2
1 MOTIVATION 3
2 ABY WARBURG - EINE KURZE BIOGRAPHIE. 4
2.1 KINDHEIT UND JUGEND 4
2.2 WARBURGS STUDIENZEIT ALS PRÄGENDER ABSCHNITT. 5
2.2.1 Erste Studienjahre 5
2.2.2 Weggang aus Bonn und Dissertation über Botticelli 6
2.3 WEITERE STUDIEN UND HART ERKÄMPFTES PRIVATES GLÜCK. 7
2.4 BERUFLICHER ALLEINGANG UND KRISE 8
2.5 GENESUNG UND LETZTER WIEDEREINTRITT INS FORSCHUNGSLEBEN 9
3 ABY WARBURG UND DIE IKONOLOGIE 11
3.1 ZUM BEGRIFF IKONOLOGIE UND ABGRENZUNG ZUR IKONOGRAPHIE. 11
3.2 WARBURGS WEG ZUR IKONOLOGIE. 13
3.3 EXKURS: IKONOLOGIE BEI PANOFSKY 14
4 SCHLUSSWORT 15
LITERATURVERZEICHNIS 16
3
1 Motivation
Beschäftigt man sich mit dem Thema Ikonologie ist es nahezu unumgänglich, auf den Namen Aby Warburg zu stoßen. Scheint es für den Studienanfänger kaum möglich, zwischen den Begriffe Ikonographie und Ikonologie zu unterscheiden, wissen die meisten Zwischengeprüften, dass Aby Warburg es war, der auf dem X. Internationalen Kongreß für Kunstgeschichte 1912 in Rom das „Bilderrätsel“ im Salone dei Mesi des Palazzo Schifanoia zu Ferrara entschlüsselte. 1 Mit unermüdlichem Forscherdrang, einer großen Menge Glück und einer feinen Intuition hat der Kunsthistoriker sich dem Geheimnis der Gemälden genähert, diesen „rätselhaften Figuren“, die ihm keine Ruhe ließen. 2
Die Biographie dieses Mannes ist so spannend wie tragisch, ließen ihn die „rätselhaften Figuren“ doch niemals mehr in Ruhe und trieben ihn letztendlich in Wahnvorstellungen hinein.
Nichtsdestotrotz sind die Verdienste Aby Warburgs bis heute unvergessen und seine Ideen noch immer Bestandteil einer jeden kunsthistorischen Ausbildung. Leben und Ideen Warbugs als Begründer der Ikonologie sollen Thema dieser Arbeit sein.
1 Vgl. Schenkluhn (Hrsg.), 1999, S.57.
2 Vgl. Kaemmerling (Hrsg.), 1979, S.118.
4
2 Aby Warburg - Eine kurze Biographie
Das Leben Aby Warburgs war geprägt von der Hingabe zur Kunstgeschichte, der Arbeit an Beiträgen zur Kunstpsychologie und Mythologie, der Faszination für das Leben der Indianer und den unermüdlichen Besuchen von Kongressen. Hinter dieser arbeitsreichen Fassade, die sicher auch zur Berufung Warburgs gehörte, stand ein von Krankheit gezeichneter Mann, der sich aber aus seinen Tiefpunkten versuchte, selbst herauszuholen , der seiner Einsamkeit durch Flucht in die Öffentlichkeit entgehen wollte und sich ungemein breit und vielseitig engagierte. 3
Von diesem Engagement zeugen heute unter anderem noch das Warburg Institut und die Warburg Bibliothek. Da Warburg in seinem Studium die entscheidenden Anstöße, Anregungen und Aufgaben für sein ganzes Lebenswerk erhielt, widme ich diesem Abschnitt seines Lebens ein ausführlicheres Kapitel.
Wie der „Vater der Ikonologie“ 4 heranwuchs, soll im nächsten Kapitel aufgezeigt werden.
2.1 Kindheit und Jugend
Am 13. Juni 1866 kam Aby Warburg als ältester Sohn eines Bankiers in Hamburg zur Welt. Die Zeugnisse seiner Kindheit und Jugend sind relativ dünn und hauptsächlich autobiographischer Art. Zusammen mit seinem Bruder Max schrieb er im Alter von etwa 50 Jahren die Erinnerungen an seine Jugendzeit als eine Art Therapieergänzung während seiner Krankheit nieder. Was wir aber genau wissen, ist, dass Warburg im Alter von sechs Jahren an Typhus erkrankte. Als sei für ein Kind ein solcher Zustand nicht schon belastend genug, verfolgten ihn auch noch in seinen Träumen die für eine unbedarfte Kinderpsyche gräßlichen Illustrationen Bertalls zu Balzac (Abb.1). 5 Verfolgt man Warburgs Leben weiter und erkennt, was für ein sensibler Geist in diesem Menschen wohnte, lässt sich leicht nachvollziehen, was diese Bilder in einem so zarten Alter ihm angerichtet haben müssen. Warburg erholte sich nie ganz von dieser Erkrankung.
3 Vgl. Gombrich, 1992. S.21.
4 Kaemmerling (Hrsg.), 1979, S.113.
5 Vgl. Gombrich, 1992, S.35.
5
Er verbrachte in den folgenden Jahren sehr viel Zeit mit Lesen und blieb auch seinen Geschwistern als begeisterter Büchernarr in Erinnerung. Wahrscheinlich musste er seinen Wissensdrang auf eigene Faust stillen, da er durch seine Krankheit und die damit verbundene Schwäche nicht mit seinen Altersgenossen eingeschult werden konnte und erst mit seinem Bruder Max zur Schule kam. Der junge Aby holte durch seine Begabung den Zeitverlust zwar wieder auf, zeigte aber eine einseitige Begabung auf, zu der eindeutig nicht Mathematik und Chemie gehörten 6 . Warburgs Elternhaus war jüdisch, doch teilte der eigensinnige Junge die Anhängerschaft zu dieser Religion nicht, ja er entwickelte sogar eine gewisse Abneigung gegen den jüdischen Glauben, bedingt durch verschiede Erlebnisse in der Kindheit. Dass er dem Vorschlag der Grossmutter, Rabbi zu werden, nicht gerade freudig begegnete, ist dann wohl verständlich. Ebenso vehement lehnte er die Vorschläge ab, Arzt oder Anwalt zu werden und eröffnete seiner Familie seinen Entschluss, Kunstgeschichte zu studieren. Da seine Realgymnasiumslaufbahn ihm aber nicht die dafür erforderlichen Anforderungen mitgegeben hatte, musste er vor Aufnahme seines Studiums noch eineinhalb Jahre Privatunterricht nehmen, um ausreichende Latein- und Griechischkenntnisse zu erlangen. Während dieser Zeit kam Warburg mit verschiedenen Schriften Lessings in Kontakt, die ihn nachhaltig prägten und Fragen in Bezug auf semiotische Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst aufwerfen sollten. 7
2.2 Warburgs Studienzeit als prägender Abschnitt
2.2.1 Erste Studienjahre
Im Jahre 1886 nahm Aby Warburg sein Studium der Kunstgeschichte an der Universität in Bonn auf.
Aus dieser Zeit gibt es relativ viel Material, das Aufschluss über die Gedankenwelt des sensiblen jungen Mannes gibt. Unter anderem zeugen zahlreiche Briefe von seiner Entwicklung in dieser Zeit. An der Universität erhielt er Anregungen aus verschiedenen Richtungen. Von Henry Thode (1857 - 1920) wurde er zum Nachdenken
6 Vgl. Gombrich, 1992, S.38.
7 Vgl. Gombrich, 1992, S.40f.
Arbeit zitieren:
Claudia Thieler, 2004, Aby Warburg als Begründer der Ikonologie, München, GRIN Verlag GmbH
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