Inhalt
Inhalt
Inhalt.......................................................................................................................... I I
1. Einleitung 1
2. Das Phänomen „Daily Soaps“ 3
2.1 Definitionen 3
2.1.1 Soap Opera 3
2.1.2 Daily Soap 3
2.1.3 Cliffhanger 4
2.1.4 Genre 5
2.1.5 Rezipient 6
2.2 Herkunft und Entstehung 6
2.3 Geschichtliche Entwicklung 7
2.4 Stellung und Rolle der Soaps im deutschen Fernsehen 9
2.5 Etablierung und Platzierung der deutschen Daily Soaps 12
3. Struktur und Aufbau von Daily Soaps 15
3.1 Merkmale 15
3.1.1 Regelmäßigkeit im Programm 15
3.1.2 Makelloses Erscheinungsbild der Darsteller 15
3.1.3 Charakterstabilität 16
3.1.4 Übertriebene Dramatik 16
3.1.5 Persönlichkeitsfreiräume 17
3.1.6 Inszenierung von Minderheiten 17
3.2 Dramaturgie 17
3.3 Figurenkonstellationen 19
3.4 Themen und Konflikte 21
3.4.1 Themenauswahl 21
3.4.2 Konfliktfelder 23
3.5 Darstellungsprinzipien 23
3.5.1 Personalisierung 24
3.5.2 Privatisierung 24
3.5.3 Intimisierung 25
3.6 Grundtypen der Rezeption 26
3.6.1 Der dynastische Typ 26
3.6.2 Der gemeinschaftliche Typ 27
3.6.3 Der dyadische Typ 27
4. Der geschlechterspezifische Aspekt 28
4.1 Die Geschlechterspezifität im Fernsehen 28
4.1.1 Das Altersbild der Protagonisten 28
4.1.1.1 Merkmale der Altersdarstellung 29
I
Inhalt
4.1.1.2 Die Unterscheidung verschiedener Alterstypen 30
4.1.1.2.1 Der Altruist 30
4.1.1.2.2 Der Professionelle 31
4.1.1.2.3 Der Engagierte 31
4.1.1.2.4 Der Autoritäre 32
4.1.2 Die Darstellung verschiedener Rollenbilder 33
4.1.2.1 Das Familienbild 33
4.1.2.2 Das Frauen- und Männerbild 34
4.1.2.2.1 Das Frauenbild 34
4.1.2.2.2 Das Männerbild 36
4.1.2.3 Das Jugendbild 37
4.1.2.3.1 Der Pubertierende 37
4.1.2.3.2 Der Ich- Bezogene 38
4.1.2.3.3 Der Selbstbewusste 38
4.1.3 Die Akteursstruktur 39
4.1.3.1 Das Geschlechterverhältnis der Akteure 39
4.1.3.2 Der Durchschnittstyp 40
4.1.3.3 Die Schichtzugehörigkeit der Soap- Akteure 41
4.2 Die geschlechterspezifische Rezeption 42
4.2.1 Geschlechterspezifische Genrepräferenzen 42
4.2.1.1 Bildungsabhängige Rezeption 45
4.2.1.2 Altersunterschiedliche Nutzung 46
4.2.2 Typische Aneignungsmuster der Soap 48
4.2.2.1 Unterhaltung und Information 48
4.2.2.1.1 Spannung und Harmonie 48
4.2.2.1.2 Nutzung als Lernprogramm 50
4.2.2.1.3 Distanz als Selbstdarstellung 51
4.2.2.2 Widerspiegeln der eigenen Vorstellung 52
4.2.2.2.1 Wiederfindung und Bestärkung 52
4.2.2.2.2 Atmosphäre von Jugendlichkeit 53
4.2.2.2.3 Inszenierung von Idealen 54
4.2.2.3 Lückenfüller für die eigene Lebenswelt 55
4.2.2.3.1 Soap als emotionaler Resonanzboden 55
4.2.2.3.2 Entwickeln von Idealvorstellungen 57
4.2.2.3.3 Emotionale Bindung an die Stars 57
4.2.3 Die parasoziale Beziehung zu einer Soap- Figur 59
4.2.3.1 Die parasoziale Integration in den Freundeskreis 60
4.2.3.2 Die parasoziale Liebesbeziehung 61
4.2.4 Die Daily Soap als Begleitung in der weiblichen Adoleszenz 63
4.2.4.1 Der „Verlust der Stimme 63
4.2.4.2 Frauen in handlungsbestimmenden Rollen 65
II
Inhalt
4.2.4.3 Der Aspekt des Vergnügens 66
4.2.4.3.1 Das realistische Vergnügen 66
4.2.4.3.2 Das formale Vergnügen 67
4.2.4.3.3 Das inhaltliche Vergnügen 67
4.2.4.3.4 Das fantasievolle Vergnügen 67
4.2.4.3.5 Das kommunikative Vergnügen 68
4.2.5 Folgen und Wirkungen regelmäßigen Soap- Konsums 69
4.2.5.1 Allgemeine Befunde 69
4.2.5.2 Die Bedeutung von Schönheitsidealen 70
4.2.5.2.1 Die Affinität zwischen Protagonisten und Rezipienten 71
4.2.5.2.2 Die gesellschaftliche Relevanz von Schönheit 71
4.2.5.2.3 Die Auswirkungen auf das Körperbild der Rezipienten 72
5. Die Bedeutung von Soaps im schulischen Alltag 75
5.1 Die Schulklasse als Gruppe 75
5.2 Die Beziehungen zwischen den Schülern 78
5.2.1 Positive Schüler- Schüler Beziehungen 79
5.2.2 Negative Schüler- Schüler Beziehungen 83
5.2.2.1 Außenseiter 83
5.2.2.2 Cliquenbildung 85
5.2.2.3 Fraktionsbildung 87
6. Befragung 89
6.1 Beweggründe 89
6.2 Zielgruppe 89
6.3 Zusammenfassung der Ergebnisse 90
6.3.1 Mädchen 90
6.3.2 Jungen 94
7. Schlussbetrachtung/Ausblick 97
Literaturverzeichnis V
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis XIV
Anhang: Fragebogen zum Thema „Daily Soaps“ XV
III
1. Einleitung
Eine bewegte Phase voller Veränderungen und Konflikte steht denjenigen Jugendlichen bevor, die die Zeit der Pubertät und der darauf folgenden Adoleszenz zu bewältigen haben. Die Suche nach realitätsnahen Konzepten für das soziale Miteinander spielt in dieser Phase eine besonders wichtige Rolle. Dadurch, dass die Jugendlichen mit diesbezüglichen Bedürfnissen an bestimmte Inhalte des Fernsehens herantreten, versprechen sie sich Hilfestellungen beim Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden. Ganz besonders Mädchen, welche sich im Reifungsprozess zur Frauwerdung befinden, suchen nach Lösungsstrategien für Problembereiche, die auch in ihren eigenen Leben präsent geworden sind. Bei der Herausbildung der individuellen Persönlichkeit und Identität der Heranwachsenden hat in den vergangenen Jahren das Angebot im Fernsehen gewaltig mitgemischt. Da die täglichen Seifenopern im deutschen Fernsehen überwiegend Themen behandeln, welche sich von den Jugendlichen auf ihr persönliches Erleben übertragen lassen, machen diese einleuchtenden Handlungsvorschläge eine spezifische Auseinandersetzung kaum noch notwendig. Die eindrucksvolle Laufzeit der Daily Soaps verdeutlicht, dass sie ihren festen Platz im deutschen Fernsehen errungen haben. Wurden sie auch anfangs heftig kritisiert, so sind sie mittlerweile nicht mehr aus dem Vorabendprogramm wegzudenken. Der durchwegs hohe und konstante Zuschauerzuspruch
demonstriert, wie sehr sich die Gruppe der Pubertierenden und Heranwachsenden für diese Realserien begeistern lässt, welche ausschließlich naheliegende Themen und Konflikte aus dem Alltag aufgreifen. Doch es sind nicht nur die Einstellungen der Jugendlichen, die sich von den Soaps beeinflussen lassen, sondern auch die Bildung sozialer Beziehungen zu den Mitschülern in der Schule ist davon betroffen.
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Die regelmäßige Rezeption von Daily Soaps kann sich sowohl in negativer Weise auf die Entwicklung der Schüler auswirken, als auch positiv das Heranreifen der jugendlichen Generation fördern. Der hohe Stellenwert und die orientierende Bedeutung des Genres dürfen demnach nicht unterschätzt werden, selbst wenn die Vorliebe für diese Art des Fernsehens von außenstehenden Personen nur schwer zu begreifen ist. Mit der vorliegenden Arbeit soll ein detaillierter Einblick in das Format der Daily Soaps gewonnen werden. Gleich zu Beginn der Arbeit soll das Phänomen „Daily Soaps“ in seiner Entwicklung und Struktur erfasst werden. Im Anschluss daran soll das Genre unter dem Aspekt der Geschlechterspezifität näher betrachtet werden; dabei scheint es wichtig, die Darstellung der Geschlechter im Fernsehen von der unterschiedlichen Aufnahme der Geschlechter vor dem Fernsehgerät zu differenzieren. Nach der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Daily Soaps auf den schulischen Alltag der Jugendlichen, soll eine kleine Befragung Rückschluss auf die zuvor festgehaltenen Vermutungen und Thesen geben und somit dem Werk zur Veranschaulichung dienen.
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2. Das Phänomen „Daily Soaps“
2.1 Definitionen
Um das Verständnis zu fördern und die folgenden Zusammenhänge nachvollziehen zu können, sollen die wichtigsten gebräuchlichen Begriffe in ihrer medienspezifischen Bedeutung erläutert werden.
2.1.1 Soap Opera
Udo Göttlich bezeichnet die „Soap Opera“ als ein dialogisches Medium (vgl. Göttlich 2000, S. 40). Sie kann als eine fortlaufende Serie mit offener Erzählstruktur bezeichnet werden. Gekennzeichnet ist sie durch ihre überdeutliche Handlung, was durch das ständige Wiederholen desselben Sachverhalts ersichtlich wird. In der Regel geht es um alltägliche Freuden und Probleme einiger Jugendlicher und Erwachsener, die einer kleinen Gemeinschaft angehören; das Genre kann infolge dessen dem Bereich der „Human- interest- Geschichten“ zugeordnet werden (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 50). Es muss hochdramatisch und emotional zugehen wie in einer Oper, wo in der Regel die beiden Hauptdarsteller unglücklich ineinander verliebt sind, was die Zuschauer rührt. Genau dieser Effekt ist auch für die „Soap Opera“ wünschenswert (vgl. Süß/Kosack 2000, S. 49).
2.1.2 Daily Soap
Die „Daily Soap“ kann als eine Spezialform des Serienspektrums bezeichnet werden; in ihr sind Einblicke in Liebes-, Freundschafts- und Sozialbeziehungen vorherrschend.
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Der Etablierung dieses populären amerikanischen Formats ging eine lange Erfolgsgeschichte amerikanischer Serien im deutschen Fernsehen voraus. Gerade „Daily Soaps“ können als kommerzielles Format bezeichnet werden, weil sie von Anfang an mit Werbung verbunden waren. Deren niedrige Produktionskosten werden durch eine relativ begrenzte Anzahl von Schauplätzen, durch kurze Proben- und Produktionszeiten, sowie durch lange Einstellungen mit abwechselnder Darstellung der Gesprächspartner begünstigt (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 50).
Im Gegensatz zu den klassischen dramatischen Erzählungen weisen die Soaps einen erheblichen „Reduktionismus“ auf. Dieser zeigt sich in der beständigen Wiederkehr der Handlungsorte, des Erzählduktus und der Art der dargestellten Konflikte und Themen (vgl. Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001, S. 39). Dieser Reduktionismus ist die Grundlage dafür, dass die Erfordernisse der episodischen Erzählens überhaupt
ökonomisch durchgeführt werden können (vgl. Cippitelli/ Schwanebeck 2001, S. 151).
Man braucht bei Soaps nicht immer genau hinzuschauen, um zu verstehen, worum es gerade geht. Die Dialoge erklären es sehr ausführlich. Auch am unverwechselbaren, billigen Studiolook, an den vielen Groß- und Naheinstellungen, an der übertriebenen Dramatik und an den vielsagenden dramatischen Blicken am Ende einer Episode, lässt sich erkennen, dass es sich um eine „Daily Soap“ handelt (vgl. Süß/Kosack 2000, S. 51).
2.1.3 Cliffhanger
Der sogenannte „Cliffhanger“ lässt sich als Handlungshöhepunkt (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 51) bezeichnen und wurde deshalb erfunden, um den Zuschauer bei der Stange zu halten, indem man eine gefährliche Situation oder eine
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ungelöste Frage ans Ende einer Episode stellt. Meistens wird in Großaufnahme das Gesicht der betroffenen Person gezeigt oder bei individuellen Problemen oder einer eskalierenden Situation eine halbnahe Einstellung auf die Beteiligten bevorzugt. Die Akteure sind quasi in ihrer äußerlichen und emotionalen Bewegung erstarrt, was die Zuschauer zum Nachdenken und zum Einschalten am nächsten Tag anregen soll. Auf das Standbild folgt dann nach wenigen Sekunden die Titelmusik und eine kurze Vorschau auf die nächste Folge (vgl. Götz 2002, S. 16). Wörtlich würde man unter dem Begriff jemanden verstehen, der an der Klippe hängt, und kein Mensch weiß, ob er im nächsten Moment abstürzt oder doch noch gerettet wird. Der „Cliffhanger“ unterscheidet Daily Soaps grundsätzlich von anderen Fernseh-formaten, da ihre Geschichten bis ins Unendliche weitergespielt werden können (vgl. Süß/Kosack 2000, S. 49 f.).
2.1.4 Genre
In der Medienwissenschaft wird der aus dem Französischen stammende Begriff rein klassifikatorisch genutzt, um die verschiedenen Medienangebote nach ihren Merkmalen voneinander zu unterscheiden. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um das Thema oder den Stoff. Infolgedessen kann der „Genre“- Begriff völlig offen und unbegrenzt verwendet werden. Da die Betonung eines einzigen Merkmals häufig schon wieder zur Nominierung eines völlig neuen „Genres“ führen kann, zeichnet er sich durch eine besonders große Dynamik aus (vgl. Schanze/Pütz 2002, S. 127). Somit stellt das „Genre“ Daily Soap eine bestimmte Art von Medien- bzw. Fernsehangeboten dar.
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2.1.5 Rezipient
In der Kommunikationswissenschaft dient der Begriff, der ursprünglich aus dem Lateinischen stammt, als Bezeichnung für den Empfänger von mittels Signalen übermittelten Aussagen, der in der Lage ist, diese Signale so weit zu entschlüsseln, dass er den Sinn dieser Aussage versteht (vgl. Brockhaus Enzyklopädie 1989).
Unter „Rezeption“ in seiner medienspezifischen Bedeutung wird gewöhnlich der Prozess der kommunikativen Aneignung der verschiedenen Fernsehgenres durch einen „Rezipienten“ verstanden. Indem sich der „Rezipient“ dem Medium zuwendet, beginnt der Prozess der Rezeption. Demgemäß bezeichnet Rezeption einen Vorgang, bei dem über einen Träger, wie z.B. den Kommunikationskanal, eine Botschaft an einen „Rezipienten“ gesendet wird und eine bestimmte Wirkung hervorruft (vgl. Schanze/Pütz 2002, S. 315 f.).
2.2 Herkunft und Entstehung
Vorläufer der Soap Opera können bereits in den trivialen Fortsetzungsromanen des letzten Jahrhunderts gefunden werden, die damals als Serienhefte konzipiert wurden (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 50).
In Amerika strahlte schon 1925 ein regionaler Radiosender die erste Seifenoper mit dem Namen „The Smith Family“, als neues Format im Radio aus und löste damit eine Epidemie aus. Während des Krieges starteten viele neue Radioserien, so dass die Auswahl immer größer wurde. Alle Serien handelten von einer Gruppe oder Familie, um die sich die Geschichten drehten. Dabei wurden Frauen in den Vordergrund gestellt, die bisher zu Hause hinterm Herd standen. In den Serien galten sie als angesehen, standen auf eigenen Beinen und machten Karriere. In vielen Fällen übten sie gut bezahlte und
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anspruchsvolle Berufe aus, wie z.B. Ärztinnen. Schon bald stand also die erfolgreiche Frau im Mittelpunkt; dieser Trend ist auch heute noch im Fernsehen dominierend (vgl. Evermann 2000, S. 4).
1933 wurde der Begriff Soap Opera erfunden. Im gleichen Maße etwa wie die Einschaltquoten der Serien stiegen auch die Verkaufszahlen des Waschmittels „Oxydol“. Ein cleverer Produktmanager des Waschmittelkonzerns „Protector & Gamble“, der seine Frau häufig beim Abwasch beobachtet hatte, bemerkte, dass diese automatisch das Radio anstellte, um sich abzulenken. Die ewigen Werbespots dazwischen fand sie allerdings eher störend und somit kam er auf die Idee, beides miteinander zu verbinden (vgl. Süß/Kosack 2000, S. 46/47). Alles, was das geliebte „Radio- Idol“ benutzte, konnte also nicht schlecht sein und somit war der Begriff der Soap Opera entstanden.
Diese episodenhaften Kurzgeschichten, die also von Waschmittelherstellern zu Werbezwecken gesponsert wurden, zielten damit hauptsächlich auf die Käuferschicht der Hausfrauen ab, die das Radio bei der Hausarbeit als Nebenbei-Medium nutzten (vgl. Heinrich/Jäckel 1999, S. 50). Daily Soaps wurden somit erfunden, um vor allem den weiblichen Konsumenten Werbespots, die geschickt und unterhaltsam verpackt waren, unterzujubeln; deshalb war auch der schlechte Ruf dieser Machwerke gleich von Anfang an vorhanden (vgl. Süß/Kosack 2000, S. 50).
2.3 Geschichtliche Entwicklung
Anfang der 50er Jahre wurde die letzte Radio-Soap eingestellt und die Serien, die damals noch live gespielt wurden, kamen ins Fernsehen. Dennoch blieb das dramaturgische Mittel des Dialogs im Fernsehen als zentrales Element bestehen (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 50).
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Die täglichen Dramen eroberten die Bildschirme. Mehrere neue Formate starteten jährlich, ja sogar die Sendelänge wurde auf eine halbe Stunde ausgedehnt. Auch in Deutschland war ein enormer Erfolg zu kennzeichnen. 1978 begann der Siegeszug der Soaps, sowohl in Amerika als auch in Deutschland, noch bevor es überhaupt Privatsender gab. Studenten, berufstätige Frauen und auch Männer konnten zu den regelmäßigen Rezipienten gezählt werden (vgl. Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001, S. 55). Anfang der 90er Jahre flaute dieser Boom in Deutschland langsam wieder ab und eine neue Generation von Soaps entstand, die in Deutschland produziert wurden. Bereits Ende 1985 startete der Fernsehklassiker „Lindenstraße“ als Weekly Soap. Die heutigen Daily Soaps haben sich im deutschen Fernsehen erst in den 90er Jahren etabliert.
Tabelle 1: Die aktuellen Soaps im deutschen Fernsehen
(aus Gaida 2002, S. 13)
Im Mai 1992 eroberte der Sender RTL mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ)“ als erste deutsche Daily Soap (vgl. Cippitelli/Schwanebeck 2001, S. 13) den deutschen Fernsehmarkt und bewirkte einen enormen Boom. Einige Jahre später, im November 1994, legte der gleiche Sender mit „Unter Uns“ nach. Auf ARD startete im Januar 1995 die Serie „Verbotene Liebe“ und auch die ARD- Soap „Marienhof“, die bereits seit Oktober 1992 zweimal wöchentlich ausgestrahlt wurde, wurde
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1995 auf die tägliche Ausstrahlung umgestellt (vgl. Cippitelli/ Schwanebeck 2001, S. 12/13).
Heute sind die täglichen Soaps von den Bildschirmen nicht mehr wegzudenken und ihr Genuss macht süchtig nach mehr. Etliche der deutschen Seifenopern haben den harten Konkurrenzkampf nicht überlebt, andere dagegen werden mit wachsendem Erfolg ausgestrahlt (vgl. Evermann 2000, S. 4 f.). Mittlerweile werden in Deutschland täglich werktags von mehr als 14 Millionen Zuschauern Daily Soaps gesehen (vgl. Cippitelli/Schwanebeck 2001, S. 12).
2.4 Stellung und Rolle der Soaps im deutschen Fernsehen
Das Genre der „Daily Soaps“ bedeutet eine Veränderung der bislang bekannten Angebotsformen im deutschen Fernsehen. Waren bis Anfang der neunziger Jahre dem deutschen Publikum lediglich US- amerikanische Seifenopern bekannt (vgl. Jäckel 1998, S. 186), so stellen die Daily Soaps im deutschen Fernsehen der neunziger Jahre eine neue Ausgangssituation dar: es kommt zu einer Steigerung der genannten Prozesse bei einer gleichzeitigen Konzentration auf die Jugendkultur (vgl. Schatz/Jarren/Knaup 1997, S. 194). Den Daily Soaps kommt nicht nur wegen der Besonderheiten der Soap- typischen Erzählweise eine besondere Rolle im Vorabendprogramm zu, sondern vor allem wegen der Möglichkeiten, die sich im Rahmen der Einführung und Umsetzung neuer Marketing- und Merchandisingstrategien für die Sender, die Produktionsfirmen und die Werbung betreibende Wirtschaft ergeben.
Für das deutsche Fernsehen stellt die Daily Soap- Produktion eine grundlegend neue Herausforderung dar. Bis 1991/92 gab es überhaupt nicht die Produktionskapazitäten für eine Aufnahme der Eigenproduktion von täglich ausgestrahlten Serien. Der enorm hohe Programmoutput von wöchentlich bis
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zu 120 Minuten pro Daily Soap- Produktion war in der deutschen Fernsehgeschichte bislang unbekannt. Die Gewährleistung der vielschichtigen Produktionsabläufe ist dabei unverzichtbar, zumal während der laufenden Produktion und unter enormen Druck täglich sendefähiges Material geliefert werden muss. Der hohe Produktionsaufwand führt zu einem Professionalisierungsdruck auf den Ebenen Produktion und Marketing, aber auch im Drehbuch, im Casting und im Schauspiel, sowie im Kameraeinsatz, in der Regie, in der Studiotechnik und in der Kulisse, die alle größtenteils während der laufenden Produktion erst herausgebildet und entfaltet werden.
In dieser Entwicklung liegt ein Hauptgrund warum sich die Daily Soaps als Keimzelle und Startpunkt des Fernsehens der Zukunft erweisen. Wenn man bedenkt, dass an jeder Daily Soap- Produktion ungefähr 120 bis 150 Personen direkt beteiligt sind, dann kann man die rasante Entwicklung auf diesem Gebiet erkennen (vgl. Jäckel 1998, S. 187 ff.). Maßgeblich für das Erzählkonzept der Daily Soaps ist der ständige Wechsel des Handlungsortes, sowie der Austausch der Akteure bei jedem Szenenwechsel, der beinahe nach einem festen Zeitrhythmus von 90 Sekunden erfolgt (vgl. Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001, S. 39). In fast jeder Folge werden 14 bis 20 einzelne Bilder bespielt, wobei allerdings keine linear sich entwickelnde Handlung zu erkennen ist, sondern drei bis vier mosaikhaft aufgebaute Handlungsstränge, die dann am Ende einer Episode in den typischen Cliffhanger münden (vgl. Jäckel 1998, S. 189). Dieses Phänomen wird von Geißendörfer als „Zopfdramaturgie“ bezeichnet, weil die einzelnen Handlungen eben zopfartig ineinander verflochten sind (vgl. Hummel 1998, S. 114 f.). Dabei wird weniger das Außergewöhnliche und Besondere inszeniert und dramatisiert; überwiegend wird das Alltägliche und Banale als Anlass für die Darstellung genommen (vgl. Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001,
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S. 40 f.). In der Regel weist eine deutsche Daily Soap eine Netto-Spielzeit von 22 bis 23 Minuten auf. Mit den Werbeunterbrechungen bzw. den Werbeblöcken vor und nach der Sendung, der Einspielung von „Recaps“, welche zu Beginn die Ereignisse der letzten Folge zusammenfassend präsentieren, sowie des Vor- und Abspanns ergibt sich eine Brutto-Sendezeit von ca. 30 Minuten (vgl. Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001, S. 28).
Daily Soaps vermitteln Informationen zu Beziehungsverhalten, Lebensstilen, Normen und Werten und nehmen Einfluss auf Prozesse der Identitätsbildung (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 52). Die dargestellten Themen, die sozialen Konflikte und die Problemlösungen stellen dabei nur einen Ausschnitt der Lebenswelt dar. Diese Ausschnitte berühren oft Liebesbeziehungen und Fragen zu Partnerschaft und Sexualität, thematisieren aber nur randständig Aspekte des Schul-, Ausbildungs- und Berufsalltags. Freizeitaktivitäten und Konsumverhalten werden hingegen gezielt mit Erlebniswelten aufgeladen und zeigen darin eine deutliche Affinität zu den Werbebotschaften und den Marketingaktivitäten (vgl. Jäckel 1998, S. 187 ff.).
Die Beteiligung der ARD mit den Soaps „Marienhof” und „Verbotene Liebe“ an der Loveparade 1997 und 1998 zeigt beispielhaft, dass populär- kulturelle Ereignisse mit einbezogen und intensiv genutzt werden. Insbesondere trifft dies auf die Verknüpfungen zwischen den Seifenopern und dem Popmusik-Markt zu. Diese Aspekte verdeutlichen, dass die Soaps zu einem festen Bestandteil der Populärkultur geworden sind. Die alltags- und populärkulturellen Inhalte können in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden (vgl. Bayerische Landeszentrale für neue Medien 1997, S. 160 f.).
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2.5 Etablierung und Platzierung der deutschen Daily Soaps
Der Erfolg oder Misserfolg einer Sendung lässt sich nur bedingt aus den absoluten Zuschauerzahlen ablesen; aufschlussreicher ist der Marktanteil, der den Anteil eines Senders an der personenbezogenen Gesamtfernsehnutzung zeigt; dabei kommt es nur auf die Personen an, die zum Zeitpunkt der Erhebung tatsächlich fernsehen. Auf diese Weise lässt sich ein Vergleich der Sender insgesamt durchführen (vgl. Krützen 1998, S. 45).
Der Marktanteil lässt sich aber auch für die einzelnen Sendungen angeben. Wenn z.B. an einem beliebigen Werktag von 30 Mio. aktiven Fernsehzuschauern insgesamt rund 6 Mio. eine bestimmte Sendung sehen, dann hat diese Folge einen Marktanteil von 20 Prozent. In diesem Rechenbeispiel hätte also statistisch gesehen von allen Zuschauern, die zu einem Zeitpunkt fernsehen, jeder fünfte diesen einen bestimmten Sender eingeschaltet (vgl. Krützen 1998, S. 45). Die einzelnen Soaps haben fast durchgängig über 20 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 29- Jährigen (vgl. Bayerische Landeszentrale für neue Medien 1997, S. 160). In absoluten Zahlen allerdings kann eine Sendung erfolglos wirken, auch wenn ihr Marktanteil hervorragend ist. Der Marktanteil setzt die Zuschauerzahl in Relation zur Sendezeit. Ob die Platzierung einer Sendung im Programm also sinnvoll erscheint, lässt sich an ihrem Marktanteil festmachen. So hat sich gezeigt, dass die Ausstrahlung von zwei Formaten gleichen Typs stabilere Zuschauerzahlen einbringt, wie dies beispielsweise der ARD gelungen ist, die „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“ im Block sendet (vgl. Krützen 1998, S. 46). Die ARD schafft es durch die Programmterminierung ihrer Soaps, dass bis zu 60 Prozent der Zuschauer von „Verbotene Liebe” auch den „Marienhof“ verfolgen (vgl. Bayerische Landeszentrale für neue Medien 1997, S. 160).
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Tabelle 2: Die Platzierung der vier deutschen Daily Soaps
(aus Göttlich/Krotz/Paus-Haase 2001, S. 28)
Für die Planung eines Senders sind nicht nur die Marktanteile in ihrer Gesamtheit interessant, sondern es ist auch entscheidend, welche Zuschauergruppen eine Sendung regelmäßig verfolgen (vgl. Krützen 1998, S. 47).
Tabelle 3: Marktanteile der deutschen eigenproduzierten Daily Soaps
(aus Heinrichs/Jäckel 1999, S. 52)
Nach dieser Tabelle weisen alle Serien einen hohen Marktanteil in der Gruppe der unter 30- jährigen Frauen auf. Die Sendung „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ konnte beispielsweise in der Gruppe der 14- bis 29- jährigen Frauen 47,3 % der Sehzeit für
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sich verbuchen; das bedeutet, dass sich 52,7 % auf zeitlich parallel laufende Angebote anderer Sender verteilen. Im Vergleich dazu erreichte die Sendung in dem entsprechenden Zuschauersegment der Männer einen Wert von „nur“ 32,1 %. Dieser Trend, dass durchschnittlich mehr Frauen als Männer Interesse zeigen, ist auch für die übrigen Daily Soaps beobachtbar; über dieses Phänomen wird aber noch in einem späteren Punkt genau berichtet werden (siehe 4.2). Die Tabelle verdeutlicht des weiteren die tendenziell nachlassende Attraktivität der Daily Soaps in höheren Altersklassen. Dass sich dieser Befund im Falle der öffentlichrechtlichen Serienangebote (Verbotene Liebe, Marienhof) nicht bzw. nur teilweise bestätigt, dürfte auf das insgesamt höhere Durchschnittsalter des Publikums der ARD im Vergleich zu den privaten Sendern zurückzuführen sein. Ingesamt illustrieren diese Zahlen somit die Verschiebung von Zielgruppenmerkmalen (vgl. Heinrichs/Jäckel 1999, S. 53).
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3. Struktur und Aufbau von Daily Soaps
Bevor auf die männlichen und weiblichen Unterschiede hinsichtlich der Daily Soap- Produktion und -Nutzung eingegangen wird, scheint es sinnvoll, das Genre in seiner inneren Struktur und seinem äußeren Aufbau genauer zu analysieren.
3.1 Merkmale
3.1.1 Regelmäßigkeit im Programm
Daily Soaps werden an jedem Werktag der Woche im Vorabendprogramm ausgestrahlt. Sie weisen die Gemeinsamkeit auf, dass sie regelmäßig und damit für die Rezipienten zuverlässig gesendet werden. Somit wissen die Fans ganz genau, wann ihre Soap läuft und haben eine Garantie für eine erlebnisreiche, emotionsgeladene Zeit. Die regelmäßigen Rezipienten nutzen ihre Soap als ein festes, strukturierendes Element in ihrem Tagesablauf, das ihnen außer Spannung auch noch Gefühlserleben und Abwechslung garantiert. Außerdem erachten sie in der Rezeptionssituation die wiedererkennbaren Strukturen des Formats als angenehm und entwickeln beim Betrachten der Serien gleichzeitig eigene Rhythmen, die sie als positiv empfinden (vgl. Götz 2002, S. 347).
3.1.2 Makelloses Erscheinungsbild der Darsteller
In den Soaps werden männliche und weibliche Geschlechterrollenbilder inszeniert. Es werden den Rezipierenden Figuren angeboten, die bis auf wenige Ausnahmen dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen. Äußerlich sind
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sie schlank und tragen modische Kleidung und Frisuren. Derzeit zeigt sich in den Darstellern, dass bestimmte Eigenschaften von Figuren an ein spezielles stereotypes Aussehen gebunden sind (vgl. Götz 2002, S. 351 ff.). Zu dieser Auffälligkeit aber mehr an einer späteren Stelle (siehe 4.2.5.2).
3.1.3 Charakterstabilität
Bei der Soap- Rezeption ist auf viele Bedingungen Verlass: der Charakter der Figuren ändert sich kaum, so bleiben z.B. gute Figuren „gut“ und intrigante Figuren „intrigant“. Diese Zuverlässigkeit wird als angenehm erlebt und bietet eine emotionale Orientierungshilfe bei der Soap- Aneignung. Harmonie ist meistens nur ein kurzer Zustand; zwischenmenschliche Beziehungen sind stets unvorhersehbaren Schwankungen und Belastungen ausgesetzt. Länger
anhaltende Beziehungen als zuverlässige Lebensform werden in diesem Genre äußerst selten inszeniert (vgl. Götz 2002, S. 355 f.).
3.1.4 Übertriebene Dramatik
Besonders typisch für Daily Soaps sind die vielen dramatischen Ereignisse, die für das Genre wichtig sind, um Spannung zu erzeugen. Zum Grundmuster gehört die schnelle Abfolge dieser Ereignisse, die überdramatisch als Schicksalsschläge und Katastrophen inszeniert und dargestellt werden. Längerfristige Entwicklungen von Problemen kommen eher selten vor. Ebenso selten werden die Figuren als Individuen gezeigt, die die Ereignisse aktiv mitgestalten; vielmehr sind sie eher außenbestimmt dargestellt und scheinen dazu gezwungen, mit den Problemen umzugehen (vgl. Götz 2002, S. 356 f.).
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3.1.5 Persönlichkeitsfreiräume
Im Regelfall entwickeln die Figuren der Soaps ihre Persönlichkeit nicht oder nur selten. Die Rezipienten können daraus den Vorteil ziehen, dass die unterschiedlichen Figuren zuverlässige Platzhalter für eigene Anteile der Persönlichkeit sind. So können sich Sympathien für verschiedene Charaktere entwickeln, weil jeder Rezipient andere Anteile von sich selbst in den einzelnen Darstellern entdeckt und sich damit in unterschiedlichen Figuren charakterisiert sieht. Was in den Soaps häufig fehlt, ist die Inszenierung des Alltags und der Normalität (vgl. Götz 2002, S. 357 f.).
3.1.6 Inszenierung von Minderheiten
Vertreter von gesellschaftlichen Minderheiten, wie
Homosexuelle oder Kranke, werden in den Soaps, wenn überhaupt, als überwiegend positiv besetzte Figuren inszeniert. Hiermit werden in einem beliebten Format auch Themen und Problemlagen von Minderheiten zur Sprache gebracht. Jedoch wird die Zugehörigkeit zu einer Minderheit als Eigenschaft inszeniert, anstelle den Angehörigen einer Minderheit als Mensch zu inszenieren. Derzeit werden die entsprechenden Protagonisten, welche die Figuren in den Daily Soaps verkörpern, doch sehr stark über ihre minderheitenspezifischen Probleme in Szene gesetzt (vgl. Götz 2002, S. 361 f.).
3.2 Dramaturgie
Die Daily Soap folgt einem festen dramaturgischen Schema. In der Regel laufen immer mehrere Handlungsstränge, meistens drei oder vier, parallel in einer Sendung. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger voneinander unabhängig erzählte
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Geschichten, die ineinander verschachtelt sind. Im Vergleich zum Spielfilm sind die einzelnen Sequenzen relativ kurz und gleichwertig (vgl. Krützen 1998, S. 57 f.). Es lässt sich analytisch eine Idealform am Beispiel von „GZSZ“ beschreiben, in der sich die Idealhandlung in ihrer Entwicklung über ungefähr drei Folgen hinzieht.
Abbildung 1: Idealspannungsbogen eines Handlungsverlaufs bei GZSZ
(aus Götz 2002, S. 15)
Am ersten Tag wird das Problem aufgebaut. Am Ende der Folge, etwa nach sechs Einspielungen bzw. „Takes“ in der vorletzten Szene endet es schließlich mit dem sogenannten „Pen“ (Penultima), einem kleinen Cliffhanger. Am nächsten Tag wird der Strang mit ca. sieben Takes zur zentralen Geschichte der Folge. Der sogenannte „Pen- Pickup“ wird meist in der zweiten Szene aufgenommen und zeigt das Problem in seiner weiteren Entwicklung und Eskalation. Kurz vor der Werbepause kommt es idealerweise zu einer Wendung, die keiner erwartet hat, dem sogenannten „Twist“. Nach der Werbeunterbrechung steigert sich die Spannung bis zum Höhepunkt, der mit dem Cliffhanger abbricht. Mit den sogenannten „Cliff- Pickup“ wird in der dritten Folge
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dieser Handlungsstrang üblicherweise gleich zu Beginn aufgenommen. Mit etwa fünf Takes wird die Geschichte zum vorläufigen Abschluss geführt, dem sogenannten „Washup“. In der sogenannten „Parkszene“, die ein vorläufiges Ende ausdrückt, endet der Spannungsbogen. In ihr steckt aber bereits Potenzial für weitere Geschichten. Zu dieser sich täglich wiederholenden Dramaturgie kommen größere Handlungsbögen, so genannte „Futures“, die sich über ca. drei Monate hinziehen. Größere Zusammenhänge werden hier betont und hervorgehoben. Die Dramaturgie kann sich damit „plot- driven“, also von der Handlung getrieben, entwickeln. Eine ganz andere Tendenz wäre eine Dramaturgie, die sich „charakter- driven“, d.h. aus den Personen und ihrer Befindlichkeit heraus, entwickelt (vgl. Götz 2002, S. 15 f.). „Insgesamt ist die Daily Soap auf potenzielle Endlosigkeit hin konzipiert. Das Ende einer Geschichte geht direkt in die nächste über. Dabei ist, wie Ien Ang es treffend formuliert, Harmonie nur eine unerreichbare Utopie, ein vorübergehender Zustand zwischen zwei Katastrophen.“(Götz 2002, S. 16) Hierfür sind Figuren nötig, die entsprechendes Konfliktpotenzial bieten.
3.3 Figurenkonstellationen
Wenn man sich den Figuren der Soap nähern will, scheint es sinnvoll, die Figuren unter Berücksichtigung ihres Charakters und ihrer Eigenschaften zu analysieren. Da Figuren nicht nur für sich allein stehen, sondern vor allem durch die längerfristigen Beziehungen der Personen untereinander mitbestimmt werden, sind die Konstellationen der Figuren von Bedeutung (vgl. Götz 2002, S. 44).
Die Figuren von Soaps lassen sich zu verschiedenen Gruppen zusammenfassen. In Bezug auf die Rolle kann festgestellt werden, dass kaum Figuren ohne eine familiäre Bindung
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Andrea Aumeier, 2004, "Daily Soaps" und ihre Bedeutung für die Sozialisation von Schülern - Unter besonderer Beachtung geschlechterspezifischer Unterschiede, Munich, GRIN Publishing GmbH
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