Gliederung
1. Einführung
2. Die Humanistische Psychologie
3. Die Ansätze Carl Ransom Rogers
4. Die klientenzentrierte Beratung
a) Beraterische Bedingungen
b) Die Beziehung zwischen Berater und Klient
c) Der Prozess der klientenzentrierten Beratung
d) Ziele der klientenzentrierten Beratung
5. Schlussbemerkung
2
1. Einführung
Die soziale Beratung ist ein komplexes und kompliziertes Gefüge, auf das verschiedenste Disziplinen, wie Psychologie, Pädagogik, Philosophie und Soziologie, Einfluss nehmen. Die „dritte Kraft“ in der Psychologie, die Humanistische Psychologie, hat die Beratung um den klientenzentrierten Ansatz bereichert. Seit Jahrzehnten ist dieser Ansatz richtungsweisend für die Beratung. Im folgenden werden nun die grundlegenden Aussagen der Humanistischen Psychologie und der klientenzentrierte Ansatz erläutert, um einen Zusammenhang zwischen Humanistischer Psychologie und Beratung herzustellen.
2. Die Humanistische Psychologie
Die Gründung der „Association for Humanistic Psychology“ Anfang der sechziger Jahre durch C. Bühler, A. Maslow, K. Goldstein, R. May, C. Rogers war der Grundstein für eine damals neue Richtung der amerikanischen Persönlichkeitspsychologie. Die „Association for Humanistic Psychology“ gab die Zeitschrift „Journal of Humanistic Psychology“ heraus, um ihre neuen Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen. Und somit war die Humanistische Psychologie „geboren“.
Sie baut auf den Prinzipien des Kognitivismus auf und ihre Urheber schafften mit ihr eine „dritte Kraft“ neben den in Amerika etablierten Psychologien des Behaviorismus und der Psychoanalyse. Die Humanistische Psychologie geht über das behavioristische und psychoanalytische Verständnis vom Menschen hinaus und soll ein Gegengewicht zu diesen beiden Psychologiekonzepten bieten. 1 1962 verabschiedeten die Urheber ein Manifest, in dem sie ihre Grundthesen darlegten:
• Primäres Phänomen beim Studium des Menschen ist sein Erleben, zweitrangig sind theoretische Erklärungen und sichtbares Verhalten.
• Die Fähigkeit zu Wählen, Kreativität, Wertsetzung und Selbstverwirklichung sollen Augenmerk für die Psychologie sein.
• Forschungsmethoden sollen nach Maßgabe der Sinnhaftigkeit gewählt werden und nicht nach Objektivität der Forschung auf Kosten des Sinns.
1 Brem-Gräser, Luitgard: Handbuch der Beratung für helfende Berufe, Band 3, Ernst Reinhardt Verlag
München-Basel 1993, S. 33
3
• Wert, Würde und Entwicklung der jedem Menschen innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten sollen aufrechterhalten werden, im Mittelpunkt steht der Mensch in der Entdeckung seiner Selbst, in seiner Beziehung zu anderen und zu sozialen Gruppen. 2 Die Humanistische Psychologie geht von einem optimistischen Menschenbild aus: die Natur des Menschen ist weder böse noch neutral, sondern grundsätzlich gut. Unsoziales Handeln und Aggressionen werden durch seine Umweltbedingungen forciert. Der Mensch ist als eine integrierte Ganzheit konzipiert und strebt nach Selbstverwirklichung. Ein unverstelltes Selbstbewusstsein ist zur vollen Entfaltung seines Potentials notwendig. 3 Die Humanistische Psychologie fordert, dass psychologische Aussagen nicht wertfrei sind, sondern dem Menschen Orientierungen für sein Verhalten bieten. Zusammenfassend sind vier Prinzipien der Humanistischen Psychologie zu nennen: Ganzheitlichkeit, Selbstverwirklichung, Bewusstheit und Verantwortung im Hier und Jetzt. 4
3. Die Ansätze Carl Ransom Rogers‘
Carl Ransom Rogers (1902-1987) war amerikanischer Psychologe und einer der Urheber der Humanistischen Psychologie. Angeregt durch das Gedankengut des Psychoanalytikers O. Rank und aus Unzufriedenheit über das Inventar an diagnostischen und therapeutischen Methoden entwickelte er die älteste humanistische Therapie: die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie bzw. Beratung.
Ausgangspunkt dafür ist die, von ihm entwickelte, Selbsttheorie: Nach Rogers ist jeder Mensch mit einer angeborenen Aktualisierungstendenz ausgestattet, die nach einer grösstmöglichen Selbstverwirklichung strebt und Grundmotiv der Persönlichkeitsentwicklung ist. Ausserdem lässt sich der Mensch von zwei Wertesystemen beeinflussen: dem organismischen Wertsystem, das angeboren ist, und den Werten anderer (der Eltern, der Umwelt), die erlernt werden. Jeder Mensch hat darüber hinaus ein Bild von sich: das Selbstkonzept, das sich nicht am organismischen Wertsystem orientiert, sondern an Werten anderer. 5 Somit unterliegt das Selbstkonzept einem ewigen Lernprozess aus Erfahrungen, die der Mensch mit sich und seiner Umwelt macht. Die Beziehung zwischen Selbstkonzept und organismischen Wertesystem ist gekennzeichnet durch Kongruenz und Inkongruenz. Wenn
2 Schönpflug/ Schönpflug: Psychologie, Allgemeine Psychologie und ihre Verzweigungen in die Entwicklungs-,
Persönlichkeits- und Sozialpsychologie, 2.Auflage, Psychologie Verlagsunion, München 1989, S. 37
3 Vierecke, Andreas: Humanistische Psychologie, Microsoft ® Encarta ® 98 Enzyclopädie ©. 1993-1997
Microsoft Corporation
4 Grjasnow/ Schindewolf/ Ludwig: Psychologie, Studienbrief Fernstudiengang Pflege, März 1997, S. 54
5 Weinberger, Sabine: Klientenzentrierte Gesprächsführung: eine Lern- und Praxisanleitung für helfende Berufe,
6. Überarb. und erw. Auflage, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1994, S. 97ff
4
Arbeit zitieren:
Tina von Berg, 2002, Beratung im Kontext der Humanistischen Psychologie, München, GRIN Verlag GmbH
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