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Inhaltsverzeichnis
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Einleitung : Von der Wissensklufthypothese zum Digital Divide
I Die Wissensklufthypothese
1 Theoretische Grundlagen
1.1 Definition
1.2 Ursachen
1.3 Ausprägungen
1.4 Folgen
2 Empirische Wissenskluftforschung
2.1 Drei zu untersuchende Dimensionen von Wissensklüften
2.2 Erklärungsgrößten von Wissensklüften
2.3 Keine eindeutigen empirischen Ergebnisse
3 Kritik an der Wissenskluftforschung in Theorie und Praxis
3.1 Methodische Mängel
3.2 Frage nach Drittfaktoren
3.2.1 Defizittheorie vs. Differenztheorie
3.3 Sozioökonomische Wandlungen
II Digital Divide - Die Wissenskluft des 21. Jahrhunderts?
1.1 Definition: Digital Divide
1.2 Das Internet
1.2.1 Dienste und Anwendungen
1.2.2 Zwischenresümee
1.2.3 Allgemeiner Zugang - ein mehrschichtiges Problem
1.2.4 Zwischenresümee
1.2.5 Die Verbreitung des Internets in Deutschland
1.2.6 Nationale Initiativen zur Verbreitungsförderung
Schlussbetrachtung : Keine eindeutige Antwort
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Einleitung: Von der Wissensklufthypothese zum Digital Divide
Information technology, and the ability to use it and adapt it, is the critical factor in generation and accessing wealth, power, and knowledge in our time. (Castells, Manuel, 1996)
Der Soziologe Manuel Castells drückte mit diesen Worten den vorherrschenden Zeitgeist aus: In den Industriestaaten der Welt hat sich durch den immerzu fortschreitenden Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ein tief greifender struktureller Wandel ergeben. Das Proprium dieses Wandels ist, dass für das Erstreben und Erlangen von Reichtum und Macht die Information der ausschlaggebende Faktor ist. Eng damit verknüpft ist die Art und Weise, also wie man an Informationen gelangt und diese nutzt.
Nun gibt es aber die Befürchtung, dass aufgrund ungleicher Zugangsmöglichkeiten in modernen Informationsgesellschaften, insbesondere in Bezug auf das Internet, eine soziale Spaltung herbeigeführt wird. Dieses Phänomen wird allgemeinhin als Digital Divide bezeichnet und geht auf die ursprüngliche Theorie von der wachsenden Wissenskluft zurück.
Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Thema im Rahmen nationaler und internationaler Politik aufgegriffen worden.
Jedoch teilen längst nicht alle Forscher die Auffassung, dass Digital Divide ein Thema von großer gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Brisanz ist. Tatsächlich sind der Begriff und seine Auslegung nach wie vor umstritten.
Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, den Begriff der Digital Divide zugrunde liegenden Wissenskluft zu definieren, zu klären, warum und wie dieses Phänomen auftreten kann und warum es dem Demokratiebegriff widerspricht. Im Übrigen soll ein knapper Überblick über den Stand der empirischen Forschung und ihrer Probleme geboten werden. In einem zweiten Teil soll auf Digital Divide selbst eingegangen werden, bei dem das Spezifikum Internet im Mittelpunkt steht.
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In ihrem Verlauf und auch in der Schlussbetrachtung soll diese Hausarbeit zwei zentralen Fragen Rechnung tragen:
I Die Wissensklufthypothese 1. Theoretische Grundlagen 1.1 Definition: Wissenskluft
Im Jahr 1970 wurde von einer amerikanischen Forschergruppe an der Minnesota University, Phillip J. Tichenor, George A. Donohue und Clarice N. Olien (auch bekannt als die Minnesota-Gruppe), erstmals die Hypothese von der wachsenden Wissenskluft (Increasing Knowledge Gap Hypothesis) formuliert:
As the infusion of mass media information into a social system increases, segments of the population with higher socioeconomic status tend to acquire this information at a faster rate than the lower status segments, so that the gap in knowledge between these segments tends to increase rather than decrease. (Tichenor et al. 1970: 159)
Diese Behauptung erregte Aufsehen, zumal sie doch einen bislang in der Medienwirkungsforschung kaum berücksichtigten Zusammenhang zwischen den Faktoren formaler Bildung und Wissenserwerb herstellte. Damit läutete die These einen Paradigmenwechsel ein: Sie war eine „Abkehr von der Beschäftigung mit den einstellungsverändernden oder -stabilisierenden Effekten der Mediennutzung zugunsten der Untersuchung kognitiver Wirkungen“ (Horstmann 1991: 11).
schneller und effizienter zu nutzen und können sich so daraus Vorteile verschaffen. Das potentiell für alle zugängliche Medienangebot wird höchst unterschiedlich aufgenommen und genutzt. Tichenor, Donohue und Olien haben jedoch in ihrer Theorie unmissverständlich darauf hingewiesen, dass trotz dieser Wissensdivergenz in den unterschiedlichen Bevölkerungssegmenten alle von ihnen einen Informationszuwachs zu verzeichnen haben, die Unwissenden also nicht unwissend bleiben. Worauf es ankommt, ist das Tempo und die Qualität des Wissenszuwachses.
Besonders bei abstrakten und ich-fernen Themen besteht die Gefahr, dass diese Kluft zwischen den statusniedrigeren und -höheren Schichten sich vergrößert.
• Die Kurzzeiteffekte der Wissenskluft belaufen sich auf die Fähigkeit Höhergebildeter, von Ereignissen schneller Notiz zu nehmen als Personen mit tieferer Bildung.
• Mögliche Langzeiteffekte bestehen in einer sich verstärkenden Korrelation zwischen Bildung und Wissenstand - die Wissensklüfte verstärken sich mit der Zeit noch mehr. (vgl. Guntern 1997: http://visor.unibe.ch/media/summer97/970610.htm; Stand: 04.03.2006, 18:30)
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Der Grund für den unterschiedlichen Wissenszuwachs liegt im anders gearteten Rezeptionsverhalten bei unterschiedlichem Bildungsniveau: Mit steigender formaler Bildung nämlich werden Medien informationsorientierter, mit größerer Aufmerksamkeit und kompetenter in Anspruch genommen. Rezipienten hingegen mit tiefer anzusiedelndem Bildungsniveau tendieren eher zu einem Nutzungsmuster auf Basis von Unterhaltung.
„Aufgrund ihres umfassenderen Hintergrundwissens […] sind höher Gebildete auch besser in der Lage, jeweils die wesentliche Information aus den medienvermittelten Botschaften zu synthetisieren und diese in die bei ihnen schon bestehende kognitive Struktur zu bringen“ (Bonfadelli 1994: 135).
1.2 Ursachen
Es werden drei generelle Ursachen von Wissensklüften angenommen.
• Sozialisationsprozesse: Der Grundstein für Wissensklüfte wird oft schon in der Familie gelegt. Allgemein wird angenommen, dass Kinder niedrig gebildeter Eltern weniger lesen, was sich hemmend auf die langfristige Motivation, Bildung zu erfahren, auswirkt. Das Lesen nämlich, als „ihrem Wesen nach rationale Tätigkeit“ (Postman 2003: 68), fördert das kontextuelle Denken und führt zu qualitativ und quantitativ umfangreicheren Hintergrund- und Strukturwissen. Dieses vor allem in der Kindheit gesetzte Lernfundament erhöht die Aufmerksamkeit und erleichtert die Aufnahme neuer Informationen.
• Funktionsorientierte Mediennutzung: Wie bereits erwähnt, erhöht sich mit steigender Bildung die informationsorientierte Verwendung von Medien. Unterhaltung bzw. Zerstreuung steht immer weniger im Vordergrund.
• Relevante Kontakte: Statushöheren Schichten der Bevölkerung werden tendenziell mehr Kontakte zugedacht. Dies führt zu einem größeren Informationsfluss.
Arbeit zitieren:
Julian Wangler, 2006, Digital Divide - Die Frage nach der Wissenskluft im digitalen Zeitalter, München, GRIN Verlag GmbH
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