INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG (S. 1 - 2)
Zur Bedeutung von Motivation im Unterricht
2. THEORETISCHER TEIL (S. 2 - 8)
2.1 Hintergrund: Menschen handeln nach Motiven (Motiv vs. Motivation) (S. 2-3)
2.2 Schulrelevante Motive (S. 3 - 4)
2.3 Das Leistungsmotiv (S. 4 - 6)
2.4 Das Risiko-Wahl-Modell nach Atkinson (S. 6 - 8)
2.4.1 Erfolgsorientierte Schüler (S. 7)
2.4.2 Misserfolgsvermeidende Schüler (S. 7 - 8)
3. PRAKTISCHER TEIL (S. 8 - 12)
3.1 Misserfolgsvermeidung als Lern- und Verhaltensstörung? (S. 8 -10)
3.1.1 Spezifische Lernstörungen (S. 9 - 10)
3.1.2 Psychogene Lern- und Leistungsstörungen (S 10)
3.2 Umgang des Lehrers mit Misserfolgsvermeidern (S. 11 - 12)
4. ZUSAMMENFASSUNG/ ABSCHLUSSBEWERTUNG (S. 12 - 13)
5. LITERATURANGABEN (S 14)
Die Güte der Schulnoten bestimmt häufig darüber, wie beliebt ein Schüler bei seinen Klassenkameraden ist, wie angesehen beim Lehrer, wie viel Taschengeld er bekommt, wie lange er abends fernsehen darf und schließlich ob er eine Lehrstelle oder einen Studienplatz bekommt.
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es sich bei dem Thema Lern- und Schulleistungen um ein Thema von großer Bedeutsamkeit handelt.
Zwar ist die Tatsache trivial, dass sich Schüler in ihren Lern- bzw. Schulleistungen unterscheiden, aber schon die Frage, was die Ursachen dieser Unterschiede sind, ist schwieriger zu beantworten.
Belässt man physische und schwere psychische (Lern-)Behinderungen einmal als ein Sachverhalt für sich, so nennt die Literatur doch maßgeblich zwei Hauptfaktoren, die die Lernleistung des Menschen bestimmen: Die Intelligenz, verstanden als die Fähigkeit etwas zu leisten, sowie die Motivation, erst einmal neutral verstanden als der Wille oder der Drang eine Handlung gemäß seinen Fähigkeiten zu vollziehen (Fähigkeit vs. Anstrengung). 1 Diese Hausarbeit möchte sich weniger dem Faktor Intelligenz, als vielmehr dem der Motivation und den Motivationsdefiziten als einem „zentrale[n] Praxisproblem“ 2 von Schule widmen.
Die Wichtigkeit von Motivation im Zusammenspiel mit Intelligenz stellte schon Bernd Bossong 1978 heraus: „Intelligenz, wie sie mit Intelligenztests gemessen wird, korreliert im allgemeinen 0,30 bis 0,60 mit der Schulleistung, d.h. die unterschiedliche Intelligenz der Schüler kann ungefähr 10% bis 35% der Unterschiede in der Schulleistung erklären, für die restlichen 65% bis 90% müssen jedoch andere Ursachen gesucht werden“ 3 . Inwiefern nun motivationale Aspekte in diese Zahlen hineinspielen ist weder belegt, noch aus Sicht dieser Arbeit relevant. Es soll lediglich gezeigt werden, dass Motivation - und in besonderem Maße Leistungsmotivation - einen wichtigen Faktor bei der Performanz von Schulleistung darstellt.
Im Verlauf dieser Hausarbeit wird zu zeigen sein, auf welchem theoretischen Gerüst sich die Forschung bezüglich der Untersuchung von Leistungsmotivation bewegt, um dann nach der
1 Zur Unterscheidung und näheren Bestimmung der Begriffe Motiv und Motivation: siehe 2.1
2 Wibke v. Grone/ Jörg Petersen: Zum Lernen anregen. Motivation in Theorie und Praxis - Ein praxisorientiertes
Studien- und Arbeitsbuch mit Lernsoftware, Donauwörth, 2002, S. 5
3 Bernd Bossong: Motivationsförderung in der Schule, Weinheim und Basel, 1978 [zugleich: Theorie und Praxis
der Schulpsychologie; Bd. 24], S. 5
1
Unterscheidung von Motiv und Motivation das Risiko-Wahl-Modell Atkinsons als Grundlage für die weiteren Untersuchungen von Schulleistungen zu nutzen.
Interessant erscheinen die Fragen: Welchen Einfluss hat das erstmals von Atkinson in die zwei Teilbereiche a) Hoffnung auf Erfolg und b) Furcht vor Misserfolg aufgeteilte Leistungsmotiv auf gezeigtes Schülerverhalten?
Kann eine starke Ausrichtung auf die Vermeidung von Misserfolg eine Lernstörung werden? Welche Maßnahmen kann ein Lehrender ergreifen, wenn er erkannt hat, dass Misserfolgsvermeider a) schlechte Lernleistung erbringen oder aber auch b) zwar gute Lernleistungen zeigen (gemessen an Zensuren), aber psychische Störungen erleiden oder erleiden könnten 4 ? Diese und andere Fragen gilt es im nun folgenden Theorie- und dem sich daran anschließenden Praxisteil näher zu untersuchen.
2. THEORETISCHER TEIL
2.1. Hintergrund: Menschen handeln nach Motiven (Motiv vs. Motivation)
Bereits im Vorwort ist angeklungen, dass die Begriffe Motivation und Motiv im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet werden.
Die Fachsprache hingegen trennt an dieser Steller scharf, wenn unterschieden wird in eine zeit- und situationsüberdauernde, menschliche Verhaltensdisposition 5 , dem Motiv, und dessen zeit- und situationsabhängige „Aktualisierung in konkretem motivationalen Verhalten“ 6 . Knörzer bezieht sich bei seiner Definition auf Heckhausen 7 , der Motive als die vorauslaufenden Bedingungen eines motivierten Verhaltensablaufs verstand, die „durch individuelle Besonderheiten“ 8 gegeben sind.
Sehr kurz gefasst ließe sich sagen: Ein Motiv ist der Beweggrund einer Aktivität. Von Grone und Petersen bemerken: „Während der Begriff der ‚Motivation’ einen aktuellen Erregungszustand bezeichnet, ist mit ‚Motiv’ eine relativ überdauernde Grundhaltung des Menschen gemeint“ 9 .
Wo der Begriff des Motivs relativ eindeutig ist (zu den verschiedenen Motiven, s.u.), mag hingegen der der Motivation größere Schwierigkeiten bereiten.
4 ein Beispiel hierfür nennen v. Grone/ Petersen 2002, S. 24f.
5 völlig unwissenschaftlich könnte man vielleicht von einem „inneren, roten Leitfaden“ sprechen, an dem sich
ein Mensch orientiert, d.h. auf den er sein Verhalten maßgeblich zurückführt, der ihm als Orientierung dient
6 Wolfgang Knörzer: Lernmotivation im Kontext der Schule, Konstanz, 1974, S. 16
7 Heinz Heckhausen: Die Interaktion der Sozialisationsvariablen in der Genese des Leistungsmotivs. In:
Graumann, C.F. (Hrsg.): Handbuch der Psychologie in 12 Bänden, Bd. 2, Hogrefe, Göttingen, 1972, S. 955-1019
8 Knörzer 1974, a.a.O.
9 v. Grone/ Petersen 2002, S. 9
2
Dies ist auch ablesbar an den verschieden Definitionen, die sich in der einschlägigen Literatur finden lassen. So fassen z.B. Oerter und Montada unter Motivation „alle Bedingungen, welche die Aktivität eines Organismus ankurbeln und die Variation dieser Aktivität nach Richtung, Quantität und Intensität bestimmen“ 10 .
Bereits oben wurde von Motivation als Erregungszustand gesprochen. Diesen Aspekt sehen auch Schönpflug und Schönpflug, wenn sie Motivation als organisierten, auf das Handeln lenkend und antreibend wirkenden und in Handlungsbereitschaft mündenden Erregungszustand definieren 11 .
Rheinberg schließlich fasst die wesentlichen Charakteristika von Motivation als „aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzuges auf einen positiv bewerteten Zielzustand“ zusammen, die sich dem einzelnen in seinem „Streben, Wollen, Bemühen, Wünschen, Hoffen etc.“ zeigt 12 .
Was im Einzelnen als positiv bewerteter Zielzustand anerkannt und definiert wird, ist hoch subjektiv. Um ein Schülerbeispiel zu nennen, kann dieser Zustand sich für den einen darstellen als die Eins in Mathematik oder aber er mag für den anderen darin liegen, dem Spott seiner Klassenkameraden zu entgehen, nicht aufzufallen etc.. Wenn ein Mensch bei der Ausführung (oder dem Unterlassen!) von konkreten Handlungen sich stets auf ein dieser Handlung vorgelagertes Motiv bezieht, liegt es auf der Hand, dass er über eine Vielzahl von Motiven verfügen muss.
Ein paar dieser Motive sollen im Folgenden genannt werden, um nicht zu letzt diese von dem danach näher zu betrachtenden Leistungsmotiv abzugrenzen.
2.2 Schulrelevante Motive
Besonders für schulisches Lernen relevant erscheinen zum einen die Sozialmotive: Es werden unter diesem Begriff jene relativ überdauernden Beweggründe einer Person zusammengefasst, die auf die Beziehung zwischen Menschen und zu Gruppen abstellen. Sie rekurrieren dabei auf Werte wie Solidarität, Zusammenarbeit, gegenseitige Verantwortlichkeit und Hilfe, oder aber die Verfolgung gemeinsamer Interessen. Zum anderen sind Selbstmotive zu nennen, welche verstanden werden sollen als solche relativ überdauernden Beweggründe einer Person, die auf „sich selbst“ gerichtet sind und Werte wie Selbständigkeit, Selbstbestimmung, Mündigkeit und Ich-Identität anstreben.
10 Oerter, Rolf/ Montada, Leo (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch, München, Weinheim,
1987, S. 644
11 vgl. Wolfgang Schönpflug/ Ute Schönpflug: Psychologie. Allgemeine Psychologie und ihre Verzweigungen in die
Entwicklungs-, Persönlichkeits- und Sozialpsychologie, München, 1989, S. 352f.
12 Falko Rheinberg: Motivation, Stuttgart, 1997, S. 13
3
Arbeit zitieren:
Simon Emmerling, 2003, Misserfolgsvermeidung als Lern- und Verhaltensstörung? Untersuchung zur Bedeutung des Leistungsmotivs für Schule und Unterricht auf der Basis des Atkinson’schen Risiko-Wahl-Modells, München, GRIN Verlag GmbH
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