Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Literatur Seite 2
2.1 Quellenlage und Forschungsstand Seite 3
3. Deutsche Kernforschung 1938- 1940 Seite 5
3.1 Kernforschung im Rahmen nationalsozialistischer
Geheimwaffenprojekte 1940- 1945 Seite 10
4. Schluss Seite 13
5. Literatur Seite 16
II
1. Einleitung
Die Frage nach dem Stand der deutschen Forschungen im Bereich Kernenergie zum Ende des Krieges wird oft gestellt im Hinblick auf die nachträglichen Beteuerungen deutscher Physiker, sie hätte die Bombe niemals für Hitler gebaut. Auch der in Hiroshima begangene Massenmord leitet oft zur moralisierenden Frage: „Hätten die Deutschen auch, wenn sie gekonnt hätten?“. Nicht nur, dass letztere Frage im Nachhinein schwer zu beantworten ist, sie ist auch spekulativ und nicht unbedingt dafür geeignet, einer ernsthaften historischen Fragestellung Modell zu stehen. Aus diesem Grund werden derartige Fragen, die über den Bereich der reinen Ereignis- und Wissenschaftsgeschichte herausgehen, in dieser Arbeit keine Beachtung finden 1 .
Die Ereignisse in Hiroshima haben zudem zu einer wahren Schwemme von Literatur und Äußerungen beigetragen, die wohl am treffendsten mit dem Begriff „Betroffenheitsliteratur“ zu versehen ist. Vor dem Hintergrund Hiroshima sind auch Äußerungen deutscher Physiker wie z.B. Heisenberg zu sehen, welche Behaupten, sie seien nicht Willens gewesen, für Hitler eine Atombombe zu bauen. Dem Beispiel Walkers folgend soll gezeigt werden, dass auch völlig ohne die Beachtung von Aussagen und Absichtsbekundungen der Überlebenden eine qualifizierte Aussagen über Stand und Potential der deutschen Atomforschung zu treffen ist. Die folgende Arbeit geht von einer Bestandsaufnahme der Forschungen der Anfangsjahre aus, um ihren Verlauf bis 1945 darzustellen. Forschungs- und Rüstungsbemühungen der Kriegsgegner in diesem Zeitraum sollen am Rande ebenfalls Beachtung finden, um vergleichend Aussage über den Stand der deutschen Forschungen im internationalen Vergleich machen zu können. Zum Schluss stellt sich weiterhin die Frage, welche Aufmerksamkeit und Beachtung die Kernwaffenforschung im Rahmen anderer Geheimwaffenprojekte bei der nationalsozialistischen Führung genoss. Dies ist daher von Interesse, da über die Priorität, welche man einem Vorhaben im Bereich der Geheimwaffen einräumte, bestimmt wurde, welche Geld- und Materialmittel diesen Forschungen zur Verfügung
1 Diese methodische Überlegung sollte ja eigentlich allgemein verbreitet und berücksichtigt sein, ist es
aber leider nicht. Große Teile der Literatur zu diesem Thema stammen aus dem Lager der Politologen
und nehmen sich diesen Grundsatz wenig zu Herzen. Weitere Ausführungen zu diesem Problem:
Walker, M.: Die Uranmaschine. Übersetzung W. Sczepan. Berlin 1990. S. 263f.; und Ders.: Das
Uranprojekt. Handlungen, Intention und die deutsche Atombombe. In: Albrecht, U. (Hrsg.): Der Griff
nach dem atomaren Feuer. 2. Aufl., Frankfurt am Main 1997. S. 57f.
1
standen. Auf diesem Wege lässt sich gut ermitteln, was man sich von den Atomforschungen erwartete, wie viel man bereit war zu investieren, und welches Potential man hinter dieser neuen Technologie zu erkennen glaubte.
2. Literatur
Als Einstiegsliteratur zu diesem Thema bietet sich Fritz Hahns „Waffen und Heeres“ 2 Geheimwaffen des deutschen an, welches neben einer Überblicksdarstellung auch Risszeichnungen von Versuchen deutscher
Atomphysiker liefert. Hier werden neben einer chronologischen Darstellung der Ereignisse auch Grundlagen erklärt und substanzielle Probleme der deutschen Atomforschung unter Kriegsbedingungen, z.B. der Mangel an schwerem Wasser, erläutert. Ein detaillierteres Bild gewinnt man aus Sammelbänden wie dem „Griff nach dem atomaren Feuer“ oder der „Strahlenden Vergangenheit“. Letzteres Werk beschäftigt sich zwar hauptsächlich mit dem Uranbergbau der Wismut, liefert aber auch Aussagen über Anfänge und Probleme der sowjetischen Atomprojekte, und somit auch über die Beteiligung und Bedeutung deutscher Wissenschaftler für deren Fortschritt.
Im „Griff nach dem atomaren Feuer“ 3 findet sich auch ein Aufsatz Mark Walkers 4 , welcher mit seinem Buch „Die Uranmaschine“ 5 das umfangreichste Werk zu der Fragestellung nach Stand und Leistung der deutschen Kernforschung in dem Zeitraum 1939- 1945 liefert. Dies Werk ist eine umgeschriebene Version seiner Dissertation, und stellt den nicht nur umfangreichsten, sondern auch reflektiertesten Beitrag zu dem Thema dar, was auch aus dem Vorwort Robert Jungks klar wird. Dieser hatte 1956 mit „Heller als tausend Sonnen“ 6 selber zur Thematik vorgelegt, aber viele Quellen vor dem Eindruck der „Hexenjagd“ McCarthys auf kritische Forscher intentional so ausgelegt, als ob nicht einmal dass totalitäre System der Nationalsozialisten in der Lage gewesen sei, Forscher zu einer Arbeit zu zwingen, zu der sie aus moralischen Überzeugungen nicht bereit gewesen seien. Nicht nur in
2 Hahn, F.: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933- 1945. 2 Bde. Koblenz 1987. Hier
Bd. 2 S. 130- 134.
3 Albrecht, U. (Hrsg.): Der Griff nach dem atomaren Feuer. 2. Aufl., Frankfurt am Main 1997.
4 Walker, M.: Das Uranprojekt. Handlungen, Intention und die deutsche Atombombe. In: Albrecht, U.
(Hrsg.): Der Griff nach dem atomaren Feuer. 2. Aufl., Frankfurt am Main 1997. S. 51- 59.
5 Walker, M.: Die Uranmaschine. Übersetzung W. Sczepan, Berlin 1990.
6 Jungk, R.: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Stuttgart 1956.
2
diesem Punkt muss er im Nachhinein Walkers Geschichtsbild 7 die größere Genauigkeit attestieren, er stellt auch klar, dass dieser genauer mit den Aussagen von Zeitzeugen sowie überlieferten „Mythen“ 8 umgeht. Mehr im populärwissenschaftlichen oder literarischen Bereich ist Roses „Die unheimlichen Waffen“ 9 zu verorten. Das Buch „Heisenbergs Krieg“ 10 von Thomas Powers ist zwar von wissenschaftlichem Anspruch, liefert aber, wie der Titel schon vermuten lässt, eine recht einseitige Darstellung.
2.1 Quellenlage und Forschungsstand
Bei den Quellen zum Thema deutscher Atomforschung unter nationalsozialistischer Herrschaft gibt es Besonderheiten und Probleme, welche die korrekte Einordnung und Verarbeitung des Quellenmaterials erschweren. Die meisten der deutschen Atomforscher haben den Krieg überlebt, und ordnen viele ihrer Handlungen oder Intentionen im Nachhinein anders ein, bzw. möchten ihre Rolle als „Waffenschmiede der Nazis“ 11 relativiert sehen. Es lassen sich hier von unterbewussten Verdrängungsphänomenen bis zur bewussten Lüge viele Formen der nachträglichen Uminterpretation des eigenen Handelns und hinterlassenen Materials, - von Forschungsberichten bis hin zu Vorschlägen über die Nutzung von Uran 235 als Kernsprengstoff ans Heereswaffenamt-, beobachten. Dies nachzuweisen oder auch nur zu bemerken ist allerdings deutlich schwieriger als bei anderen bewussten oder unbewussten Falschaussagen, da es sich bei den betroffenen Personen um Kernphysiker, Relativitätstheoretiker und Quantenmechaniker handelt, kurz: Personen, die intelligent genug sind, keine offensichtlichen Falschaussagen zu tätigen, oder blanken Unsinn zu behaupten. Um die erhaltenen Quellen, Korrespondenzen und Vernehmungsprotokolle sachgerecht einordnen zu können ist
7 Walker geht allgemein von einem rationalistischerem und technokratischerem Herangehen der
Atomforscher an die Ihnen gestellten Aufgaben aus: Die meisten seien zwar keine überzeugten Nazis
gewesen, hätten ihre Arbeit aber nach Kräften erfüllt, ebenso wie die Physiker der Gegenseiten. Dass
keine deutsche Atombombe gebaut worden sei läge weniger an moralischen Bedenken der deutschen
Physiker als an wissenschaftspolitischen Entscheidungen, die keine Atombombe forderten. Dazu:
Walker, wie Anm. 5 S. 217.
8 Gemeint ist hier der „Mythos der deutschen Atombombe“, dazu: Walker, wie Anm. S. 263f.
9 Rose, U. D.: Die unheimlichen Waffen. Atomraketen über uns. München 1957.
10 Powers, T.: Heisenbergs Krieg. Die Geheimgeschichte der deutschen Atombombe. Übers.
Sczepan. 1. Aufl. Hamburg 1993.
11 Phillip Morrison: Buchbesprechung „Alsos“ von S. Goudsmit, zitiert nach: Walker, wie Anm. 5 S.
217.
3
Arbeit zitieren:
M. A. Simon Reimann, 2003, Deutsche Forschungen zur Nutzung der Kernenergie 1939- 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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