1. Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsverzeichnis 1
2. Einleitung 2
3. Individualisierungskonzepte 4
3.1. Ulrich Becks Individualisierungstheorem
3.2. Der selbstbezogene Individualismus
3.3. Sampson´s Individualitätskonzept
3.4. Bühl´s dynamisch- evolutionäre Systemtheorie
4. Die Rolle der Frau im Individualisierungsprozess 17
4.1. Allgemeines zum Thema Frauenbewegung 17
4.2. Das tradierte Frauenbild und seine gesellschaftlichen
4.3. Die Individualisierung von Familienfrauen
4.4. Frauenarbeit in den Gewerkschaften
Nachwort 36
Literaturverzeichnis 38
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2. Einleitung
Unter dem Begriff Individualisierung kann man zum einen die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Individuums und zum anderen die gesellschaftlichen Faktoren, die dieses Phänomen erst möglich gemacht haben, verstehen. Fakt ist, dass Individualisierung auch etwas mit der Sozialisation eines jeden einzelnen zu tun hat. Grundlagen die in der Familie gelegt werden beeinflussen jeden von uns in seinem Handeln und Tun. Die gesellschaftlichen Prinzipien und Konventionen erledigen den Rest. Die Sozialwissenschaftlerin Helga Bilden hat sich dem Phänomen der Individualisierung einmal genähert, indem sie verschiedene Theorien betrachtet und auf Vor- und Nachteile untersucht hat. Herausgekommen ist ein breites Spektrum an Informationen, aber auch persönlichen Interpretationen, die vor allem gesellschaftliche Wandlungstendenzen sichtbar machen.
Ein großes Augenmerk hat Helga Bilden auf Ulrich Beck gelegt, dessen Individualisierungstheorem den Entwicklungsprozess der
Individualisierung sehr genau dokumentiert. Des weiteren kann man feststellen, dass Helga Bilden ein sehr großes Interesse an der Frauenarbeit und vor allen Dingen deren Emanzipation hat. Gerade für die Frauenbewegung im Allgemeinen haben die Individualisierungstendenzen im gesellschaftlichen Wandel ein Gros an Innovationen hervorgebracht. Welche Frau konnte sich vor 100 Jahren schon vorstellen das Leben eigenverantwortlich und selbständig zu gestalten. Abhängigkeit vom Mann und strikte Aufgabenteilung bestimmten das Alltagsleben der Frauen. Für viele Frauen bedeutet diese Abkehr von einem tradierten Frauenbild ein breites individuelles Entwicklungsspektrum, aber auch die Gefahr, die Konsequenzen für das eigene Handeln allein tragen zu
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müssen. Frauenarbeit ist auch heute noch schwere Aufklärungsarbeit, da viel Männer vehement an einem antiquierten, patriarchalischen Denken festhalten.
Ich werde in dieser Arbeit die verschieden Individualisierungstheorien, die Helga Bilden herangezogen hat, untersuchen und den Konsens herausfiltern. Des weiteren werde ich mich der Individualisierung der Frauen zuwenden und anhand einer von Helga Bilden vorgenommen Untersuchung zur Rolle der Frau in der Gewerkschaftsarbeit aufzeigen, dass Frauen auch heute noch immer einen schweren Stand im Berufsleben haben und sich ihre Arbeit doch durch einige Vorgehens-und Denkweisen von denen der Männer unterscheidet. Als Literatur werde ich die im Literaturverzeichnis angegebenen Lektüren verwenden.
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3. Individualisierungskonzepte
3.1. Ulrich Becks Individualisierungstheorem
Das Individualisierungstheorem beschreibt Beck wie folgt als die „Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts-und
Versorgungszusammenhänge („Freisetzungsdimension“), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen („Entzauberungsdimension“) und - womit die Bedeutung des Begriffes gleichsam in ihr Gegenteil verkehrt wird - eine neue Art der sozialen Einbindung („Kontroll-bzw.
Reintegrationsdimension“).“ (Beck 1986, S. 206). Dabei bezieht Beck sich auf die historischen Grundlagen, die eine Trennung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit mit einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung vorsehen. Im Zeitalter der industriellen Revolution bestimmten die Geschlechts-und Klassenzugehörigkeiten den gesellschaftlichen Status eines jeden Menschen, der nicht geändert werden konnte. Es sind aber genau die Punkte der Klassen- und Geschlechtzugehörigkeit, die nun Innovationstendenzen unterliegen und in einer epochalen
Umbruchsituation ihre Geltungskriterien verlieren. Dies hat eine Veränderung der Lebensverhältnisse im allgemeinen zur Folge, wie z.B. veränderte Bildungschancen, Einfluss durch Werbung und Massenmedien, die Massenkonsum zur Folge haben, Aufhebung traditioneller Werte, wie z.B. Ehe, Flexibilität der Individuen, Veränderungen der Kernfamilie, Entstehungen von Bastelbiographien, um nur einige zu nennen.
Helga Bilden schreibt der Individualisierung nach Beck vorrangig eine soziologische Funktion zu, wenn sie konstatiert: „Individualisierung ist also eine soziologische Kategorie. Sie meint nicht den individuellen
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Entwicklungsprozess im Sinne von Identitätsbildung oder
Individuierung. Vielmehr thematisiert sie den neu entstehenden gesellschaftlichen Rahmen für individuelle Entwicklung und individuelles Handeln, und damit auch neue Chancen und Anforderungen an die Individuen.“ (Bilden/Keupp , S. 21). Die Gefahr hierbei besteht darin, dass das Individuum neben der Selbstverwirklichung und dem beruflichen Vorankommen aber auch das genaue Gegenteil, nämlich den beruflichen und sozialen Abstieg, erreichen kann.
Auf alle Fälle wird deutlich, dass bei so viel eigenverantwortlichem Handeln der Kollektivgedanke abnimmt. Helga Bilden beschreibt dies folgendermaßen: „Aber die fortschreitenden Individualisierungsprozesse machen die Entstehung eines kollektiven Bewusstseins der Benachteilung (Klassenbewusstsein) immer schwerer.“ (Bilden/Keupp, S.22). Hierbei wird das eigene Ego Dreh- und Angelpunkt individuellen Handelns, was zur Folge hat, dass Individualisierung auch das „Aufsich-allein-gestellt-sein“ beinhaltet. Es entsteht eine Dichotomie zwischen den positiven und negativen Resultaten der gesellschaftlichen Individualisierung.
Ironischerweise bewirkt Individualisierung durch z.B. Konsum, Medien, Bildung, rechtliche Möglichkeiten wiederum eine Standardisierung. Das Individuum lebt mit und in dem Paradoxon sein Leben eigenverantwortlich mit gesellschaftlich vorgegebenen Mittel zu gestalten. Helga Bilden sagt dazu: „Während die
Individualisierungsprozesse sozial vorgegebene Biographie in selbst herzustellende auflösen, schreiten gleichzeitig Institutionenabhängigkeit und Standardisierung fort: Es entsteht eine neue widersprüchliche Form der Vergesellschaftung der Individuen. Darin ist das Individuum in bisher unbekannter Form verantwortlich für sein Leben (und sein Scheitern), gleichzeitig jedoch vielfacher Außensteuerung ausgesetzt.“ (Bilden/Keupp, S. 23).
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Ulrich Beck beschreibt die Probleme der Individualisierung für die Individuen folgendermaßen: „Sie bringt generell die Herauslösung aus vertrauten Milieus, die Vereinzelung und den Zwang zu Reflexion, Selbstsuche und individueller Lebensplanung mit sich (Vgl. Beck 1983, S. 47). „In allen Dimensionen der Biographie brechen Wahlmöglichkeiten, aber auch Wahlzwänge auf“ (Beck 1986, S. 190). Da die Möglichkeit der Nichtentscheidung der Tendenz nach unmöglich wird, entfaltet die Entscheidungsmöglichkeit ein „Muss“, einen Entscheidungszwang. Und jeder „Einzelne wird die Konsequenzen aus seinen nicht getroffenen Entscheidungen ausbaden müssen“ (Beck 1986, S. 217). Der Strukturwandel beinhaltet also sowohl individuelle Chancen, wie Risiken. So ist zu Bedenken, dass die mit der Umstrukturierung einhergehende Herauslösung aus vorgegebenen Sozialformen zugleich den Verlust von traditionellen Sicherheiten im Sinne von Stabilitäts- und Versorgungsleistungen bedeutet (Beck 1986, S. 206; vgl. Zapf 1987, S. 133/134). Einerseits wird der Einzelne immer stärker auf eine selbstverantwortete Existenzsicherung verwiesen, andererseits immer hilfloser ausgeliefert den bürokratischen Standardisierungen letztlich staatlich verfügter isolierter Lebenslagen (vgl. Beck 1983, S. 55/68). Angesichts des hohen
Individualisierungsdrucks ist der Einzelne aber wiederum auch auf die Sicherheitsgarantien eines sozialen Rechtsstaats angewiesen (Zapf 1987, S. 138). Solidaritäten, Koalitionen ergeben sich - auch angesichts der Aushöhlung von Pflichtwerten - nicht mehr selbstverständlich aus kollektiven Schicksalen, sondern müssen jeweils angesichts aktueller Probleme bewusst gebildet werden (vgl. Beck 1987, S. 56 ff.) - als Teil eines jeweils verantwortlich selbstgestalteten Lebensverlaufs. Eine der wichtigsten Qualifikationen, über die Gesellschaftsmitglieder verfügen müssen, ist also Entscheidungsfähigkeit, die letztlich nur durch Weiterbildung „education for choice“ (Beck 1983, S. 59 und S.63 f.) erreicht werden kann . Diese kann jeweils ebenso Gemeinsamkeiten und Koalitionen möglich machen wie zu weiteren Individualisierungen führen im Sinne des Strebens nach Bildungsaufstieg sowie nach
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Absicherungen und Verbesserungen der materiellen und sozialen Existenz (vgl. Beck 1983, S. 64/69). (Herlyn /Vogel 1988, S. 11 f.). Eine besondere Rolle spielt bei Beck die Veränderung der Frauenrolle, auf die ich in Punkt 4.2 näher eingehen werde. Bezogen auf die Individualisierungstendenzen nach Beck kommt Helga Bilden zu dem Fazit, dass Individualität auch immer einer bestimmten Gesellschaftsform entspricht und auf Interaktion mit anderen Individuen beruht. Sie bezieht sich in diesem Punkt auf Holzmann und Schimank, wenn sie resümiert: „Denn „Individuum“, „Identität“, „individuelle Entwicklung“ meinen ein gesellschaftlich geformtes Verhältnis, eine bestimmte historische Beziehung des einzelnen Exemplars von homo sapiens zu anderen, zur Gesellschaft. Eine bestimmte Form von Individualität entspricht einer bestimmten Gesellschaftsform (Holzmann 1973, Schimank 1985).“ (Bilden/Keupp, S. 25). Ein solcher Standpunkt setzt voraus, dass jede epochale Umbruchsituation in einer Gesellschaft temporär begrenzte, sich alternierende, Denkinhalte und Strukturen hat, die von der historischen Entstehungssituation geprägt sind.
Individualität ist immer in einen gesellschaftlichen Kontext eingebunden. Ein Individuum misst seine eigenen Ansprüche an gesellschaftlich vorgegebenen Maßstäben. Dennoch sind diese persönlichen Individualitätsvorstellungen immer auch „Selbst-Entwürfe“ basierend auf einer Vielzahl gesellschaftlicher Normen und Konventionen, nach denen sich der Einzelne zu formen versucht.
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Arbeit zitieren:
2000, Analyse des Textes "Das Subjekt im gesellschaftlichen Wandel" nach Helga Bilden und Analyse der Rolle der Frau im Individualisierungsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
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