Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Walther und seine Zeit. 4
2.1. Biographische Daten 4
2.1.1. Der einzige, außerliterarische Beweis 6
2.1.3. Die Standesfrage 8
2.1.4. Der Ursprung des Namens 10
2.2. Walther und die Politik 11
2.2.1. Das politische Umfeld. 11
2.2.2. Der politische Charakter Walthers 12
2.3. Die politische Dichtung. 14
2.3.1. Begrenzungen der politischen Dichtung 14
3. Darstellung der politischen Absichten Walthers. 15
3.1. Der erste Reichsspruch. 15
3.2. Der zweite Reichsspruch. 17
3.3. Der dritte Reichsspruch. 19
4. Zusammenfassung 22
5. Verwendete Literatur 23
5.1. Primärliteratur 23
5.2. Sekundärliteratur 23
2
1. Einleitung
Im Folgenden werden die politischen Aussagen Walthers von der Vogelweide unter Berücksichtigung der historischen Umstände dargelegt. Zunächst musste ich mich natürlich über die politischen Ereignisse zur Zeit Walthers und über sein Leben informieren, bevor ich mich den politischen Sprüchen zuwenden konnte. Auf diese beiden Punkte gehe ich daher im ersten Teil meiner Arbeit ein, da sie die Grundvoraussetzungen zum Verständnis der Sprüche Walthers bilden. Außerdem habe ich mich noch mit den Begrenzungen eines politischen Dichters beschäftigt, da dies wichtig ist, um Walthers Intention besser zu verstehen.
Zur Darstellung seiner politischen Aussagen in seinem Werk habe ich den Reichston ausgewählt, da alle drei Sprüche eine klare politische Stellung beziehen und inhaltlich eine überaus deutliche Einheit bilden. Die Sprüche spiegeln die für diese Arbeit wichtigen politischen Verhältnisse des Reichs um 1200 wider. Die Untersuchung des Reichstons auf seinen politischen Inhalt hin bildet somit den letzten und größten Teil meiner Arbeit. Im Laufe meiner Untersuchung komme ich insofern vom Allgemeinen auf das speziell Walther Betreffende.
Mittelhochdeutsche Ausdrücke und Zitate aus dem Reichston habe ich in meiner Arbeit kursiv geschrieben, um sie besser hervorzuheben.
3
2. Walther und seine Zeit
2.1. Biographische Daten
Die Lebenszeit von Walther von der Vogelweide wird in den Zeitraum von ungefähr 1170 bis nach 1228 datiert. 1 Walther selbst ist als Person nur einmal, für das Jahr 1203, urkundlich nachweislich belegt (siehe Punkt 2.1.1). Ein weiterer urkundlicher Beleg muss hypothetisch bleiben, da es an direkten biographischen Zeugnissen fehlt, um genaue Angaben über das Leben und die Person Walthers von der Vogelweide zu machen. Allerdings beziehen sich Walthers Spruchdichtungen auf historische Gestalten und deren - meist urkundlich fassbares -Wirken. Ebenfalls bringt Walther seine eigene Person in, für die damalige Zeit, sehr hohem Maße in seine Spruchdichtung ein. Die verschiedenen Stationen seines Lebens kann man also hauptsächlich an den Strophen festmachen, die Walther im Herrendienst verfasst hatte. 2 Allerdings lassen sich die Strophen mehr auf einen Zeitraum als auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen. Trotzdem kann man aufgrund des überlieferten Datenmaterials einen recht genauen zeitlichen Abriss von Walthers Lebensstationen erstellen: 3 Walther von der Vogelweide wurde um 1170 vermutlich in Niederösterreich geboren. Von 1190 bis 1198 lebte und arbeitete er unter Herzog Friedrich dem Katholischen am Wiener Hof der Babenberger und kam hier durch Reinmar von Hagenau zum Minnesang. Walther von der Vogelweide wurde Reinmar von Hagenaus Schüler und bewunderte er seinen Lehrer anfangs noch, wurde er später sein Erzrivale, die in der literarisch bezeugten „Reinmar-Walther-Fehde“ ihren Niederschlag fand. 1198 musste er dann nach dem Tod Herzog Friedrichs den Hof in Wien verlassen und als Wanderdichter seinen Lebensunterhalt verdienen, wobei er immer wieder an den Höfen deutscher Kaiser verweilte. In dieser Zeit veränderte und erweiterte sich sein Weltbild stark, was man schon allein daran erkennen kann, dass er die politische Spruchdichtung, die es so noch nicht in Deutschland gab, begann. Um 1200 hielt Walther sich des öfteren am Hofe Philipps von Schwaben auf und schrieb für ihn um 1202 den Philippston.
1 Bein, Thomas: Walther von der Vogelweide. Stuttgart: Reclam 1997 (= UB 17601). Seite: 32. (wird künftig
zitiert als Bein, Seite: 32).
2 Vgl. Scholz, Manfred Günter: Walther von der Vogelweide. 2., korrigierte und bibliographisch ergänzte
Auflage. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 2005 (= SM Bd. 316). Seite: 14. (wird künftig zitiert
als Scholz, Seite: 14)
3 Vgl. Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Stuttgart: Reclam 1997
(= UB 9485). Seite: 179-180.
4
Um 1203 hatte sich Walther bereits von Philipp gelöst und war im Gefolge des Bischofs Wolfger von Passau. Aus dieser Zeit stammt auch die einzige Urkunde, in der Walther erwähnt wird: der Bischof schenkte ihm einen größeren Geldbetrag zur Anfertigung eines Pelzmantels. Mit dem Bischof kam Walther auch kurzzeitig zurück nach Wien. Außerdem hielt er sich über längere Zeiträume am Hof des Thüringer Landgrafen, in Meißen und Bayern auf. Um 1211 wurde Walther dann vorübergehender Anhänger Ottos IV. und schrieb den Ottenton. Um 1212 löst sich Walther aber schon wieder von diesem. Um 1212 wurde Walther dann auch Anhänger Friedrichs II., an dessen Hof er sich von 1213 bis 1229 immer wieder aufhielt. Von Friedrich II. erhielt Walther um 1220, evtl. sogar aufgrund der so genannten Lehensbitte 4 (28,1) oder anderen Bittstrophen, sein Lehen, d.h. eine Bleibe, eine Immobilie oder ein Grundstück mit einem kleinen Haus. 5 Damit wurde sein ersehntes Lebensziel erfüllt. Nun reiste er weniger durch das Reich, da er nunmehr Friedrich als Lehnsherr verpflichtet war. Dennoch gibt es einige Quellen, die besagen, dass Walther auch noch nach Lehnensvergabe weiterhin Aufträge von anderen Fürsten annahm und somit die Zeit von 1220 bis zu seinem Tod folglich nicht an einem einzigen Ort verbrachte. 6 Schließlich bedankt sich Walther um 1220 bei seinem Gönner Friedrich II. für sein Lehen mit dem so genannten Lehensdank 7 (28,31), was seinem Wanderleben zumindest formal ein Ende bereitete. Um 1230 starb Walther, sein Grab befindet sich, nach einer aus dem Jahre 1350 stammenden Überlieferung von Michael de Leones Hausbuch und der Manuale, in Würzburg. 8 Walther war schon zu seinen Lebzeiten wohl bekannt, worauf insbesondere namentliche Erwähnungen in den Werken zeitgenössischer Dichterkollegen schließen lassen. Bedeutsam ist hierbei die Textstelle in Gottfried von Straßburgs ,Tristan’, der in seiner berühmten Dichterschau die Kunst der Lyriker hervorhebt. Er bezeichnet Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide als nahtegalen, also Nachtigallen, und bezieht sich damit wohl auf die besonderen Sangesqualitäten der Dichter. 9 Gottfried setzt seine Würdigung der Minnelyriker an eine besonders wichtige Stelle im Tristan an: nämlich bei der Schwerteleite Tristans, die über den absoluten Machtanspruch entscheidet, damit Tristan sein königliches Erbe von rechtswegen überhaupt antreten kann.
4 Walther von der Vogelweide. Werke Band 1: Spruchlyrik. Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch. Stuttgart:
Reclam 2005 (= UB 819). Seite: 126. (wird künftig zitiert als Walther von der Vogelweide, Seite: 126).
5 Vgl. Bein, Seite: 34-35.
6 Vgl. Scholz, Seite: 15; Vgl. auch Heger, Hedwig: Das Lebenszeugnis Walthers von der Vogelweide. Die
Reiserechnungen des Passauer Bischofs Wolfger von Erla. Mit 4 Tafeln und 3 Beilagen. Wien: Verlag A.
Schendl 1970. Seite: 226. (wird künftig zitiert als Heger, Seite: 226).
7 Walther von der Vogelweide, Seite: 128.
8 Vgl. Scholz, Seite: 16.
9 Vgl. Reichert, Hermann: Walther von der Vogelweide für Anfänger. 2., neu bearb. Aufl. Wien: WUV.-Verlag
1998. Seite: 27; 73. (wird künftig zitiert als Reichert, Seite: 27)
5
Eingebettet in diese inhaltlich wichtige Stelle erscheint die Huldigung an Walther damit unproportional erhöht. Gottfried würdigt Walther damit nämlich nicht nur als den größten lebenden Dichter nach dem Tode Hagenaus, sondern weist ihm auch einen besonderen Stellenwert in der Lebensgeschichte Tristans zu.
Walther wird ebenso bei Wolfram von Eschenbachs Parzival und Willehalm erwähnt. Dabei nennt ihn Wolfram in Vers 297,24 hêr Walther 11 und in Vers 286,19 hêr Vogelweid 12 was wiederum beweist, dass Walthers bereits zu Lebzeiten frühen Ruhm erlangte.
2.1.1. Der einzige, außerliterarische Beweis
Die einzige außerliterarische Notiz, die über einen bestimmten Zeitpunkt Auskunft über Walthers soziale und künstlerische Existenz gibt, stammt aus dem Jahre 1203. Dabei handelt es sich um eine Reinschrift der Reiserechnung des Bischofs Wolfger von Passau, dem späteren Patriarch von Aquileja, worin notiert steht, dass Walther von der Vogelweide am 12. November 1203 fünf lange Schillinge, d.h. 150 Denare (Silberpfennige), erhalten hat, um sich davon einen Pelzrock kaufen zu können: Sequenti die apud Zei[zemurum] Walthero cantori de vogelweide pro pellicio. v. sol. longos. 13 Außerdem existiert noch eine Kopie von der Reinschrift, die jedoch als Vorlage gedient haben soll und in einigen wenigen Punkten von der Reinschrift selbst abweicht. Nach Bein 14 erhält die Reinschrift im Vergleich zum Konzept der Rechnung besondere Vorteile:
10 Gottfried von Straßburg: Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Bd. 1, Hg., übersetzt und kommentiert
von R. Krohn. Reclam: Stuttgart 2003 (= UB 4471). Seite: 294.
11 Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung, Studienausgabe. 2. Aufl., Berlin/New York:
Walter de Gruyter 2003. Seite: 301.
12 Wolfram von Eschenbach: Willehalm. 3., durchges. Aufl. Text der Ausgabe von Werner Schröder,
Übersetzung, Vorwort u. Register von Dieter Kartschoke. Berlin/New York: Walter de Gruyter 2003. Seite: 185.
13 Heger, Seite: 208.
14 Vgl. Bein, Seite: 27.
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Arbeit zitieren:
Karoline Ehrlich, 2006, Walther von der Vogelweide. Politische Propaganda in der Sangspruchdichtung, München, GRIN Verlag GmbH
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