Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Versuch einer Definition der Gattung Biographie. 3
3. Entwicklung der Biographik vom 18. Jahrhundert bis heute. 4
3.1. Überblick: Traditionelle vs. Moderne Biographik. 4
3.2. Biographien im 18. Jahrhundert 6
3.3. Biographien im 19. Jahrhundert. 7
3.4. Biographien im 20. Jahrhundert 8
4. Die Entwicklung der Biographie am Beispiel der drei Mozartbiographien. 9
4.1. Niemetscheks „Leben des K.K. Kapellmeisters Wolfgang Gottlieb
Mozart “ im ausgehenden 18. Jahrhundert 31 9
4.2. Die Mozartbiographie von Otto Jahn im 19. Jahrhundert 32 12
4.3. Die Mozartbiographie von Dirk Böttger im 20. Jahrhundert 33 14
5. Zusammenfassung. 18
6. Ausblick. 19
Literaturverzeichnis 20
3
1. Einleitung
Die Biographie hat in den letzten Jahrzehnten eine wahre Konjunktur erlebt. Allerdings gibt es noch immer keine einheitlich anerkannte theoretische Grundlage bzw. eine allgemein gültige Definition. Dies erschwert zum einen den Umgang mit Biographien. Andererseits wurde die Biographik im wissenschaftlichen Diskurs lange Zeit vernachlässigt, so dass es im theoretischen und praktischen Bereich viel aufzuarbeiten gibt. In der folgenden Arbeit werde ich kurz die Entwicklung der Biographik vom 18. Jahrhundert bis heute darstellen und versuchen diese Entwicklung und die damit einhergegangenen Veränderungen an drei Mozartbiographien aufzuzeigen. Die von mir ausgewählten Biographien sind Franz Xaver Niemetschek „Leben des K.K. Kapellmeisters Wolfgang Gottlieb Mozart“ (1798), Otto Jahn „W. A. Mozart“ (1856-1859) und Dirk Böttger „Wolfgang Amadeus Mozart“ (2003).
4
2. Versuch einer Definition der Gattung Biographie
Eine allseits anerkannte Definition der Biographie ist bisher noch nicht geglückt. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei der Biographie um keine eigenständige literarische Form handelt. Sie bewegt sich im Grenzgebiet zwischen der Geschichtsschreibung (Wissenschaft) und der Dichtung (Kunst). 1 Des weiteren lässt sich die Biographie auch nicht einer der drei klassischen Gattungen (Epik, Lyrik oder Dramatik) zuordnen. 2 Daher wird in der Regel eine negative Abgrenzung der Biographie vorgenommen und insbesondere die den meisten Biographien innewohnenden Merkmale als Ersatz für eine Definition aufgeführt. Zum einen handelt es sich in der Regel um nicht-fiktive Literatur, da der Stoff durch den bekannten Lebenslauf vorgegeben ist. Des weiteren ist jede Biographie vergangenheitsorientiert. Da der Biograph ein fremdes Objekt darzustellen versucht, erhebt er einen Anspruch auf Objektivität und meistens auch einen Anspruch auf teilweise Richtigkeit seiner Ausführungen.
Der Biograph will einen Lebenslauf dem Vergessen und der Vergangenheit entreißen, und er ist der Meinung, dass dieses Leben auch ein Denkmal verdient. Aus diesem Grunde versucht er das Leben als kompakte Einheit darzustellen, wobei viel Wert gelegt wird auf „Geradlinigkeit“, Kontinuitäten und innere Konsequenzen. Als ein weiteres Merkmal ist hier die Tatsache aufzuführen, dass Biographen das Leben dynamisch verstehen und deswegen ihrem Objekt „Entwicklungsmöglichkeiten“ zugestehen. Als letztes Merkmal sei an dieser Stelle angeführt, dass sich die Biographie in der Regel nicht mit Zustimmungen und kritischen Urteilen begnügt, sondern außerdem noch einen deutenden und hinweisenden (d. h. durch Beispiele zeigenden) Charakter hat. 3 Einige dieser Merkmale zusammengefasst findet man in dem vorläufigen Definitionsversuch von Christian Klein, der selbst angibt, dass dies keine endgültige Fassung sein kann.
1 Vgl. H. Koopmann: Die Biographie. 1985, S.45
2 Vgl. H. Scheuer: Biographie. Überlegungen zu einer Gattungsbeschreibung. 1982, S. 9 3 Vgl. H. Koopmann: Die Biographie. 1985, S.48 ff.
5
Die Biographie ist ein „rückblickender (Prosa-) Text, der wesentliche Lebensabschnitte oder -bereiche einer tatsächlichen Person darstellt, dabei einen Ähnlichkeitsanspruch erhebt und die Betonung auf die individuelle Geschichte der Person legt, wobei der Verfasser mit einem Erzähler identisch sein kann, nicht aber mit dem zentralen Objekt der Darstellung.“ 4
4 C. Klein: Grundlagen der Biographik. 2002, S. 20
6
3. Entwicklung der Biographik vom 18. Jahrhundert bis
heute
3.1. Überblick: Traditionelle vs. Moderne Biographik
Das wiederkehrende Interesse an der Biographie ist einer erneuerten Biographie zu verdanken und nicht dem Aufschwung der traditionellen Biographie. 5 Deshalb werde ich im folgenden Abschnitt die traditionelle und die moderne Biographik gegenüberstellen. Dabei sollen die grundlegenden Unterschiede und Veränderungen deutlich werden.
Schon im Bereich des Erkenntnisinteresses lässt sich ein Unterschied finden. Orientiert sich die traditionelle Biographik noch an den großen und bedeutenden historischen Persönlichkeiten 6 , so weitet die moderne Biographik ihr Interesse an anderen historischen Akteuren (z.B. Müller, Bauern und Glasermeister) aus 7 . Dabei heroisiert und verklärt die erste die untersuchten Subjekte. Dadurch wird die Lebensgeschichte und ihr vermeintlicher Zusammenhang unreflektiert nacherzählt. Es wurde von einer
lebensgeschichtlichen Kontinuität ausgegangen 8 und damit die untersuchte Person als ein individueller, in sich geschlossener Mikrokosmos konzipiert, der unabhängig von der Welt existiert. 9 Diese Vorstellung von einer konsistenten und kohärenten Ganzheit der Subjekte und ihrer Lebensentwürfe lässt sich auch in der interpretatorisch und chronologisch geordneten Narration wiederfinden. 10 Im Gegensatz dazu erkennt die moderne Biographik die Komplexität der historischen Person und die Inkohärenz des Lebenslaufes an. 11 Sie bindet das untersuchte Subjekt in die sozialen, kulturellen und politischen Strukturen und Zusammenhänge ein, und begreift das Individuum als eine individuierte soziale Struktur, die sowohl von der Gesellschaft geprägt wird, als auch andererseits selbst auf diese wirkt. 12 Diese Ansicht führte wohl auch zu 5 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 16 6 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 12 7 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 23 8 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 14 9 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 19 f. 10 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 24 f. 11 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 24 12 Vgl. H. E. Bödeker: Biographie schreiben. 2003, S. 20 f.
Arbeit zitieren:
Katja Schulz, 2006, Entwicklung der Biographik vom 18. Jh. bis heute am Beispiel ausgewählter Mozartbiographien, München, GRIN Verlag GmbH
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