Inhaltsübersicht Seite
1. EINLEITUNG UND GRUNDBEGRIFFE 1
2. ZUR ANALYSE SOZIALEN HANDELNS 4
2.1 „unit act“ 5
2.2 Subsysteme des Handelns 6
2.2.1 Das organische System 6
2.2.2 Das personale System 6
2.2.3 Das soziale System 7
2.2.4 Das kulturelle System 7
2.3 „pattern variables 7
2.3.1 Affektivität - Affektive Neutralität 8
2.3.2 Selbstorientierung - Kollektivorientierung 9
2.3.3 Universalismus - Partikularismus 10
2.3.4 Zuweisung - Leistungsorientierung 10
Spezifisches Verhalten - Diffuses 2.3.5 11
Verhalten
2.3.6 Bedeutung der pattern variables 12
3. ZUR THEORIE SOZIALER SYSTEME 13
3.1 Das AGIL- Schema 15
3.1.1 Die Anpassungsfunktion: Adapaption 16
3.1.2 Die Zielerreichung: Goal Attainment 17
3.1.3 Die Integrationsfunktion: Integration 17
3.1.4 Die Latenzfunktion: Latent pattern 18
maintainance
4. FAZIT 19
2
1. EINLEITUNG UND GRUNDBEGRIFFE
Wie kann die Gesellschaft mit ihren festen Normen und Werten auf eine Umweltveränderung, wie z.B. neue Normen oder Bedürfnisse reagieren und ihren Fortbestand sichern? Dies ist die große Fragestellung mit der sich Talcott Parsons in seiner Systemtheorie beschäftigt. Parsons entwickelte allerdings zunächst nur eine Handlungstheorie, entwickelte diese aber später zur Systemtheorie des Strukturfunktionalismus weiter. Allgemein versucht die struktur-funktionalistische Theorie von Parsons zu erklären, inwiefern das soziale Handeln auf die Stabilität der Gesellschaft wirkt. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung steht hierbei die Motivation des Individuums, des Akteurs.
Doch warum wird Parsons Theorie als Strukturfunktionalismus bezeichnet? Hierzu ist es notwendig, die drei zentrale Begriffe in Parsons’ Systemtheorie zu verstehen: Das System, die Struktur und die Funktion. Diese begriffe werden im weiteren Verlauf von großer Bedeutung sein. Es bietet sich daher an, Parsons Verständnis dieser Begriffe vorab zu klären. Ein soziales System ist nach Talcott Parsons als ein System von Interaktionsprozessen zwischen Akteuren zu verstehen. „Ein soziales System ist somit die Funktion einer gemeinsamen Kultur, die nicht nur die Basis der Interkommunikation seiner Mitglieder bildet, sondern auch den relativen Status seiner Mitglieder definiert und deshalb in gewissem Sinn bestimmt.“ 1 Soziales Handeln von Menschen tritt nicht vereinzelt auf, sondern in Konstellationen, die Parsons Systeme nennt. Der Begriff Struktur soll etwas Konstantes und Feststehendes implizieren. Parsons definiert den Begriff der Struktur als "...eine Reihe von verhältnismäßig stabilen Beziehungsmustern zwischen Einheiten. Da die Einheit des sozialen Systems der Handelnde ist, ist die soziale Struktur ein System von sozialen Beziehungsmustern zwischen Handelnden. Allerdings zeichnet sich die Struktur von sozialen Handlungssystemen
1 Parsons, Talcott: Sozialstruktur und Persönlichkeit, Frankfurt am Main, Europäische
Verlagsanstalt, 1964,
S. 31
3
dadurch aus, dass in den meisten Beziehungen der Handelnde nicht als individuelle Ganzheit beteiligt ist, sondern lediglich mit einem bestimmten, differenzierten "Ausschnitt" seines gesamten Handelns" 2 Parsons sieht den Zweck des sozialen Handelns des Akteurs darin, dass Systeme gebildet beziehungsweise verändert werden sollen. Dieses Handeln, welches sich auf die Beschaffenheit des Systems auswirkt entspricht der Funktion. Diese ist also ein dynamischer Prozess eines Akteurs für den Aufbau, die Erreichung, Erhaltung oder Veränderung eines bestimmten Zustandes des Systems (der Struktur), zu dem der Akteur gehört.
2. ZUR ANALYSE SOZIALEN HANDELNS
Um Talcott Parsons Theorie sozialer Systeme hinreichend darzustellen bietet es sich zunächst an, die von ihm entwickelte Handlungstheorie als Grundlage zu betrachten. In den dreißiger Jahren entwickelte Parsons aus den Analysen von vier sozialwissenschaftlichen Klassikern, Max Weber, Emile Durkheim, Vilfredo Pareto und Thomas H. Marshall, eine eigene Handlungstheorie, die über die seinerzeit gültigen Denkmuster des Utilitarismus hinausreichte. Die entscheidende Übereinstimmung der vier genannten Klassiker sieht Parsons in dem Punkt, dass die Ziele des Handelns Einzelner durch übergreifende normative Orientierungen geprägt sind. Diese normativen Orientierungen sind vielen, manchmal sogar allen Mitgliedern einer Gesellschaft gemeinsam 3 .
2 Parsons, Talcott: Beiträge zur soziologischen Theorie, Neuwied, Leuchterhand, 1964, S. 54 f.
3 Vgl. Schimank, Uwe: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung, Leske+ Budrich,
Augsbug, 1996, S.82 f.
4
2.1 „unit act“
Ausgehend von vier Grundannahmen gelangte Parsons somit zu einer Konzeption des „unit act“, der die Bedingungen der Möglichkeit sozialen Handelns enthält. Zunächst gibt es einen Akteur, der ein handlungsfähiges Wesen sein muss. Dieser Akteur muss zweitens ein Ziel verfolgen. Das heißt, dass Wünsche, Interessen, Neigungen, usw. vorliegen, deren Erfüllung das vorrangige Interesse des Handelnden ist. Er will also einen noch nicht gegebenen Zustand herbeiführen. Dieses Streben nach einem neuen Zustand findet aber in einer Situation statt, die dem Akteur sowohl Einschränkungen auferlegt, ihm andererseits aber auch Mittel zur Zielverwirklichung gibt. Das heißt, das Handeln in Abhängigkeit von Werten, Normen und Rollen stattfindet. Somit versucht der Akteur stets, sein Handeln an allgemein gültige Normen anzupassen 4 . Hierdurch unterscheidet sich die Parsonsche Position von der des Utilitarismus: Handeln wird nicht nur als individueller Wille gesehen, sondern setzt sich aus einem Wechselwirkungsprozess aus diesem Verlangen und normativen Einflüssen. Da der einzelne Akteur nach einem Gleichgewicht zwischen sich und dem Kollektiv anstrebt, wird er in den meisten Fällen selbst das wollen, was »man« von ihm erwartet. Die normativen Elemente zwingen den Akteur also zu einer Bewertung seiner Ziele. Somit sind die Handlungsziele eines Akteurs von vornherein normativ beeinflusst, sie haben intersubjektiven Charakter. Damit erfordert Handeln aber gesellschaftsweit etablierte normative Orientierungen 5 .
4 Vgl. Schimank, Uwe: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung, S.84 f.
5 Vgl. Kiss, Gabor: Einführung in die soziologischen Theorien II, vergleichende Analyse
soziologischer Hauptrichtungen, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Westdeutscher
Verlag, Opladen, 1975, S.152 f.
5
2.2 Subsysteme des Handelns
Das System des sozialen Handelns besteht weiterhin aus vier Subsystemen. Diese Subsysteme stehen nicht einzeln nebeneinander und für sich selbst, sondern befinden sich in ständiger Wechselbeziehung und Abhängigkeit zueinander. Alle zusammen ergeben das System, beziehungsweise das soziale Handeln.
2.2.1 Das organische System
Dieses Subsystem bezieht sich auf den menschlichen Organismus. Dieser wird angetrieben von einer Reihe von elementaren Trieben. Neben existenziellen Bedürfnissen, wie Hunger, Durst, Schlaf, etc., beinhalten diese Triebe auch ein Bedürfnis nach sozialen Kontakten, Beziehungen, Liebe und Zuneigung. Die Motivation des Handelns in diesem Subsystem sind also eben diese Triebe. Triebgesteuertes Handeln ist also die Basis dieses Subsystems. Schließlich bezeichnet Parsons dieses Subsystem als den „…Ort der primären menschlichen Fähigkeiten, die den anderen Systemen zugrunde liegen.“ 6
2.2.2 Das personale System
Das personale System beinhaltet die Werteorientierung und Handlungsmotivationen der einzelnen Person. „Das Persönlichkeitssystem ist die Haupttriebkraft von Handlungsprozessen und somit auch der Erfüllung kultureller Prinzipien und Anforderungen.“ 7 Basis für die Bedürfnisse in diesem Subsystem bilden nicht die Triebe, sondern von außen herangetragene Werte, Normen und Erwartungen.
6 Parsons, Talcott: Das System moderner Gesellschaften, Weinheim und München, JUVENTA-
Verlag, 4. Aufl., 1996, S. 13
7 Ebd. S. 13
6
Arbeit zitieren:
Nils Kluger, 2004, Der Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons - Von der Handlungstheorie zur Systemtheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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