EX WS 2005/06
070435 Wege des Glaubens im barocken Wien Dagmar Hecher, 0202036
1) Geschichte der Kirche der Barmherzigen Brüder
Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder, die im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk, in der Taborstraße 16 liegt, ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht.
1614 erwarb Pater Gabriel Ferrara mit der Unterstützung von Kaiser Matthias einen Grund im damaligen „Unteren Werd“ 1 , doch erst sieben Jahre später, als ein Nachbargrundstück hinzukam, wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Dieses Grundstück erwarb Kaiser Ferdinand II. von Wolf Sinnich. Über die erste Kirche blieben keine Unterlagen erhalten, sie wurde am 21. Mai 1655 durch einen Brand zerstört. 2 Die Glocken, die Altäre, die Orgel und auch ein berühmtes Kirchenmusikarchiv wurden vernichtet. Nur der Stiftsbrief und das im Jahre 1645 beginnende Memoralienbuch, sowie einige Krankenprotokolle konnten gerettet werden. 3
Kaiser Ferdinand III. und großzügige Spenden der Bürger Wiens machten es möglich, dass schon 1656 eine neue Kirche geweiht werden konnte. 4 Ab 1665 wurden regelmäßig Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen abgehalten.
Pater Joseph a Cruce Cruchten brachte im Namen der spanischen Königin Anna von Österreich einen Oberarmknochen (humerus sinistri) des hl. Stifters Johannes von Gott als Geschenk an ihren Bruder Kaiser Leopold I. Dieser überließ die Reliquie im Jahre 1678 dem Konvent als kostbares Geschenk. 5 Der Kaiser machte dem Konvent weitere Geschenke, unter anderem das Gnadenbild Jesus, Maria und Joseph.
1 BANDION Wolgang J., Steinerne Zeugen des Glaubens. Die heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien
1989, S. 98
2 KLUSACEK Christine u. STIMMER Kurt, Leopold Stadt. Eine Insel mitten in der Stadt. Verlag Kurt
Mohl. Wien 1978. S. 182
3 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 9
4 KLUSACEK Christine u. STIMMER Kurt, Leopold Stadt. Eine Insel mitten in der Stadt. Verlag Kurt
Mohl. Wien 1978. S. 182
5 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 9
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070435 Wege des Glaubens im barocken Wien Dagmar Hecher, 0202036
In den Folgejahren wurde die Kirche renoviert und ausgebaut. Sie wurde am 23. August 1682 feierlich eingeweiht.
Im Zuge der Türkenbelagerung Wiens von 1683 wurde die Kirche erneut in Mitleidenschaft gezogen. Glücklicherweise konnten die wichtigsten Archivalien, das Gnadenbild, sowie weitere Wertsachen gerettet werden. Die Kirche wurde von den Türken als Pferdestall benutzt, „das Haus gebrandschatzt und die Kirchenglocken geraubt.“ 6 Die Kirche wurde bis 1694 erweitert und erhielt neue Glocken, die größte davon, mit einem Gewicht von 12 Zentnern, wurde aus erbeuteten Türkenkanonen genossen. 7
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche Opfer eines Hochwassers, der Turmhelm wurde von einem Sturm abgerissen und das Mauerwerk senkte sich, eine Abtragung wurde demnach dringend notwendig. 8 Der neue Kirchturm galt als einer der schönsten in Wien, bis er zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch einen Bombenangriff schwer beschädigt und daher 1948 „mit einem pyramidenförmigen Notdach versehen wurde. (…) Zum 375- jährigen Jubiläum der Gründung des Krankenhauses und des Klosters, im Jahre 1989, wurde der Turm gründlich restauriert und das Notdach durch einen Turmhelm im Kupferblech ersetzt.“ 9
Die Kirche ist einschiffig, mit einem Gurtengewölbe versehen und wird von je drei Seitenkapellen umfangen. 10 Der vordere Teil mit dem Presbyterium wurde später angebaut, was durch die feinere Ausführung und den Stuck leicht erkennbar wird. 11 Die rechten Seitenkapellen beinhalten die Altäre des Ordensstifters Johannes von Gott, des hl. Karl Borromäus und der Pestpatronen Rochus, Sebastian und Rosalia. Gegenüber liegen die Altäre des hl. Joseph, des hl. Johannes von Nepomuk und der hl. Mutter Anna.
6 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 11
7 KLUSACEK Christine u. STIMMER Kurt, Leopold Stadt. Eine Insel mitten in der Stadt. Verlag Kurt
Mohl. Wien 1978. S. 183
8 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 11
9 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 11
10 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 11
11 BANDION Wolfgang J. Steinerne Zeugen des Glaubens. Die heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien
1989, S. 98
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070435 Wege des Glaubens im barocken Wien Dagmar Hecher, 0202036
Die Orgel der Kirche stammte aus dem Jahre 1736, besonders erwähnenswert ist, dass Mitte des 18. Jahrhunderts, in den Jahren 1755 - 1758 Joseph Haydn als Primgeiger bei den Barmherzigen Brüdern tätig war.
2) Ausstattung der Kirche der Barmherzigen Brüder
2.1 Hochaltar
Der Hochaltar wurde in den Jahren 1735-1736 errichtet und ist teils in Stuck, teils in Marmor ausgeführt. Das Altarbild von Daniel de Gran stellt die Taufe Christi dar. Es wurde 1836 und 1946, nachdem das Bild durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, restauriert. 12
In der Attika über dem Altarbild ist das Sinnbild des Auge Gottes, von Strahlen und Wolken umringt, zu erkennen. Links und rechts davon sitzen die Erzengel Michael und Raphael, die Patrone des Ordens der Barmherzigen Brüder. Michael hält ein Schwert und eine Waage in Händen, Raphael trägt einen Wanderstab und das Ordenssymbol, den Granatapfel. Das Altarbild umsäumen vier Assistenzfiguren, der heilige Joachim, der heilige Zacharias, die heilige Anna und die heilige Elisabeth. 13
In der Mitte des Hochaltars befindet sich das schon im ersten Teil erwähnte Gnadenbild Jesus, Maria und Josef. Diese befand sich zwar zunächst in einem Seitenaltar der Kirche, wurde jedoch anlässlich der Pestepidemie im Jahre 1713 zum Hauptaltar hin verlagert, da diesem Bild der Mythos folgte, dass vor allem in Pest-und Cholerazeiten an es gerichtete Gebete erhört würden. Seit 1736 ist es in seiner jetzigen Form im Tabernakelaufsatz des neuen Hochaltars zu finden. 14
An den Wandpfeilern links und rechts befinden sich zwei große Heiligenbilder. Links werden die heilige Barbara und der heilige Gregor von Armenien dargestellt. Die Bilder auf der rechten Seite zeigen die heilige Thekla und den heiligen Augustinus. 15
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12 SCHMID Isfried OH. Wien. Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder. Kleiner Kirchenführer.
Wien 1990. S. 12
13 ebendiese S. 13
14 ebendiese S. 13
15 ebendiese S. 15
Arbeit zitieren:
Dagmar Hecher, 2006, Die Kirche des Ordens der Barmherzigen Brüder in 1020 Wien, München, GRIN Verlag GmbH
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