Universität Karlsruhe (TH), Institut für Literaturwissenschaft
Proseminar: Lyrik: Interpretationen
5. Semester
Lyrik: Interpretationen
von: Daniela Wuest
Interpretationen
I. Andreas Gryphius (1618-1664): „Einsamkeit“
II. Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1616-1679): „Vergänglichkeit“
III. J. W. Goethe (1749-1782): „Willkommen und Abschied“
I. Andreas Gryphius (1618-1664): Einsamkeit
Allgemeines zur Lyrik des Barock:
a) Hintergrund:
- Dreißigjähriger Krieg - stark religiöse Prägung der Epoche - Glaubensspaltung
- Gegenreformation - Rückgang des Gefühls politischer zu Gunsten konfessioneller Zusammengehörigkeit - Überfremdung durch zahlreiche ausländische Einflüsse Deutschland:
- Mischung von Imperium und föderativem Staat - Adel wird von den Landesfürsten abhängig
- Lebensgefühl zwischen Freude am Leben (»carpe diem«) und Vergänglichkeit (»memento mori«), zwischen Genuss und Askese, zwischen Sein und Schein.
b) Anforderungen:
- Barocke Ästhetik zeigt sich in der enormen Gespanntheit, losgelöst vom Individuellen, gebannt in die Objektivität der Form;
- Erfahrung muß unter allen Umständen gelehrt sein, Beherrschung des technisch Könnens in Bezug auf Aufbau, Metrik, Metaphorik, Emblematik;
- Hauptvertreter war Andreas Gryphius;
c) Formtypologische Elemente:
Die barocke Lyrik bevorzugt bestimmte Wort-, Satz-, Gedanken- und Klangfiguren. Dabei ist man der Überzeugung, dass sich die deutsche Sprache nur dann für Lyrik eigne, wenn sie metaphorische Verzierungen aufweise.
• Topos: meist aus der Antike stammendes inhaltliches Motiv oder literarische Formel die in der literarischen Tradition weiterlebt.
• Metapher: (bildliche Übertragung); für die barocke Lyrik besonders typisch. Kreisend abwandelnde Worthäufung (Amplifikation): kunstvolle Erweiterung bzw. Aufschwellung einer Aussage durch wiederholende Abwandlung und Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten oder - perspektiven (z.B. Schönheit der Geliebten). „ Ein Gedicht ′läuft nicht ab′, indem es auf mehreren Stationen der Bewegung innehält, sondern es ′kreist′.“ (Braak 1979, S.30). Dieses Umkreisen kann als ein Versuch angesehen werden, „die Vielfalt der Phänomene zu erfassen, die den Menschen umgeben [...] ist aber auch ein Suchen nach dem rechten Wort, dem rechten Abbild und Spiegel [...] Niemals ist eine sprachliche Erscheinung nur Spiel im Barock, niemals nur Äußerliches, immer spielt das Innerliche mit.“
• Unverbundene Worthäufung: Asyndetische, d.h. ohne verknüpfende Konjunktionen erfolgende Reihung von Substantiven (Nomen); barocke Vorliebe für den Nominalstil.
• Korrespondierende Worthäufung: Beleg für die barocke Neigung, Beziehungen herzustellen und auch ein lyrisches Werk einer logischen Ordnung zu unterwerfen. Dies geschieht häufig dadurch, dass in den Schlussversen jene Begriffe, Gegenstände oder Bilder noch einmal in unverbundener Weise, aber in jenen genau entsprechender Zahl wieder aufgezählt werden.
• Anaphorische Häufung: Eindringliche wirkende Wiederholung des Anfangs eines jeden Verses (Anapher).
• Parallelenhäufung: Häufig in Verbindung mit der anaphorischen Häufung; ein Zentralpunkt oder das zentrale Thema steht als Anapher immer zu Beginn des Verses und wird dann in den verschiedenen Zeilen variiert, d.h. von verschiedenen Seiten beleuchtet.
• Antithesenhäufung (Antithese): Besonders im Alexandrinervers mit seinen zwei Hälften (Mittelzäsur nach der 3. Hebung) vorkommende Gegenüberstellung von These und Antithese, die in der barocken Gedankenlyrik der Polarität der Dinge und Gedanken Ausdruck verleiht.
• Hyperbolisches Sprechen (Hyperbel): Ausdruck virtuoser Sprachkunst im Barock bei der Lob- und Preisdichtung zum Ruhm des Herrschers oder zum Lobpreis der Geliebten; in der Literaturepoche der Aufklärung von Gottsched als „Schwulst“ abgewertet.
• Pointe: Hinzielen barocker Lyrik auf einen überraschenden Schluss vor allem im Epigramm, aber auch bei Sonetten vorkommend.
• Periphrase: Umschreibung einer Person, einer Sache oder eines Begriffes durch Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen, die es kennzeichnen.
• Invokation: literarischer Topos; Hilfe und Rat bei höheren Mächten suchende Wendung; z. B. in der Dichtung die Anrufung der Musen, der Götter oder Gottes; oft auch Mittel, um Häufungen nachdrücklicher und intensiver zu machen.
• Concetto: Wortspiele, die mit kühnen Vergleichen und Metaphern auf die Spitze getrieben werden und als besonders geistreich, witzig erscheinen sollen; später als Schwulst abgewertet.
d) Zur Biographie:
[...]
Arbeit zitieren:
Daniela Wuest, 2004, Lyrik: Interpretationen, München, GRIN Verlag GmbH
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Deutsche Lyrik vom Barock bis zur Goethezeit. Interpretationen
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