1. Einleitung
In modernen Informationsgesellschaften wie unserer, sind die neuen Medien allgegenwärtig. Jedes Kind wird unweigerlich mit ihnen konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen. Ob dies in einer für das Kind positiven Weise geschieht, sich auf sein Verhalten bzw. auf seine Entwicklung im allgemeinen eher förderlich auswirkt oder einer positiven Entwicklung im Wege steht, ist multifaktoriell bedingt. Welche Vor- Nachteile die verschieden Medien für Kinder beinhalten, wie sie wirken und von welchen Faktoren diese Wirkungen abhängig sind, sind neben der Frage nach ihrer Verbreitung zentrale Fragestellungen vorliegender Arbeit.
2. Mediales Nutzungsverhalten bei Kindern
2.1 Druckmedien
Kinder werden schon früh an Druckmedien herangeführt. Ihre Eltern machen sie bereits ab dem Alter von ein bis zwei Jahren über Bilderbücher mit Printmedien bekannt (vgl. BÜNDEL,
HURRELMANN 1996, S. 222). Für 45% der Vorschulkinder gehört das Geschichtenvorlesen
und für 34 % das gemeinsame Bilderbuchanschauen zu den täglich ausgeführten Beschäftigungen (vgl. MUNDT 1980, zit. nach LUKESCH 1993, S. 481). So ist es nicht verwunderlich, dass heute in fast jedem Haushalt Bilderbücher , Bücher, Zeitungen und Zeitschriften vorhanden sind (vgl. BÜNDEL, HURRELMANN 1996, S. 222).
Bei der Heranführung von Kindern an Printmedien ist das Vorlesen von großer Bedeutung, denn der selbständige Zugang zu Printmedien muss zuerst, anders als der Zugang zu den AV- Medien, über den länger andauernden Prozess des Schriftspracherwerbs erlernt werden. Dieser Prozess beginnt spätestens mit dem Vorlesen, weil bereits durch dieses bekommen die Kinder eine Vorstellung von „konzeptioneller Schriftlichkeit.“ An diese Vorstellung wird beim Lesen- und Schreibenlernen in der ersten Klasse angeknüpft. Ist diese Grundlage jedoch nicht vorhanden, haben die Schüler meist große Schwierigkeiten beim vollständigen Erwerb der Schriftsprache.
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In der Kleinkindpädagogik haben Bilderbücher nach wie vor einen hohen Stellenwert. Geschichten, die der Phantasie der Kinder freien Raum lassen und Märchen, die die Ängste, Wünsche und Hoffnungen der Kinder thematisieren, deren Handlungsmuster überschaubar sind und gemäß den kindlichen Moralvorstellungen einem Gut- böse- Schema folgen, sind bei Kindern beliebt und gelten als pädagogisch wertvoll (vgl. BÜNDEL, HURRELMANN 1996, S. 123).
Mit Beginn der Vorschulzeit nimmt das Lesen bis zum Alter von 15 Jahren zu. Danach geht die Lesehäufigkeit wieder signifikant zurück Bei den etwa 20jährigen steigt sie durch z.T. längere Zeitungslektüre wieder an (vgl. BONFADELLI u.a. 1986, zit. nach LUKESCH 1996, S. 482).
Zwei Drittel aller 8- 12jährigen Kinder, die bei der Studie des Deutschen Jugendinstituts (1992) befragt wurden, gaben an, täglich außerhalb der schulischen Pflichtlektüre zu lesen (vgl. BÜNDEL, HURRELMANN 1996, S. 123). Mädchen lesen häufiger als Jungen und Kinder der oberen Mittelschicht häufiger als Kinder der unteren (vgl. LEDIG 1992, zit. nach BÜNDEL,
HURRELMANN 1996, S. 223). „Das Leseverhalten von Kindern ist ganz entscheidend
abhängig von der Bildungs- und Berufssituation der Eltern, vom Familienklima, dem allgemeinen Kommunikationsverhalten innerhalb der Familie und von Flexibilität versus Rigidität des erzieherischen elterlichen Verhaltens“ (B. Hurrelmann 1991, zit. nach Bündel, Hurrelmann 1996, S. 223).
Nach BONFADELLI (1988, zit. nach BÜNDEL, HURRELMANN 1996, S. 223) hat das Leseverhalten in allen Altersstufen abgenommen. Diesen Rückgang sieht GLOGAUER (1993, zit. nach BÜNDEL, HURRELMANN 1996, S. 223) im Zusammenhang mit dem gestiegenen Konsum anderer Medien. Wichtig ist es aber an dieser Stelle zu erwähnen, dass bei den Lesern das Lesen zugenommen hat, bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils der Nichtleser (vgl. PAYRHUBER 2002). Somit klafft die Schere zwischen Lesern und Nichtlesern weiter auseinander. Problematisch ist hierbei vor allem, dass an das Lesen selbst auch die Lesekompetenz geknüpft ist und dass, ohne diese, die Teilhabe an unserer modernen Informationsgesellschaft nur sehr bedingt, wenn überhaupt, möglich ist. Dies führt zu einer extremen Benachteiligung der Nichtleser in unserer Gesellschaft.
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2.2 Radio und andere auditive Medien
Die Radionutzung liegt zwar quantitativ über der Verwendung von Hörkassetten und Schallplatten, trotzdem haben Hörkassetten bei Kindern zunächst eine größere Bedeutung, da bei diesen der gezielte auditive Medienkonsum mit dem Kassettenhören beginnt (vgl. AREGGER, STEINMANN 1989, zit. nach LUKESCH 1993, S. 483). Hörkassetten machen Kindern sowohl traditionelle, als auch aktuelle Geschichten und Figuren aus anderen Medien zugänglich.
Aus den Ergebnissen einer Schweizer Untersuchung wird ersichtlich, dass Kassettengeräte weitestgehend allein von den Kindern benutzt werden dürfen (73% allein) und eine elterliche Beschränkung auch des Radiohörens selten ist (unbegrenztes Hören bei Deutschschweizer Kindern 4-6 Jahre: 56%, 13-14 Jahre: 89%). Hieraus kann gefolgert werden, dass Hörkassetten und Radio bei den meisten Eltern als pädagogisch nützlich, zumindest aber als harmlos, eingestuft werden (vgl. LUKESCH 1993, S. 483).
Etwa ab dem 16. Lebensjahr wird dem Radio mehr Zeit gewidmet als dem Fernsehen, wobei das Musikhören als ständiger Begleiter den höchsten Stellenwert einnimmt (vgl. BONFADELLI u.a. 1986, zit. nach LUKESCH 1993, S. 483).
Das Radio dient also hauptsächlich dem Musikhören. Musik dient als Hintergrund für Tagträume (vgl. INFRATEST MEDIENFORSCHUNG 1978, zit. nach LUKESCH 1993, S. 483) und ist ein bedeutender Bestandteil der Jugendkulturen, unter anderem mit der Funktion, die Gleichaltrigengruppe nach innen zu einen und gegenüber Erwachsenen abzuschirmen.
2.3 Fernsehen
Eine Mütterbefragung ergab, dass von dreijährigen Kindern bereits 57 % eine einjährige und 29% eine halbjährige Fernseherfahrung aufweisen (vgl. FIRNKES u.a. 1973, zit. nach LUKESCH 1993, S. 484) War die Qualität des Fernsehens bis zum 2. Lebensjahr durch kurzfristige Zuwendung und hohe Ablenkbarkeit gekennzeichnet, so lässt sich ab dem 3. Lebensjahr eine, durch Etablierung fester Sehzeiten und Spartenkenntnisse (z.B. Werbung) gezielte Fernsehzuwendung beobachten (vgl. LUKESCH 1993, S. 484).
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Arbeit zitieren:
Jochen Bender, 2003, Kinder und Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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