1 Einleitung
Kommunikation spielt heutzutage in vielen verschiedenen Bereichen eine bedeutsame Rolle. Auch werden Kommunikationsmedien in diversen Gebieten, wie z.B. in der Werbung, es geht darum das Denken, Fühlen und Handeln von Mitmenschen zu beeinflussen (vgl. R. Keller, 1995: 253). In den jeweiligen Kulturräumen wenden Menschen die symbolisch festgelegte Sprache und die erlernten Gestiken und Mimiken unbewusst an. Dieses unbewusste Wissen soll im Folgenden externalisiert und dem Bewusstsein zugänglich gemacht werden.
Anhand der Zeichentheorie von Charles S. Peirce und dem Kommunikationsmodell von Roman Jakobson soll dies theoretisch erklärt werden. Eine praktische Anwendung erfolgt anschließend durch die Analyse von Werbung.
Zeichen- und Kommunikationsmodelle versuchen, die komplexe Wirklichkeit des
Kommunikationsprozesses in ihren wesentlichen Faktoren zu erfassen und darzustellen. Sie
sind damit nur vereinfachende Modelle der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst.
2 Semiose nach Peirce
2.1 Die triadische Relation der Zeichen
Charles S. Peirce ist einer der Begründer der Semiotik, wobei sein Zeichenbegriff ganzheitlich ist. Er enthält neben der Repräsentationsfunktion ebenfalls eine Erkenntnisfunktion der Zeichen. Ein Repräsentamen (Zeichen) nach Peirce ist etwas, das für etwas anderes, beziehungsweise für einen Gegenstand oder Sachverhalt steht. Dabei sind Zeichen nicht zwangsläufig Gegenstände, sondern können etwas Willkürliches beschreiben. Wichtig ist nur die Deutung durch einen kompetenten Interpretanten, was Peirce der Fähigkeit des menschlichen Geistes zuschreibt. Das Objekt beschreibt das in dem Interpretanten hervorgerufene Bild über das Repräsentamen (vgl. W. Nöth, 2000: 62f).
2.2 Zeichentypen nach Peirce
Peirce unterscheidet drei Arten von Zeichentypen, wobei Zeichentypen einer Klassifizierung der Zeichen aufgrund deren Funktionsweise entsprechen. Die drei Zeichentypen nennen sich Ikon, Index und Symbol. Ikonische Zeichen liegen dann vor, wenn eine Ähnlichkeitsbeziehung zwischen Zeichenkörper (Signifikant) und Zeicheninhalt (Signifikat) vorliegt. Bilder, Landkarten oder ägyptische Hieroglyphen können ikonisch sein, wenn sie die Wirklichkeit ähnlich abbilden, genauso sind Onomatopöien wie ‚muhen’ oder ‚miauen’ ikonisch (vgl. T. Klinkert, 2002: 49). Der Index beschreibt die ursächliche Beziehung bzw.
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den räumlichen Zusammenhang zwischen Signifikant und Signifikat, d. h. es existiert eine Realbeziehung zwischen den Zeichen. Das Indexzeichen steht also als Folge des Bezeichneten: wenn ein Zeichen etwas indiziert, kann man aus dem Auftreten dieses Zeichens eine Ursache erschließen. Spuren und Abdrücke sind Indizes, da ein Kausalzusammenhang besteht (vgl. U. Volli, 2002: 36). Symbole stehen zwar ebenfalls in einer Beziehung zum Gegenstand, im Unterschied zum Index oder Ikon ist diese Beziehung jedoch durch Konventionen geprägt, weshalb das Symbol, im Gegensatz zu Index und Ikon, auch als arbiträrer Zeichentyp anzusehen ist. Die im Straßenverkehr gebrauchten Zeichen haben überwiegend symbolischen Charakter, da es beispielsweise nur auf einer Konvention beruht, bei der Farbe rot anzuhalten (vgl. U. Volli, 2002: 39f).
3 Das Kommunikationsmodell von Jakobson
3.1 Jakobsons Modell
Roman Osipovich Jakobson gehört zweifelsohne zu den einflussreichsten Linguisten seines Jahrhunderts und seine Arbeiten werden als ‚Klassiker der Semiotik’ bezeichnet, obwohl nur ein kleiner Teil seiner Arbeiten sich explizit mit der Semiotik befasst (vgl. W. Nöth, 2000: 103). Er hat sich vorwiegend in psychologischen Kategorien mit den Funktionen beschäftigt, die Sprache für den Menschen haben kann (vgl. Pelz (2000): 27). Aufbauend auf dem dreigliedrigen Organonmodell von Karl Bühler formulierte Jakobson ein Kommunikationsmodell, demzufolge an jeder sprachlichen Mitteilung sechs Faktoren beteiligt sind (vgl. Jakobson (1979): 88ff; Pelz (2000): 28ff).
Der Sender schickt eine Botschaft an einen Empfänger. Um wirksam sein zu können, benötigt die Botschaft einen Kontext, auf den sie sich bezieht. Dieser Kontext muss dem Empfänger zugänglich sein. Ferner gibt es einen Code, der vollständig oder zumindest teilweise dem Sender oder Empfänger gemeinsam sein muss. Schließlich ermöglicht ein Kontakt, ein physikalischer Kanal oder eine psychologische Verbindung zwischen Sender und Empfänger, dass beide in Verbindung treten und die Kommunikation aufrechterhalten können (vgl. Jakobson (1979): 88).
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3.2 Funktion und Geltungsanspruch
Das Modell von Jakobson ordnet jedem der sechs Fundamente, die Kommunikation ermöglichen, eine Funktion und einen Geltungsanspruch zu. Die referentielle Funktion umfasst den Bezug auf das sprachlich Vermittelte, den Inhalt bzw. die außersprachliche Wirklichkeit und den Kontext der Kommunikation. Sie ist identisch mit Bühlers Darstellungsfunktion. Der Geltungsanspruch der referentiellen Funktion ist Wahrheit. Besonders in der Nachrichtenwelt dominiert die referentielle Sprachfunktion, da sie meist außerordentlich kontextbezogen ist und es nahezu ausschließlich um die Vermittlung von Informationen geht. Die auf den Sender bezogene emotive oder expressive Funktion entspricht der Ausdrucksfunktion bei Bühlers Kommunikationsmodell. „Die Sprachäußerung drückt die Haltung des Senders gegenüber dem Gegenstand aus, seine Stimmung, seine innere Verfassung.“ (Pelz (2000): 29) Sie hat den Geltungsanspruch der Wahrhaftigkeit und der Aufrichtigkeit, da der Empfänger zu den vom Sender zum Ausdruck gebrachten Gefühlen Vertrauen haben sollte. Die Ausrichtung auf den Empfänger, die appellative (oder konative) Funktion, entspricht der Bühlerschen Appellfunktion. Sprache wird verwendet, um eine Aufforderung an den Empfänger zu richten, um bestimmte Verhaltens-, Einstellungs- oder Gefühlsmäßigkeiten bei ihm zu bewirken. Getragen wird die appellative Sprachfunktion durch den Vokativ und den Imperativ (vgl. Jakobson (1979): 90). Sie hat den Geltungsanspruch der Richtigkeit oder Normativität, da der Sprecher durch die Botschaft, eine bestimmte Verhaltens-, Einstellungs- oder Gefühlsmäßigkeit bei dem Empfänger zu bewirken versucht. Die Funktion, die sich z.B. in Aufmerksamkeitssignalen manifestiert, welche der Hörer an den Sender richtet, wird phatische Funktion der Sprache genannt (vgl. Jakobson (1974): 29). „Sie besteht im bloßen Kontakthalten mittels Sprache bzw. im Herstellen, Verlängern oder Unterbrechen eines sprachlichen Kontaktes.“ (Pelz (2000): 29. Small talk zählt nach Jakobson beispielsweise zur phatischen Funktion, also Gespräche, die so routiniert sind, dass sie letztendlich (referentiell gesehen) ‚inhaltsleer’ sind (vgl. Pelz (2000): 30, Auer (1999): 35). Diese Funktion ist vermutlich in der Entwicklungsgeschichte des Menschen wie auch in der Entwicklung des Einzellebewesens die älteste. Bei Kleinkindern lässt sich diese Feststellung beim Spracherwerb bestätigen: Sie möchten Kontakt herstellen, bevor sie Informationen senden oder empfangen können (vgl. Pelz (1978): 28). Der Geltungsanspruch der phatischen Funktion ist neben dem bloßen Kontaktherstellen oder -halten auch die Gleichheit zwischen Sender und
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Margret Jonas, 2006, Semiotik und Kommunikation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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