J.W. Goethe- Universität Frankfurt/M. (WS 97/98)
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften (Fb 03)
Grundkurs: Anthropologische Grundlagen in der Sozialpsychologie (G/SPsy/2T/GS2,5 od.6)
Hausarbeit zum Thema:
,,EVOLUTION & VERHALTEN"
,,Geben Sie Darwins Lehre von der natürlichen Zuchtwahl wieder, und gehen Sie der Frage nach, was in dieser Lehre unter Selektion und Anpassung verstanden wird (Darwin 1859; Thompson 1958; Simpson 1958)".
Vorgelegt von : Sebastian Muthig
Studienrichtung: Dipl.- Soziologie
Fachsemester : 03
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Deszendenztheorie 5
2.1. Der Kampf ums Dasein (,,Struggle of life") 5
2.2.1. Die natürliche Zuchtwahl oder das Überleben des Tüchtigsten (,,Survival of the fittest") 6
2.2.2. Die Geschlechtliche Zuchtwahl 8
2.3. Welche Umstände begünstigen die Entstehung neuer Lebensformen und -varietäten durch natürliche Zuchtwahl? 9
2.4. Das Aussterben der Arten durch natürliche Zuchtwahl 10
2.5. Die Divergenz der Charaktere 10
2.6. Die wahrscheinlichen Wirkungen der natürliche Zuchtwahl auf die Nachkommen gemeinsamer Eltern 11
2.7. Über die Stufe, bis zu der sich die Organisation zu erheben versucht 12
2.8. Zusammenfassung 13
3. Evolution und Verhalten 14
3.1.1. Evolution: Methoden und derzeitiger Stand der Theorie (George Gaylord Simpson) 14
3.1.2. Die synthetische Theorie 16
3.2. William R. Thompson- soziales Verhalten 18
3.2.1. Der Prozeß der Kommunikation 19
3.2.2. Typen der sozialen Interaktion und der Gruppenstruktur 20
3.3. Resume 22
4. Schlußbemerkung 22
5. Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
Charles Robert Darwin (12.2.1809-19.4.1882) veröffentlichte 1859 sein wichtigstes und mehr als 10 Jahre geheimgehaltenes Werk ,,On the origin of species by means of natural selection, or preservation of favoured races in the struggle of life"1, dessen Theorie über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl die allgemeine Deszendenztheorie fundamentierte und zu weltweiter Anerkennung verhalf. Die von J.B.de Lamarck begründete Deszendenztheorie steht im Gegensatz zur Vorstellung von der Unveränderlichkeit bzw. Konstanz der Arten, die von einem einmaligen oder mehrmaligen (göttlichen) Schöpfungsakt ausgeht. Gedanken über eine kontinuierliche Entwicklung und Abstammung der Lebewesen voneinander wurden historisch schon sehr früh artikuliert; bereits die griechischen Naturphilosophen (z.B. Empedokles, Anaximander von Milet) waren dieser Meinung. Auf diese Weise entthronte Darwin buchstäblich den Schöpfergott bzw. den bis dato vorherrschenden Glauben an ihn und die göttliche Genesis.
In der Wissenschaft wurde dieser Diskurs im Jahr 1830 bekannt, als in Paris die als Akademiestreit berühmt gewordene, große Diskussion zwischen E. Geoffroy Saint- Hilaire (1772-1844), dem Verfechter der Deszendenztheorie, und G. Baron de Cuvier (1769-1832) stattfand. 2
Wirkungsgeschichtlich gewann die Selektionstheorie - deren Hauptaussage ist, daß die am besten angepaßten Individuen überleben werden - Einfluß auf die Kulturwissenschaften und philosophischen Denker des 19. Jahrhunderts, die sich an naturwissenschaftlichen Methoden und Denkmodellen orientierten. In diesem Zusammenhang sei der Sozialdarwinismus aus der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erwähnt, in welchem Analogien gezogen wurden zwischen Darwins Erkenntnissen und der Entwicklung von Gesellschaften. Dieser ist eng mit dem Evolutionismus, Biologismus und der Organisationstheorie verwoben. Die Hauptaussage ist folgende: da Gesellschaft Teil der Natur und somit ihren Gesetzen unterworfen ist, lassen sich aus den natürlichen Ungleichheiten soziale ableiten, welche gesellschaftliche Hierarchien bilden, indem sich die ,,Tauglichsten" durchsetzen und die weniger Geeigneten unterordnen. Der Sozialdarwinismus - dessen Hauptvertreter W.G. Sumner, F.H. Giddings und W. Bagehot waren - diente zeitweise als Rechtfertigungsideologie für jeweils bestehende soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, sowie für Theorien des Rassismus und Faschismus (z.B. die Eugenik und den völkischen Chauvinismus des Nationalsozialismus).
Der Einfluß und die immer noch zum größten Teil bestehende Gültigkeit der darwinschen Theorie auf die heutige Wissenschaft (u.a. auch auf die Sozialpsychologie hinsichtlich ihrer anthropologischen Grundlagen) sind unverkennbar evident.3
Darwins erkenntnisleitendes Interesse galt vor allem den Fragen:
Mein Interesse dient neben der Beantwortung dieser Fragen weiterhin den Fragen:
Ich werde mich dabei in Punkt 2 ausschließlich auf Darwin beziehen.
In Abschnitt 3 werde ich den Fragen nachgehen;
Dabei werde ich mich auf die Aufsätze von George Gaylord Simpson- Evolution und derzeitiger Stand der Theorie, und William R. Thompson- Soziales Verhalten4 beziehen.
2. Die Deszendenztheorie
2.1. Der Kampf ums Dasein (,,Struggle of life")
[...]
1 Charles Darwin- Die Entstehung der Arten; Reclam Stuttgart 1963.
2 Dieser Streit wird auch heute noch fortgesetzt. Die Protagonisten sind, auf der einen Seite der Biologe Dawkin, welcher ein Vertreter des darwinschen Prinzips ist und die Evolution als Triumphzug des Fortschritts bezeichnet, und auf der anderen Seite der Paläontologe Stephen Jay Gould, der die Auffassung vertritt, daß der Zufall bestimmt, ob eine Spezies kulminiere oder nicht und das es keine bestimmte Marschrichtung und keinen Fortschritt in der Evolution gibt.
3 Vergleiche z.B. Horkheimer und Adorno (1944)- die Dialektik der Aufklärung; Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1969; S.175.
4 George Gaylord Simpson (1958)- Evolution und derzeitiger Stand der Theorie; In: Anne Roe & George Simpson- Evolution und Verhalten; Suhrkamp Verlag; Frankfurt/M. 1969; S.7-35.
William R. Thompson(1958)- Soziales Verhalten; In: Anne Roe & George Simpson- Evolution und Verhalten; Suhrkamp Verlag; Frankfurt/M. 1969; S.100-127.
Arbeit zitieren:
Sebastian Muthig, 1998, Evolution und Verhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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Malthus und sein Einfluss bis in die heutige Zeit
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Seminararbeit, 18 Seiten
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