INHALTSVERZEICHNIS:
Verzeichnis der Abbildungen IX
Verzeichnis der Tabellen X
Abk ürzungs- und Symbolverzeichnis. XI
Abstract. XV
1. EINLEITUNG 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Abgrenzung des Themas 2
1.3. Gang der Untersuchung 3
2. KLASSISCHE ANSÄTZE ZUR ABGRENZUNG DES OPTIMA-
LEN WÄHRUNGRAUMES BEI MIKROÖKONOMISCHEN
ST ÖRUNGEN 4
2.1. Zum Begriff und Umfang des optimalen Währungsraumes. 4
2.2. Zur Definition asymmetrischer Schocks 6
2.3. Das Kriterium von Mundell: Faktormobilität. 7
2.3.1. Vorbemerkungen. 7
2.3.2. Darstellung des Mundell´schen Kriteriums 8
2.3.3. Kritische Würdigung des Mundell´schen Ansatzes. 10
2.4. Der Ansatz von McKinnon: Offenheit der Volkswirtschaft. 12
2.4.1. Der Fall der kleinen, offenen Volkswirtschaft. 12
2.4.2. Anpassung in der großen, geschlossenen Volkswirtschaft 14
2.4.3. Kritische Würdigung des McKinnon´schen Ansatzes 14
II
2.5. Der Ansatz von Kenen: Diversifikation 16
2.5.1. Darstellung des Konzeptes. 16
2.5.2. Kritische Würdigung des Kenen´schen Ansatzes 17
2.6. Der Ansatz von Vaubel: Variabilität des realen Wechselkurses 18
3. MAKROÖKONOMISCHE ASPEKTE DER THEORIE
OPTIMALER WÄHRUNGRÄUME 19
3.1. Vorbemerkungen 19
3.2. Kapitalmobilität 21
3.2.1. Darstellung des Konzeptes. 21
3.2.2. Kritische Anmerkungen 22
3.3. Die Ähnlichkeit der Inflationsraten 23
3.3.1. Darstellung des Konzeptes. 23
3.3.2. Kritische Anmerkungen 24
3.4. Koordination der Fiskal-, Steuer- und Wirtschaftspolitik 25
3.5. Gleichgerichtete konjunkturelle Entwicklung und Schocksymmetrie 26
4. KOSTEN UND NUTZEN DER EUROPÄISCHEN WÄH-
RUNGSUNION 28
4.1. Vorbemerkungen 28
4.2. Wesentliche Kostenaspekte der EWU 29
4.2.1. Kosten auf der Mikroebene. 29
4.2.1.1. Kosten der Währungsumstellung. 29
4.2.2. Kosten auf der Makroebene 29
4.2.2.1.Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument
III
nach exogenen Schocks. 29
4.2.2.2. Verzicht auf autonome Geldpolitik 30
4.2.2.3. Verzicht auf Philipps-Kurven trade-off 30
4.2.2.4. Verzicht auf Seignorageeinnahmen. 31
4.2.2.5. Verringerung der finanzpolitischen Autonomie 32
4.2.2.6. Kosten in Zusammenhang mit dem Balassa-Samuelson-Effekt. 33
4.3. Wesentliche Nutzenaspekte der EW.U 33
4.3.1. Nutzen auf der Mikroebene 33
4.3.1.1. Reduktion von Transaktions- und Informationskosten 33
4.3.1.2. Positive Handels- und Wachstumseffekte durch Verringerung der
Unsicherheit 35
4.3.2. Nutzen auf der Makroebene. 36
4.3.2.1. Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. 36
4.3.2.2. Verbesserung der Effizienz der Geldpolitik 36
4.3.2.3. Verbesserung der Kapitalallokation und der verschiedenen
Funktionen des Geldes 37
4.3.2.4. Erhöhte Transparenz. 38
4.3.2.5. Senkung des Bedarfes an Devisenreserven 38
4.4. Kosten und Nutzen im Vergleich 39
4.4.1. Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse 39
4.4.2. Kosten und Nutzen aus nationaler Sicht 40
4.4.3. Kosten und Nutzen aus gesamteuropäischer Sicht 41
4.5. Endogenität oder Spezialisierung? 41
4.5.1. Die Endogenitätshypothese. 41
4.5.2. Die Krugman´sche Spezialisierungshypothese. 42
IV
5. DIE EUROPÄISCHE WÄHRUNGSUNION IM LICHTE DER
THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME 43
5.1. Marktbasierte Absorptionsmechanismen 43
5.1.1. Analyse der Arbeitsmobilität 43
5.1.2. Kapitalmobilität in der Eurozone. 46
5.1.2.1. Wie mobil ist das Kapital in der EU? 46
5.1.2.2. Einige stilisierte Fakten zum Kapitalverkehr der Eurozone 47
5.1.3. Faktorpreisflexibilität. 48
5.1.3.1. Lohnflexibilität 48
5.1.3.2. Preisflexibilität. 50
5.1.3.3. Flexibilität der Arbeits- und Produktmärkte. 51
5.2. „Größe“, „Offenheit“ und Handelsverflechtung 51
5.3. Diversifikation in der Eurozone 54
5.3.1. Diversifikation der Produktionsstruktur 54
5.3.2. Diversifikation der Exportstruktur. 56
5.4. Die EWU bezüglich makroökonomischer Variablen 57
5.4.1. Gleichheit der Inflationsraten 57
5.4.2. Gleichgerichtete konjunkturelle Entwicklung 59
5.4.2.1. Statische Analyse. 59
5.4.2.2. Dynamische Betrachtung. 60
5.5. Institutionelle Absorptionsmechanismen 64
5.5.1. Instrumente der nationalen Fiskalpolitik 64
5.5.2. Automatische Stabilisatoren. 64
5.5.3. Transfers aus dem EU Budget 65
V
5.6. Die Eurozone im Licht der „neuen“ Theorie. 66
5.6.1. Ein optimaler D-MWährungsraum? 66
5.6.2. Ein zweistufiger Optimierungsprozess zur Bestimmung eines
optimalen Währungsraumes in der EWU 67
5.6.3. Korrelation von Angebots- und Nachfrageschocks 69
5.7. Weitere Problemfelder einer optimalen europäischen Geldpolitik 74
5.7.1. Inhomogenitäten in Bezug auf BIP-Verteilung und Wohlstand 74
5.7.2. Öffentliche Verschuldung. 74
5.7.3. Unterschiede in den Transmissionsmechanismen 75
6. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 76
6.1. Zusammenfassung 76
6.2. Ist die Eurozone ein optimaler Währungsraum (oder wird sie einer?) 79
7. ANHANG 82
7.1. Entwicklungslinien der europäischen monetären Integration. 82
7.1.1. Von der Europäschen Gemeinschaft für Kohle und Stahl bis zum
Werner Plan 82
7.1.2. Von der Währungsschlage zum EWS. 83
7.1.3. Die Einheitliche Europäische Akte und der Delors-Bericht 97
7.1.4. Der Vertrag über die Europäische Union (Vertrag von Maastricht, EU
Vertrag 88
7.1.4.1. Vertrag über die Europäische Union (Vertrag von Maastricht) 88
7.1.4.2. Die Konvergenzkriterien von Maastricht in einer kritischen
Betrachtung 89
7.1.4.3. Institutionelle Voraussetzungen eines Beitritts zur EWU und
VI
j üngste Entwicklungen in der EW.U 91
7.2. Heterogenität Europas 95
7.3. Faktormobilität in der Eurozone. 97
7.3.1. Arbeitslosenraten und durchschnittliche Abweichung EU 15/EU 25. 97
7.3.2. Kapitalmobilität in Europa. 98
7.3.3. Reallohnflexibilität 106
7.3.3.1. Elastizität des Reallohns 106
7.3.3.2. Organisationsgrad der Arbeitnehmer. 107
7.4. Offenheit in Europa 108
7.4.1. Export- und Importquoten in der EU 108
7.4.2. Exportquoten im EU Vergleich 109
7.4.3. Summe der Export- und Importquoten 110
7.4.4. Handel der EU 10 mit der EU 15. 111
7.4.5. Intra-EU-Handel der EU 15 112
7.5. Produktdiversifikation in Europa. 114
7.5.1. Diversifikation der Produktionsstruktur: Anteil der Sektoren an der
Wertsch öpfung (2004) 114
7.5.2. Exportdiversifikation (2004) 118
7.6. Inflation im Euroraum 119
7.6.1. Inflationsraten 1999 - 2005 119
7.6.2. Streuung der Inflationsraten. 121
7.7. Bruttoinlandsprodukt der EU 15 und der EU 25 (in KKP) 122
7.8. Einkommensumlaufgeschwindigkeit von M3 123
7.9. Empirische Bestimmung der Integrationskosten eines optimalen DM-
W ährungsraumes 124
VII
7.10. Synchronisierung der Konjunkturzyklen. 125
7.10.1. Korrelation der Konjunkturzyklen 126
7.10.2. Leads und Lags 128
7.10.3. Volatilität der Konjunkturzyklen 130
7.10.4. “Persistence 131
7.10.5. Die Schockverarbeitung (impulse-response) 132
7.10.6. Ergebnisse und Zusammenfassung 133
7.11. Preisdifferenzen in der EW.U 137
7.12. Problemfeld Öffentliche Verschuldung. 138
7.13. Reale Wachstumsrate des BIP in der Eurozone 139
7.14. Strukturmittel aus dem Kohäsionsfonds. 141
7.15. Korrelationsmatrizen der gesamtwirschaftlichen Angebots- und
Nachfrageschocks (Bayoumi/Eichengreen (1996)) 142
8. LITERATURVERZEICHNIS. 144
VIII
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN:
Abb. 1: Wirkung eines Angebots- bzw. Nachfrageschocks auf Preise und Output
Abb. 2: Gewinn und Verlust einer Währungsunion in Abh. vom wirtschaftlichen
Integrationsgrad
Abb. 3: Kosten und Nutzen aus gesamteuropäischer Sicht
Abb. 4: Die OCA-Linie
Abb. 5: Streuung der Arbeitslosenquoten.
Abb. 6: Entwicklung der nominalen und realen Wechselkurse.
Abb. 7: Arbeits- und Produktmarktregulierungen (2003)
Abb. 8: Intra-EU Handel 1993 - 2000
Abb. 9: Offenheitsgrad der neuen EU Mitgliedsländer
Abb. 10: Inflationskonvergenz in den EWU Teilnahmeländern
Abb. 11: Korrelation des BIP-Wachstums und der Inflationsraten zwischen
ausgew ählten Ländern und der Eurozone.
Abb. 12: Kosten-Nutzen-Analyse für den gesamten europäischen Währungsraum
Abb. 13: Wunschpartner des optimalen europaweiten Währungsraumes nach Neu-
bert
Abb. 14: Korrelation von Angebots- und Nachfrageschocks zwischen ausgewähl-
ten Ländern und der Eurozone.
Abb. 15: Korrelation von Angebots- und Nachfrageschocks zwischen ausgewähl-
ten Ländern und Deutschland
Abb. 16: Korrelation von Angebots- und Nachfrageschocks zwischen MOE-Staa-
ten mit der Eurozone.
Abb. 17: Veränderung der Schockkorrelation in Westeuropa.
Abb. 18: Verteilung der BIP-Anteile auf die FED-Distrikte und die EWU-Mit-
gliedsstaaten.
Abb. 19: Theoretisches Konzept optimaler Währungsräume
IX
VERZEICHNIS DER TABELLEN:
Tab. 1: Streuung der nationalen Arbeitslosenquoten in Europa und den USA ..........43 Tab. 2: Produktdiversifikation in der EU und den USA.............................................54
X
ABKÜRZUNGS- UND SYMBOLVERZEICHNIS:
Abb.: Abbildung Abs.: Absatz Abw.: Abweichung ALQ: Arbeitslosenquote Art.: Artikel Aufl.: Auflage Bd.: Band BIP: Bruttoinlandsprodukt BRD: Bundesrepublik Deutschland BSP: Bruttosozialprodukt bzw.: beziehungsweise ca.: circa CD: Compact Disc CEPR: Center for Economic Policy Research d.h.: das heißt Dän.: Dänemark Diss.: Dissertation D-Mark: Deutsch-Mark D: Deutschland dtv: Deutscher Taschenbuch Verlag durchschn.: durchschnittlich EAG: Europäische Atomgemeinschaft
XI
EURATOM: Europäische Atomgemeinschaft EC: European Community ECU: European Currency Unit Eds.: Herausgeber (Editors) EDV: Elektronische Datenverarbeitung EEA: Einheitliche Europäische Akte EFTA: European Free Trade Area EFWZ: Europäischer Fonds für währungspolitische Zusammenarbeit EG: Europäische Gemeinschaft EGKS: Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGV: Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft EMS: European Monetary System EMU: European Monetary Union EMU-Outs: Großbritannien, Schweden, Dänemark ESZB: Europäisches System der Zentralbanken Et al.: et alii (und andere) EU 12: Die 12 Mitgliedsländer der europäischen Einheitswährung Euro EU 15:
EU 25: Die EU 15 + die 10 neuen Mitgliedsstaaten EU Vertrag: Vertrag über die Europäische Union EU: Europäische Union EWG: Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWI: Europäisches Währungsinstitut EWS: Europäisches Währungssystem
XII
EWWU: Europäische Wirtschafts- und Währungsunion EZB: Europäische Zentralbank Habil.: Habilitation HdWW: Handbuch der Wirtschaftswissenschaften Hrsg.: Herausgeber hrsg.: herausgegeben IMF: International Monetary Fund Jg.: Jahrgang kurzfr.: kurzfristig langfr.: langfristig Mio.: Millionen Mrd.: Milliarden N.Y.: New York NBER: National Bureau of Economic Research No.: Number, Numero, Nummer Nr.: Nummer OCA: Optimum Currency Area (Optimaler Währungsraum) OECD: Organization for Economic Coordination Opt.: Optimum PR: Public Relations S.: Seite SZ: Süddeutsche Zeitung Tab.: Tabelle u.: und u.a.: und andere
XIII
überarb.: überarbeitete Univ.: Universität USA: Vereinigte Staaten von Amerika VAR: Vektor-Auto-Regression Vgl.: Vergleiche Vol.: Volume WKM II: Wechselkursmechanismus II z.B.: zum Beispiel
XIV
ABSTRACT:
With the adoption of the EURO among some of the new countries in the European Union during the next few years, heterogenity of the European market will increase endangering economic stability. Most authors expect a decrease in optimality conditions of the eurozone referring to the theory of optimum currency areas. This diploma thesis tries to answer the question, whether the eurozone (EU 12), or the eurozone including Denmark, Sweden and the United Kingdom (EU 15), or, with respect to the future, an eurozone including the 10 new members of the European Union (EU 25) can be seen as an “optimum currency area” (OCA). In Part 1, the Theory of Optimum Currency Areas (OCA-theory), starting with the “founding-father” Robert Mundell in the early 1960ies is discussed critically, in part 2 macroeconomic aspects of the theory of optimum currency areas are presented and in part 3 costs and benefits of European Monetary Unification are discussed. In the main part, 4, the theory of optimum currency areas is applied on the eurozone, focussing on alternative absorptions-mechanisms after asymmetric shocks, macroeconomic structures of the current (and new) members and the level of correlation of business-cycles between the cycles of EMU-12 and those of each acceding country. With positive, high correlations standing for evidence of low risk of shock asymmetry and therefore optimality conditions, the economies of the European Union are analysed. The results show, that some of the new members share similar structures with some “old” EMU-members, and are therefore “good” candidates, some other results are less encouraging.
XV
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Durch die Einführung des EURO zum 01.01.1999 in 11 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verwirklichte sich in dem durch zwei Weltkriege zerrüttetem Kontinent nach über 50jährigen (politischen) Einigungsbestrebungen der Europäer das „kühne Experiment“ 2 einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Obwohl zum damaligen Zeitpunkt 8 der insgesamt 11 EURO-Länder die im Vertrag von Maastricht ausgehandelten Budgetdefizitgrenze von 60% des BIP überschritten, hielten es die politischen Entscheidungsträger für angemessen, die Verwirklichung nicht zu gefährden, worin die primär politische Zielsetzung der europäischen Einheitswährung deutlich wird. 3 Durch den Beitritt Griechenlands zur EWU, das den EURO zum 01.01.2001 einführte, umfasst die Europäische Währungsunion heute bereits 12 Mitglieder und bildet damit einen Währungsraum, der mit über 300 Mio. Verbrauchern die Bevölkerungszahl der USA um über 10% übertrifft. 4 In ihrer bisher größten Erweiterungsrunde traten zum 01. Mai 2004 die acht mittel- und osteuropäischen Staaten Lettland, Estland, Litauen, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien und die Slowakei sowie die zwei südeuropäischen (Insel-)Staaten Zypern und Malta der Europäischen Union bei, so dass die „Eurozone“ in Zukunft bis zu 25 Mitglieder umfassen könnte. Durch den Beitritt der 10 neuen Mitgliedsländer zur EU erhöhte sich die Einwohnerzahl um rund 20% auf heute 450 Mio. Menschen. 5 Im Vorfeld zur Errichtung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, insbesondere in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, kam es zu einer „Renaissance“ der durch Mundell (1961), McKinnon (1963) und Kenen (1969) entwickelten Theorie optimaler Währungsräume, „[...] die vor allem in den 60er und 70er Jahren vor dem Hintergrund der Kontroverse um feste und flexible Wechselkurse im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion stand.“ 6 Während die Theorie optimaler Währungsräume in
1 Zitiert nach Rahmeyer (2000), S. 1
2 Krugman/Obstfeld (2004), S. 773
3 Neubert (2000), S. 1.
Trotz des Aufrufs zahlreicher Wirtschaftswissenschaftler und renommierter Professoren (vgl. Kösters
(2000) u. Hankel (2000)) gegen die ökonomisch begründete Einführung des EURO begann die
Europäische Währungsunion zum 01.01.1999 (Neubert (2000), S. 1)
4 Krugman/Obstfeld (2004), S. 773
5 Zu einer ausführlicheren Darstellung der bisherigen Entwicklungslinien der monetären Integration Europas
seit ihren Anfängen in den 50er Jahren des 20. Jahrhundert, institutionellen Aspekten eines Beitritts zur
EWU und aktuellen Entwicklungen siehe Anhang 7.1.
6 Rübel (1998), S. 387.
1
den 1970ern und frühen 1980er Jahren wieder in eine Phase relativer Vergessenheit geriet 7 führten neuere Erkenntnisse auf dem Gebiet der makroökonomischen Theorie und bedeutende weltwirtschaftliche Ereignisse wie der Zusammenbruch der Sowjetunion zu einem „Wiederaufleben“. 8 Die Theorie optimaler Währungsräume entwickelt insbesondere in ihren ursprünglichen Ansätzen Kriterien, unter welchen es für Staaten als sinnvoll erachtet wird, auf das Wechselkursinstrument (d.h. eine autonome Geldpolitik) im Falle exogener Störungen zu verzichten. Jüngere Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume arbeiten insbesondere an der empirischen Umsetzung der Theorie und versuchen in Kosten-Nutzen-Analysen eine Aussage über die Optimalität eines Währungsgebietes zu treffen. Auch kann sich nach jüngsten empirischen Untersuchungen einiger Autoren die Optimalität eines Währungsraumes ex post einstellen, sofern ex ante keine Optimalität gegeben warauch eine Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung erscheint einigen Autoren als möglich. 9 Während insbesondere die Debatte über die Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion teils in Form populistisch gesellschaftspolitischer Meinungen geführt wurde, mangelte es doch an fundierten ökonomischen Analysen, ob die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank einem solch heterogenen Währungsraum wie der Eurozone überhaupt gerecht werden kann und eine objektiv geführte Debatte fand nicht statt. 10 Die Optimalität der Eurozone (EU 12) wurde in vielen Studien diskutiert und meist ablehnend beurteilt - inwieweit eine mögliche EU 25 jedoch als „optimal“ im Sinne der Theorie angesehen werden kann, ist noch nicht geklärt.
1.2. Abgrenzung des Themas
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit einer kritischen Diskussion der Theorie optimaler Währungsräume und versucht in einer Übertragung der Theorie auf die EWU eine Antwort auf die Fragestellung zu finden, ob das „jetzige“ Europa der EU 12 (die „Eurozone“) bzw. die EU 15 (die EU 12 incl. der 3 sog. „EMU-Outs“ Dänemark, Schweden und Großbritannien) oder ein Teil des durch die Erweiterung auf 25 Mitgliedsstaaten größer gewordenen EU 25 als „optimal“ im Sinne der Theorie angesehen werden kann, oder ob die EWU auf dem Wege ist, sich zu einem „Mundellianischen Albtraum“ 11 zu entwickeln. 12 Der Begriff „Europa“ bezeichnet in folgender Arbeit stets den ganzen Kontinent und bezieht sich (sofern nicht anders erwähnt) stets auf das gesamte Gebiet der neu geschaffenen EU 25. Werden die neuen mittel-, ost- bzw. südeuropäischen Staaten separat untersucht, gebraucht diese Arbeit auch den Begriff MOE-Staaten (mittel- 7 „The Theory of optimum currency areas is primarily a scholastic discussion which contributes little to
practical problems of exchange rate policy and monetary reform.“ (Ishiyama (1975), S. 378)
8 Tavlas (1993a), S. 32
9 Vgl. Frankel/Rose (1998)
10 Scheckmann, (2005), S. 4
11 Burda (2001), S. 257
12 So sagte auch der 94jährige Ökonom Milton Friedman der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
ein baldiges Ende voraus: „Euro-Land bricht in 5 bis 15 Jahren auseinander.“ (in: Capital, Ausgabe
15/2002, zitiert nach Belke/Baumgärtner (2002), S. 384)
2
und osteuropäische Länder bzw. MOEL) oder EU 8 (bzw. EU 10 incl. Zypern und Malta). Aus währungspolitischer Sicht mag es sinnvoll erscheinen, bestehende Nationalstaaten in immer kleinere Einheiten aufzuteilen - allerdings bildet, wie in den meisten Ansätzen die sich auf die Operationalisierung der Theorie beziehen, im empirischen Teil dieser Arbeit stets die jeweilige Volkswirtschaft die Untergrenze eines Währungsgebietes. 13 Auch vernachlässigt diese Arbeit politökonomische bzw. politische Aspekte der Einführung des EURO und beschränkt sich auf eine rein ökonomische Analyse. 14 Werden Abgrenzungen und Zusammenschlüsse von Volkswirtschaften vorgenommen und diskutiert, so ist dies nicht politisch, sondern ökonomisch im Sinne eines „optimalen Währungsraumes“ zu verstehen. 15 Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, zu einer Aussage über die Optimalität gemäß der ökonomischen Theorie der EU 12/15 bzw. der EU 25 zu gelangen.
1.3. Gang der Untersuchung
In Kapitel 2 erfolgt die Darstellung der klassischen Theorie optimaler Währungsräume, wie sie insbesondere durch die Ansätze von Robert Mundell, Ronald McKinnon und Peter Kenen entwickelt wurde, die partialanalytisch bei mikroökonomischen Störungen Kriterien entwickelt, unter denen es für Staaten von Vorteil sein kann, die Kontrolle über eine autonome Geldpolitik aufzugeben.
Kapitel 3 widmet sich makroökonomischen Aspekten der Theorie optimaler Währungsräume, die in Vielzahl nach oben genannten 3 „klassischen“ Ansätzen mit in die Diskussion eingebracht wurden: Hier werden makroökonomische Abgrenzungsaspekte veranschaulicht, unter denen ein Zusammenschluss der betrachteten Volkswirtschaften von Vorteil sein könnte.
In Kapitel 4 erfolgt die Darstellung des integrativen Ansatzes zur Bestimmung eines optimalen Währungsraumes in Europa: In Form eines Kosten-Nutzen-Kalküls werden hier vielschichtige Vor- und Nachteile der gemeinsamen europäischen Währung aufgezeigt und analysiert. Anschließend wird der Unterschied zwischen nationalem und gesamteuropäischem Kosten-Nutzen-Ansatz aufgezeigt, bevor sich eine kurze Darstellung der beiden sich konträren Hypothesen in Bezug auf die Entwicklung eines Währungssystems nach Einführung einer gemeinsamen Währung anschließt: der Endogenitätshypothese und der Krugman´schen Spezialisierungshypothese. Im Hauptteil der Arbeit in Kapitel 5 wird die EU 25 im Licht der Theorie optimaler Währungsräume analysiert und in einer, teils empirischen Analyse ausgewählter Kriterien eine Aussage über die Optimalität Europas getroffen.
13 Neubert (2000), S. 3
14 Zum Kriterium der „politischen Reformfähigkeit“ siehe beispielsweise Heinemann (1998)
15 Neubert (2000), S. 3
3
Kapitel 6 schließt mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und einem kurzen Fazit.
2. Klassische Ansätze zur Abgrenzung des optimalen
Währungsraumes bei mikroökonomischen
Störungen
2.1. Zum Begriff und Umfang des optimalen Währungsraumes
Eine Beantwortung der Frage, ob die Eurozone ein optimaler Währungsraum ist, bedarf zuerst einer genaueren Klärung der Begriffe „Währungsraum“ sowie „Optimalität“. Neubert, der die Begriffe „Währungsblock“ 16 , „Währungsgebiet“ oder auch „Währungsraum“ synonym gebraucht, versteht darunter „[...] ein geographisches Gebiet, das entweder durch eine einheitliche Währung gekennzeichnet ist oder in dem verschiedene Währungen zirkulieren, die jedoch durch feste Wechselkurse unwiderruflich miteinander verbunden sind.“ 17 Gegenüber dem Ausland herrschen flexible Wechselkurse. 18 Der optimale Währungsraum stellt somit „[...] eine Festkursinsel in einem Meer flexibler Wechselkurse [...]“ 19 dar. Schließen sich mehrere vormals souveräne Staaten zu einem gemeinsamen Währungsraum zusammen, zwischen denen entweder eine Einheitswährung existiert oder deren Wechselkurse unwiderruflich fixiert sind, so spricht man, wie im Falle der EWU, von einer „Währungsunion“, einem „Währungszusammenschluss“ oder einer „Währungsvereinheitlichung“. 20 Dessen Gebiet kann aus einem Staat mit einheitlicher Währung bestehen, oder mehrere Staatsgebiete mit nationalen Währungen umfassen, wobei im zweiten Fall der Währungsraum durch folgende Merkmale charakterisiert ist: „Erstens muss die unwiderrufliche und dauerhafte Fixierung der Paritätskurse gegeben sein, zweitens ist eine irreversible Konvertierbarkeit der Währungen zu gewährleisten und schließlich muss eine vollkommene Liberalisierung des Handels- und Kapitalverkehrs vorliegen.“ 21 Die Bestimmung eines „optimalen“ Währungsraumes bezieht sich im Wesentlichen auf die Festlegung des optimalen Geltungsbereiches einer Währung, „[...] d.h. die regionale Ausdehnung bzw. Abgrenzung der Währungsunion.“ 22 Herrmann definiert den Begriff
16 Rübel (1996), S. 348-349 gebraucht den Begriff „Währungsblock“.
17 Neubert (2000), S. 8
18 Neubert (2000), S. 8. Vgl. dazu Gandolfo (1986), S. 372
19 Altmann (1994), S. 312
20 Neubert (2000), S. 8. Vgl. Feldsieper (1980), S. 546.
21 Neubert (2000), S. 8. Vgl. Tavlas (1993a), S. 32.
Auria (1997) schreibt zur Definition einer Währungsunion: „Die höchste Stufe der Integration im
Währungsbereich ist die Währungsunion. Nach der Definition von Willms (1995) und Tavlas (1993a)
erfordert diese zusätzlich eine gemeinsame Zentralbank und die Einführung einer einheitlichen Währung.
Während in der Wechselkursunion Paritätsänderungen grundsätzlich noch möglich sind, ist dies in der
Währunsunion ausgeschlossen. Ein Währungsraum ist in der Literatur des OWR ein Währungsgebiet mit
den Merkmalen einer Währungsunion.“ (Auria (1997), S. 22)
22 Altmann (1994), S. 312
4
„optimal“ als „[...] die Fähigkeit der Volkswirtschaft, innerhalb einer Währungsunion unter Aufrechterhaltung von Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung ein
außenwirtschaftliches Gleichgewicht zu realisieren.“ 23 Die klassischen Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume definieren die Optimalität hinsichtlich einzelner Kriterien, anhand derer die Zielerreichung bestimmt wird. 24 Wohlfahrtsökonomische Aspekte veranlassten Grubel zu folgender Definition eines optimalen Währungsraumes: „[...] The term optimum currency area is used in a more restricted sense to describe the union between a number of regions or countries, which improves the welfare of the population resident within these territories above the level enjoyed when each was a separate currency area.” 25 Ishijyma entwickelte zur Bestimmung des optimalen Währungsraumes ein totalanalytisches Konzept („alternative approach“), den Kosten-Nutzen-Ansatz, der vermehrt dynamische Elemente in die Diskussion miteinbringt - nach ihm liegt ein optimales Währungsgebiet dann vor, wenn sich Kosten und Nutzen einer gemeinsamen Währung gerade ausgleichen. 26 Willms kennzeichnet den optimalen Währungsraum als einen Raum, „[...] innerhalb dessen der Nettonutzen einer Einheitswährung größer ist als der Nettonutzen einer Vielzahl von Währungen.“ 27 Diese Maxime erscheint einleuchtend - in der Praxis gestaltet sich die Ermittlung eines derartigen „Nettonutzens“ als schwierige, da sehr komplexe Angelegenheit. 28
Mundell, der Pionier auf dem Gebiet der Theorie der optimalen Währungsräume, definiert den optimalen Währungsraum 29 wie folgt: „[...] the optimum currency area is the regiondefined in terms of internal factor mobility and external factor immobility.“ 30 Nach Mundell liegt somit ein optimales Währungsgebiet vor, „[…] wenn sich Preise und Beschäftigungsniveau im Falle von asymmetrischen Nachfrageschocks nur gering vom Gleichgewichtsniveau entfernen.” 31 Der Begriff „asymmetrischer Schock“ nimmt in der
23 Hermann (2001), S. 22
24 Die klassische Theorie wurde v.a. durch die Artikel von Mundell (1961), McKinnon (1963) und Kenen
(1969) geprägt.
25 Grubel (1970), S. 319.
Kenen (1969) definiert den optimalen Währungraum wie folgt: „If the prevailing exchange-rate regime,
fixed or flexible, can maintain external balance without causing unemployment (or, on the other side,
demand-induced wage inflation), that regime is optimal.” (Kenen (1969), S. 41).
26 Ishiyama (1975), S. 344-383.
Allen und Kenen ((1980), S. 381 - 396) bemerken dazu, dass „[…] ”optimal” in OCA theory indicates a
minimization of the costs of balance-of-payments adjustment” (zitiert nach Horvath (2003), S. 8)
27 Willms (1998), S. 41.
Nach Mélitz ((1995), S. 496) macht es Sinn über den Begriff „Optimalität“ zu sprechen, „[…] when the
question is, what the optimum enlargement of the currency area would be from the standpoint of the
individual country or region in question.“ (zitiert nach Horvath (2003), S. 8)
28 Duwendag, et. al. (1999)., S. 12. Vgl. dazu Kap. 4.1.
29 Während Mundell lediglich die Faktormobilität als Anpassungsmechanismus anführt, findet sich eine
etwas weitergefasste Definition bei Snider (1967): „Ein optimales Währungsgebiet ist ein Gebiet, innerhalb
dessen die optimale Anpassung mit festen Wechselkursen erfolgt, während die optimale Anpassung in
Hinblick auf die Beziehungen dieses Gebietes zu anderen eine Entscheidung für variable Kurse erfordert.
Der Begriff des optimalen Währungsgebietes kann also nicht von dem optimalen Anpassungsmechanismus
getrennt werden.“ (Snider, (1967), S. 13)
30 Mundell (1961), S. 661
31 Neubert (2000), S. 10.
5
Literatur der Optimalen Währungsräume einen zentralen Stellenwert ein, weshalb im Folgenden eine etwas genauere Erläuterung erfolgen soll.
2.2. Zur Definition asymmetrischer Schocks 32
„Unter Schocks werden im Allgemeinen relative starke oder auch rasche Änderungen des Güterangebots oder der Güternachfrage verstanden, die für die Marktteilnehmer überraschend kommen und somit nicht antizipierbar sind.“ 33 Beispiele für solch exogenen Störungen/Schocks sind neue Produktionstechnologien (Produktivitätsschocks),
Änderungen von Verbraucherpräferenzen, durch Streiks entstandene Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen, Verschiebungen der relativen Preise (z.B. Ölpreisschocks) oder auch Kurswechsel in den Wirtschafts- und Lohnpolitiken der Europäischen Währungsunion. 34 Schocks können symmetrisch sein, d.h. eine Gruppe von Ländern gleichermaßen treffen (wie z.B. die Ölpreiskrise), oder auch einzelne Länder oder Regionen treffen (asymmetrischer Schock) - mitunter verlaufen die Grenzen auch fließend, da asymmetrische Schocks sich auf andere Länder (negativ) auswirken können. 35 Auch bestehen Unterschiede in der Art der Schocks: transitorische Schocks (die durch gegenzyklische steuer- und/oder geldpolitische Maßnahmen abgefedert werden können) führen zur (zeitweiligen) Abweichung der Produktion von ihrem langfristigen Trend, permanente Schocks hingegen führen zu dauerhaften Abweichungen vom Trend - auch hier können in der Praxis in einem Schock sowohl permanente als auch transitorische Elemente vereint sein. 36 Zur Beseitigung der Störungen im zweiten Fall kann beispielsweise eine Senkung der relativen Realeinkommen und Preise, langfristige Umstrukturierungen oder aber eine Abwanderung der Arbeitskräfte beitragen. 37 Letztere Möglichkeit der Schockabsorption sah Robert Mundell, dessen klassischer Ansatz im Folgenden dargestellt werden soll.
Auch Mundell ist sich der Problematik der „Optimalität“ bewusst und schreibt dazu auf S. 717: „The idea
of optimality […] is complex and difficult to quantify precisely.“ (Mundell (1961), S. 717)
32 Im Laufe der Theorieentwicklung setzte sich die Bezeichnung „asymmetrischer Schock“ gegen die von
Mundell verwendete Bezeichnung „asymmetrischer Nachfrageschock“ durch. (Vgl. Mundell (1961), S.
658)
33 Schrade (2004), S. 3
34 Schrade (2004), S. 3. Vgl. Wohlers (1997), S. 79 ff.
35 Schrade (2004), S. 3
Auch nehmen einige Autoren eine Trennung in binnen- (interne) und außenwirtschaftliche (externe)
Störungen vor: Externe Schocks resultieren beispielsweise aus Veränderungen der Exportnachfrage oder
der Weltmarktpreise (z.B. Ölpreisschock). Interne Schocks können z.B. auf divergenten
Konjunkturverläufen, abweichenden Wachstumsraten oder unterschiedlichen Wirtschaftspolitiken beruhen.
(Duwendag et al. (1999), S. 13)
36 Schrade (2004), S. 3. Vgl. Europaparlament (1998), Kap. 1, S. 13
37 Schrade (2004), S. 3
6
2.3. Das Kriterium von Mundell: Faktormobilität
2.3.1. Vorbemerkungen
Die traditionellen Ansätze zur Bestimmung optimaler Währungsräume begann mit dem grundlegenden 38 Beitrag Robert Mundells „A Theory of Optimum Currency Areas“ aus dem Jahre 1961 39 , der dafür 1999 den Nobelpreis für Ökonomie erhielt. 40 Im Gegensatz zur Theorie des Wechselkurssystems, die keine Unterscheidung zwischen den einzelnen Volkswirtschaften trifft, sucht die Theorie der optimalen Währungsräume nach ökonomischen Kriterien zur Abgrenzung des Umfangs eines optimalen Währungsgebietes und analysiert, „[...] ob alternative Anpassungsmechanismen, die zur Wiederherstellung des Zahlungsbilanzungleichgewichtes unter Aufrechterhaltung von Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung bei fixiertem nominalen Wechselkurs und starren Nominallöhnen [...]“ 41 vorhanden sind. Die Frage, wie eine Volkswirtschaft aus einem „international disequilibrium system“ 42 zu führen sei, war schon vor Mundell Gegenstand der monetären Ökonomie. 43 Der wohl wichtigste analytische Schritt Mundell´s in seinen Arbeiten bestand nun darin, dass er zum ersten Mal die Frage, wann ein fester Wechselkurs für ein Währungsgebiet geeignet wäre, stellte, und dadurch den Begriff einer „regionalen Währung“ prägte, „[…] wobei er Regionen als Gebiete definiert, die durch ein hohes Ausmaß an Arbeitsmobilität im Inneren gekennzeichnet sind und zwischen denen (extern) Arbeitsimmobilität besteht.“ 44 Die Abgrenzung eines Währungsraumes erfolgt damit unabhängig vom Bestehen eines Nationalstaates, „[...] was zum damaligen Zeitpunkt als revolutionär angesehen werden muss.“ 45
Den traditionellen Ansätzen zur Bestimmung optimaler Währungsräume ist gemeinsam, dass sie alle aus dem keynesianischen Modellrahmen abgeleitet wurden, weshalb die klassischen Ansätze nur Aussagen bei gradueller oder vollständiger Lohn- und eventuell auch Preisinflexibilität treffen können. 46 Schwankungen der Gesamtnachfrage äußern sich dann nicht allein in Veränderungen des Preisniveaus sondern auch in Fluktuationen der Produktion. 47 Die keynesianische Theorie geht zudem von Wirkungen der Geld- und Fiskalpolitik sowie einer Form der Erwartungshaltung aus, die nicht mehr der
38 Abhandlungen über die monetäre Integration begannen schon früher von Maede (1957) und Scitovsky
(1957), insbesondere sei jedoch an dieser Stelle auf die Arbeiten über die Problematik „fixe oder flexible
Wechselkurse“ auf Friedman (1953) verwiesen, der als Bedingung eines funktionsfähigen
Währungsraumes Preis- und Lohnflexibilität nennt. (Mongelli (2002), S. 8). Falls Lohn- und
Preisflexibilität eines Landes hoch sind, ist die Schwankung des (realen) Wechselkurses gering und die
Kosten eines Beitritts in eine Währungsunion fallen ebenfalls gering aus. (Nickel (2002), S. 114)
39 Mundell (1961), S. 661 ff.
40 Vgl. McKinnon (2000), S. 1
41 Hermann (2001), S. 23
42 Mundell (1961), S. 657
43 Vgl. Zotter (1995), S. 408
44 Neubert (2000), S. 68 und Mundell (1961), S. 663
45 Herrmann (2000), S. 21
46 Vgl. Juchems (1994), S. 9-12.
47 Hermann (2001), S. 34
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gängigen Auffassung der makroökonomischen Theorie entsprechen - im Mittelpunkt steht hierbei die Theorie der adaptiven Erwartungen. 48 Die moderne Makroökonomie hingegen vertritt, vor allem mit Bezug auf Lucas, 49 die Theorie rationaler Erwartungen, d.h. „[…] die Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen verhalten sich so, als ob sie das wahre Modell der Volkswirtschaft kennen würden, d.h. sie formulieren ihre Erwartungen nicht adaptiv oder aufgrund anderer mechanischer Prozesse.“ 50 Die Wechselkurspolitik kann zur Beseitigung allokativer Ungleichgewichte auf Arbeits- und Gütermärkten, die durch Nominallohn- und Preisinflexibilitäten entstehen, beitragen und wird als ein Instrument gesehen, das „externe Gleichgewicht“, d.h. die Beseitigung von Leistungsbilanzungleichgewichten (nach einem exogenen Schock), wiederherzustellen. Mundell beginnt seinen Aufsatz mit obiger Problematik: „It is patiently obvious that periodic balance-of-payment crisis will remain an integral feature of the international economic system as long as fixed exchange rates and rigid wage and price levels prevent the terms of trade from fulfilling a natural role in the adjustment process.” 51 Im Folgenden werden die klassischen Ansätze von Mundell (1961), McKinnon (1963), Kenen (1969) und Vaubel (1976/1978) vorgestellt, die nach Bedingungen suchen, die den Ausgleich bzw. die Anpassung einer Volkswirtschaft nach einer Störung untersuchen - das optimale Währungsgebiet liegt vor, falls das jeweilige Kriterium erfüllt ist. 52 2.3.2. Darstellung des Mundellschen Kriteriums 53
Mundell ging von zwei homogenen Gebieten 54 , Ost und West aus, die sich jeweils über die Grenzen der Staaten, USA und Kanada, erstrecken. 55 Zwischen den Staaten USA und Kanada bestehen flexible Wechselkurse und jedes Land verfolgt eine eigenständige, souveräne Geldpolitik. Jede Region, Ost und West, produziert ein homogenes Gut, welches sowohl konsumiert als auch exportiert wird. Zwischen den Regionen herrscht Faktorimmobilität. In der Ausgangslage herrschen in beiden Staaten Vollbeschäftigung und ein Zahlungsbilanzgleichgewicht. 56 Dieses Gleichgewicht wird nun gestört (z.B. aufgrund von Präferenzverschiebungen der Konsumenten), da die Nachfrage nach Produkten der Ostregion zu Lasten von Produkten der Westregion (im gemeinsamen Gebiet) steigt. Unter
48 Hermann (2001), S. 34.
„Keynes selbst beschrieb die Unbeständigkeit der Erwartungen mit dem „animal spirit“ der Unternehmer,
die darin ihren Optimismus bzw. Pessimismus im Hinblick auf die Zukunft ausdrückten. Genauer konnte er
die Erwartungsbildung nicht konkretisieren.“ (Hermann (2001), S. 34. Vgl. Sachs/Larrain (1995), S. 47 ff.)
49 Vgl. Lucas (1972)
50 Hermann (2001), S. 34
51 Mundell (1961), S. 657
52 Bokr (1995), S. 54
53 Vereinfachte Darstellung in Anlehnung an Bokr (1995), S. 54-56
54 Der Ausdruck „Gebiet“ ist ein Oberbegriff, der sowohl für Länder als auch für Regionen stehen kann.
55 Vgl. Mundell (1961), S. 659 ff.
56 Da sich die Mundell´sche Analyse auf Güterströme beschränkt, ist die Zahlungsbilanz mit der
Leistungsbilanz gleichzusetzen.
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obigen Voraussetzungen 57 kommt es durch diesen asymmetrischen Schock zu einem Preisanstieg bei Produkten der Ostregion und Preissenkungen bei Produkten der Westregion. Gleichzeitig führt der Kapazitätsabbau im Westen zu Unterbeschäftigung und in der Folge zu Leistungsbilanzdefiziten, wohingegen die Ostregion durch tendenziell steigende Preise, Beschäftigungsanstieg und Leistungsbilanzüberschuss gekennzeichnet ist. Aus dieser Konstellation ergibt sich nun die Fragestellung, unter welchen Bedingungen die Staaten bei unterschiedlichen Währungsregimes zu einem neuen Gleichgewicht zurückkehren können. Wirtschaftspolitische Maßnahmen beider Länder führen in diesem Fall zu keiner Beseitigung des Ungleichgewichts. Versuchen die USA (bzw. Kanada) beispielsweise durch expansive Geld- oder Fiskalpolitik die Arbeitslosigkeit im Westen zu senken, werden die Inflationstendenzen in der Ostregion verschärft. Umgekehrt verschärft sich bei Maßnahmen der Inflationsbekämpfung der Ostregion die
Unterbeschäftigungssituation im Westen. 58 „Thus, unemployment can be prevented in both countries, but only at the expense of unemployment; [...] both unemployment and inflation cannot be escaped.“ 59 Postuliert man also für beide Länder eine eigene Währungspolitik mit unabhängigen Notenbanken, so führen flexible Wechselkurse zwischen den USA und Kanada in dieser Situation zu keinem Ausgleich, da die Nachfrageverschiebung nicht automatisch die Zahlungsbilanzen beider Länder betreffen würde und somit kein Anlass zu Wechselkursänderungen bestünde: 60 „Offenbar lassen sich die regionalen Ungleichgewichte in beiden Ländern auch unter flexiblen Wechselkursen nicht simultan beseitigen.“ 61 Eine Lösung dieses wirtschaftspolitischen Dilemmas könnte nun darin bestehen, flexible Wechselkurse zwischen den Regionen einzuführen 62 : Hätten die Regionen Ost und West eigene Währungen mit flexiblen Wechselkursen, würde die Währung des Ostens (durch die Nachfrageverlagerung zugunsten der Produkte des Ostens) eine Aufwertung erfahren und die inflationäre Entwicklung dämpfen, die Währung des Westens würde abgewertet werden und dadurch eine Exportsteigerung und in der Folge eine Ausweitung der Beschäftigung erlauben. Im Falle fixer Wechselkurse zwischen den Regionen entfällt obiger Anpassungsmechanismus. Mundell hat nun erkannt, dass die Mobilität der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte 63 , bei Beibehaltung einer einheitlichen Währung die stabilisierende Funktion des Wechselkurses im Falle eines exogenen Schocks übernehmen kann. 64 Durch Abwanderung der Arbeitskräfte (bei genügend hoher Elastizität des Arbeitsangebotes) wird die Unterbeschäftigung im Westen beseitigt, wohingegen in der
57 d.h. es herrschen nach unten Lohninflexibilität, völlig unelastisches Arbeitsangebot und beide Länder
verfolgen eine auf Preisniveaustabilität ausgerichtete Wirtschaftspolitik (vgl. Mundell (1961), S. 658)
58 Bokr (1995), S. 55
59 Mundell (1961), S. 659
60 Bokr (1995), S. 55
61 Aschinger (1993), S. 11
62 Mundell (1961), S. 660
63 Er differenziert nicht ausdrücklich zwischen Arbeit und Kapital, allerdings deuten seine Ausführungen
darauf hin, dass er sich ausdrücklich auf die Mobilität der Arbeitskräfte beruft (Vgl. Fischer (1973), S. 14
ff.)
64 Mundell (1961), S. 657-658, S. 661
9
Ostregion den inflationären Tendenzen entgegengewirkt wird. 65 Die Einkommenssteigerung im Westen (und ein entsprechender Einkommensrückgang im Osten) und die daraus resultierenden Nachfrage- und Importeffekte führen in der Folge zu einem Ausgleich der Leistungsbilanz zwischen den jeweiligen Regionen. 66 Wählt man also Regionen statt Ländern, dann führt die Abwanderung der Arbeitskräfte von Ost nach West zu einem internen und externen Gleichgewicht für jede Region - der optimale Währungsraum ist nach Mundell auf Gebiete mit interner Arbeitsmobilität und externer Arbeitsimmobilität festgelegt: „ Today, if the case for flexible exchange rates is a strong one, it is, in logic, a case for flexible exchange rates based on regional currencies, not on national currencies. The optimum currency area is a region.“ 67 Alternativ könnte die Anpassung auch über flexible Löhne und Preise erfolgen: Eine Senkung von Löhnen und Preisen im Osten würde (durch eine erhöhte Nachfrage nach Ostprodukten und die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit) die Wettbewerbsposition verbessern und zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzen führen. 68 Neben ökonomischen Aspekten war sich Mundell jedoch auch der Bedeutung der Berücksichtigung politischer und nationaler Interessen bei der Ausgestaltung eines Währungsraumes bewusst: „A region is an economic unit while a currency domain is partly an expression of national sovereignty. Except in areas, where national sovereignty is being given up it is not feasible to suggest, that currencies should be reorganized; the validity of the argument for flexible exchange rates therefore hinges on the closeness with which nations correspond to regions.” 69
2.3.3. Kritische Würdigung des Mundell´schen Ansatzes
Mundell´s Kriterium zur Abgrenzung optimaler Währungsräume erfuhr in der Literatur häufige Kritik: Skitovsky (1967) und Corden (1972) führen die Kosten auf, die mit der Wanderung des Faktors Arbeit auftreten: Sie seien zu hoch, als dass eine Wanderung in dem Maße stattfinden wird, die nötig wäre, um Leistungsbilanzdefizite zu beseitigen. 70 So spricht sich Maede (1957) bereits in den 50er Jahren gegen eine einheitliche europäische Währung aus. 71 Außerdem sind die Arbeitskräfte nicht notwendigerweise homogen 72 , sondern weisen unterschiedliche Ausbildungsstandards, Altersstruktur und individuelle Fähigkeiten auf: Aufgrund unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Mentalitäten kann die Arbeitsmobilität nicht notwendigerweise den Wechselkurs substituieren 73 , obwohl sich
65 „Dies setzt jedoch voraus, dass der Faktor Arbeit nicht nur interregional und intraindustriell, sondern
zudem auch interindustriell mobil ist.“ (Wolfrum (1998), S. 60). Nach Kenen (1969), S. 43 kann bei
unterschiedlich hoher Arbeitsintensität ein Residualbetrag an Arbeitskräftemangel bzw. Arbeitslosigkeit
bestehenbleiben.
66 Elborgh-Woytek (1998), S. 25
67 Mundell (1961), S. 660
68 Auria (1997), S. 31. Dies ist jedoch nur möglich, falls die keynesianische Prämisse inflexibler Löhne und
Preise nicht aufrechterhalten wird.
69 Mundell (1961), S. 664
70 Skitovsky (1967), Corden (1972)
71 Maede (1957), S. 385
72 Vgl. Kenen (1969), S. 44ff.
73 Altmann (1994), S. 313 und Corden (1972), S. 16
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Mundell dieser Problematik durchaus bewusst war: „[...] so that actual currency reorganization would be feasible only if it were accompanied by profound political changes“ 74 . Selbst wenn von ausreichender Mobilität der Arbeitskräfte ausgegangen werden kann, müssen Kosten der Migration, psychische Kosten der Anpassung an die neue Umgebung berücksichtigt werden. 75 Besteht zwischen dem Faktor Arbeit eine endogene Abhängigkeit vom Wechselkursregime, könnte man kritisch sagen, dass keine logische Aussage nach Mundell´s Kriterium möglich ist, wenn ein solcher Zusammenhang besteht: 76 Die Faktormobilität wäre somit erst ex post zu bestimmen 77 , „[...] wobei in der Praxis die ex ante Mobilität als adäquater Proxy für die ex post Mobilität gewertet wird.“ 78 Ferner weisen insbesondere die EU-Länder eine hohe Produktdiversifikation auf, so dass sie sich nur bedingt durch das Mundell´sche „one country - one sector“ Modell abbilden lassen. 79 Auch kann Migration, die zu kurzfristigen Stabilisierungseffekten führt, langfristig zu ungleichgewichtigen Agglomerations- und Deindustrialisierungswirkungen führen: 80 Wird die Annahme homogener Produktionsfaktoren aufgegeben, ist von einem „brain train“, einer Abwanderung hochqualifizierter Arbeitnehmer aus der Defizitregion auszugehen, was langfristig negativ auf die Faktorausstattung wirkt. 81 Desweiteren ist zu klären, ob Nachfrageverschiebungen von Produkten eines Landes zu Erzeugnissen eines anderen Landes überhaupt von Bedeutung sind. So schreibt De Grauwe für die europäische Union, dass asymmetrische Störungen aufgrund des starken intraindustriellen Handels zwischen den europäischen Volkswirtschaften eher unwahrscheinlich sind, da die Länder gleiche Produktkategorien im- bzw. exportieren: „ [...] thus, France sells cars to and buys cars from Germany. And so does Germany. This structure of trade leads to a situation, where most demand shocks will affect these countries in a similar way.” 82 Weiterhin ist die Prämisse, dass die Arbeitnehmer der Geldillusion 83 unterliegen, von zentraler Bedeutung in Mundell´s Modell: Je weniger die Arbeitnehmer dieser unterliegen, umso schneller werden sie höhere Löhne fordern, um den konkurrenzsteigernden Effekt der Abwertung abzuschwächen - der Wechselkurs würde also im Falle einer fehlenden Geldillusion und sofortigen Tarifverhandlungen als Anpassungsinstrument wirkungslos werden. 84 All diese Kritikpunkte führen zu einer sehr vorsichtigen Einschätzung des Mundell´schen Kriteriums: „Thus, it seems plain, without a length discussion, that labor mobility is an inadequate
74 Mundell (1961), S. 661
75 Hermann (2001), S. 24
76 Es soll eine Aussage des optimalen Währungsregimes in Abhängigkeit von der Arbeitsmobilität getroffen
werden, also: f(AM)=WKR. Hängt die Arbeitsmobilität vom Wechselkursregime ab, ist eine solche
Aussage logisch nicht möglich, denn: f(WKR)=AM. (Juchems (1994), S. 26)
77 McKinnon (1963), S. 714. Vgl. Willgerodt (1965), S. 358
78 Elborgh-Woytek (1998), S. 33/34. Vgl. dazu Selm (1995), S. 110 ff.
79 Bofinger (1994), S. 128
80 Giersch (1971), S. 192
81 Elborgh-Woytek (1998), S. 33
82 De Grauwe (1992), S. 30-31
83 Die Arbeitnehmer erkennen nicht, dass die Währungsabwertung die Importpreise steigen lässt, somit ihren
Nominallohn real entwertet.
84 Bofinger (1994), S. 128. Vgl. Mundell (1961), S. 663
11
substitute for more conventional payments adjustment instruments - demand management and exchange rate variation.“ 85
2.4. Der Ansatz von McKinnon: Offenheit der Volkswirtschaft 86
McKinnon (1963) legt in einem weiteren frühen Beitrag zur Theorie optimaler Währungsräume seinen Analyseschwerpunkt auf die Gütermärkte. 87 Er analysiert den Einfluss der „Offenheit“ einer Volkswirtschaft, definiert als Quotient zwischen handelbaren Gütern und den dort produzierten nicht-handelbaren Gütern. 88 McKinnon unterscheidet handelbare („tradables“) und nicht-handelbare („non-tradables“) Güter: „Exportgüter werden dementsprechend im Inland produziert und zumindest teilweise exportiert, während Importgüter sowohl importiert als auch im Inland hergestellt werden.“ 89 McKinnon unterscheidet in seiner Analyse zwei Fälle: Im ersten Fall steht dem „kleinen Inland“ ein „sehr großes Ausland“ gegenüber 90 - das kleine Land verhält sich als Mengenanpasser 91 . Im zweiten Fall betrachtet McKinnon eine relativ geschlossene Volkswirtschaft, in der das Verhältnis von „tradables“ zu „non-tradables“ sehr gering ist. 92
2.4.1. Der Fall der kleinen, offenen Volkswirtschaft 93
Im Ausgangspunkt der Analyse im ersten Fall herrscht wiederum ein Zahlungsbilanzgleichgewicht, das durch einen exogenen Schock gestört wird: Die Inländer nach. 94 fragen vermehrt handelsfähige Güter Das dadurch entstehende
Zahlungsbilanzdefizit soll durch Abwertung der Inlandswährung beseitigt werden, was die Preise der handelbaren Güter im Inland (die mit dem Wechselkurs steigen und fallen) steigen lässt - die Preise der nicht-handelbaren Güter bleiben konstant. 95 Ausschlaggebend für das Ausmaß der Preiserhöhungen sind, entsprechend der Amoroso-Robinson-Bedingung, die gegebenen Elastizitäten der Export- und Importnachfrage bzw. des Export-
85 Ishiyama(1975), S. 349
86 Die Übersetzung des englischen Originaltextes im Deutschen findet sich in Luckenbach (1979), S. 260-
273.
87 Vgl. zu den folgenden Ausführungen McKinnon (1963), S. 717-725
88 Wie bei vielen anderen Kriterien zur Theorie der optimalen Währungsräume mangelt es auch beim
McKinnon´schen Kriterium an charakteristischen Grenzwerten, ab wann eine Volkswirtschaft als „offen“
zu bezeichnen ist. (Kocher (1991), S. 629-630)
89 Elborgh-Woytek (1998), S. 26
90 Die Größe eines Landes kann etwa durch sein reales BIP, ausgedrückt in einer Referenzwährung,
gemessen werden.
91 Die bedeutet, dass Politikänderungen im Inland die Auslands-(Weltmarkt)preise und das
Auslandseinkommen unbeeinflusst lassen (Aschinger (1993), S. 13). (Vgl. auch Menkhoff/Sell (1991), S.
578)
92 Ab welchem Grenzwert das Kriterium “Offenheit” erfüllt ist, lässt sich bei McKinnon nicht exakt
bestimmen. Vgl. dazu Kocher (1991), S. 629-630.
93 Vereinfachte Darstellung in Anlehnung an Elborgh-Woytek (1998), S. 27
94 Zur Vereinfachung wird der Rest der Welt als ein Ausland mit einer Währung angesehen.
95 Fraglich ist, inwiefern die Abwertung der heimischen Währung dazu beiträgt, das externe Gleichgewicht
wiederherzustellen, ohne die Ziele der Wirtschaftspolitik (Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung) zu
verletzen (vgl. Revelas (1980), S. 41)
12
und Importangebots. Im Falle des kleinen, offenen Landes ist von hohen Elastizitäten der ausländischen Exportnachfrage und des ausländischen Importangebots auszugehen sowie von niedrigen Elastizitäten der inländischen Importnachfrage und des inländischen Exportangebots. 96 Durch den Preisanstieg der handelbaren Güter (proportional zur Abwertung) erfolgen Anreize zum „expenditure-switching“ bei den inländischen Konsumenten: 97 Auf der Angebotsseite hin zu handelbaren Gütern, während die Nachfrage nach nicht-handelbaren Gütern (aufgrund des relativ geringeren Preises) steigt. Gleichzeitig erfolgen Anreize zum „production-switching“ bei den Produzenten hin zu handelbaren Gütern. Im Ergebnis kommt es durch obige Substitutionseffekte zu einer Verbesserung der Leistungsbilanz 98 , wohingegen eventuelle Sekundäreffekte (wie z.B. preisinduzierte Kostensteigerungen bei Vorprodukten) wieder zu einer Verschlechterung führen können. 99 Allerdings steigen aufgrund der erhöhten Nachfrage auch die Preise der nicht-handelbaren Güter und das Ziel der Preisniveaustabilität wird verletzt: „From Case 1, it is clear that external exchange-rate fluctuations, [...] are not compatible with internal price-level-stability for a highly open economy.“ 100 Auch in McKinnon´s Modell ist die Annahme der bei den Inländern herrschenden Geldillusion gegenüber Importpreissteigerungen von zentraler Bedeutung: 101 Die Orientierung der Konsumenten an realen statt nominalen Größen verhindert eine nachhaltige Verringerung der inländischen Absorption 102 , da mit zunehmendem Öffnungsgrad der Grad der Geldillusion sinkt. 103 Die preisnehmende, kleine, offene Volkswirtschaft kann somit, wenn sie bei Vollbeschäftigung produziert, nur über eine verringerte Absorption, unterstützt durch restriktive Geld- und Fiskalpolitik Preisniveaustabilität erreichen: 104 „[...] Eine restriktive Wirtschaftspolitik kann direkt die reale Absorption im Inland beschneiden, wodurch einmal die Importnachfrage zurückgeht und andererseits ein Teil der heimischen Produktionskapazitäten für den Export freigesetzt wird.“ 105 Zusammenfassend beeinflusst ein System flexibler Wechselkurse bei zunehmendem Öffnungsgrad der Volkswirtschaft sowohl das externe Gleichgewicht als auch das Ziel der internen Preisniveaustabilität. In kleinen, offenen Volkswirtschaften können Wechselkursänderungen langfristig keine Wettbewerbsvorteile generieren, so dass
96 McKinnon (1963) geht in seiner Analyse von einer unendlichen Elastizität der ausländischen
Importnachfrage sowie des ausländischen Exportangebots aus.
97 Vgl. Juchems (1994), S. 28
98 Entscheidend für den Umfang des Ausgleichs der Leistungs- bzw. Handelsbilanz ist die Situation am
Arbeitsmarkt (vgl. Revelas (1980), S. 42-43): produziert die Volkswirtschaft bei Vollbeschäftigung, tritt
eine Verbesserung nur bei einer Verringerung der inländischen Absorption (d.h. einer Kürzung der realen
Ausgaben) ein. Gemäß McKinnon soll lediglich der Fall der Vollbeschäftigung analysiert werden.
99 Vgl. Menkhoff/Sell (1991), S. 578
100 McKinnon (1963), S. 719
101 McKinnon (1963), S. 723 ff. bzw. in expliziter Form Ishiyama (1975), S. 350
102 McKinnon (1963), S. 719.
103 Neubert (2000), S. 110.
Je größer der Anteil der handelbaren Güter an der Gesamtproduktion, desto stärker wird die
Preissteigerung im Inland ausfallen, so dass Preisniveaustabilität nicht mehr gewährleistet werden kann.
104 Aschinger (1993), S. 13. Elborgh-Woytek bemerkt dazu auf S. 28: „Im theoretischen Extremfall einer
Volkswirtschaft mit ausschließlich handelbaren Gütern ist das einheimische Preisniveau vollständig durch
das ausländische bestimmt.“ (vgl. Presley/Dennis (1976), S. 18)
105 Revelas (1980), S. 44 ff.
13
feste Wechselkurse in dieser Situation vorzuziehen wären, „ [...] denn eine Nachfrageverlagerung könnte dann mit Hilfe einer restriktiven Geld- und Fiskalpolitik ohne Auswirkung auf das Inlandspreisniveau eine Verbesserung der Handelsbilanz etablieren.“ 106
2.4.2. Anpassung in der großen, geschlossenen Volkswirtschaft 107
Im zweiten Teil seiner Analyse untersucht McKinnon eine große, geschlossene Volkswirtschaft, wobei er „Größe“ definiert durch einen geringen Anteil handelbarer Güter an der Gesamtproduktion. Nun hat (z.B. infolge von Präferenzverschiebungen der Konsumenten in Richtung von „Weltprodukten“) eine Abwertung der Währung geringere Einflüsse auf das heimische Preisniveau. Der Preisanstieg der Welthandelsgüter bewirkt eine Nachfrageerhöhung der inländischen Konsumenten nach Binnengütern, andererseits wird die Produktion von Exportgütern angeregt. Dies führt wiederum zu einer Verbesserung der Handelsbilanzsaldos. Restriktive geld- und fiskalpolitische Maßnahmen zur Verringerung der inländischen Absorption würden nicht nur einen vergleichsweise großen Rückgang des Einkommens im Inland erfordern, sondern auch das Ziel der Vollbeschäftigung negativ (bei Annahme rigider Löhne und aufgrund des dominierenden Sektors der nicht-handelbaren Güter) beeinflussen: „Effectively, we would have permitted the tail (tradable goods) to wag the dog (non-tradable goods) in pursuing restrictive monetary and fiscal policies, with fixed echange rates to improve the trade balance, for a small proportion of tradable goods.“ 108
Mit zunehmendem Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft sinkt somit die Fähigkeit flexibler Wechselkurse, ein internes und außenwirtschaftliches Gleichgewicht wiederherzustellen. Geht man von einem zunehmendenden Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft mit ihrer Größe aus, so erscheint für kleine Volkswirtschaften eine Währungsunion mit dem „großen“ Ausland sinnvoll. 109
2.4.3. Kritische Würdigung des McKinnon´schen Ansatzes
McKinnon geht in seinem Modell von Prämissen aus, die fragwürdig erscheinen - gelten diese nicht, sind Schlussfolgerungen aus seinem Modellrahmen nicht mehr möglich. So berücksichtigt er, wie Mundell, in seiner Analyse lediglich mikroökonomische Störungen. Nach Corden sind bei makroökonomischen Störungen auf jeden Fall flexible Wechselkurse zur Beseitigung von Ungleichgewichten nötig. 110 Ein weiterer Kritikpunkt an McKinnon´s Kriterium zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraumes richtet sich an die Anfälligkeiten kleiner, offener Volkswirtschaften mit flexiblen Wechselkursen, bei externen
106 Neubert (2000), S. 111
107 Absatz 2.4.2 orientiert sich, sofern nicht anders vermerkt, weitestgehend an Elborgh-Woytek (1998), S. 28
108 McKinnon (1963), S. 720
109 Vgl. Feldsieper (1980), S. 549; Altmann (1994), S. 314
110 Corden (1972), S. 20
14
Schocks. 111 Flexible Wechselkurse können als „shock-absorber“ dienen. 112 Flassbeck kritisiert die Fähigkeit des Wechselkursinstrumentes Leistungsbilanzdefizite in großen Ländern zu beseitigen. 113 Desweiteren vernachlässigt McKinnon, dass ein System fester Wechselkurse nur vorteilhaft ist, wenn im Partnerwährungsland Preisniveaustabilität herrscht - herrschen im Leitwährungsland Inflationstendenzen, so könnten sich McKinnon´s Schlussfolgerungen völlig umdrehen: „Vorteile, die fixierte Wechselkurse im Rahmen einer Währungsunion für ein sehr kleines, offenes Wirtschaftsgebiet bei der Absorption mikroökonomischer Störungen bieten können, verwandeln sich dann in Nachteile, wenn die übrigen mit ihm verbundenen Wirtschaftsgebiete im makroökonomischen Bereich weniger stabil sind.“ 114 Auch die Trennung der Güter in handelsfähige und nicht-handelsfähige ist fragwürdig, 115 wobei schon McKinnon auf diese Ungenauigkeit hinweist: „The sharp distinction between tradable and non-tradable goods makes the above model analytically much easier to work with; but in practice there is a continuum of goods between the tradable and non-tradable extremes.” 116 Werden Güter temporär nicht gehandelt, weist dies nach Salin nicht automatisch darauf hin, dass ein Binnengut vorliegt: 117 „Selbst im Falle eines Gebäudes sind die einzelnen Bestandteile handelbar, so dass es falsch wäre die Baubranche insgesamt als Binnengut zu klassifizieren.“ 118 Bei einer Währungsabwertung würden die zunächst nicht-handelbaren Güter wieder exportierfähig, woraus wiederum eine Verbesserung der Handelsbilanz resultieren würde. Komplikationen können sich ergeben, wenn man die Prämisse konstanter Weltmarktpreise nicht aufrechterhält - hierzu McKinnon in einem späteren Beitrag selbstkritisch: „In addition, the idea of openless would have to be modified when the area was large enough to affect external prices.“ 119 Wegen der rigorosen Annahmen erweist sich die Operationalisierbarkeit des McKinnon´schen Kriteriums als schwierig, da es an Grenzwerten fehlt, ab welchem Öffnungsgrad sich ein Land einer Währungsunion anschließen sollte. 120 Aus seinen Überlegungen geht jedoch die Bedeutung der Wechselkursanbindung für die Haushaltsdisziplin einer kleinen, offenen Volkswirtschaft
111 Corden (1972), S. 17-21 und Giersch (1973)
112 Ishiyama (1975), S. 352 ff. und Presley/Dennis (1976), S. 27ff.
Allerdings entfalten flexible Wechselkurse ihre „shock-absorber“ Funktion nur unter der Prämisse, „[...]
dass die Leistungsbilanz infolge einer Wechselkursvariation normal reagiert. Ist die Nachfrage des Inlandes
nach Importen unelastisch, so ist die außenwirtschaftliche Absicherung durch flexible Wechselkurse nicht
sichergestellt [...].“ (Neubert (2000), S. 115.) Vgl. Siebert (1992), S. 266-269
113 Flassbeck (1988), S. 79 ff.
114 Feldsieper (1980), S. 550
115 Neumann-Whitman (1967) definieren den Öffnungsgrad einer Volkswirtschaft daher mittels marginaler
Importneigung.
116 McKinnon (1963), S. 721
117 Salin (1977), S. 186
118 Neubert (2000), S. 116
119 McKinnon (1963), S. 721
120 Kocher (1991), S. 629-630.
Auch die Definition des Begriffes „Offenheit“ ist als kritisch einzuschätzen: „Misst man beispielsweise ein
großes Land wie die USA am Quotienten der handelsfähigen zu den nicht-handelsfähigen Gütern, so kann
man sie als relativ offen bezeichnen, weil der Anteil der produzierten Welthandelsgüter an der
Gesamtproduktion ein hohes Ausmaß einnimmt. Beurteilt man hingegen die Offenheit der USA durch das
Verhältnis des Außenhandelssektors am inländischen Sozialprodukt, so läge eine relativ geschlossene
Volkswirtschaft vor.“ (Neubert (2000), S. 113)
15
hervor: „The case for the openness criterion may be strengthened if small open countries tend to be financially „undisciplined“, in which case the self-imposition of fixed exchange rates is supposed to lead to sounder economic management.“ 121
2.5. Der Ansatz von Kenen: Diversifikation
2.5.1. Darstellung des Konzeptes
Aufbauend auf den Ansätzen von Mundell und McKinnon legte Kenen ein weiteres Konzept zur Abgrenzung optimaler Währungsräume vor. 122 Er definiert den Diversifikationsgrad von Produktions- bzw. Exportstruktur einer Volkswirtschaft als Abgrenzungskriterium. Nach Kenen reagieren breit diversifizierte Länder unempfindlicher auf mikroökonomische Störungen als weniger diversifizierte Regionen. 123 So illustrieren z.B. erdölexportierende Staaten oder Entwicklungsländer, die überwiegend agrarische Produkte exportieren 124 , deren Produktionsstruktur i.A. weniger diversifiziert ist und die somit zur Kompensation externer Schocks auf das Wechselkursinstrument eher angewiesen sind als breit diversifizierte Industriestaaten, seine These. 125 Kenen stützt seine These durch die Analyse der Auswirkungen des unterstellten Nachfragerückgangs auf die Beschäftigung, was Parallelen zur Mundell´schen Argumentation aufweist: 126 Länder, deren Produktpalette breiter diversifiziert ist als bei anderen, unterliegen bei Nachfrageschocks geringeren Terms-of-Trade-Veränderungen. 127 Eine diversifizierte Volkswirtschaft verfügt über einen besseren Absorptionsmechanismus, da die in einem Sektor freigesetzten Arbeitskräfte von anderen Sektoren eher absorbiert werden können, als dies in einer gering diversifizierten Volkswirtschaft der Fall wäre. 128 Tritt beispielsweise 129 in einer stark diversifizierten Volkswirtschaft eine Nachfrageänderung von Chemikalien hin zu Maschinenbauteilen ein, so werden ausländische Wirtschaftssubjekte mehr Maschinenbauteile nachfragen, was den Inflationsdruck im Inland erhöht, wohingegen es im Chemiesektor zu einem Beschäftigungseinbruch kommt. Allerdings sollte die Arbeitslosigkeit im Chemiesektor die wirtschaftspolitischen Akteure vor keine allzu großen Herausforderungen stellen, denn: „Bei genügend hoher intersektoraler Arbeitsmobilität kann ein baldiger Abbau der Arbeitslosigkeit erwartet werden, so dass im Extremfall als Folge der exogenen Störungen
121 Ishiyama (1975), S. 35
122 Kenen (1969), S. 41-60, insb. S. 49-54
123 Neubert (2000), S. 142.
Zotter (1995) spricht in diesem Zusammenhang von einer impliziten Anwendung der Markowitzschen
Portfolioselektion auf die Risikominimierung des Exportertrages einer Volkswirtschaft.
124 Menkhoff/Sell (1992) verwenden im Extremfall, dass eine Volkswirtschaft nur ein Gut
produziert/exportiert, den Ausdruck „Monoproduktland“.
125 Elborgh-Woytek (1998), S. 30
126 Elborgh-Woytek (1998), S. 30
127 Kenen schließt von der Diversifikation der Produktionsstruktur auf die Diversifikation der Exportstruktur:
„A country that engages a number of activities is also apt to export a wide range of products.“ Kenen
(1969), S. 49
128 Elborgh-Woytek (1998), S. 30
129 Das Beispiel ist Szumilas (2004), S. 8 entnommen.
16
alleine eine - zeitlich begrenzte - friktionelle Arbeitslosigkeit auftreten wird.“ 130 Die hoch diversifizierte Volkswirtschaft kann also eher auf das Anpassungsinstrument Wechselkurs verzichten, in der gering diversifizierten Ökonomie ist „[...] ein flexibler Wechselkurs die bessere währungspolitische Lösung, um Stabilität und einen hohen Beschäftigungsstand zu sichern.“ 131
Kenen fasst seine Überlegungen wie folgt zusammen:
„1. [...] a well-diversified national economy will not have to undergo changes in its terms of trade as often as a single-product national economy.
2. […] when, in fact, it does confront a drop in the demand for its principal exports, unemployment will not rise as sharply as it would in a less-diversified national economy. 3. […] the links between external and domestic demand, especially the link between exports and investment, will be weaker in diversified national economies, so that variations in domestic employment “imported” from abroad will not be greatly aggravated by corresponding variations in capital formation.” 132
2.5.2. Kritische Würdigung des Kenen´schen Ansatzes
Kritikpunkte an Kenen´s Ansatz zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraumes richten sich in der Literatur v.a. auf folgende Aspekte: Zum einen geht er von einer unendlich hohen Elastizität des Arbeitsangebots hinsichtlich des Nominallohnes aus, andererseits unterstellt er einen Anstieg des internationalen Preises der Importgüter und des Nominallohnes im selben Ausmaß. 133 Bei Aufgabe der einschränkenden Prämissen sind somit formale Beweise seiner Analyse nicht mehr möglich. Berücksichtigt man die Größe der betrachteten Volkswirtschaft, stehen Kenen´s Schlussfolgerungen im Widerspruch zu McKinnons Ergebnissen: Nach Kenen ist die Voraussetzung für feste Wechselkurse gegeben, wenn man davon ausgeht, dass „große“ Länder einen höheren Diversifikationsgrad aufweisen als „kleine“ Volkswirtschaften; unterstellt man, dass „große“ Volkswirtschaften einen geringeren Offenheitsgrad als kleine aufweisen, sind beide Ansätze nicht kompatibel. 134 Elborgh-Woytek (1998) kritisiert, dass sich Kenen´s Kriterium bei Berücksichtigung des sektoralen Aspekts der Mobilität von Arbeitskräften als Spezialfall des Mundell´schen Kriteriums herausstellt: So können „[...] im Extremfall einer perfekten intersektoralen Immobilität [...] Regionen mit nicht-diversifizierten Produktions- und Exportstrukturen entstehen.“ 135 Zum einen wird bei Kenen die Besonderheit des Kriteriums „Diversifikation“ gegenüber der Mobilität hervorgehoben, zum anderen betont Kenen
130 Revelas (1980), S. 53
131 Feldsieper (1980), S. 550
132 Kenen (1969), S. 49
133 Hermann (2001), S. 26
134 Elborgh-Woytek (1998), S. 36
135 Elborgh-Woytek (1998), S. 36
17
explizit die Bedeutung der Diversifikation für die Faktormobilität. 136 Auch in der weiteren Diskussion über Kenen´s Kriterium wird auf die Interdependenz der Faktormobilität und der Diversifikation hingewiesen. 137 Berücksichtigt man, dass normalerweise die intrasektorale Mobilität über der intersektoralen Mobilität der Arbeitskräfte liegt, bleibt die Synthese zwischen Faktormobilität und Diversifikation widersprüchlich. Nach Rühl ist eine hohe intersektorale Mobilität v.a. zwischen branchenverwandten Produktionseinheiten zu vermuten, so dass von ähnlichen Anfälligkeiten gegenüber externen Schocks auszugehen ist. 138 Somit ist davon auszugehen, dass sich Nachfrageschocks innerhalb eines Sektors auf den gesamten Sektor auswirken, wohingegen die Anbieter anderer Güter nicht tangiert werden: „Kenen setzt implizit voraus, dass der von ihm postulierte Nachfragerückgang nicht konjunkturell bedingt ist.“ 139
2.6. Der Ansatz von Vaubel: Variabilität der realen Wechselkurse
Aufgrund der Vielzahl der Kriterien zur Theorie optimaler Währungsräume, die im Zeitablauf entwickelt wurden, ergab sich das Problem einer geeigneten Gewichtung, um zu einer Aussage über die Optimalität zu gelangen. 140 Dies erscheint einigen Autoren nicht möglich. So schreiben Tower und Willett: „[...] there is no general agreement on the importance of these factors (which influence the ease of adjusting to imbalances), nor is the list considered here necessarily exhaustive. It cannot be said, that we have a unified theory of optimum currency areas. [...] the goal of such a unified theory is probably illusionary.“ 141 Auch Pelkmans schließt sich dieser Sichtweise an: „Economists have come to realise, that it is rather fruitless to lump a large variety of often conflicting arguments together in a super-theory of currency areas.” 142 Für Vaubel ist die Volatilität des realen Wechselkurses ein umfassendes Kriterium zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen, welches sämtliche traditionellen Kriterien „automatisch“ erfasst: Mit steigender Diversifikation des Außenhandels (Kenen-Kriterium) sowie steigender Faktormobilität (Mundell-Kriterium) nehmen reale Wechselkursschwankungen ab, wohingegen mit zunehmendem Öffnungsgrad
136 Kenen (1969), S. 54
137 Aliber (1972), S. 436; De Cecco (1974), S. 467
138 Rühl (1975), S. 133 ff.
139 Elborgh-Woytek (1998), S. 36
140 Vgl. Juchems (1994), S. 55-56.
So schlug Kenen (1969) das Ausmaß der fiskalischen Integration (Kenen (1969), S. 46/47) als
Abgrenzungskriterium optimaler Währungsräume vor, Haberler (1970) betonte, dass letzten Endes der
politische Wille (Haberler (1970), S. 121 ff.. So zeigt in jüngerer Zeit z.B. Cohen (1993), dass i.d.R. der
politische Wille ökonomische Argumente dominiert) ausschlaggebend für eine Währungsunion ist,
Fleming (1971) betont die Konvergenz der Inflationsraten als Bedingung für eine tragfähige
Währungsunion (vgl. Kap. 4.3.), Ingram (1973) schlägt den Grad der Kapitalmarktintegration als
Abgrenzungskriterium vor (vgl. Kap. 4.2.) und Vaubel (1978) versucht schließlich in der Variabilität der
realen Wechselkurse ein „Superkriterium“ zu definieren: „Allein diese (unvollständige) Aufzählung
unterschiedlicher Kriterien zeigt den Dissens in der Ökonomie, auf welcher Basis die Entscheidung für ein
bestimmtes Wechselkurssystem und damit für oder gegen eine Währungsunion fallen sollte.“ (Beckmann
et al. (2000), S. 32).
141 Tower/Willett (1970), S. 61
142 Pelkmans (1975), S. 98
18
(McKinnon-Kriterium) abnehmende Schwankungen des realen Wechselkurses zu erwarten sind. 143 Demzufolge bedeuten stabile reale Wechselkurse, dass in der Vergangenheit zwischen den betrachteten Volkswirtschaften keine längerfristigen Über- oder Unterbewertungen vorgelegen haben, woraus auf relativ homogene ökonomische Fundamentalfaktoren in den Volkswirtschaften geschlossen werden kann, was die Voraussetzungen für eine Währungsunion begünstigt 144 - nach Vaubel ist der optimale Währungsraum durch stabile reale Wechselkurse gekennzeichnet. 145 Nach Bofinger ist die Instabilität realer Wechselkurse allerdings kein geeigneter Indikator für eine Analyse der Optimalität der Europäischen Währungsunion, so dass im empirischen Teil dieser Arbeit von einer Analyse der realen Wechselkursschwankungen abgesehen wird, da diese für die Europäische Währungsunion als nicht aussagekräftig genug eingeschätzt werden: 146 „Ein ganz offensichtliches Defizit besteht allerdings darin, dass eine Währung mit starken realen Wechselkursveränderungen in der Vergangenheit nicht notwendigerweise ähnlich großen Schwankungen in der Zukunft ausgesetzt sein muss - und vice versa. [...] Aus den genannten Gründen ist es also nicht angemessen, die Entscheidung über eine Europäische Währungsunion vom Indikator der realen Wechselkurse abhängig zu machen.“ 147 Auch Bayoumi/Eichengreen unterstützen Bofingers Argumentation: Die Autoren zeigen in einer Regressionsanalyse, dass hohe reale Wechselkursschwankungen zwischen den europäischen Ländern nicht ausschließlich auf obige Anpassungsmechanismen zurückzuführen sind, sondern auch durch z.B. politische Faktoren mitbeeinflusst werden. 148
3. Makroökonomische Aspekte der Theorie optimaler
Währungsräume
3.1. Vorbemerkungen
Die traditionellen mikroökonomischen Ansätze zur optimalen Abgrenzung eines Währungsgebiets fokussieren vor allem auf die Kosten der Zahlungsbilanzanpassung bei fixierten Wechselkursen, stellen jedoch kein geschlossenes, theoretisches Modell dar. 149 Die
143 Vgl. Elborgh-Woytek (1998), S. 41
144 Duwendag, et al., (1999), S. 15
145 Mit Hilfe des Kriteriums der „Minimalen Varianz realer Wechselkurse“ kam Vaubel (1978) im Zeitraum
1971 - 1976 zu dem Entschluss, dass die sechs besten Kandidaten für eine Währungsunion Deutschland,
die Niederlande, Dänemark, Belgien, Frankreich und Luxemburg gewesen wären. (Vaubel (1978), S. 325
ff.)
146 Bofinger (1994), S. 135 ff.
Auch andere Autoren schätzen dieses Kriterium eher vorsichtig ein: Nach Duwendag et al. (1999) führen
verschiedene Einzelfaktoren wie unterschiedliches reales Wachstum, Realzinsunterschiede oder ein
divergierendes Auslandsvermögen zu Schwankungen der realen Wechselkurse, so dass erst eine genaue
Kenntnis dieser Faktoren notwendig wäre, um überhaupt die EWU in Bezug auf dieses Kriterium
aussagekräftig bewerten zu können. (Duwendag et. al. (1999), S. 15)
147 Bofinger (1994), S. 135/136
148 Bayoumi/Eichengreen (1997), S. 209 ff.
149 Hermann (2001), S. 33
19
Einzelkriterien stehen isoliert voneinander, sind untereinander teils widersprüchlich und nur wenig operational; als problematisch anzusehen ist auch, dass die Vorzüge einer gemeinsamen Währung zu wenig Beachtung finden - es werden nur diejenigen Kosten quantifiziert, die im Rahmen des Verlusts des Wechselkurses als Stabilisierungsinstrument anfallen. 150
Im Gegensatz zu den klassischen Ansätzen werden in den „neueren“ Ansätzen 151 , die vor allem in den 80er und 90er Jahren vor dem Hintergrund der Vorbereitung zur EWU entwickelt wurden 152 , makroökonomische und monetäre Erklärungsgrößen sowie Kosten-Nutzen-Analysen verwendet, die vermehrt dynamische Elemente in die Diskussion miteinbringen. 153 Jüngste Ansätze in der Theorie optimaler Währungsräume beziehen sich auf die Endogenität einer Währungsunion, nachdem sich die Entwicklung der OCA-Kriterien ex-post einstellen kann, selbst wenn ex-ante keine Optimalität vorlag. Nach der „neuen“ Theorie werden nicht nur die Kosten der Aufgabe des Wechselkursinstrumentes betrachtet, vielmehr muss jedes potentielle Beitrittsland einer Währungsunion die Kosten und Nutzen seines Beitritts selbst abwägen, so für die betrachtete Volkswirtschaft daraus ein Nettonutzen resultiert. 154 Nicht in jedem Fall verläuft die Trennung zwischen „Klassik“ und
150 Hermann (2001), S. 33
So wurde die Theorie optimaler Währungsräume schon als „dead-end-problem“ (Johnson (1969), S. 395)
bezeichnet. Ingram (1969) merkte Ende der 60er Jahre an: „I confess, that I do not think the question of an
optimum currency area is any longer a very interesting one.“ (Ingram (1969), S. 96) und Niehans ((1984),
S. 291) beschreibt das Problem der Theorie optimaler Währungsräume wie folgt: „[…] the problem is
logically similar to the problem of how a country should be devided into voting districts in such a way that
the parliamentary seats for a given party are maximized. In its full generality, it is obvious a prohibitively
difficult problem, so it is hardly surprising that twenty years of academic efforts have brought little
progress toward its solution. What we have is a variety of suggestions about certain elements that may play
a role in the solution.” Krugman (1994) hingegen sieht in der Theorie optimaler Währungsräume Mitte der
90er Jahre die „[…] central intellectual question of international monetary economies.“ (zitiert nach Tavlas
(1993b), S. 663)
151 Vgl. Tavlas (1993a), S. 34
152 „Nach Tavlas (1993b) ist das Wiederaufleben der Theorie, nach gewissem Stillstand Mitte der 70er Jahre,
auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: Einerseits ergaben sich diverse Einflüsse im
weltwirtschaftlichen Umfeld, wie z.B. die Spannungen im EWS. Andererseits ergaben sich in der
Makroökonomie neue Erkenntnisse: So hat sich die Tatsache einer fallenden Philippskurve durchsetzen
können, was impliziert, dass die Arbeitslosigkeit nicht über eine Inflationserhöhung gesenkt werden kann.
Veränderungen des Geldangebots haben somit keine langfristigen realen Folgen. Flexible Wechselkurse
haben dann den Vorteil, dass zwischen verschiedenen Inflationsraten beschäftigungsneutral gewählt
werden kann. In den 80er Jahren rückt unter dem Begriff „Glaubwürdigkeit“ ein weiterer Begriff ins
Zentrum der wissenschaftlichen Diskussion. Bei Senkung der Inflation ist die Glaubwürdigkeit
verantwortlicher Institutionen relevant, da sie die Kosten der Volkswirtschaft wesentlich beeinflusst. Auch
der Aspekt der „Zeitinkonsistenz“ ist in diesem Zusammenhang relevant - Modelle zeigen die Gefahr, die
von Politikern ausgeht, die eigene Interessen verfolgen und über den Wechselkurs „bestimmen“ können.“
(Hermann (2001), S. 34/35)
153 Mittendorfer (1994), S. 67 ff.) bemerkt zu den makroökonomischen Aspekten der Theorie optimaler
Währungsräume, dass diese weniger einen Grund, als vielmehr einen Indikator für den Erfolg einer
Währungsunion darstellen.
154 Die Ermittlung eines solchen „Nettonutzens“ stellt eine empirisch nur schwer lösbare Aufgabe dar. (Vgl.
dazu Kap. 4.1. und 4.4.)
20
„Moderne“ eindeutig, was eine Kategorisierung der Kriterien erschwert und wodurch das Konzept Teile seiner ursprünglichen Prägnanz verliert. 155
3.2. Kapitalmobilität
Das von Scitovsky (1967) 156 zur Abgrenzung optimaler Währungsräume entwickelte Kriterium der Kapitalmobilität steht in engem Zusammenhang zum Mundell´schen Kriterium der Arbeitsmobilität. 157 An die Stelle der Mobilität der Arbeitskräfte, die für einen Leistungsbilanzausgleich sorgen (könnten), tritt in diesem Ansatz das Kapital, so dass der Leistungsbilanzausgleich über die Kapitalbilanz kompensiert wird. Wählt man als Abgrenzungskriterium die Faktorbezogenheit, so müsste dieser Ansatz eigentlich (auch wegen der frühen Veröffentlichung 1967) unter die klassischen Theorien einzuordnen sein, üblicherweise wird er jedoch der moderneren Theorie zugeordnet. 158
3.2.1. Darstellung des Konzeptes 159
Auch Scitovsky analysiert, wie die klassischen Autoren, Anpassungsmechanismen zum Ausgleich von Leistungsbilanzunterschieden zwischen Regionen. 160 Er erkennt die ausgleichende Funktion der Arbeitsmobilität nach einem exogenen Schock an, hält den Ausgleichsmechanismus jedoch besonders in der kurzen Frist für überschätzt. 161 Um nach einer exogenen Störung (unter der Voraussetzung eines uneingeschränkten internationalen Kapitalverkehrs) für einen Ausgleich sorgen zu können, könnte in Mundells 2-Regionen-Modell beispielsweise die Defizitregion des Westens an den Osten Wertpapiere emittieren, was zu einer Erhöhung des Realzinsniveaus (aufgrund der kurzfristig das Wertpapierangebot die Nachfrage übersteigt, woraus geringere Kurse resultieren) im Osten führen würde. 162 Die Wirtschaftssubjekte sehen sich nun aufgrund der entstandenen Zinsdifferenz veranlasst, Kapital im Osten (zu höheren Zinsen) anzulegen, was zu einem Ausgleich der Zahlungsbilanz führt. 163 Somit können sich die Wirtschaftspolitiken der Regionen auf Erreichung ihrer internen Ziele konzentrieren und es bedarf bei hoher internationaler Kapitalmobilität (kurzfristig) keiner flexiblen Wechselkurse, um Leistungsbilanzsalden zu korrigieren, da kleine Zinsdifferenzen zwischen Ländern (im
155 Elborgh-Woytek (1998), S. 43
156 Vgl. Scitovsky (1967), S. 524-525. Auch Ingram untersuchte die Kapitalmobilität als Kriterium zur
Abgrenzung von optimalen Währungsräumen. Vgl. Ingram (1969), S. 98-100 sowie Fischer (1973), S. 184-
189
157 Vgl. McKinnon/Oates (1966)
158 Elborgh-Woytek (1998), S. 43
159 Die Darstellung orientiert sich, soweit nicht anders vermerkt, an Elborgh-Woytek (1998), S. 43/44
160 Die Kapitaltransfers resultieren in einer Kompensation des Leistungsbilanzsaldos über die Kapitalbilanz.
Vgl. auch Magnifico (1971), S. 9 ff.
161 Scitcovsky (1967), S. 523
162 Scitovsky (1967), S. 524-525; Ingram (1969), S. 98-100 und Fischer (1973), S. 184-189
163 Der zum Leistungsbilanzsaldo entgegengesetzte Saldo der kurzfristigen Kapitalbilanz kompensiert diesen.
Allerdings kommt es zum vollständigen Ausgleich nur unter der Prämisse, dass das Leistungsbilanzdefizit
der Ostregion und der Leistungsbilanzüberschuss des Westens äquivalent sind. (Fischer (1973), S. 184)
21
Unterschied zu fehlenden Zinsdifferenzen zwischen Regionen eines Landes) ausländisches Kapital anziehen: 164 „The much greater proportion of assets transferable and usable as reserves in interregional than in international economic relations explains much of the contrast between the painless ease of the one and the painful difficulty of the other. [...] Equilibrating capital flows among regions of the same country are probable the main reason why one never hears of balance-of-payments difficulties in interregional relations.” 165 Demnach wird eine hohe Integration der Finanzmärkte bzw. eine hohe Kapitalmobilität als Optimalitätskriterium erwogen. 166
3.2.2. Kritische Anmerkungen
Gegen die Abgrenzung von optimalen Währungsräumen bezüglich der Mobilität des Portfoliokapitals wenden Tower/Willett ein, „[...] this mechanism serves primarily to finance rather than to correct or adjust a payment imbalance.“ 167 Demnach dient der Mechanismus lediglich der Finanzierung, nicht der Korrektur der Zahlungsbilanz, so dass ungewiss bleibt, ob „[...] insgesamt die anfallenden Kosten der Zahlungsbilanzkorrektur auf diese Weise vermindert werden können.“ 168 Ingram bemerkt, dass durch kurzfristige Kreditfinanzierung eine Vergrößerung des Produktionspotentials in der Defizitregion zur Folge haben kann (wodurch z.B. Investitionen getätigt werden können), 169 wodurch eine Konvergenz von Ausgaben und Einnahmen der Defizitregion über eine Erhöhung des Volkseinkommens und nicht durch Verringerung der Ausgaben erfolgt. 170 Auch haben internationale Zahlungsströme nur dann eine kompensierende Wirkung, „[...] wenn sie durch Preissignale oder individuelle Vermögenskalküle ausgelöst werden.“ 171 Eine Verstärkung des Ungleichgewichts ist jedoch zu erwarten, wenn die Kapitalströme vor dem Hintergrund erwarteter bzw. tatsächlicher Änderungen der makroökonomischen (oder politischen) Rahmenbedingungen stattfinden, 172 weswegen das Konzept der Kapitalmobilität als Abgrenzungskriterium als „janusköpfig“ 173 zu bezeichnen ist, da es je nach Konstellation zu gegenläufigen Effekten führt. 174 Die potentiell negativen Effekte
164 Vgl. Neubert (2000), S. 93
165 Scitovsky (1967), S. 527 und auch Kenen (1967), S. 537/538
166 Vgl. Revelas (1980), S. 30 ff.
Plasaj (2004) bemerkt dazu auf S. 18: „Mit seinen Ansätzen führte er die Diskussion über optimale
Währungsräume von der Vorstellung weg, mit Geld- oder Wechselkurspolitik allokative Probleme auf den
Arbeits- und Gütermärkten lösen zu können. Zudem relativierte er das Ziel des externen Gleichgewichts
mit seiner Feststellung, dass Leistungsbilanzungleichgewichte bei perfekten Kapitalmärkten auch bei fixen
Wechselkursen nur eine freiwillige, vorübergehende Umverteilung des Konsums in jeweils beiden Ländern
darstellen.“
167 Tower/Willett (1970), S. 51
168 Hermann (2001), S. 26
169 Ingram (1973), S. 23
170 Auch Neumann-Whitmann (1967) und Corden (1972) unterstützen Ingrams Ansicht.
171 Elborgh-Woytek (1998), S. 44
172 Scitovsky (1967), S. 530 und Cooper (1967)
173 Elborgh-Woytek (1998), S. 45
174 Rühl (1975) S. 141 und Fleming (1971), S. 473
22
völliger Kapitalmobilität auf die Autonomie der Geldpolitik werden völlig vernachlässigt. 175 Masson und Taylor fordern eine Differenzierung zwischen Finanzkapital und Anlagegütern: „Mobility of physical capital is typically higher within than between countries, for a number of reasons: absence of exchange-rate risk, uniformity of tax codes, similarity of regulations, common national characteristics (language, political goals, etc.).“ 176 Langfristige Kapitalbewegungen in Form von Direktinvestitionen erhöhen demnach das zukünftige Produktionspotential und beseitigen die Ursachen des Ungleichgewichts. 177 Nach Neubert stellt das Kriterium der Kapitalmobilität zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für die Abgrenzung eines optimalen Währungsraumes dar. 178 In der folgenden Diskussion wurde das Kriterium der Kapitalmobilität zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen erweitert und auf die Bedeutung der Integration von Finanz- und Gütermärkten verwiesen 179 , da diese „[...] wesentlichen Einfluss auf die Investitionsbereitschaft nehmen und erst deren günstige Konstellation internationalen Kapitalbewegungen den Weg ebnet und somit zum Ausgleich der Zahlungsbilanz beiträgt.“ 180
3.3. Die Ähnlichkeit der Inflationsraten
3.3.1. Darstellung des Konzeptes
Der Grundgedanke des Konzepts der Gleichheit der Inflationsraten zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen, das von Fleming 181 , Haberler und Magnifico entwickelt wurde 182 , besteht in der Überlegung, dass sich einerseits bei Ländern mit übereinstimmenden Präferenzen bezüglich der Inflationsrate 183 das Preisniveau im
175 Elborgh-Woytek (1998), S. 44. Vgl. dazu Kenen (1995), S. 181 ff. und Bini Smaghi/Micossi (1990), S. 145
176 Masson/Taylor (1993), S. 10
177 Nickel (2002), S. 115.
Die Autorin bemerkt dazu „Allerdings haben die Währungskrisen der Vergangenheit gezeigt, dass gerade
kurzfristig sehr mobile Kapitalströme eher destabilisierend wirken. Wenn es aufgrund der [in Mundell´s
Beispiel angenommenen, Anm.] Nachfrageverlagerung zu einem Rentabilitätsgefälle zwischen den
Regionen kommt, dann kommt es in dem Land mit dem Leistungsbilanzdefizit zu Kapitalexporten, die das
Ungleichgewicht in der Leistungsbilanz durch die Kapitalbilanzen noch verstärken.“ (Nickel (2002), S.
115. Vgl. dazu Fleming (1971), S. 472 - 475)
178 Neubert (2000), S. 98
179 Kawai (1987), S. 532
180 Bokr (1995), S. 65
181 Flemings Ansatz beruht auf detaillierten, empirischen Untersuchungen im Europäischen Währungssystem.
182 Fleming (1971), S. 468-483; Magnifico (1973), S. 61-72 und Haberler (1971), S. 276. Vgl. dazu auch
Krämer (1970) und Kasper/Stahl (1971).
183 In der Literatur wird auch das Kriterium „homogener Präferenzen“ als „Überkriterium“ der Ähnlichkeit der
Inflationsraten diskutiert. Homogene Präferenzen in Bezug auf Preisniveaustabilität, hohen
Beschäftigungsgrad, Wirtschaftswachstum und externes Gleichgewicht erleichtern die Koordination der
Wirtschaftspolitiken der betrachteten Volkswirtschaften, so dass die Bereitschaft zur Abgabe der
Geldpolitik an eine supranationale Instanz bei homogenen Präferenzen bezüglich der Preisniveaustabilität
als relativ hoch einzuschätzen ist. (Traud (1996), S. 103). Menkhoff/Sell reduzieren das Kriterium
„homogener Präferenzen“ auf das Kriterium ähnlicher Inflationsraten, da „[...] der entscheidende
wirtschaftspolitische Maßstab aus währungspolitischer Sicht in der Ausgestaltung der Geldpolitik liegt, die
sich letzten Endes in der Inflationsrate niederschlägt.“ (Menkhoff/Sell (1991), S. 578). Diese Arbeit
schließt sich der Sichtweise Menkhoffs und Sells an.
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Arbeit zitieren:
Tobias Kahler, 2006, Ist die Eurozone ein optimaler Währungsraum?, München, GRIN Verlag GmbH
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