Universität Freiburg, Seminar für Wissenschaftliche Politik
Hauptseminarthema: Politische Theorien im 20. Jahrhundert
Sommersemester 2005
Bio-Macht und Biopolitik – Michel Foucaults Analysen
zur polymorphen Struktur der modernen Macht in der Gesellschaft
von: Daniel Rottgardt
Inhalt
1. Einleitung
2. Souveränität und Bio-Macht
2.1. Souveränität in der klassischen Theorie
2.2. Macht und deren Wandel
2.2.1 Disziplinarmacht
2.2.2. Disziplinartechnik
2.2.3. Disziplinartechnologie
2.3. Bio-Macht
2.3.1. Machttechniken, -technologien
2.3.2. Zoé und Bíos nach Giorgio Agamben
2.3.3. (Bio-) Politiken
2.3.4. Rassismus
2.3.4.1. die zwei Funktionen des Rassismus
3. Schluss/Fazit
4. Literatur-/Quellenverzeichnis
1. Einleitung
„Die Kontrolle der Gesellschaft über die Individuen vollzieht sich nicht nur über
das Bewusstsein oder die Ideologie, sondern auch im Körper und mit dem Körper.
Für die kapitalistische Gesellschaft ist es die Biopolitik, die vor allem zählt, das Bio-
logische, Somatische, Körperliche.“
Michel Foucault
Die Gesellschaft kontrolliert die Individuen mittels multipler Techniken und Technologien. Biopolitik und Bio-Macht, zwei der zentralen Begriffe in den Werken von Michel Foucault, benutzen dies um auf den individuellen Körper Einfluss nehmen zu können. Wie geschieht die und welche Folgen hat das für die Gesamtbevölkerung? War die Gesellschaft schon immer derartig strukturiert oder vollzog sich ein Wandel und wenn ja wie hat sich dieser laut Foucault vollzogen? Welche Erkenntnisse und Rückschlüsse lassen sich daraus für die heutigen Probleme ziehen? Die vorliegende Arbeit wird zeigen, wie Foucault versucht diesen Wandel zu analysieren, erklären und aufzudecken und wie er versucht die polymorphe Struktur der Bio-Macht für den Leser zu entschlüsseln.
Das zentrale Thema, das er aufgreift ist eben genau die Entstehung der modernen Macht, der mit ihr verbundenen Technologien und Mechanismen und wie sie versuchen mehr und mehr den Körper des Menschen in das Räderwerk der Macht zu integrieren. Die Fragen nach dem ‚Wie entsteht moderne Macht?’ und ‚Was macht moderne Macht überhaupt aus?’ bilden die Hauptstützen seiner Theorie. Maßgebend sind hier seine Vorlesungen am Collège de France aus den 1970-er Jahren, die noch bis in die heutige Zeit als geradezu revolutionär gelten. Die Analysen, die Foucault dem biomedizinischen Wissen und den damit verbundenen Prozessen widmet, siedeln sich im Kontext der neuen Analytik der Machtbeziehungen an, die er im Verlauf der siebziger Jahre ausarbeitete1.
Betrachtet man dies nun unter dem Hintergrund der Embryonenforschung und Pränataldiagnostik, so sind seine Ausarbeitungen nicht bloß revolutionär, sondern auch aktueller denn je2. Was das Ciba-Symposium in den sechziger Jahren noch als Zukunftsmusik diskutierte, war in den siebziger und achtziger Jahren schon Realität und hat heute bereits die damals kühnsten Erwartungen übertroffen.
Foucault kritisiert die moderne kapitalistische Gesellschaft und versucht ihre Mängel und Schwächen aufzudecken. Die von ihm geprägten Begriffe Bio-Macht und Biopolitik haben mittlerweile nicht nur Einzug in die Soziologie, politische Wissenschaft oder historischen Wissenschaften gefunden, sondern werden eben so häufig in der Juristik, hier häufig in der Staatstheorie, und den ökonomischen Wissenschaften in die Überlegungen miteinbezogen3. Foucault hat diesen Begriffsdualismus von Bio-Macht und Biopolitik zwar hervorgebracht, es jedoch versäumt diesen genauer zu erklären. Es ist nicht möglich allein mit seinen Ausführungen die Bio-Macht von der Biopolitik zu trennen. Die folgende Arbeit wird unter anderem versuchen diese Trennung etwas schärfer zu definieren und die oben gestellten Fragen zu klären. Es werden im Laufe der Arbeit weitere Fragen und Thesen auftauchen, die dazu dienen sollen den Sachverhalt weiter zu erhellen. Schwerpunktmäßig ist es jedoch das Ziel herauszuarbeiten, wie sich die Biomacht etablieren konnte und welche Machtstrukturen und –mittel sie mitbrachte um dies zu gewährleisten. Weiterhin wird betrachtet werden welche Folgen sich daraus für den Menschen und die Gesellschaft ergaben. Bedingt durch die Weitläufigkeit des foucaultschen Gesamtwerkes, kann und soll kein Anspruch auf absolute Vollständigkeit erhoben werden. Jedoch muss im Folgenden versucht werden eine kritische Auseinandersetzung mit dem Machtmodell der foucaultschen Bio-Macht zu erreichen. Aus diesem Grunde soll damit begonnen werden das Modell der Souveränität und Macht sowie deren Wandel, schwerpunktmäßig an Hand der Werke Michel Foucaults zu analysieren. Die Definition des Lebens welches von der Macht okkupiert wird, wird unter zu Hilfenahme eines anderen wichtigen Theoretikers und Philosophen (Giorgio Agamben) bewältigt werden. Die Aufarbeitung der Begriffe der Bio-Macht und Biopolitik wird ebenfalls einen der zentralen Punkte der vorliegenden Arbeit bilden, die mit einem zusammenfassenden Fazit enden wird.
2. Souveränität und Bio-Macht
[...]
1 Bertani, Mauro: Zur Genealogie der Biomacht, in: Stingelin, Martin (Hg.): Biopolitik und Rassismus, Suhrkampverlag, Frankfurt am Main 2003. S. 231
2 Vgl. hierzu den Diskurs zwischen Robert Spaemann und Reinhard Merkel, um nur einige zu nennen, in: Spaemann, Robert: Gezeugt, nicht gemacht, Die verbrauchende Embryonenforschung ist ein Anschlag auf die Menschenwürde, in: Geyer, Christian (Hg.): Biopolitik, Die Positionen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001. S.41 ff. und Merkel, Reinhard: Rechte für Embryonen, Die Menschenwürde lässt sich nicht allein auf die biologische Zugehörigkeit zur Menschheit gründen, in: Geyer, Christian (Hg.): Biopolitik, Die Positionen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001. S. 51 ff.
3 Chiang, Yu-Lin: Umdenken des Verfassungsstaates im Anschluss an Michel Foucault, Tenea Verlag für Medien, juristische Reihe Tenea, Berlin 2003. S. 21 ff.
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Daniel Rottgardt, 2005, Bio-Macht und Biopolitik - Michel Foucaults Analysen zur polymorphen Struktur der modernen Macht in der Gesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Die Disziplinarmacht. Der Machtbegriff von Michel Foucault.
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