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1. Einleitung. 2
2. Regelgebundene Geldpolitik. 3
2.1 Taylors Idee einer geldpolitischen Steuerung. 3
2.2 Die Taylorregel. 4
3. Die Umsetzung der Taylorregel 7
3.1 Geldpolitik als Steuermechanismus der EZB. 7
3.2 Die EZB und die Taylorregel. 8
4. Die Schwächen der Taylorregel. 11
4.1. Die methodischen Kritikpunkte. 11
4.2. Die inhaltlichen Kritikpunkte 14
5. Abschließendes Fazit 15
6. Anhang. 17
7. Literaturverzeichnis 21
1
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Die Diskussion, welche Konzeption der Geldpolitik die Vorteilhafteste ist, hat eine lange Tradition. Insbesondere die Frage, ob die Geldpolitik an feste Regeln gebunden sein sollte oder ob die Zentralbanken frei in ihren Entscheidungen sein sollte, war dabei immer wieder einer der Hauptstreitpunkte 2 .
Dieses Papier gibt einen Überblick über die von John Taylor 1993 entwickelte Regel zur Steuerung der Geldpolitik. Ich lege dabei größeren Wert auf das makroökonomische Konzept und dessen Realisierung, als auf die algebraische oder ökonometrische Herleitung. Für vertiefende Studien verweise ich auf Taylor, 3 Bennet T. McCallum 4 oder auf die EZB. 5 Zunächst stelle ich die Taylorregel vor und stelle die Vorteile einer solchen Regel dar. Im Anschluss widme ich mich der Anwendung der Taylorregel. Am Beispiel der Europäischen Zentralbank stelle ich drei Simulationen auf Grundlage der Taylorregel vor. Eine mit der original Taylorformel, eine ohne Inflationslücke und eine ohne Produktionslücke. Die Ergebnisse vergleiche ich dann mit den wirklichen Nominalzinsen der Euroregion in den Jahren 1991 bis 2000 und komme zu dem Schluss, dass eine Übertragung der Taylorregel auf die Euroregion zu Problemen führt. Aus diesen Problemen entwickle ich die Schwächen der Taylorregel. Zum einen bezüglich der Methodik, zum anderen bezüglich ihrer inhaltlichen Schwierigkeiten. Hierbei komme ich zu dem Schluss, dass die Taylorregel zwar eine einfache Möglichkeit ist, geldpolitische Entscheidungen zu präsentieren, jedoch keine zuverlässige Richtschnur für die Geldpolitik darstellt.
1 Meltzer 1993
2 Taylor 1998a
3 Taylor 1993
4 McCallum 1999
5 EZB-Monatsbericht Oktober 2001 S.50f.
2
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Am 12. Dezember 2001 hat der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank Fed die Leitzinsen, aufgrund des weltweiten
Wirtschaftsabschwunges, zum elften Mal in diesem Jahr gesenkt. Der Preis, zu dem sich die US-Banken Geld beschaffen können ist auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren. Das Tempo, mit dem Notenbankchef Alan Greenspan seine Politik gelockert hat, ist ohne Beispiel in der amerikanischen Geldgeschichte. Er senkte den drei-Monats-Zins von 6 Prozent (Januar 2001) auf 1,75 Prozent (12.Dezember 2001). 6
Doch woher weiß nun die Zentralbank, wie stark sie auf die gegebene und erwartete Entwicklung reagieren soll, wie stark sie also den Zinssatz erhöhen oder senken soll?
Eben diese Frage hat John Taylor versucht, anhand einer einfachen geldpolitischen Regel zu beantworten.
Taylors Ziel war eine stabile, regelgebundene Geldpolitik, um Inflation und Outputschwankungen gleichzeitig niedrig zu halten. In seinem 1993 veröffentlichen Werk „Descretion versus Policy Rules in Practise“ wählte er ganz bewusst eine sehr einfache Form der Regelsteuerung. Nach Taylor gilt, dass „policy rules have major advantages over discretion in improving economic performance. 7 “ Diese Vorteile werde ich im Folgenden kurz ansprechen. Zunächst werden Entscheider ohne Bindung an eine Regel versucht sein, eine suboptimale Inflationspolitik mit höherer Inflation und höherer Arbeitslosigkeit zu wählen. Damit eng in Verbindung steht das Problem der Zeitinkonsistenz: Für die Regierung kann es reizvoll sein, das Ziel längerfristiger Preisstabilität zugunsten kurzfristiger Konjunkturpolitik hintenanzustellen. 8 Wichtig für eine erfolgreiche Geldpolitik ist des weiteren eine Evaluation. Eine Evaluation hilft, die Entscheidungen der
6 DRI, Wefa „Zinsstrukturen USA“
7 Taylor 1993 p. 197
8 Kydland, Finn E. und Prescott, Edward C. (1977)
3
Zentralbanken transparent und glaubwürdiger zu machen. Je transparenter und glaubwürdiger die Zentralbank mit ihrer Geldpolitik ist, desto besser wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sein. Effizient ist eine Evalution nur mit einer einfachen Regel durchzuführen. Eine Politikregel gibt darüber hinaus den Marktteilnehmern ein Instrument an die Hand, mit der sie zukünftige Politikreaktionen abschätzen können. Ist sie erst einmal verstanden, hilft sie den Beobachtern an den Finanzmärkten, geldpolitische Schritte nachzuvollziehen und zu antizipieren. Nicht zuletzt bietet eine klare Strategie Schutz vor politischem Druck: Wer seine Geldpolitik an Kriterien gebunden hat, der kann sich Einfluss von außen besser entziehen als der, der keine Grundlinie offen legt.
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Taylor präsentierte eine analytische Darstellung, die er der Federal Reserve Bank of America (Fed) als Empfehlung bereitstellte. Sie sollte eine Empfehlung geben, wie die Fed ihren kurzfristigen nominalen Zinssatz setzen soll, um wirtschaftliche Stabilität und gleichzeitig Preisstabilität zu erreichen. Die Regel setzt den kurzfristigen Nominalzinssatz in Abhängigkeit von der laufenden Inflations- und Konjunkturentwicklung.
John Taylor benutze ein ökonometrisches Mehrländermodell mit rationalen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte. Er simulierte die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten mit verschiedenen Ausprägungen der Regel. Die einzelnen Ausprägungen wurden nach ihrer Wirksamkeit bezüglich Preisstabilität und Outputstabilität bewertet. Als Basis benutzte John Taylor folgende lineare Beziehung:
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i ist der von der Zentralbank zu setzende nominale Zinssatz, π die durchschnittliche Inflationsrate der letzten 12 Monate, r der Realzins im Gleichgewicht, y ist die relative Outputlücke, d.h. die Differenz zwischen dem tatsächlichen BIP und dem BIP bei Vollbeschäftigung bezogen auf
4
das BIP bei Vollbeschäftigung, π* ist das Inflationsziel und g und h sind Koeffizienten, die messen, wie aggressiv die Geldpolitik auf Abweichungen der Inflationsrate von ihrem Ziel bzw. der Produktion vom Produktionspotential reagieren sollte.
Implizit, d.h. ohne es zu diesem Zeitpunkt zu wissen, stellte Taylor das später benannte Stabilitätskriterium (Taylor-Prinzip) auf. Danach gilt, dass der Inflationsgewichtungsparameter, stets größer als 1 sein muss, da sonst eine Änderung des Zinssatzes einen negativen Effekt haben würde. Dies ist auch in der o.g. Formel der Fall. 9
Die Taylorregel ist somit eine lineare Funktion, die von vier Faktoren abhängt. Die Summe von Inflationsrate und realem Zinssatz im Fisher-Effekt. 10 Gleichgewicht ist der sog. Er gibt eine
Benchmarkempfehlung für den Zinssatz, der die Inflation stabilisiert, vorausgesetzt, die Wirtschaft ist voll ausgelastet. Y ist der Anpassungsfaktor der Produktionsmenge, der sich aus der Differenz zwischen dem realen BIP und dem realen Produktionspotential ergibt. Diese Differenz kann nicht direkt angegeben werden, da das Produktionspotential nicht direkt beobachtbar ist. Es gibt lediglich eine Reihe von Heuristiken, wie den Hodrick-Prescott-Filter, Peak-to-Peak-Methode usw. 11
Taylor schätze die Differenz aus realem BIP und realen Produktionspotential als Abweichung der logarithmierten Produktion von ihrem linearen Trend. Die Zentralbank soll also nicht nur auf den Fisher-Effekt reagieren, sondern auch einer etwaigen Produktionslücke Beachtung schenken. So sollte sie den Zinssatz erhöhen, wenn diese Differenz positiv ist, also das reale BIP über dem Produktionspotential liegt, um einer Überhitzung der Wirtschaft entgegenzutreten. Sie sollte den Zinssatz senken, wenn diese Differenz negativ ist, also das reale BIP unter dem Produktionspotential liegt, um einem zu starken Abflauen der Wirtschaft entgegenzutreten.
Die Inflationslücke h(π−π*) ist der Anpassungsfaktor der Inflationstendenz, der sich aus der Differenz zwischen der Inflation und dem Inflationsziel
9 π + r∗ + 0,5 (π−π∗) <=> π + r∗ + 0,5π − 0,5π∗ <=> 1,5π − 0,5π∗ + r∗
10 H.-J. Jarchow (1993)
11 Chagny,O. und J. Döpke (2001)
5
Arbeit zitieren:
Thorsten Wilke, 2001, Die Taylor Regel für die Geldpolitik - Ziele, Probleme, Umsetzung, München, GRIN Verlag GmbH
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