I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abk ürzungsverzeichnis II
1 Einführung. 1
2 Der 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele (70d - 72e) 3
3 Kritische Würdigung des 1. Unsterblichkeitbeweises der Seele. 9
4 Schlussbetrachtungen. 14
Literaturverzeichnis 16
1
1 Einführung
Obwohl sich die Platon Interpreten uneins über die Hauptthematik des Phaidon sind 1 , ist eines der zentralen Themen des Dialoges die ‚Unsterblichkeit der Seele’. Der zuvor zum Tode verurteilte Sokrates wird an seinem letzten Tag von mehreren Freunden sowie Fremde, darunter auch Kebes und Simmias, besucht. Kebes und Simmias sind Anhänger des Pythagoreismus 2 und die Hauptdialogpartner von Sokrates im Phaidon.
Wider Erwarten scheint Sokrates trotz seines bevorstehenden Todes glücklich: „[...] Glücklich nämlich erschien mir der Mann [Sokrates], Echekrates, in seinem Verhalten und in seinen Worten, und so furchtlos und edel starb er [...].“ 3
Der Ausspruch von Sokrates: „Das also, Kebes, sage Euenos, und er solle wohl leben und, wenn er vernünftig sei, mir nachfolgen,“ 4 führt zum ersten Widerspruch des Simmias und führt zu der von Sokrates aufgestellten These, dass Philosophie betreiben nichts anderes heißt als zu sterben bzw. tot zu sein. 5 Der Tod wird als Trennung der Seele vom Körper gesehen: „Und das sei das Tot-Sein, wenn der Körper , getrennt von der Seele, abgesondert ganz für sich ist [...].“ 6 Da der Körper die Seele bei der Wahrheitsfindung (der Philosophie) stört und verwirrt, sollte ein
1 Vgl. Platon, Phaidon, Einführung von Barbara Zehnpfennig, S. XII
2 Vgl. Platon, Phaidon, Anmerkungen 17 und 18, S. 177
3 Platon, Phaidon, 58e
4 Platon, Phaidon, 61b
5 vgl. Platon, Phaidon, 64a
6 Platon, Phaidon, 64c
2
‚echter’ Philosoph die Trennung vom Körper und der Seele i.e. das Tot-Sein anstreben. 7 Falls nun das o.g. stimmt, d.h. Philosophie Tot-Sein bedeutet wäre es dann nicht wie Sokrates fragt: „[...] äußerst widersinnig, wenn ein solcher [i.e. ein Philosoph] den Tod fürchted ?“ 8
Obwohl Kebes und Simmias dem o.g. theoretisch beipflichten, befürchtet Kebes doch, dass die Homerische Auffassung der Seele als Lebenshauch stimmt 9 , und diese beim Tod „[...] wie ein Lufthauch oder Rauch, nicht auch zerstoben ist und verflogen und nichts und nirgends mehr ist.“ 10
Nach diesem Einwand von Kebes folgt der erste von insgesamt vier Beweisen für die Unsterblichkeit der Seele. Der 1. Unsterblichkeitsbeweis 11 bedient sich eines ‚Kreislauf - Argumentes’ 12 der Natur. Aus dem Werden von Gegensätzen aus Gegensätzen wie z.B. ‚Größeres aus Kleinerem’ 13 wird das Leben aus dem Tod und vice versa postuliert. Der 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele im Phaidon ist das Thema dieser Hausarbeit und wird im zweiten Kapitel eingeführt und näher untersucht. Kapitel 3 würdigt den 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele kritisch. Kapitel 5 beschließt diese Hausarbeit mit den Schlussbetrachtungen.
7 vgl. Platon, Phaidon, 66a - 68b
8 vgl. Platon, Phaidon, 68b
9 vgl. Bächli und Graeser, Grundbegriffe der Antiken Philosophie, S. 179
10 Platon, Phaidon, 70a
11 vgl. Platon, Phaidon, 70c - 72d
12 vgl. Ringleben, Erfahrung Gottes im Denken, S. 513
13 vgl. Platon, Phaidon, 70e
3
2 Der 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele
Bei der Einführung des 1. Unsterblichkeitsbeweises knüpft ‚Sokrates’ bzw. Platon an eine „alte Rede“ 14 an, die sich auf eine orphisch-pythagoreische Vorstellung bezieht. 15 In dieser Vorstellung kommen die Seelen der Toten in die Unterwelt und werden von dorther wiedergeboren. 16 Nach dem Verweis auf die „alte Rede“ beginnt das eigentlich Argument. Das Argument besteht im wesentlichen aus zwei Teilen 17 :
1. Der „Notwendigkeit der Entstehung aus dem Gegensätzlichen“ 18 und 2. Der „Notwendigkeit einer zyklischen Regeneration“ 19
Im ersten Teil der Argumentation versichert sich ‚Sokrates’ zunächst zweier Prämissen: dem „Prinzip der Entstehung aus dem Gegenteil“ 20 oder das einfache Werden und dem „Prinzip der Reziprozität“ 21 bzw. dem zweifachen Werden. Er argumentiert, dass das ‚Kleinere aus dem Größeren entsteht’ 22 , das ‚Stärkere aus dem Schwächeren’ 23 , das ‚Langsamere aus dem Schnelleren’ 24 sowie das ‚Schlechtere aus dem Besseren’. 25
14 vgl. Platon, Phaidon, 70c
15 vgl. Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 38
16 Vgl. Sonnemans, Seele Unsterblichkeit - Auferstehung, S. 238
17 vgl. Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 39
18 Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 39
19 Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 39
20 Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 39
21 Frede, Platons >Phaidon< : Der Traum von der Unsterblichkeit der Seele, S. 39
22 vgl. Platon, Phaidon, 70c
23 vgl. Platon, Phaidon, 71a
24 vgl. Platon, Phaidon, 71a
25 vgl. Platon, Phaidon, 71a
Arbeit zitieren:
Annett Göltenboth, 2006, Platons Phaidon - Der erste Unsterblichkeitsbeweis, München, GRIN Verlag GmbH
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