Erkl ärungsansätze für Bank Runs Bank Panics
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Begriffe 1
2 Modelle zur Erklärung des Phänomens Bank Run. 2
2.1 Der Bank Run als Sonnenflecken-Phänomen 2
2.1.1 Diamond und Dybvig (1983) 2
2.1.2 McCulloch und YU (1998) 4
2.1.3 Jacklin (1993) 5
2.1.4 Gangopadhyay and Singh (2000) 5
2.2 Der Bank Run nicht als Sunspot Event 6
2.2.1 Chari und Jaghanathan (1988) 7
2.2.2 Gontermann (2003) 7
3 Bankenpanik. 9
3.1 Vom Run zur Panik 9
3.2 Beispiele aus der Vergangenheit 10
4 Einrichtungen zur Vermeidung von Runs und Paniken 12
4.1 Einlagensicherung und Lender of last resort. 12
4.2 Bankenaufsicht 14
4.3 Weitere Sicherungsmittel 15
5 Volkswirtschaftliche Betrachtung des Phänomens 17
6 Schlussbemerkung. 19
Anhang 1: 20
Bank Run als Sunspot Event 20
Bank Run auf Grund adverser Information. 21
Anhang 2: 23
Literaturverzeichnis. 24
II
1 Einführung und Begriffe
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird versucht einen Einblick in das Phänomen eines Bank Runs oder einer Bank Panik zu geben. Entsprechend der Aufgabenstellung wird dabei der Schwerpunkt auf Erklärungsansätze für diese Erscheinungen gelegt. Dabei wird an Hand verschiedener Modelle aufgezeigt, wie Bank Runs entstehen können und es werden auch einige Ansätze vorgestellt, die eine Ausweitung auf eine Panik behandeln. Angesprochen werden danach auch einige konkrete Beispiele von Bankenkrisen um zu verdeutlichen, dass es sich hierbei nicht nur um ein theoretisches Konstrukt handelt, das keine Entsprechung in der Realität findet. Danach folgt dann die Vorstellung und Erklärung einiger Einrichtungen, die zur Vermeidung von solchen Krisen entwickelt wurden. Zum Abschluss wird noch kurz auf die Fragestellung eingegangen, ob und inwieweit es ökonomisch sinnvoll ist Bank Runs und Bank Paniken zu verhindern.
Von einem Bank Run spricht man immer dann, wenn viele oder alle Einleger einer einzelnen Geschäftsbank in kurzer Zeit ihre Einlagen in Primärgeld umwandeln wollen. Überträgt sich ein solcher Run auf mehrere Geschäftsbanken, spricht man von einer Bankenpanik. Bank Runs sind bekannte Erscheinungen und haben bei Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit immer wieder eine bedeutende Rolle gespielt. 1
Wegen den enormen wirtschaftlichen Auswirkungen die solche Runs und eventuell dadurch ausgelöste Paniken haben, existieren eine Vielzahl von Arbeiten und Modellen, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen und Möglichkeiten zur Vermeidung solcher Events aufzeigen. Traditionell bestehen zwei ganz gegenteilige Hauptansätze, die zur Erklärung dienen: Sunspots (Sonnenflecken) und reale Konjunkturzyklen. Es gibt aber auch Modelle die diese Ansätze in verschiedenen Gewichtungen vermischen, oder davon etwas abweichen. In den Abschnitten 2 und 3 wird eine Auswahl von Modellen und Erklärungsansätzen vorgestellt. Dabei wird jenes von Diamond und Dybvig ausführlich behandelt. Bei allen übrigen Modellen werden dann nur noch die Abweichungen, Ergänzungen oder Verfeinerungen von diesem betrachtet.
1 vgl. Diamond/Dybvig (2000), S. 15
1
2 Modelle zur Erklärung des Phänomens Bank Run
2.1 Der Bank Run als Sonnenflecken-Phänomen
Ein Bank Run im traditionellen Sinn wird beschrieben als ein Sonnenflecken-Phänomen „Sunspot Event“, in dem der größte Teil der Anleger (Sparer, Depositäre) der Bank ihr Geld gleichzeitig abheben wollen. 2 Dabei wird der Abzug der Einlagen nicht als eine Reaktion auf Informationen über eine schlechte Ertragsentwicklung oder ganz allgemein über den Zustand der Bank verstanden, sondern er wird ohne besonderen Anlass, allein durch sich verändernde Erwartungen - können sich durch alle möglichen Gründe verändern - der Anleger, ausgelöst. Ein Bank Run kann in diesem Sinne als eine sich selbsterfüllende pessimistische Erwartung der Anleger gesehen werden. 3
2.1.1 Diamond und Dybvig (1983)
Die wohl am häufigsten zitierten Vertreter der Sonnenfleckentheorie sind Diamond and Dybvig (in der Folge DD genannt). Sie betrachten eine Ökonomie mit ex ante identischen Haushalten, die alle mit einer Einheit eines homogenen Gutes ausgestattet sind. Ihr Modell hat 3 Perioden (T = 0,1,2). Als erstes zeigen sie, dass es durch Sichtgeldeinlagen bei Banken zu einer im Vergleich mit dem einfachen Güter-Tauschmarkt überlegenen Allokation kommt. Sie gehen dabei davon aus, dass Investitionen in einen risikolosen Produktionsprozess erst in der zweiten Periode Erträge abwerfen. Liquidiert ein Haushalt seine Investition schon in Periode 1, dann bekommt er lediglich seine Investition (hier 1 GE) zurück. Kann er dagegen mit seinem Konsum (c) bis zum Ablauf in Periode 2 warten, dann erhält er mehr als seine Investition (nämlich R) zurück. Es gilt, dass ein Haushalt, der allein - soll heißen: er keinen Finanzintermediär in Anspruch nehmen kann - auf sich gestellt wäre, nur die Möglichkeit hat entweder = = = = R c c oder c c , 0 0 , 1 ) 2 ( ) 1 ( ) 1 ( ) 1 (
2 2 2 1
zu wählen 4
2 vgl. Bubb/Zimmermann (2004), S. 6 und Gontermann (2003), S. 1
3 Gontermann (2003), S. 1
4 vgl. Diamond/Dybvig (2000), S. 16f
2
DD führen weiter aus, dass die Haushalte unvorhersehbaren Konsumschocks ausgesetzt sein können, die sie dazu zwingen, ihre Investitionen in die langfristigen Projekte (bis in Periode 2) vorzeitig zu liquidieren. Da die Haushalte Risikoavers sind, sind sie an einer Versicherung gegen einen evt. überraschenden Liquiditätsbedarf interessiert. Wegen asymmetrischen Informationen und fehlenden Informationen aber ist ein traditioneller Versicherungskontrakt ausgeschlossen. Die Informationsasymmetrie ergibt sich deshalb, weil die betrachteten Haushalte jeweils in T = 0 selbst noch nicht wissen, ob sie früh (in T = 1 und damit ein Typ 1 Haushalt sind) oder spät (in T = 2 und damit ein Typ 2 Haushalt sind) konsumieren wollen bzw. müssen. Das erfahren sie selbst erst in Periode 1. Unter diesen Vorraussetzungen bietet sich die Zwischenschaltung eines risikoneutralen Finanzintermediärs an, der sowohl die Absicherung gegen solche Schocks anbietet als auch die Gelder der Sparer annimmt, und der dann den optimalen Betrag pro Haushalt langfristig investiert. 5 Die Bank bietet allen Sparern Einlageverträge mit einer fixen Auszahlung in Periode 1 pro in Periode 0 angelegter Einheit an. Dadurch kann der > 1 r
1
einzelne Haushalt seinen Nutzen steigern, weil ja c reduziert und c erhöht wird. Im ) 1 ( ) 2 (
1 2
. 6 < > Wohlfahrtsoptimum gilt somit: R c und c 1 ) 2 ( ) 1 (
2 1
Sind nun einige Haushalte gezwungen schon in T = 1 ihre Einlagen abzuziehen, so können sie dies kurzfristig bei der Bank, die die entsprechende Investitionen liquidiert und die Einlagen sequentiell zurückzahlt. DD kommen dann zum Ergebnis, dass ein solcher Einlagenvertrag ein Nash-Gleichgewicht darstellt, das einer optimalen Risikoverteilung unter vollständiger Information entspricht und daher der Marktlösung überlegen ist. In diesem effizienten Gleichgewicht verfügen alle Haushalte, die warten können, erst in Periode 2 über ihre Einlagen, sodass die optimalen Auszahlungen erreicht werden. Gleichzeitig existiert aber noch ein zweites unerwünschtes Gleichgewicht; nämlich ein Bank Run. In diesem ineffizienten Gleichgewicht versuchen auch die Haushalte die es sich leisten könnten zu warten ihre Einlagen schon in Periode 1 abzuziehen. 7 Dies geschieht deshalb, da ja die Kunden sequentiell (sequential service constraint), d.h. in der Reihenfolge ihres Eintreffens in die Bank bedient werden müssen.
5 vgl. Diamond/Dybvig (2000), S. 16f und Gontermann (2003), S. 2
6 vgl. Uni Heidelberg (2004), S. 15 u 18
7 vgl. Diamond/Dybvig (2000), S. 17f und Gontermann (2003), S. 2
3
Daraus folgt aber, dass wenn alles abgehoben ist, was die Bank zur Verfügung hat, der Rest der Kunden leer ausgeht, weil ja der Nennwert der Einlagen im Falle eines vorzeitigen Abzugs größer ist (nämlich r pro Haushalt) als der Liquidationswert der Investitionen (nämlich 1 pro Haushalt - da ja wie oben erwähnt Erträge erst langfristig erzielt werden). Wenn nun in Periode 1 jeder glaubt, dass alle anderen Sparer ihre Einlagen abheben werden, dann ist es optimal zu versuchen seine eigene Anlage auch abzuziehen um später nicht leer auszugehen und gar nichts mehr zu erhalten. Durch diese veränderten Erwartungen entwickelt sich dann ein Bank Run. Die Funktion der Bank illiquide Assets (hier Investitionen) bei Bedarf sehr rasch in liquide Mittel transferieren zu können ist somit gleichzeitig der Grund für die Existenz des Finanzintermediärs als auch für seine Anfälligkeit auf einen Run. 8 Zur Veranschaulichung Bsp. in Anhang 1. Da das Run Gleichgewicht für die betrachtete Ökonomie Wohlfahrtseinbußen zur Folge hat, weil ja an sich profitable Investitionsprojekte unter Kosten vorzeitig abgebrochen werden müssen, soll es verhindert werden. 9 DD führen in diesem Zusammenhang einige Vorschläge an, die in Abschnitt 4 dargestellt und besprochen werden.
2.1.2 McCulloch und YU (1998)
McCulloch und YU (in der Folge MY) bauen auf dem Modell von DD auf. Auch für sie ist ein Bank Run ein „Sunspot Event“. Sie bezeichnen aber den Versuch ein solches Event mit Hilfe der staatlichen Einlagensicherung verhindern zu wollen als unnötig. 10 Als Begründung für diese Aussage führen sie an, dass das grundlegende Problem bei der nachträglichen Bestimmung des Steuersatzes - denn dieser hängt ja wie von DD vorgeschlagen wird, von der Anzahl der Depositäre ab, die ihr Geld vorzeitig abziehen (siehe dazu Punkt 4.1) - und damit der Steuerhöhe liegt darin, dass jene Haushalte, die in schon in Periode 1 ihre Einlage abziehen oder abziehen müssen mit ihrem Konsum bzw. einem Teil ihres Konsums warten müssen, bis der Staat die Höhe der Steuerbelastung festgesetzt und ihnen die Vorschreibung zugestellt hat.
8 vgl. Diamond/Dybvig (2000), S. 16 - 18
9 Gontermann (2003), S. 2
10 vgl. Gangopadhyay/Singh (2000) S. 627f
4
Nach Ansicht von MY ein nicht gerade einfach zu praktizierende Methode. 11
Als Lösung für dieses Problem bieten MY in ihrem Modell ein Bonus System (Details siehe Punkt 4.3) an.
2.1.3 Jacklin (1993)
Jacklin modifiziert das Modell von DD und zeigt, dass der Nutzen den eine staatliche Einlagensicherung stiftet auch durch ein Unternehmen erreicht wird, das handelbare Wertpapiere (Aktien) ausgibt. In Jacklins Modell tritt also nicht nur die Bank mit ihren Einlegern in eine Vertragsbeziehung ein, sondern auch die AG mit ihren Investoren (Banken). Sie zahlt allen Investoren am Ende von Periode 1 eine Dividende aus oder erlaubt ihnen ihren Anspruch auf eine Dividende gegen Aktien bis zum Ende von Periode 2 zu tauschen. Auf diese Weise können alle Anleger denen der Konsum ausschließlich in T = 1 Nutzen stiftet auch zu diesem Zeitpunkt konsumieren, da sich die Bank als Investor nur jenen Anteil der Dividenden ausbezahlen lässt, den sie benötigt um die vorzeitigen Aussteiger auszuzahlen. Dagegen werden die Ansprüche der restlichen Sparer gegen die zurückgekauften Aktien der Typ 1 Haushalte getauscht und erst am Ende in T = 2 wird der gesamte Betrag ausbezahlt. Auch auf diese Weise wird eine optimale Risikoallokation erreicht. 12
Bei diesem Modell besteht die Aufgabe des Gesetzgebers zur Vermeidung des Run Gleichgewichtes lediglich darin sicherzustellen, dass die privatrechtlichen Vereinbarungen der Vertragsparteien auch eingehalten werden (Siehe Punkt 4.3).
2.1.4 Gangopadhyay and Singh (2000)
Gangopadhyay und Singh (GS) erweitern das Modell von DD und lassen auch Einflüsse von Jacklin erkennen. Sie gehen davon aus, dass es nicht nur risikoaverse Haushalte gibt sondern auch solche, die Risikoneutral sind. Weiters erlauben sie den Banken, ihren Kunden in T = 0 sowohl Sparverträge als auch Aktien anzubieten. Die Aktien sind dabei Langzeit assets, d.h. nicht
11 vgl. McCulloch/Yu (1998), S. 145 - 147
12 vgl. Gangopadhyay/Singh (2000) S. 628f
5
Arbeit zitieren:
Mag. Johannes Bartl, 2005, Erklärungsansätze für Bank Runs und Bank Panics, München, GRIN Verlag GmbH
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