Nora Emanuelle Boehmer SoSe 2004
Gliederung:
1. Einleitung
2. Außerschulische Lernorte
2.1. Begriffsklärung
2.2. Begründung für außerschulische Lernorte
3. Spiel als Unterrichtsform
4. Matherallye
4.1. Vorstellung des Spiels
4.2. Ausgewählte Ziele des Rallye
4.3. Die Stationen der Rallye
5. Fazit
6. Literatur
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Nora Emanuelle Boehmer SoSe 2004
1. Einleitung:
In unserem Seminar “Mathematik im Freien” ging es darum, Möglichkeiten aufzutun, bei denen der herkömmliche Lernort Schule verlassen wird und im Freien gelehrt bzw. gelernt wird. Aus dem ‘verkopften’ Lernen soll außerhalb der Schule ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand (Pestalozzi) werden. Die Kinder verinnerlichen mit realen Gegenständen die Mathematik. Es wurden neue Ideen zur Unterrichtsgestaltung vorgestellt. Darunter waren sehr viele Mathematikrallyes, vor allem solche, die für den Mathematikunterricht in der Grundschule geeignet sind. Allerdings gab es hierbei sehr unterschiedliche Versionen. Ich werde die Version unserer Gruppe in dieser Hausarbeit erläutern und auch Begründungen liefern, warum die Rallye eine geeignete Unterrichtsmethode für den Grundschulbereich ist. Es werden auch Begründungen für das Verlassen des Klassenzimmers als Lernort gegeben. Es gibt ein vielzitiertes Standardwerk zu dem Themenbereich “Außerschulische Lernorte”, welches 1981 von Burk/Claussen verfasst wurde und “Lernorte außerhalb des Klassenzimmers“ betitelt ist. Von diesem Werk sind zwei Bände beim “Arbeitskreis Grundschule e.V.” erschienen. Auffallend ist, dass viele weitere Autoren sich dieses Themas annehmen. Es scheint mit der aktuellen Diskussion um ‘veränderte Kindheit’ Hand in Hand zu gehen. Neben dem Werken von Burk/Claussen gibt es kaum Literatur, welche neue Erkenntnisse hervorbringt. Alle Werke, die ich bei meiner Literaturrecherche gefunden habe, berufen sich auf die Aussagen von Burk/Claussen.
Unsere Mathematikrallye ist ein Versuch dem ‘verkopften’ Lernen entgegenzuwirken. Sie soll der Schülern eine Möglichkeit aufzeigen, die Mathematik, wie sie im Klassenzimmer gelehrt wird, spielerisch in der realen Welt umzusetzen und anzuwenden.
Schulisches und außerschulisches Lernen soll hierbei verknüpft werden, so dass den Kindern bewusst wird, dass das was sie lernen einen Realitätsbezug hat. Der Klassenraum muss in diesem Fall als Vorbereitungslernort gesehen werden, an dem die mathematischen Grundlagen erarbeitet werden. Diese Vorbereitungszeit ist in dem Fall dieser Matherallye wichtig, da die Rallye als Vertiefung der Arbeit im Klassenzimmer gesehen werden soll. Sie ist nicht so konzipiert, dass das Spiel Fragen aufwerfen soll, um den Einstieg in eine neue Thematik zu erleichtern.
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2. Außerschulische Lernorte:
Was sollen Kinder in der Schule eigentlich lernen? Im Grunde genommen geht es doch darum, sie zu mündigen Menschen zu machen und ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie in der Gesellschaft zurechtkommen. Es geht also darum, ihnen in einem Klassenzimmer zu erklären wie sie die Welt vor dem Fenster verstehen sollen. Da fragt man sich warum das Klassenzimmer nicht öfter verlassen wird z.B. um das Schätzen und Messen an echten Gegenständen auszuprobieren und geometrische Figuren zu erkennen. Wie hoch ist der Fernsehturm, der Baum oder der beste Freund? Wo an diesem Gebäude finde ich geometrische Figuren und welche sind es? Die Schüler können so vieles was sie als Hochglanzfotografien aus ihrem Schulbuch kennen auch in der Wirklichkeit sehen, und um ihnen das bewusst zu machen, muss man das Klassenzimmer ab und zu verlassen.
2.1. Begriffsklärung:
Doch was versteht man eigentlich unter außerschulischem Lernen? Das bedeutet, “dass bestimmte Lerninhalte, Lernziele und Problemstellungen außerhalb des Klassenzimmers und des Schulgebäudes an der Stelle bearbeitet werden, wo sie unmittelbar gesehen, beobachtet, befragt, studiert und unterrichtet werden können” 1 Daraus ergibt sich eine Definition außerschulischer Lernorte. Diese sind Orte “außerhalb des Klassenzimmers bzw. Schulgeländes, [welche] Lernprozesse bei Kindern anregen, ergänzen oder abrunden.” 2
Es gibt zwei Arten von außerschulischen Lernorten: Museen, Biologische Stationen oder die Bibliothek gehören zu den organisierten Lernorten, während der Wald, die Wiese oder ein Supermarkt als ein unorganisierter Lernort bezeichnet wird. Der Unterschied besteht im weitesten Sinne darin, dass in den organisierten außerschulischen Lernorten ein Experte, also ein mit der Sache intensiver vertraute Person, die Unterrichtsführung übernimmt 3 , während die unorganisierten Lernorte, meist mit Hilfe von zielgerichteten Aufgabenstellungen, von den Kindern selbst erschlossen werden
1 Handreichung zum Lernen an außerschulischen Lernorten S. 10
2 Pädagogik und Didaktik der Grundschule S. 269
3 vgl. Pädagogik und Didaktik der Grundschule S. 271 f.
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Nora Emanuelle Boehmer SoSe 2004 Es geht bei außerschulischen Lernorten allerdings immer um das, wie es in der Reformpädagogik oft umschrieben wird, Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Es fällt auf, dass die Literatur meist bestimmte Fächer nennt, bei denen sich der Besuch von außerschulischen Lernorten anbietet, Mathematik gehört fälschlicherweise nicht dazu. Unterrichtsfächer, die oft im Zusammenhang mit außerschulischem Lernen genannt werden, sind Sachunterricht, Biologie, Kunst oder auch Geschichte. Mathematik ist immer noch eines der beliebten Bücherfächer und das, obwohl in der Lebenswirklichkeit so viel Mathematik gefunden werden kann. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum sich so viele Studenten für den Kurs “Mathematik im Freien” interessieren. Die Möglichkeit von ansprechendem außerschulischen Unterricht im Fach Mathematik scheint Studenten bewusst zu sein, aber sie wissen noch nicht wie sie diesen Unterricht gestalten könnten.
2.2. Begründung zur Nutzung außerschulische Lernorte:
Die Reformpädagogik beschäftigt sich schon seit längeren mit außerschulischen Lernorten, allerdings begründeten sie es damals hauptsächlich mit der Chance auf Erlebnis, Selbsttätigkeit, bewusstes Sehen, Hören usw., mit der Liebe zur Heimat und mit körperlicher Ertüchtigung. 4 Heutzutage ist es vielmehr so, dass die Veränderung der Lebenswirklichkeit der Schüler nach anderen Unterrichtsformen verlangt. Es geht bei der Einbeziehung von außerschulischen Lernorten nicht darum ein bisschen Abwechslung in den Schulalltag zu bringen. Die Lebenswelt von Kindern veränderte sich, sie leben in einer von Medien beeinflussten Gesellschaft. Jedes noch so spannende Spiel, sollte es überhaupt dazu kommen, wird durch die Serie um 16 Uhr sofort unterbrochen. Fernsehen rhythmisiert den Alltag der Kinder. 5 Die Kinder haben kaum noch Freiflächen zur Verfügung, in denen sie ungehindert experimentieren oder einfach nur spielen können. Das meiste ist vorgeplant und durchorganisiert. Es gibt Spielplätze und Schulen und außerhalb dieser Orte sind Kinder eher ungern gesehen. Andere Erfahrungsräume bleiben den Kindern weitestgehend verschlossen, was zum größten
4 vgl. Lernorte außerhalb des Klassenzimmers II S.18
5 vgl. Handreichung zum Lernen an außerschulischen Lernorten S.7
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Nora Emanuelle Boehmer SoSe 2004 Teil auch an der veränderten Lebenswelt liegt: berufstätige Eltern, die Kinderwelt ist von der Erwachsenenwelt getrennt, es gibt kaum noch Aufgaben, die ein Kind im Haushalt erledigen kann, um nur einige Wandlungen zu nennen. Dies erfordert auch eine andere Schule. Eine Schule, die keine “lebensferne Buch- und Paukschule” 6 ist, keine “verkopfte” 7 Schule und keine Schule, die arm an Erfahrungs- und Handlungsräumen 8 ist. Die neue Aufgabe der Schule ist es nicht diese neue Lebenswelt zu verändern. Denn die Schule kann die ländliche Umgebung des 18. Jahrhunderts, in der die Kinder einen direkten Zugang zur Natur möglich war, nicht wiederherstellen. Sie kann auch die Produktions- und Lebensgemeinschaft der bäuerlichen und handwerklichen Großfamilie, in der die Kinder ihren physischen Fähigkeiten entsprechend notwendige Aufgaben übernahmen, nicht wiederherstellen. Schule ist auch nicht in der Lage das Fernsehen und die industriell gefertigten Spielwaren aus der Umwelt der Kinder zu verbannen. Schule kann sich dieser Welt nur stellen. Sie muss den Defiziten, welche diese veränderte Lebenswelt hervorbringt, entgegenwirken. Sie kann außerschulische Lernorte wie z.B. den Wald besuchen und erkunden, sie kann die Stätten der Arbeit entdecken und sie kann den Schülern beibringen, wie man die Medien von heute als Chance sehen kann. Die Kinder können in der Schule lernen, wie man mit Computern initiativ, kreativ und selbstbestimmend umgehen kann. 9 Burk/Claussen formulierten es so: “Das Suchen und das Aufsuchen von Lernorten außerhalb des Klassenzimmers ist ein Weg der Schule, die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten der Kinder zu erweitern und so die Lerndefizite in einer veränderten Umwelt zu vermeiden.” 10 Der mediengesteuerte Alltag der Kinder ist eine vieldiskutierte Veränderung der Lebenswelt, die für das Fach Mathematik von der größten Bedeutung ist, daher werde ich auf diese auch ein wenig näher eingehen. Eiko Jürgens beschreibt es so: “Die Medienwirklichkeit ersetzt oft die erlebte Wirklichkeit, nicht selten mit dem absurden Ergebnis, dass Kinder die gesehene Wirklichkeit nicht von der tatsächlichen Wirklichkeit trennen können bzw. diese dafür halten.” 11 Burk/Claussen meinen, dass
6 Grundschulmagazin: Außerschulische Lernorte S.5
7 Lernorte außerhalb des Klassenzimmers II S.1 8 Lernorte außerhalb des Klassenzimmers II S.1 9 vgl. Lernorte außerhalb des Klassenzimmers I S.15 10 Lernorte außerhalb des Klassenzimmers I S.15 11 Grundschulmagazin. Außerschulische Lernorte S.4
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Arbeit zitieren:
Nora Emanuelle Boehmer, 2005, Die Mathematikrallye, München, GRIN Verlag GmbH
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