Anzahl der 20- bis 60-Jährigen stieg in Deutschland insgesamt bis 1993 auf rund 47 Millionen an und ist bis 2002 auf 45.345.277 gesunken. Die Anzahl der über 60-Jährigen war in den 1970er-Jahren relativ konstant und steigt seit Beginn der 1980er-Jahre an. Seit 1991 hat sie in Deutschland insgesamt von rund 16,3 Millionen auf etwa 18,3 Millionen im Jahr 1999 zugenommen. 2002 lag die Zahl bei 20.102.387. 16
In der graphischen Darstellung des Altersaufbaus der Bevölkerung (Abb. 1) lassen sich geschichtliche Ereignisse ablesen, die in der demographischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts Spuren hinterlassen haben. Die Geburtenausfälle während des 1. Weltkrieges und die Opfer des 2. Weltkrieges sind deutlich zu erkennen. Als Folge der Weltkriege gibt es in den hohen Altersgruppen einen deutlichen Frauenüberschuss. Durch die Kriege ist die Alterung in Deutschland abgeschwächt und weiblich dominiert. 17
14 Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung enthält keine Annahme zur ferneren Le-
benserwartung der 80-jährigen im Jahr 2050.
15 Vgl. Mai, 2003, S. 44.
16 Vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 24. Zahlen aus dem Jahr 2002 vgl. GeroStat, 2004.
17 Vgl. Mai, 2003, S. 47.
6
Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands am 1.1.2000
(Quelle: Deutscher Bundestag, 2002, S. 25)
Aus Tabelle 2 wird ersichtlich, dass mit zunehmendem Alter die Sexualproportion immer unausgeglichener wird: in der Altersgruppe der über 60-Jährigen gab es 2002 8,5 Millionen Männer und 11,6 Millionen Frauen, auf 1000 Männer kamen 1360 Frauen. In der Altersgruppe über 75 gab es 1,9 Millionen Männer und 4,3 Millionen Frauen (Sexualproportion = 2199) und in der Gruppe der über
7
85-Jährigen lebten 0,35 Millionen Männer und 1,1 Millionen Frauen (Sexual-proportion = 3173). 18
Tab. 2: Demographische Struktur der Bevölkerung Deutschlands 2002 nach Altersgruppen und Geschlecht
Die aktuelle Altersstruktur prägt die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte. Ab 2020 wird der Anteil der Älteren an der Bevölkerung zunehmen, da die heute etwa 35- bis 40-Jährigen - also die geburtenstärksten Jahrgänge -allmählich in das Seniorenalter kommen. Die mittlere Variante der 10. koordinierten Bevölkerungs-vorausberechnung prognostiziert für 2010, dass 18,7 Prozent jünger als 20 Jahre, 55,7 Prozent zwischen 20 und 60 und 25,6 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sind. Bis 2030 reduziert sich der Anteil der Jugendlichen auf 17 Prozent, der der mittleren Generation auf 48,5 Prozent und der Anteil der Menschen über 60 Jahre steigt auf gut 34 Prozent. 19
18 Vgl. GeroStat, 2004.
19 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2003, S. 29 ff.
8
1.2.1 Entwicklung der Hochaltrigkeit
Nach SCHIMANY ist ein zentraler Aspekt der demographischen Alterung der Gesellschaft die überproportionale Zunahme der Hochbetagten. Als Hochbetagte werden ältere Menschen ab 80 Jahren bezeichnet. „Die Bevölkerung altert nicht nur insgesamt, sondern die Gruppe der älteren Menschen altert auch ‚in sich’. Dieses Phänomen wird auch als ‚doppelte Alterung’ bezeichnet.“ 20 Die Zahl der 80-jährigen und älteren Menschen wird mit der zunehmenden Lebenserwartung beachtlich ansteigen. Nach den Angaben des STATISTISCHEN BUNDESAMTES lebten 2001 3,2 Millionen Personen diesen Alters in Deutsch-land, das entsprach knapp vier Prozent der Bevölkerung. Nach der mittleren Variante der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung sollen es 2050 etwa 9,1 Millionen oder zwölf Prozent der Bevölkerung werden. 21 Der Hochbetagtenquotient (ab 80-jährige pro hundert Personen zwischen 20 und 79 Jahren) würde dann von 4,8 im Jahr 1999 über 6,5 im Jahr 2010 auf 15,6 im Jahr 2050 steigen. 22 Nach diesen Annahmen werden dann 60 Prozent der Hochbetagten Frauen sein. 23
1.2.2 Entwicklung der Pflegebedürftigkeit
Nach § 14 SGB XI liegt Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes dann vor, wenn Personen auf Grund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens auf Dauer und in erheblichem oder höherem Maße auf Hilfe angewiesen sind. 24
Nach dem dritten Bericht zur Entwicklung der Pflegeversicherung gab es 2003 in der sozialen und privaten Pflegeversicherung rd. 1,36 Millionen Empfänger von ambulanten und ca. 0,65 Millionen Empfänger von stationären Leistungen der Pflegeversicherung. Darin enthalten sind ca. 60.000 Personen mit stationären Leistungen in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Aus der sozialen Pflegeversicherung bezogen insgesamt 1,89 Millionen Personen Leistungen.
20 Schimany, 2003, S. 243f.
21 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2003, S. 31.
22 Vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 26 u. 33.
23 Eigene Berechnungen nach: Statistisches Bundesamt, 2003, S. 222.
24 Vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 230f.
9
151.586 Personen erhielten 2002 zusätzlich zu den Pflegeleistungen nach dem SGB XI die Hilfe zur Pflege der Sozialhilfeträger, 161.604 Personen waren auf alleinige Hilfe zur Pflege angewiesen. 25
Das Risiko der Pflegebedürftigkeit tritt vor allem im hohen Alter auf: 2003 waren 44 Prozent der Empfänger von ambulanten Pflegeleistungen älter als 80 Jahre, im stationären Bereich sogar gut 63 Prozent. Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Frauen bilden sie die Mehrzahl der Pflegebedürftigen; ihr Anteil an den stationär Pflegebedürftigen betrug 2003 rund 76 Prozent und bei den ambulant Pflegebedürftigen 64 Prozent. 26
Wirft man einen Blick auf die verschiedenen Altersstufen und die jeweiligen Häufigkeiten des Pflegebedarfs, so zeigt sich, dass 2003 von der Bevölkerung unter 60 Jahren nur 0,5 Prozent pflegebedürftig sind, von den 60- bis 80-Jährigen ca. vier Prozent und von den über 80-Jährigen ca. 32 Prozent. Der dritte Bericht über die Entwicklung der Pflegeversicherung geht davon aus, dass der starke Anstieg der Zahl der älteren Menschen auch zu einer deutlichen Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen führen wird: „Die ‚Rürup-Kommission’ geht [...] davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen der sozialen Pflegeversicherung von derzeit rd. 1,9 Mio. bis zum Jahr 2040 auf rd. 3,4 Mio. ansteigen wird.“ 27
1.2.3 Ältere Migranten
Die Zahl älterer Migranten in Deutschland ist zur Zeit noch relativ klein, wird in Zukunft aber wahrscheinlich stark anwachsen. 1970 waren nur 0,7 Prozent aller ausländischen Staatsangehörigen 65 Jahre und älter, 1997 waren es schon 2,5 Prozent. 1999 lebten etwa 570 000 ausländische Staatsangehörige im Alter von 60 und mehr Jahren in Deutschland; weitere 820 000 waren zwischen 50 und 60 Jahre alt. Eine Modellrechnung des Bundesministeriums des Innern (BMI) prognostiziert, dass die Anzahl der über 60-jährigen Migrantinnen und Migranten bis 2010 auf etwa 1,1 Mio. und bis 2030 auf 2,6 Mio. ansteigen wird. 28 Die zunehmende Anzahl älterer Migranten beruht derzeit vor allem auf den Arbeitsmigranten, die vorwiegend zwischen 1955 und 1973 während der
25 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS), 2004, S. 47; 70 und 115.
26 BMGS, 2004, S. 49
27 BMGS, 2004, S. 107.
28 Vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 110f.
10
Anwerbemaßnahmen nach Deutschland gekommen sind und die Entscheidung treffen, auch im Alter zu bleiben. Gründe dafür sind u.a. der Wunsch bei der Familie zu bleiben, der Bedarf an qualifizierter medizinischer Versorgung oder die zunehmender Entfremdung zum Herkunftsland. 29
Eine Analyse der Struktur der ausländischen Rentenempfänger lässt nach MAI die Annahme zu, dass viele Ausländer, die nur einen Teil ihres Erwerbslebens in Deutschland verbracht haben, wieder in ihre Herkunftsländer zurückgezogen sind und diejenigen, die ausschließlich in Deutschland gearbeitet haben, zu einem großen Teil in Deutschland bleiben. Staatsbürger aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei bleiben überwiegend in Deutschland, auch wenn sie nicht ihr gesamtes Erwerbsleben in der Bundesrepublik gearbeitet haben. Spanier, Italiener und Griechen beziehen ihre Rente vorwiegend in ihren Heimatländern, da sie EU-Bürger sind, ist es für sie leichter den Wohnsitz zu wechseln. Für nicht EU-Bürger besitzt eine Ausreise dagegen eher einen endgültigeren Charakter, da eine Rückkehr nach Deutschland in der Regel schwieriger ist. 30
29 Vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 824f.
30 Vgl. Mai, 2003, S. 64ff.
11
2 Sozio-ökonomische Lebensverhältnisse älterer Menschen
2.1 Wirtschaftliche Situation im Alter
Zu Beginn der Betrachtung des Konsumentenverhaltens im Alter soll auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen eingegangen werden. Die meisten Quellen zum Konsumentenverhalten älterer Menschen stammen aus dem Bereich der Marke-tingforschung und beschäftigen sich primär mit älteren Menschen als Zielgruppe 31 . Der ältere Mensch als Kunde rückt ins Blickfeld der Marketingabteilungen, da der Anteil älterer Personen in unserer Gesellschaft anwächst und sich die Einkommens- und Vermögenssituation im Alter verbessert hat. 32 Da die Konsumnachfrage durch das verfügbare Einkommen mitbestimmt wird, ist die finanzielle Situation älterer Menschen von grundlegendem Interesse für die Konsumentenforschung. So lässt sich auch erklären, dass das Interesse an älteren Konsumenten erst besteht, seit dem sie als renditebringend gelten, es zählt „ihre ökonomische Potenz als Käufergruppe auf dem Konsumgütermarkt“ 33 . Gerade Veröffentlichungen, die Marketingstrategien für ältere Kunden vorschlagen, konzentrieren sich auf die sogenannten „jungen Alten“ bis ca. 75 Jahre wie z.B. KRIEB und REIDL 34 oder LEWIS, der schreibt: „sehr alte Menschen sind für uns kein attraktiver Markt“ 35 . Im Weiteren soll zuerst das Einkommen der Senioren betrachtet werden, darauf folgend das Vermögen und zur Vollständigkeit soll kurz auf die Bereiche Erbschaften und Verschuldung eingegangen werden.
31 Dies wird schon deutlich an Titeln wie „Die Zielgruppe Senioren“ (Brünner, 1997), „Senioren als
Zielgruppe“ (Kölzer, 1995) oder „Seniorenmarketing“ (Hupp, 1999).
32 Vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 239.
33 Naegele, 1978, S. 104.
34 Vgl. Krieb und Reidl, 1999, S. 29.
35 Lewis, 1997, S. 21, allerdings bezieht er sich auf Personen ab 90 Jahre.
12
2.1.1 Einkommen
An dieser Stelle soll in erster Linie das Einkommen pro Haushalt dargestellt werden, da davon ausgegangen werden kann, dass in einem Haushalt gemeinsam gewirtschaftet wird, ein Haushalt also als eine Verbrauchseinheit gesehen werden kann. Entscheidungen über Ausgaben zu Konsumzwecken werden nicht vom einzelnen Einkommensbezieher getroffen, sondern in Abhängigkeit der jeweiligen Lebenssituation und der dazugehörigen Verbrauchereinheit. 36 Die neuesten Zahlen zur Einkommenssituation der Haushalte älterer Menschen stammen aus einer Repräsentativumfrage zu Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in Nordrhein-Westfalen, die im Frühjahr 2002 durchgeführt wurde. Telefonisch befragt wurden 5013 Privathaushalte in Nordrhein-Westfalen, in denen mindestens eine Person im Alter zwischen 55 und 80 Jahren lebt. 37 Ein zentrales Ergebnis dieser Studie lautet, dass über 80 Prozent der älteren Menschen in einer finanziell guten bis sehr guten Einkommenssituation leben. 38 In dieser Studie wird auf das Konzept des Nettoäquivalenzeinkommens zurückgegriffen, in dem die Haushaltsgröße und das Alter der Haushaltsmitglieder berücksichtigt werden, um die Einsparpotentiale einer gemeinsamen Haushaltsführung abbilden zu können. 39
Zur Differenzierung der ökonomischen Situation werden die untersuchten Haushalte unterteilt in die Typen „schwache“; „mittlere“ und „starke“ Kaufkraft. Nach den Vorgaben der OECD kann ein Haushalt, in dem das Nettoäquivalenzeinkommen bei weniger als 60 Prozent des Median des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens in Deutschland liegt, als „kaufkraftschwach“ bezeichnet werden. Haushalte, in denen das Einkommen über 200 Prozent des Durchschnittwertes liegt, zählen als „kaufkraftstark“ und alle Haushalte, die zwischen diesen
36 Vgl. Naegele, 1978, S. 89. An dieser Stelle soll nicht näher differenziert werden zwischen Gütern
des täglichen Verbrauchs und langlebigen Gebrauchsgütern.
37 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J. , S. 3.
38 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 18f.
39 Das Haushaltsnettoeinkommen wird durch einen die Haushaltsstruktur darstellenden Faktor divi-
diert, um ein Pro-Kopf-Einkommen zu berechnen. Der erste Erwachsene erhält nach der OECD-Skala den Faktor 1, alle weiteren Personen über 14 Jahre den Faktor 0,5 und Kinder bis 14 Jahre
den Faktor 0,3.
13
beiden Grenzen liegen, werden als Haushalte mit „mittlerer Kaufkraft“ bezeichnet. Für das Jahr 2001 liegt der Median schätzungsweise bei 1.670 €. 40 Das durchschnittlich ermittelte Nettoeinkommen aller Haushalte dieser Studie liegt bei einem Betrag von 2.550 € im Monat. Die Autoren selbst geben zu Bedenken, dass in einer Telefonstichprobe einkommensschwächere Haushalte erfahrungsgemäß unterrepräsentiert sind, was dann tendenziell zu einem höheren Durchschnittseinkommen führen kann.
Für das gesamte Bundesgebiet wurde aufgrund der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998 ein Nettoäquivalenzeinkommen von 1.382 € für Rentner und 2.504 € für Pensionäre ermittelt. 41
Bei einer differenzierteren Betrachtung der beruflichen Situation zeigen sich wesentliche Einkommensunterschiede im Alter. Die Spanne erstreckt sich von 4.294 € monatlichen Einkommens für erwerbstätige und 3.156 € für pensionierte Beamte, bis zu 3.027 € für Arbeiter- und Angestellten- Haushalte die noch Einkommen aus der Erwerbstätigkeit beziehen und 1.936 € für Rentnerhaushalte. Sehr heterogen stellt sich die Einkommenssituation der Selbständigen dar. Unter den befragten Haushalten befinden sich Haushalte mit einem sehr hohen Einkommen und Haushalte mit einem eher niedrigerem Einkommen. Durchschnittlich liegt das Einkommen dieser Gruppe bei noch erwerbstätigen Selbständigen bei 4.287 € und im Ruhestand bei 2.190 €. 42
Das Geschlecht und das Alter der befragten Personen sind bezüglich des Einkommens von Bedeutung. Ältere Frauen in Nordrhein-Westfalen haben in allen Altersgruppen ein niedrigeres durchschnittliches monatliches Einkommen, welches sich mit zunehmendem Alter noch leicht verschlechtert; deutlich wird dieser Sachverhalt insbesondere bei der Betrachtung der Single- Haushalte der Repräsentativumfrage (Abb. 2).
40 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 19. Da
zum Zeitpunkt der Auswertung dieser Studie noch keine aktuellen Zahlen zum Nettoäquivalenzein-kommen für Deutschland vorlagen, wird der Median von 1998 (3.037 DM) aufgrund des durch-
schnittlichen jährlichen Anstiegs (1973-1998) von ca. 80 DM hochgerechnet.
41 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), 2002, S. 81. Im
früheren Bundesgebiet haben Rentner durchschnittlich monatlich 1.447 €, Pensionäre 2.506 €; in
den neuen Ländern inkl. Berlin- Ost haben Rentner 1.156 €. Zahlen für Pensionäre liegen nicht vor.
42 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 21.
14
Abb. 2: Durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen in Ein-Personen-Haushalten nach Alter und Geschlecht in NRW
(Quelle: In Anlehnung an: Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 22.)
Der vierte Bericht zur Lage der älteren Generation weist deutlich höhere Differenzen zwischen den monatlichen Durchschnittseinkommen der männlichen und weiblichen Senioren auf; 1.490 € zu 911€ im früheren Bundesgebiet und 1.160 € zu 876 € in den neuen Ländern. 43 Die Mehrheit der allein stehende Frauen gehören in NRW nach den Ergebnissen der Studie zur Alterssicherung in Deutsch-land 1995 zur Gruppe derer, die weniger als 1020 € monatliches Einkommen haben. 52 Prozent der Witwen, 63 Prozent der ledigen und 78 Prozent der geschiedenen Frauen im Alter ab 65 Jahren stehen finanzielle Mittel dieser Höhe zur Verfügung. 44
Mit steigendem Durchschnittsalter der befragten Haushaltsmitglieder zeigt sich in NRW insgesamt ein leichter Rückgang der monatlichen Einkommenshöhe sowohl bei Single- als auch bei Zwei-Personen-Haushalten 45 . Bei einer differenzierteren
43 Vgl. BMFSFJ, 2002, S. 80. Ergebnisse der Studie Alterssicherung in Deutschland 1999.
44 Vgl. Barkholdt, 2003, S. 152.
45 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 21.
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Betrachtung der Abbildung 2 fällt ein deutlicher Rückgang des Einkommen in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen auf, der durch den Eintritt vieler Personen in den Ruhestand bedingt sein wird. In der Gruppe der 70-bis 75-Jährigen ist dann ein höheres durchschnittliches Einkommen zu verzeichnen, welches sich daraus ergibt, dass mit zunehmendem Alter der Anteil der verwitweten Personen mit zusätzlichen Hinterbliebeneneinkommen steigt. 46 Ältere Personen in NRW beziehen größtenteils Leistungen aus den Alterssicherungssystemen, ca. 50 Prozent aller Einkommen der Haushalte, in denen Menschen zwischen 55 und 80 Jahren wohnen, stammen aus Renten und Pensionen. Mit steigendem Alter der Befragten steigt dieser Anteil erwartungsgemäß an. Da hier schon Personen ab 55 Jahren miteinbezogen werden, liegen Einkünfte aus der Erwerbsarbeit mit ca. 27 Prozent schon an zweiter Stelle der Einkunftsquellen. Kapitalerträge, Leistungen der Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld und -hilfe kommt eine nachrangige Bedeutung zu. 47 LEHR erwähnt, dass von den über 60-jährigen Senioren, die nicht in einem Pflegeheim leben, etwa 1,5 Prozent auf Sozialhilfe angewiesen sind, unbeachtet der „verschämten Armut“ vor allem älterer Frauen, die Sozialhilfe als Demütigung empfinden und gar nicht erst beantragen. 48
Ein großer Teil der älteren Menschen schätzt die eigene finanzielle Situation als gut an. 1993/94 waren 64 Prozent der älteren in den neuen und 68 Prozent in den alten Bundesländern mit ihrer finanziellen Lage „sehr zufrieden“ und „zufrieden“, „Unzufrieden“ bzw. „sehr unzufrieden“ waren 14 Prozent im Osten und 8 Prozent im Westen. 49
Frauen schätzen 1999 ihre finanzielle Lage etwas weniger gut ein, aber die Mehrheit sieht auch hier ihre wirtschaftliche Situation als gut oder zumindest zufriedenstellend an. Im Osten schätzen 45 Prozent der 55-bis 59-jährigen Frauen ihre wirtschaftliche Lage als „sehr gut“ und „gut“ ein, im Westen sind dies um die 51 Prozent. Als zufriedenstellend („es geht“) schätzen 45 Prozent der Frauen im Osten und 37 Prozent im Westen ihre Situation ein. Die Einschätzung „eher schlecht“ und „schlecht“ wurden im Osten von 7,5 Prozent und im Westen von rund
46 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, 2001, S. 26.
47 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 22f.
48 Vgl. Lehr, 2000, S. 147.
49 Vgl. Lehr, 2000, S. 147, Ergebnisse der Interdisziplinäre Längsschnitt-Studie des Erwachsenen-
alters (ILSE).
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10 Prozent getroffen. 50 Hierbei handelt es sich um subjektive Einschätzungen, die sich nicht nur auf das eigene Einkommen beziehen, sondern die Einkommenssituation des Haushalts wird bewertet. Insgesamt bleibt aber eine Zufriedenheit mit der finanziellen Situation im Alter festzustellen. Diese Zufriedenheit kann auch dann gegeben sein, wenn das durchschnittliche Einkommen relativ gering ist und sich die Haushalte und ihre Mitglieder im Laufe ihres Lebens an ein niedrigeres Einkommen gewöhnt haben bzw. ihren Konsumstandard angepasst haben. 51 SCHÖNKNECHT bezeichnet dies folgendermaßen: „Größere Zufriedenheit kann auch aus geringeren Ansprüchen stammen.“ 52
Wie sich die Einkommenssituation in Zukunft entwickeln wird, ist fraglich; gegen eine Verbesserung sprechen die mögliche Absenkung des Rentenniveaus und die Probleme am Arbeitsmarkt, für eine Verbesserung spricht die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen, die dadurch eine eigenständige Altersversorgung aufbauen und das erhebliche Vererbungspotential. Für wahrscheinlich wird gehalten, dass es aufgrund der Arbeitsmarktsituation zukünftig zu einer stärkeren Differenzierung der Alterseinkommen kommen wird. 53
2.1.2 Vermögen 2.1.2.1 Geldvermögen
Hinsichtlich des Konsumentenverhaltens spielt nicht nur das monatliche Nettoeinkommen eine Rolle, sondern wichtig sind dazu das Geld-, Haus- und Grundvermögen. Das zur Verfügung stehende Barvermögen sowie der Besitz von Wohneigentum und anderen Immobilien setzen den finanziellen Rahmen für individuelle Konsumbedürfnisse. 54
Die Enquete-Kommission „Demographischer Wandel“ schreibt, dass die Haushalte mit einer Bezugsperson von über 65 Jahren mit 410 Mrd. DM fast ein Viertel aller monetären Vermögensbestände besitzen; die Altersgruppe der 55- bis 60-Jährigen besitzen sogar 440 Mrd. DM. 55
50 Vgl. Schönknecht, 2003, 174f.
51 Vgl. Naegele, 1978, S. 292f.
52 Schönknecht, 2003, S. 174. Sie bezieht dies nicht explizit auf ökonomischen Ressourcen.
53 Vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 247. Vererbungspotential s. Teil A, Kap. 1.2.3.
54 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 23.
55 Vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 243.
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Einen großen Einfluss auf die Höhe des Vermögens kann dem Lebensalter zugeschrieben werden. Das Vermögen steigt kontinuierlich von Haushalten mit jungen Bezugspersonen zu Haushalten von Senioren. Alleinstehende zwischen 60 und 64 Jahren haben durchschnittlich rund zehnmal soviel Vermögen wie Singles unter 25 Jahren. Bei Zwei-Personen-Haushalten wird das höchste Vermögen im Alter zwischen 55 und 59 Jahren erreicht (achtmal mehr als in der jüngsten Altersgruppe). Vermögensbildung ist grundsätzlich ein langfristiger Prozess, der mit dem Lebenszyklus einhergeht. 56
Betrachtet man die Ergebnisse der Repräsentativbefragung „Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in Nordrhein-Westfalen“ zeigt sich, dass beträchtliche Barvermögen innerhalb der Stichprobe vorhanden sind. Unabhängig von der Haushaltsgröße verfügen 15 Prozent aller Haushalte über Gelder in Höhe von unter 2.550 €, ca. 27 Prozent besitzen zwischen 2.550 € und 12.750 €, ca. 30 Prozent verfügen über 12.750 € bis 51.000 €, ca. 14 Prozent steht ein Vermögen zwischen 51.000 € und 510.000 € zur Verfügung und ein Prozent besitzt sogar ein darüber hinausgehendes Barvermögen. 13 Prozent der Haushalte steht aber auch überhaut kein Vermögen zur Verfügung (Abb. 3).
Abb. 3: Barvermögen der befragten Haushalte insgesamt
(Quelle: Eigene Darstellung)
56 Vgl. Universität des 3. Lebensalters, 1999, S. 86.
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Die Verfügbarkeit über größere Vermögen variiert in Abhängigkeit von dem Alter und der Haushaltsgröße der Studienteilnehmer. Senioren der älteren Kohorten verfügen seltener über Bargeldbestände und dessen Höhe fällt geringer aus. Hier wird die oben bereits getroffene Aussage bestätigt, dass der größte Anteil an Älteren mit einem sehr hohen Vermögen sich in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen befindet (13 Prozent besitzen mehr als 51.000 €). Hinsichtlich der beruflichen Stellung des Haupteinkommensbeziehers lässt sich festhalten, dass insbesondere Beamte und Selbständige über größere Vermögen verfügen. 22,5 Prozent der Beamten und 31 Prozent der Selbständigen besitzen ein Geldvermögen über 51.000 €. Die Situation der Selbständigen stellt sich auch hier differenzierter dar: 12 Prozent haben kein Vermögen und einige Personen gehören zu denen, die über 510.000 € besitzen. Nur 4 Prozent der Beamten verfügen über kein Barvermögen. Bei 15 Prozent der Arbeiter- und Angestelltenhaushalten ist kein Vermögen vorhanden, und wenn doch fällt die Höhe geringer aus. 57 Geschlechtsspezifisch besitzen weniger ältere Frauen überhaupt kein Barvermögen als dies bei älteren Männern der Fall ist, 24 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer haben kein Vermögen. 58
2. 1. 2. 2 Immobilienvermögen
62,3 Prozent der Befragten der Studie in NRW besitzen Immobilien, die Belastungen für Mietzahlungen fallen somit geringer aus. Der Anteil der Immobilienbesitzer steigt in Abhängigkeit der beruflichen Stellung des Haupteinkommensbeziehers an und unabhängig davon nimmt mit zunehmender Haushaltsgröße der Besitz zu. 59 Ähnliche Aussagen trifft LEHR: „Heute lebt mehr als jeder zweite Rentner im Wohneigentum.“ 60
Betrachtet man den Immobilienbesitz nach Haushaltsgröße und beruflicher Stellung des Haupteinkommensbeziehers, ist zu erkennen, dass Arbeiter und Angestellte prozentual weniger zu den Immobilienbesitzern zählen als dies bei Beamten und Selbständigen der Fall ist. Bei den Zwei-Personen-Haushalten sind z.B. 64 Prozent der Angestellten und Arbeiter, 82 Prozent der Beamten und
57 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 25.
58 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 25.
59 Vgl. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, o. J., S. 26f.
60 Lehr, 2000, S. 147.
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83 Prozent der Selbständigen Immobilienbesitzer. Unabhängig von der beruflichen Stellung nimmt der Immobilienbesitz mit der Haushalsgröße zu. 37 Prozent der Arbeiter- und Angestellten Ein-Personen-Haushalte besitzen eine Immobilie, bei den Zwei-Personen-Haushalten liegt die Besitzquote bei 64 Prozent und bei Haushalten mit mehr als drei Personen bei 72 Prozent.
2. 1. 2. 3 Erbschaften und Verschuldung
Die Enquete-Kommission ‚Demographischer Wandel’ stellt fest, dass vor allem die 45- bis 65-jährigen Empfänger von Erbschaften sind. Die Wahrscheinlichkeit eine größer Erbschaft anzutreten steigt mit der sozialen Stellung und/oder dem Haushaltseinkommen. Eine Studie der BBE-Unternehmensberatung prognostizierte für den Zeitraum zwischen 1997 und 2002 ein Gesamterbschaftsvolumen von etwa 2 Billionen DM bei einem durchschnittlichen Wert der Erbschaft von 470.000 DM. „Nach 2002 werden die über 55jährigen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens in Deutschland besitzen und damit ihrerseits in zwei bis drei Jahrzehnten das eigene Vererbungspotential mindestens verdoppeln“ 61 . Die Kommission weist darauf hin, dass es aufgrund der sich verändernden Konsumgewohnheiten der zukünftigen Altengeneration ungewiss ist, ob Erbschaftsvolumen sich durch eine einfache Hochrechnung der Vermögenssituationen ermitteln lassen. Übersehen werden darf aber nicht die breite Streuung der vererbten Vermögen, Durchschnittswerte erscheinen durch die sogenannten „Ausreißer“ oft relativ hoch. Zum Thema Verschuldung soll nur kurz darauf hingewiesen werden, dass Senioren seltener als jüngere Menschen Kreditverpflichtungen eingehen bzw. in den meisten Fällen die Kredite bereits zurück gezahlt sind. Wenn doch Kredite aufgenommen werden, liegt die durchschnittliche Summe niedriger als in jüngeren Jahren. 62
61 Vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 623.
62 Vgl. Reitzler, 2001, S. 40.
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Arbeit zitieren:
Astrid Vorhoff, 2005, Demographischer Wandel und Konsum, München, GRIN Verlag GmbH
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