Inhaltsverzeichnis
1TRANSFORMATION I MPOSSIBLE? / EINLEITUNG I 3
1.1Das Analyse Modell / Einleitung II 4
2 DIE T HEORIE DER T EXTANALYSE 5
2 1 T i e f e n s t r u k t u r i n R e l a t i o n z u r M i t t e l b a r k e i t 6
2.2 Oberflächenstruktur in Relation zur Erzählperspektive 7
2.3 Stanzels Typenkreis der Erzählsituationen 7
2 3 1 I c h E S 8
2 3 2 A u k t o r i a l e E S 8
2.3.3 personale ES 9
2.3.4 Konstituenten der Erzählsituationen und Typenkreis 9
3 TRANSFORMATIONSMODELL DER E RZÄHLSITUATIONEN FÜR
F ILMVERGLEICH 11
3 1 Z u r T i e f e n s t r u k t u r T r a n s f o r m a t i o n i m F i l m 12
3.2 Filmische Gestaltungsmittel im ES Bezug 14
3.2.1 Kinematographische Konnotationen 14
3.2.1 attached und detached camera als Dichotomie der
K a m e r a f ü h r u n g 15
3.2.2 Gestaltung im Schnitt 17
3 2 3 S y n t a g m e n i n E S K o n t e x t 17
3.2.4 Vereinigung der Gestaltungsmittel in Filmsprachen 18
3.3 Besonderheit der Ich-ES und Übersicht der filmischen ES 18
4 MEDIENVERGLEICH T RAINSPOTTING 21
4 1 D e r R o m a n T r a i n s p o t t i n g 21
4 2 D e r F i l m T r a i n s p o t t i n g 26
5 SCHLUSSBEMERKUNGEN 31
6 LITERATURVERZEICHNIS 32
1Transformation Impossible? / Einleitung I
Trainspotting kann niemals verfilmt werden. Sagt wer? Sagt John Hodge. Drei Jahre nach dieser Feststellung kommt der Film Trainspotting in die Kinos. Hat wer mit verfilmt? Hat John Hodge.
Bevor wir Hodge selbst die Gelegenheit geben nicht als Lügner und Drehbuchautor in unserer Erinnerung zu verbleiben, möchte ich eine Information seiner Aussage beleuchten. Nicht jeder Film kann verfilmt werden. Warum? Ist es die von Literaturwissenschaftlern leidenschaftlich den vorherrschenden Adaptoren entgegen geschmetterte „Werktreue“? Eigentlich hat sich ja gezeigt das freie Adaptionen häufig eher die Qualitäten ihrer Vorlagen vermitteln als „werktreue“ Verfilmungen ohne jegliche Abweichung. In Wahrheit wurden unter Betrachtung der Werktreue oft kaum objektivierbare Aussagen und Wertungen getroffen, die eine Basis zur Erörterung vergleichbarer Kriterien vermissen ließ. 1
Einen mit viel Spannung verfolgten Weg zu unserer Frage ging die Semiotik. Schanze konstatiert, dass das Problem des Verhältnisses von Film und Vorlage im Wesentlichen ein semiotisches ist. Er führt aus wie zwischen dem digitalen Kode der Vorlage und dem analogen Kode des bewegten Bildes ein Transformationsprozess stattfindet der als „Verfilmung“ bezeichnet werden kann. 2
Das dies die Materie aber nicht in ausschöpfenden Maße beschreiben kann, fasst Nerlich in einer ganzen Abhandlung seiner „Kritik an semiotischen Theorien und Modellen“ ab und Werner Faulstich stellt zu 'schlechter' letzt gar fest: „Soweit Filmsemiotik sinnvoll und verständlich ist, ist sie banal“ 3
1 Vgl. Gießenfeld 1991 S.275ff.
2 vgl. Schanze S. 281-290
3 Faulstich S.55
An dieser ernüchternden Stelle möchte ich endlich John Hodge zu Wort kommen lassen. Auf die Frage warum Trainspotting unverfilmbar ist antwortet er:
“1. It is a collection of loosely related short stories about several different characters.
Only towards the end does it take on a continuous narrative form.
2. The characters, each with a distinctive voice, are defined by internal monologue as much as anything, and the language is uncompromisingly specific to a time and place”
John Hodge 1996 S.9
In der Essenz sieht Hodge also die hauptsächliche Problemstellung in der schwierigen Erzählstruktur und der Vielfalt an Individueller Darstellung mit den medienspezifischen Eigenheiten. Um induktiv zu schließen: Trainspotting wurde verfilmt, also können diese Probleme der Erzählstruktur und die Erdrückende Masse an Inneren Monologen anscheinend gelöst werden. Das thematisiert vorliegende Arbeit.
1.1Das Analyse Modell / Einleitung II
Die beste Analyse schien mir, die vom Drehbuchautor zu bewältigenden Punkte zu untersuchen. Diese Arbeit geht deshalb auf die Erzählstrukturen von Mittelbarkeit und Erzählsituation ein um damit die jeweiligen medienspezifischen narrativen Gestaltungen auf eine Werteebene zu bringen. Stanzels Modell der Erzählsituationen in Verbindung mit Hursts vergleichendem Modell schien mir eine gute Basis zu bieten.
Angefangen bei der Tiefenstruktur um quasi die Qualität vom „Ton des Töpfers“ zu erfassen taste ich mich weiter zur Realisierung in Irving Welsh’s Roman Trainspotting. Auf Basis der dann erörterten Erzählsituationen wird ein Vergleich der Strukturen, zusammen mit der Adaption des narrativen Modus zeigen inwiefern eine vergleichbare Adaption in qualitativen und objektiv vergleichbaren Kriterien im Film stattgefunden hat.
2 Die Theorie der Textanalyse
„Tiefenstruktur beinhaltet(…) den Stoff als ungeformte Idee und (…) alle anderen Faktoren und Prozesse (…) die mit dem Akt des Schreibens zusammenhängen(..)“ 4
Wie wir nachher sehen werden ist dies ein nicht zu vernachlässigbarer Punkt für die Mittelbarkeit und damit der Erzählperspektive. In Trainspotting haben wir relativ offensichtliche Oberbegriffe,
wie z.B. Drogen, die aber in Ihrer komplexen Vernetzung im Gesamtstoff denotativ nicht mehr dem Gesamtbild gerecht werden. Darum habe ich aus dem am häufigsten thematisierten journalistischen und wissenschaftlichen Diskursen sowie Autorenkommentaren eine Begriffsauswahl summiert, die kurz erläutert werden soll.
Lebensentwürfe
„ Trainspotting" heißt soviel wie Züge gucken - am Gleis oder auf der Brücke stehen und den vorbeirauschenden Loks hinterherschauen. Wie den verpassten Chancen auf ein anderes Leben.“ 5 Was für ein Lebensentwurf, mit seinen Intentionen, Wünschen und Träumen, ist aber erstrebenswert?
4 vgl. Stanzel 1989, S.31ff
5 www.av-filme.de Barthelmy dpa
Als Determinanten dafür kann man Zugehörigkeit (Nationalität, Gruppe, Wohnort) und Drogenakzeptanz nennen. 6
Individuation
Trainspotting erzählt seine Geschichte primär nicht in der Prämisse das Drogensüchtige bemitleidenswert und Opfer wären wie es häufig in Literatur dargestellt wird. Irving Welsh zeigt aber wie verschiedene Charaktere ihren Weg finden oder verlieren mit und ohne Drogen. Beeinflusst werden sie darin von Loyalität eines Kollektiv-Individuums und der Drogensucht als negative Identität zur Kontrolle über eine Lebenssituation, die zur Verfügung stehende positive Identitätselemente sich einander ausschließen lässt. 7
Anhand dieser Vernetzung der Tiefenstruktur der Vorlage muss sich auch die Adaption messen, aber zunächst möchte ich die er-zähltheoretischen Konsequenzen weiterführen.
2.1 Tiefenstruktur in Relation zur Mittelbarkeit
Die Unterscheidung zwischen Autor und Erzähler ist heutzutage nahezu anerkannt. 8
Daraus konnte man ableiten das der Narrator gleichzeitig zum Vermittler der Geschichte, aber auch als Person zur Maßeinheit der Mittelbarkeit dieser wird. Mittelbarkeit zeigt sich laut Füger sogar als konstitutives Element der Epik womit sie auch zum Strukturelement der Erzähltheorie wird und damit unsere Aufmerksamkeit hat.
6 vgl. Filmverstehen, König, S. 9-13
7 vgl. Ebd., S. 19
8 Stanzel 1989, S.27
Die Transformation des Stoffes ( Tiefenstruktur ) in ein literarisches Werk ist die künstlerische Aufgabe des Autors dazu braucht er eine Form der Präsentation. Diese Form ist die Erzählerfigur, die wie oben erläutert damit die Mittelbarkeit zum entscheidenden Faktor der Stoffformung konstituiert. . 9
2.2 Oberflächenstruktur in Relation zur Erzähl-
perspektive
Laut Andreotti ist die Oberflächenstruktur der abgeschlossene, vorliegende Erzähltext. Sie ist vollständig von der Erzählperspektive bestimmt. Angenommen der Autor wählt verschiedene Erzählfiguren aus, so bestimmt er damit zwei verschiedene Oberflächenstrukturen. 10 Diese können in Fall von Thomas Mann’s Zauberberg ineinander verwoben, oder wie in Trainspotting Welshs episodisch sein.
2.3 Stanzels Typenkreis der Erzählsituationen
Basierend mit den vorhergegangenen Erläuterungen zur Bedeutung von Mittelbarkeit und ihrer tonangebenden Gestaltung der Erzählperspektive, kann diese jetzt analysiert werden. Stanzel formuliert drei idealtypische Erzählsituationen (ES) in seiner umfassenden Theorie des Erzählens. Die Ich-ES, die auktoriale ES, und die personale ES. (Erzähltheorie, Hurst, S.23)
9 Hurst 1996, S.18-21
10 vgl. Ebd., S.20
2.3.1 Ich-ES
Die Ich-ES ist wie keine andere in der Erzählwelt integriert. Ihre Perspektive ist häufig stark eingeschränkt und mit der fiktiven Welt vernetzt. Es besteht volle Identität mit der Welt der Charaktere und der Welt des Erzählers, in der Idealtypischen Konstitution des Ich-ES. Herauszuheben ist allerdings dabei der Unterschied zwischen erzählendem Ich und erlebten Ich. 11
In Bernard Cornwells Warlord 12 Zyklen berichtet der gealterte Dwerfel auto- biographisch zurückblickend von seinen Erlebnissen. Dabei kommt eine Dipole Lese-Wahrnehmung zustande. In-formationen werden von einem erlebenden Ich mit geringen Bewußtheitsgrad und von dem erzählenden Ich mit dem höheren Bewußtheitsgrad kommentiert. Abhängig von der räumlichen und zeitlichen Distanz verstärkt das den Spannungsgrad. 13
2.3.2 Auktoriale ES
Keine räumlichen oder zeitlichen Grenzen kennt der Erzähler dieser ES. Da er kein Teil der fiktiven Welt ist, sondern ungebundener Beobachter mit unbegrenzten Wissen und Verständnis über die fiktive Welt hinaus. 14
11 vgl. Ebd. S.24
12 Cornwell, Der Winterkönig
13 vgl. Ebd.S.24
14 vgl. Ebd.S.25
2.3.3 personale ES
Besonderheit der personalen ES ist es eine Reflektorfigur als Ersatz für den Erzähler zu stellen. Eine Illusion der Unmittelbarkeit wird hergestellt, der Reflektor erzählt nicht das Geschehen sondern vermittelt den Leser den Eindruck die Fiktive Welt aus der Sicht des Reflektors zu erleben und zu sehen. Verstärkt wird dies durch erlebte Rede und Inneren Monolog. 15
2.3.4 Konstituenten der Erzählsituationen und Typenkreis
Eben benannte Erzählsituationen bezeichnen eine spezifische Situation. Die der literarischen Praxis oft nur ungenügend gegenübersteht. Um ein fließendere, graduellere Abgrenzung zu finden ordnet Stanzel deshalb die ES bestimmten Konstituenten zu, und zwar Person, Perspektive und Modus. 16 Jede Konstituente liegt zwischen zwei Polen und schiebt sich so den idealtypischen ES näher bzw. entfernter hin.
Hier entspricht das extrem der Identität der Seinsbereiche der Ich-ES, die Gegensituation ( Auktoriale ES ) wird aber maßgeblich von der zweiten Konstituente bestimmt liegt also in einem Zwischenbereich.
15 vgl. Ebd.S.25
16 Stanzel 1989 S.70ff
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Gideon Koman, 2004, Trainspotting can never be a film! - Analyse der Erzählstruktur des Films und Romans in ihrer Bedeutung zur Tiefenstruktur Umsetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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