Inhaltsverzeichnis 1
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
Abbildungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
1.1. Problemstellung 4
1.2. Zielsetzung. 4
1.3. Methodik 5
1.4. Abgrenzung 6
2. Strategischen Standortplanung 6
2.1. Definitionen 6
2.1.2. Standortfaktoren 6
2.1.3. Standortanforderungen 7
2.1.4. Standortbedingungen 8
2.1.5. Standortspaltung 9
2.1.6. Internationale Standortverlagerung 9
2.2. Standortstrategien 10
2.3. Motive für Standortverlagerungen 11
2.4. Problemfelder der Standortwahl 13
2.5. Ansätze nationaler und internationaler Standortlehren. 14
2.5.1. Die traditionelle Theorie von Weber 14
2.5.2. Der Ansatz von Sabathil 16
2.5.3. Der Ansatz von Tesch. 16
2.6. Traditionelle Standortbewertungsverfahren 17
2.6.1. Quantitative Verfahren. 17
2.6.2. Qualitative Verfahren 18
2.6.3. Fazit 20
2.7. Neue Instrumente der Standortbewertung 21
3. Wertschöpfungsketten und Netzwerke im Blickpunkt der Standortplanung 23
3.1. Wertschöpfungsketten als moderne Ausprägung grenzenloser Unternehmen 23
3.2. Der Kunde als Wertschöpfungspartner 25
3.3. Die wachsende Bedeutung der Netzwerke 26
3.4. Netzwerke in der Automobilindustrie 28
3.5. Risiken und Gefahren der bestehenden Strukturen 33
3.6. Fazit 34
4. Einfluss der Globalisierung auf die Standortwahl 34
4.1. Zentrale Merkmale der Globalisierung. 35
4.2. Ursachen der Globalisierung. 35
4.3. Globalisierungsstrategien 36
4.4. Globalisierung und Standortwettbewerb 38
Inhaltsverzeichnis 2
5. Die Automobilindustrie im Zeichen der Standortplanung. 39
5.1. Die Automobilhersteller 40
5.1.1. Strategien der Automobilhersteller 40
5.1.2. Chancen und Risiken für die Automobilhersteller. 42
5.2. Die Zuliefererindustrie. 43
5.2.1. Strategien der Zuliefererindustrie 44
5.2.2. Chancen und Risiken für die Zuliefererindustrie 45
5.3. Zielrichtung der automobilen Globalisierung 47
5.3.1. Westeuropa als Produktionsstandort 47
5.3.2. Osteuropa als Produktionsstandort 49
5.3.3. Asien als Produktionsstandort 49
5.3.4. Nordamerika als Produktionsstandort. 52
5.3.5. Südamerika als Produktionsstandort 53
6. Fallstudie 54
6.1. Grundsätzlicher Aufbau von Fallstudien 54
6.2. Das Unternehmen DaimlerChrysler AG 56
6.3. Standortplanung am Beispiel Tuscaloosa 59
6.3.1. Allgemeiner Überblick 59
6.3.2. Motive 60
6.3.3. Projektteams 61
6.3.4. Standortauswahl 62
6.3.5. Heutige und zukünftige Situation 67
6.3.6. Zusammenfassung 69
7. Schlussbetrachtung. 70
8. Quellenverzeichnis 71
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Standortanforderungen im Entscheidungsprozess
Abbildung 2: Standortstrategien.
Abbildung 3: Motive für den Aufbau ausländischer Produktionsstätten
Abbildung 4: Motive für den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland nach Regionen.
Abbildung 5: Vorgehensmodell einer strategisch fundierten Standortbewertung.
Abbildung 6: Supply Chain in der Automobilindustrie
Abbildung 7: Wertschöpfungstiefe der Automobilhersteller und -zulieferer.
Abbildung 8: Regionale Verteilung der Auslandsstandorte deutscher Zulieferer.
Abbildung 9: Neue Standorte deutscher Zulieferer in den letzten fünf Jahren
Abbildung 10: Regionen potentieller neuer Standorte
Abbildung 11: PKW-Exportquote
Abbildung 12: Ablaufdiagramm Standortauswahl
Strategische Standortplanung 4
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Die Globalisierung der Weltwirtschaft erfordert von Unternehmen die Nutzung der Vorteile der internationalen Standorte um den Herausforderungen der internationalen Konkurrenz begegnen zu können und den differenzierten Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Daher ist die Problematik der Standortplanung eine Fragestellung, die immer größere Bedeutung erlangt.
Gerade auch die Automobilindustrie, als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutsch-lands, entdeckte in der ersten Hälfte der 1990er Jahre die Globalisierung. Dadurch stand sie vor der Entscheidung zukünftige Produktionsstandorte den geänderten Anforderungen abzupassen.
Es hat sich auch gezeigt, dass verschiedene Länder weltweit unterschiedliche Vorteile für einzelne Aktivitäten innerhalb der Wertschöpfungskette haben. Das Unternehmen muss die maßgeblichen Investitionen auf den einzelnen Stufen betrachten, um dann zu bewerten, ob es sich lohnt, verschiedenen Aktivitäten an unterschiedlichen Orten nachzugehen. Die Verlegung von Standorten bzw. die Errichtung von neuen Standorten im Ausland ist ein strategischer Entscheidungsprozess und erfordert eine detaillierte Planung und eine Auseinandersetzung mit den zukünftigen Zielen des Unternehmens.
Auch werden die zunehmenden Produktionsverlagerungen deutscher Unternehmen ins Aus-land mit der Verschlechterung inländischen Standortfaktoren 1 in Verbindung gebracht. Für den Erfolg des Unternehmens ist es daher entscheidend sich ständig mit der Frage der richtigen Produktionsstandorte auseinanderzusetzen.
1.2. Zielsetzung
Ziel dieser Diplomarbeit ist es die Standortplanung in ihren theoretischen Gründzügen und einer praktischen Fallstudie darzustellen. Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit wird daher die Standortentscheidung als betriebliches Entscheidungsproblem der international tätigen
1 Vgl. Kapitel 2.1.2
Strategische Standortplanung 5
Industrieunternehmung sein. Dabei wird die Automobilindustrie eine entscheidende Rolle spielen. Die deutsche Automobilindustrie ist für diese Untersuchung prädestiniert. Sie ist einerseits ein Paradebeispiel für eine globale Branche, was sich an zahlreichen Auslandsstand-orten der Unternehmen deutlich zeigt. Andererseits gilt sie als eine der Schlüsselbranchen der deutschen Volkswirtschaft.
Mit der Automobilindustrie und speziell mit dem Beispiel DaimlerChrysler in Tuscaloosa soll die praktische Umsetzung der Standortplanung aufgezeigt werden. Dabei werden auch die globalen Einflüsse, die auf das Unternehmen als Teil einer Wertschöpfungskette bzw. eines Netzwerkes wirken, betrachtet.
1.3. Methodik
Die Diplomarbeit wird auf eine Literaturrecherche aufbauen und zusammenfassend die wichtigste Elemente einer Standortplanung in einer globalen Wertschöpfungskette darstellen.
Nach der Einleitung, in welcher neben der Zielsetzung auch die Abgrenzung der Arbeit skizziert wird, werden im Kapitel 2 zunächst die theoretischen Grundlagen der strategischen Standortplanung erarbeitet und abgebildet.
Das Kapitel 3 beschreibt den Einfluss von modernen Wertschöpfungsketten und Netzwerken auf den Prozess der Standortplanung.
Im vierten Teil wird die Bedeutung der Globalisierung auf die Standortwahl abgebildet. Die Automobilindustrie und deren Standortplanungen, als einen der wichtigsten Bereiche der inländischen Industrie, unterliegen einer speziellen Betrachtung im 5. Kapitel. Das 6. Kapitel beschäftigt sich mit Standortplanung in der Praxis. Die Fallstudie zeigt am Beispiel der DaimlerChrysler AG eine detaillierte Standortplanung des Produktionswerks in Tuscaloosa/Alabama (USA).
Das abschließende 7. Kapitel fasst noch einmal alle bearbeiteten Themenbereiche zusammen.
Strategische Standortplanung 6
1.4. Abgrenzung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der (industrie-)betrieblichen Standortplanung. Davon abzugrenzen ist die volkswirtschaftliche Standortplanung und die innerbetriebliche Standortplanung. 2 In der vorliegenden Arbeit werden daher auch keine volkswirtschaftlichen Grundlagen und keine Wirtschaftsgeographie (beispielsweise Rohstoffvorkommen) behandelt. Eigentumsformen, Finanzierung, Rechtsformwahl oder Beziehungen zwischen Mutter und Tochter sind, soweit sie die Standortwahl nicht direkt beeinflussen, nicht Gegenstand dieser vorliegenden Untersuchung.
Die Aufgaben der physischen Distribution und das Problemfeld der innerbetrieblichen Stand-orts 3 werden ebenfalls nicht in die Betrachtung mit einbezogen.
2. Strategischen Standortplanung
In diesem Kapitel wird die strategische Standortplanung theoretisch analysiert. Dazu werden zunächst wichtige Begrifflichkeiten definiert. Daraufhin werden Standortstrategien, die Motive für eine Standortverlagerung und die dabei auftretenden Problemfelder dargestellt. Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit den Ansätzen der nationalen und internationalen Standortlehre. Die traditionellen und neuen Standortbewertungsverfahren bilden den Abschluss dieses Kapitels.
2.1. Definitionen
2.1.2. Standortfaktoren
„Standortfaktoren dienen der Beschreibung bereits bestehender oder potentieller Lokalitäten von Betriebsstätten. Sie stellen die Hauptelemente der Standortanalyse dar und ermöglichen in quantifizierter Form einen Vergleich mehrerer Standortalternativen.“ 4
2 Vgl. Zahn, Erich; Schmid, Uwe, 1996, S. 292f
3 Vgl. Gassert, Herbert; Horváth, Péter, 1995, 72
4 Zahn, Erich; Schmid, Uwe, 1996, S. 293
Strategische Standortplanung 7
Die Standortfaktoren stellen somit die Eigenschaften oder spezielle Bedingungen vorhandener und/oder möglicher neuer Standorte dar. 5
Es lassen sich quantitative und qualitative Standortfaktoren unterscheiden, wobei die Bedeutung der verschiedenen Standortfaktoren unternehmens- und situationsabhängig ist. 6 Der Beitrag der qualitativen Faktoren zur Zielerreichung der Unternehmung kann nicht direkt gemessen werden. Dem gegenüber können quantitative Faktoren direkt gemessen werden. 7 Eine weitere mögliche Unterteilung kann in Muss- und Sollfaktoren vollzogen werden. 8 Die Mussfaktoren (limitationale Faktoren) sind Standortfaktoren, die auf jeden Fall am potentiellen Standort zu erfüllen sind. Länder, die diesen Anforderungen nicht genügen, scheiden sofort aus dem Alternativspektrum aus. Die Komplexität der Problemverarbeitung wird durch Selektion der potentiellen Länderstandorte reduziert.
Bei den Soll-Faktoren (substitutionale Faktoren) können ungünstige Ausprägungen durch günstige Ausprägungen anderer Faktoren kompensiert werden. Sie dienen unter anderem zur relativen Bewertung derjenigen Standortalternativen, die in die engere Auswahl gekommen sind.
Wesentlich für die Eignung eines Standortes zur Zielerreichung sind diejenigen Standort-faktoren, die als betriebswirtschaftlich relevante Merkmale des Ortes der Leistungserstellung zu verstehen sind.
2.1.3. Standortanforderungen
Die Standortanforderungen dienen als unternehmerische Suchkriterien während eines Stand-ortentscheidungsprozesses. Sie beziehen sich auf einzelne Standortfaktoren oder allgemeine Suchprinzipien. Sie stellen eine Auswahl der wichtigsten Faktoren dar, diese entsprechen dann den Erfolgsfaktoren der Entscheidung. Dieser Zusammenhang wird in Abbildung 1 verdeutlicht.
5 Vgl. Zahn, Erich; Schmid, Uwe, 1996, S. 293
6 Vgl. Gassert, Herbert; Horváth, Péter, 1995, S. 72
7 Vgl. Corsten, Hans, 1995, S. 329
8 Vgl. Hummel, Boris, 1997, S. 160f
Strategische Standortplanung 8
Abbildung 1: Standortanforderungen im Entscheidungsprozess 9
Eine wichtige Annahme der traditionellen Theorie, dass der optimale Standort nicht nur von seinen objektiven Kriterien abhängt, wird mit der Einführung des Begriffs der Standort-anforderungen aufgehoben. 10
Die Festlegung der jeweiligen Standortanforderungen erfolgt aufgrund von Annahmen über die zukünftigen Bedürfnisse des Unternehmens. Dieser Prozess ist für jedes Unternehmen unterschiedlich groß und zeitlichen Schwankungen unterworfen.
2.1.4. Standortbedingungen
Standortbedingungen sind alle Gegebenheiten eines Raums, die von den Unternehmen im Zeitablauf bei der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Aufgaben genutzt werden. Sie stellen die generellen Gegebenheiten, die von einem Betrieb in Anspruch genommen werden können, dar. Vor dem Hintergrund zunehmender globaler Ausrichtung der Unternehmen gewinnen die Standortbedingungen für die Investitionsentscheidungen an Gewicht. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die in schwierigen wirtschaftlichen Lagen Kostensenkungspotentiale realisieren müssen.
9 Vgl. Runer, Håkon, 1999, S. 49
10 Vgl. Runer, Håkon, 1999, S. 48f
Strategische Standortplanung 9
2.1.5. Standortspaltung
Eine Standortspaltung liegt dann vor, wenn eine Unternehmung mehrere Standorte gleichzeitig unterhält. 11
Die verschiedenen Typen der Standortspaltung verfolgen auch unterschiedliche Motive. 12 Bei der Standortspaltung hinsichtlich Produktion und Vertrieb ist die Exportförderung das entscheidenden Motiv. Eine parallele Produktion, d.h. das gleiche Produkt wird an mehreren Standorten gefertigt, wird aus Gründen der Marktnähe aufgebaut. Durch eine komplette Verlagerung der Produktion (substituierende Produktion) erreicht man eine Senkung der Produktionskosten. Verfolgt man das Motiv der konzerninternen Arbeitsteilung erfolgt eine komplementäre Produktion. Und durch eine Standortspaltung aus steuerlichen Gründen versucht das Unternehmen Steuern zu sparen.
Die Gründe für eine Standortspaltung können zwingender Natur sein, wenn sie aus dem Unternehmenszweck folgen oder sie können sich in Hinblick auf die Erreichung des Unternehmensziels aus Vorteilen gegenüber der Standorteinheit ergeben.
2.1.6. Internationale Standortverlagerung
„Unter einer internationalen Standortverlagerung wird die teilweise oder gänzliche Auflösung eines oder mehrerer funktionaler Bestandteile eines Unternehmens an dessen inländischen Standort und deren identische oder ähnliche Übertragung auf einen ausländischen Standort verstanden, wobei die ausgeübte Funktion des Bestandteils erhalten bleibt.“ 13 Die internationale Standortverlagerung stellt damit ein Spezialfall der ausländischen Direktinvestition dar. Sie fällt in Abhängigkeit von den strategischen Unternehmenszielen. Das primäre Investitionsmotiv bei einer internationalen Standortverlagerung ist die nachträgliche Suche nach einem besseren Standort für einen bestimmten funktionalen Bestandteil der Unternehmung. 14
11 Vgl. Corsten, Hans, 1995, S. 327
12 Vgl. Goette, Thomas, 1994, S. 79 übereinstimmend Herbertz, Frank, 2002, S. 58
13 Deuster, Jens, 1996, S. 5
14 Vgl. Deuster, Jens, 1996, S. 24
Strategische Standortplanung 10
2.2. Standortstrategien
Die internationale Standortstrategie ist ein Teil der internationalen Gesamtstrategie des Unternehmens. 15 Sie beinhaltet die Frage nach der geografischen Reichweite und die Entscheidung über die Verteilung der internationalen Unternehmensaktivitäten auf die einzelnen Standorte. Der erste Punkt bestimmt in welchen geographischen Räumen ein Unternehmen tätig sein will. Der zweite Punkt legt fest, in welchem Ausmaß die Aktivitäten der Wertschöpfungskette in den Ländern bzw. Wirtschaftsräumen ausgeführt werden sollen. Hierdurch lassen sich komparative Vorteile einzelner Ländermärkte ausnutzen. Die Wertschöpfungsstufen werden bei autarken Wertschöpfungsketten in einem Land ausgeführt. Die internationalen Wertschöpfungsnetzwerke zielen auf eine faktorkostenoptimale Ausnutzung von Länderdifferenzen. 16 Dort wo die jeweilige Aufgabe am besten ausgeführt werden kann, werden die einzelnen Wertschöpfungsstufen angesiedelt. Eine wichtige Bedeutung hat auch die Kopplung der Standortstrategie mit der Wettbewerbsstrategie. Bei der Wettbewerbsstrategie steht die Nutzung unternehmensinterner Ressourcen im Vordergrund.
Standortstrategien werden abgeleitet, um von einer vorhandenen zur gewünschten Standortstruktur zu kommen. Dabei können sie aus mehreren einzelnen Standortentscheidungen bestehen. 17 Oftmals werden auch mehrer Standortstrategien von den Unternehmen gleichzeitig verfolgt oder gelten nur für eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Raum. Die Abbildung 2 zeigt drei unterschiedliche Standortstrategien, die sich sowohl separat als auch simultan verfolgen lassen.
Abbildung 2: Standortstrategien 18
15 Vgl. Gnirke, Katharina, 1998, S. 62ff
16 Ebenda, 67ff
17 Vgl. Hummel, Boris, 1997, 107f
18 Ebenda, S. 108
Strategische Standortplanung 11
Ziel der Wachstumsstrategie ist das Ausschöpfen zukünftiger Absatzpotentiale auf in- und ausländischen Märkten und der Aufbau weiterer Kapazitäten. 19 Die Rationalisierungsstrategien bzw. kostenorientierte Standortstrategien als zweite strategische Stoßrichtung zielen auf das Ausschöpfen von Kostensenkungspotentialen im eigenen Unternehmen ab. Das dazugehörige Strategie-Konzept beinhaltet die Optimierung der Produktionsstättenstruktur unter Kostengesichtspunkten. Diese erfolgt durch eine entsprechende Verlagerung von kompletten Fertigungsstätten oder Teilekapazitäten von bestehenden Standorten an Orte im In-oder Ausland, deren Standortbedingungen eine kostengünstigere Fertigung ermöglichen. Bei der Konfigurationsstrategie wird die vorhandene Standortkonfiguration ohne Veränderungen an den Kapazitäten modifiziert bzw. die Veränderung der Kapazitätsgrößen wird nicht als das vordringliche Ziel der Standortstrategie dargestellt.
2.3. Motive für Standortverlagerungen 20
Aus Abbildung 3 lässt sich ableiten, dass es drei Hauptargumente für einen Aufbau ausländischer Produktionsstandorte gibt.
Abbildung 3: Motive für den Aufbau ausländischer Produktionsstätten 21
19 Vgl. Hummel, Boris, 1997, S. 108f
20 Vgl. Kinkel, Steffen; Lay, Gunther; Jung Erceg, Petra, 2004, S.22ff
21 Ebenda, S.22
Strategische Standortplanung 12
Das Hauptmotiv (von 65% der Firmen genannt) für eine Standortverlagerung sind die im Vergleich zu Deutschland geringeren Produktionskosten (incl. Personalkosten). Mit einem kleinen Abstand folgt die Markterschließung (60%) auf dem zweiten Rang. 34% der Unternehmen geben an, dass der Grund in der Nähe des Großkunden zu produzieren („following custumer“) wesentlich ist. Die sonst oft als wichtigster Grund titulierten „Steuern, Abgaben und Subventionen werden nur von 21 Prozent der Unternehmen genannt. Der geringe Anteil von Unternehmen die eine Auslandsproduktion zur Technologieerschließung (8%) und zum Währungsausgleich nutzen (6%) fällt bei dieser Darstellung auf.
Abbildung 4: Motive für den Aufbau von Produktionsstätten im Ausland nach Regionen 22
Bei der Betrachtung, welche Motive für die Unternehmen in den verschiedenen Regionen maßgeblich waren, erkennt man einige Zusammenhänge (siehe Abbildung 4). Für 85 Prozent der Unternehmen die Produktionsstätten in Osteuropa planen, ist die Kostenreduktion von vorrangiger Bedeutung. Weit dahinter folgt mit 54 Prozent die Markterschließung. Das zeigt, das Osteuropa als Niedrigproduktionsland angesehen wird und nicht als zukünftiger Wachstumsmarkt.
Die Markterschließung ist das treibende Motiv bei der Errichtung von Produktionsstätten in Asien, Nord- und Mittelamerika. Diese Regionen können als bereits entwickelte Märkte mit einem Vor-Ort erschließbarem Potential angesehen werden.
Für die Regionen Europa und Nordamerika spielen Kostenaspekte eine eher untergeordnete Rolle. Hier ist die Technologieerschließung als Motiv (10%) noch von einer gewissen Relevanz.
22 Vgl. Kinkel, Steffen; Lay, Gunther; Jung Erceg, Petra, 2004, S.24
Strategische Standortplanung 13
Auffallend ist die gleich hohe Relevanz der drei Motive Kosten, Markterschließung und „following customer“ in der Region Südamerika. Das zeigt, dass zumindest ein Teil der Firmen, die eine Produktion vor Ort aufgebaut haben, eher fremdgetrieben vorgingen. Dabei wurde die Gelegenheit genutzt, die Möglichkeiten von zusätzlicher Markterschließung oder Kostenreduktion parallel aufzubauen.
Für Asien sprechen das vorhandene Marktpotential und die noch existierenden Kostenvorteile.
Als Ergebnis lässt sich sagen, dass der Aufbau von Produktionskapazitäten deutscher Unternehmen im Ausland aus sehr unterschiedlichen Motiven heraus durchgeführt wird. Aber trotz aller gegenteiliger Beteuerung der Unternehmen sind niedrigere Kosten für nahezu alle Märkte das dominierende Motiv oder einer der beiden Hauptantreiber der Auslandsproduktion.
2.4. Problemfelder der Standortwahl
Das Standortproblem, das auf die Bestimmung des optimalen Ortes wirtschaftlicher Tätigkeit beruht, ist von sehr komplexer Natur. Das Unternehmen muss im Raum der Wirtschaft einen Betriebsstandort finden, der hinsichtlich der Zielkriterien des Unternehmens als optimal empfunden wird. Der Entscheidung kommt eine langfristige, strategische Wirkung zu. Das Unternehmen wird versuchen alle Vor- und Nachteile wichtiger Einflussfaktoren an einem Standort zu erfassen. Durch die wirtschaftliche Dynamik sind die Berechnungen mit einem großen Unsicherheitsfaktor versehen. Trifft das Unternehmen falsche Entscheidungen können diese oftmals nur mit hohen Kosten revidiert werden. Der Standort eines Betriebes kann nicht nur für den Betrieb selbst, sondern auch für seine Region von Bedeutung sein. Die verwendeten Bewertungsverfahren für die betriebliche Standortentscheidung vernachlässigen wesentliche Aspekte. So wird bei internationalen Standortbewertungen nur der Ist-Zustand des deutschen Standorts miteinbezogen, anstatt alle möglichen und optimierten Zustände zu betrachten. Ein weiterer Punkt ist die Vernachlässigung des Netzwerkbedarfs am jeweiligen Standort. Außerdem wird die Dynamik der zukünftigen Standortentwicklung vernachlässigt bzw. es erfolgt keine regelmäßige Überprüfung des Standorterfolgs. 23
23 Vgl. Kinkel, Steffen, 2004, S. 4
Strategische Standortplanung 14
Folgende Probleme können in der Praxis bei internationalen Standortentscheidungen auftreten: 24 Es erfolgt eine zu starke Fokussierung auf monetäre Größen. Außerdem werden wichtige Faktoren wie z.B. die am neuen Standort erreichbare Produktivität, einmalige Aufbau- und Verlagerungskosten, Kosten für Technologieanpassung und Transport- und Transaktionskosten nicht beachtet. Überdies können „weiche Faktoren“ (z.B. Flexibilität und Qualität), die bei der Standortentscheidung nur unzureichend berücksichtigt wurden, schnell in „harte Faktoren“ umschlagen und so zu einem Abbruch des Auslandsengagements führen.
Unternehmen, die ihre internationalen Standortentscheidungen nicht rechtzeitig und unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren vorbereiten, sind bei der ständig wachsenden Dynamik und Komplexität der Märkte nur selten in der Lage eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition zu erreichen.
2.5. Ansätze nationaler und internationaler Standortlehren
Die ersten Vertreter einer betriebswirtschaftlichen Standortlehre prüften ihre Ergebnisse nicht empirisch. Dies war bedingt durch die normative Ausrichtung ihrer Arbeiten. Sie bildeten aber die theoretische Grundlage für zahlreiche empirische Arbeiten. 25 Die Entstehung einer betriebswirtschaftlichen Standortforschung kann bis zu den Anfängen der Standorttheorie zurückverfolgt werden. Dabei basiert der Ansatz von Weber auf der nationalen, während die Ansätze von Tesch und Sabathil auf Erkenntnissen der internationalen Standortlehre basieren.
2.5.1. Die traditionelle Theorie von Weber
Die Standortforschung ist bis zu unserer Zeit von Alfred Webers Grundsätzen geprägt, die er in seinem Buch „Ueber den Standort der Industrien, Reine Theorie des Standorts“ im Jahre 1909 darstellt. Er sah die Notwendigkeit einer eigenen „Theorie des Standortes der Gewerbe“. Damit entsteht erstmals eine Standorttheorie, die auf den Gegebenheiten der Industrie aufbaut.
24 Vgl. Kinkel, Steffen, 2003, S. 2f
25 Vgl. Runer, Håkon, 1999, S. 39
Strategische Standortplanung 15
Es gibt zwar frühere Ansätze einer solchen Theorie, Weber fügte sie jedoch als erster zu einem geschlossenen Erklärungsansatz zusammen. 26
Weber hat den Begriff des Standortfaktors eingeführt und unterteilt diesen in „generelle“ und „spezielle“. Die „generellen“ Faktoren treffen für alle Industrien zu, wie z.B. Transportkosten und Arbeitskosten. Die „speziellen“ Faktoren sind nur für einige Branchen von Bedeutung. 27 Um eine Grundlage für seine quantitative Analyse zu erhalten, ist es Webers Ziel, die Stand-ortfaktoren als Klassifikationsmerkmal zu benutzen.
Die von Weber entwickelte Standortsystematik beinhaltet drei Arten von Entscheidungen. 28 Er unterscheidet nach dem jeweiligen Geltungsbereich in generelle Standortfaktoren und in spezielle Standortfaktoren. Das zweite Einteilungskriterium stellt die Art der Wirkung dar, nach dem sich generelle und spezielle Faktoren unterscheiden. Zum einen sind es die Regionalfaktoren, zum anderen sind es die Agglomerativ- bzw. Deglomerativfaktoren. Die dritte Einteilung erfolgt nach der Beschaffenheit der Standortfaktoren in natürlich-technische und in gesellschaftlich-kulturelle.
Das Hauptproblem des Webereschen Ansatzes besteht in der Annahme eines gegebenen Produktions- und Absatzprogramms. Dies hat er mit allen Problemformulierungen, die auf eine Minimierung der Kosten abzielen, gemeinsam. Auch die Annahme entfernungs- und mengen- bzw. gewichtsproportionaler Transportkosten ist in vielen Fällen auch problematisch. 29 Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Theorie von Weber ist der Verzicht auf Einbeziehung der Absatzseite. 30 Aber schon Weber sah die Bedeutung der Standortfaktoren „Transportkosten“, „Arbeitskosten“ und Agglomerationsvorteile“. Diese Faktoren sind bis heute gültig. 31
26 Vgl. Runer, Håkon, 1999, S. 35
27 Ebenda, S. 37
28 Vgl. Herbertz, Frank, 2002, S. 38f
29 Vgl. Fischer, Kathrin, 1997, S. 70
30 Vgl. Herbertz, Frank, 2002, S. 39f
31 Vgl. Runer, Håkon, 1999, S. 39
Strategische Standortplanung 16
2.5.2. Der Ansatz von Sabathil
Die Länderauswahl innerhalb der Standortwahl ist der Schwerpunkt seiner Untersuchung. 32 Im Zentrum seiner Ausführungen steht ein ausführlicher Standortfaktorenkatalog, der jedoch einige Schwächen bezüglich Gliederung, Umfang und Inhalt der dargestellten Standort-faktoren zeigt. Z.B. werden die staatlichen Investitionsanreize oder Fördermaßnahmen vollständig aus seiner Bewertung ausgeschlossen. Auch dem Ablaufschema widmet er nur geringen Platz in seiner Arbeit.
Hervorzuheben ist der Teil seiner Ausarbeitung, in dem er sich mit der Festlegung der Standorte in der Realität beschäftigt. Von seinen Feststellungen lassen sich vier Thesen zusammenfassen:
1. Psychologische Faktoren haben eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen Standort im Ausland.
2. Kulturelle Ähnlichkeit der Zielländer ist bei Wahl der Unternehmen von Bedeutung. 3. Ein unternehmerischer Lernprozess steht vor der Wahl eines ausländischen Standortes. 4. „Eine Internationalisierung des Standortsystems erfolgt eher als eine Reaktion auf wahrgenommene Risiken, denn als eine Reaktion auf wahrgenommene Chancen.“ 33
2.5.3. Der Ansatz von Tesch
Tesch versucht „die Bestimmungsgründe der Außenwirtschaftsbeziehungen von Unternehmen mit Hilfe standorttheoretischer Erkenntnisse transparent zu machen.“ 34 Er verbindet die Theorie des internationalen Handels und der Direktinvestition mit Elementen der Stand-orttheorie. Unter dem Begriff der standortbedingten Wettbewerbsvorteile versteht er Verfüg-barkeitsvorteile, Nicht-Preisvorteile und Preisvorteile. Sein Standortfaktorenkatalog soll alle für die internationale Wettbewerbsfähigkeit relevanten Faktoren enthalten. Die Gliederung erfolgt in drei Gruppen. 35 Zum einen gibt es Standortfaktoren, die die gesamten Unternehmensaktivitäten betreffen. Außerdem existieren Standortfaktoren, die die
32 Vgl. Herbertz, Frank, 2002, S. 51f
33 Herbertz, Frank, 2002, S. 52
34 Ebenda, S. 52
35 Vgl. Herbertz, Frank, 2002, S. 53ff
Arbeit zitieren:
Heiko Schulze, 2005, Standortplanung in globalen Wertschöpfungsketten, München, GRIN Verlag GmbH
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