SKRIPT: EXPRESSIONISISCHES DRAMA
GESCHICHTLICHER HINTERGRUND 1
DAS EXPRESSIONISTISCHE PROGRAMM 4
STRUKTURMERKMALE UND MOTIVE DES EXPRESSIONISTISCHE DRAMAS 6
KATEGORIEN DES EXPRESSIONISTISCHEN DRAMAS 15
CARL STERNHEIM 16
Literatur: 17
GESCHICHTLICHER HINTERGRUND
Die Frage nach dem Wesen des Expressionismus lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Bereits die zeitliche Einordnung ist strittig. Viele Literaturwissenschaftler definieren ein expressionistisches Jahrzehnt von ca. 1910 bis 1920. Andere datieren das Ende des Expressionismus dagegen auf ca. 1925, da viele der großen Anthologien und auch Gesamtausgaben expressionistischer Dichter erst zu Beginn der 30er Jahre veröffentlicht werden.
Geistesgeschichtlich ist der Expressionismus eine Reaktion der jungen Dichter gegen Naturalismus, Impressionismus, Neuromantik und Symbolismus. · Expressionisten wollen den Ausdruck des Innen künstlerisch wiedergeben. Einen Anhaltspunkt für die Definition des Expressionismus bietet Kurt Pinthus 1919 und fasst darin den Expressionismus als problemgeschichtliches Phänomen auf. Er ist der ,,künstlerische Ausdruck und zugleich Bewältigungsversuch einer bestimmten Bewusstseinslage, in die sich eine in der Großstadt lebende intellektuelle Jugend gegen Ende des Kaiserreichs gedrängt fühlt". Diese Bewusstseinslage ist von den Erfahrungen der Moderne geprägt. Die Dichtergeneration der Expressionisten lebt in einer Zeit der rasanten Veränderungen, des Umbruchs und der Verunsicherung: Zu Beginn des Jahrhunderts setzt auch in Deutschland verstärkt die Industrialisierung ein und es kommt zu einer zunehmenden Automatisierung in allen Lebensbereichen. Die Fabriken bieten Arbeitsplätze und so ziehen die Menschen vermehrt vom Land in die Stadt: Die modernen Großstädte entstehen. Durch technische Neuerungen, wie beispielsweise Flugzeuge, Straßenbahnen usw. herrscht plötzlich eine wesentlich höhere Mobilität als je zuvor. Das gesteigerte Lebenstempo wird als faszinierend aber auch erschreckend empfunden: ,,Zusammengeballt in zwei Jahrzehnten erlebten wir mehr als zwei Jahrtausende vor uns. Was haben wir noch zu erwarten, zu erleben? Vermögen wir uns noch zu wundern?". Zu den technischen Neuerungen der Zeit gehören beispielsweise auch Film und Funk. Sie markieren den Anfang der modernen Massenkommunikation und Massenkultur. Gerade das Kino inspiriert die Expressionisten zu zahlreichen Gedichten.
Diesem rasanten Wandel im sozialen, kulturellen und wirtschaftlich-technischen Bereich steht ein erstarrtes politisches System gegenüber. Das Wilhelminische Kaiserreich ist ein ,,merkwürdig anachronistisch wirkendes Obrigkeitssystem, dessen nationalistische Ideologie von Schule, Universität und den christlichen Kirchen unterstützt und verbreitet wurde". Der Expressionismus als Jugendbewegung erkennt die Abhängigkeit ,,von einer erstarrten Gemeinschaftsordnung" und ,,bourgeoisen und konventionellen Bräuchen" und diese ,,Erkenntnis bedeutete zugleich den Beginn des Kampfes gegen die Zeit und ihre Realität".
Das Lebensgefühl der Expressionisten ist insgesamt ein negatives. Es herrscht ein starkes Dekadenz- und Verfallsbewusstsein. Denn das deutsche Kaiserreich und die Donaumonarchie befinden sich offensichtlich im Niedergang und der erste Weltkrieg wird bereits vor Kriegsanfang vorausgeahnt.
Auch die geistesgeschichtlichen Rahmenbedingungen der Zeit tragen zu dem negativen Lebensgefühl der Expressionisten bei. Der Expressionismus ist stärker als jede andere Dichterepoche von dem Philosophen Friedrich Nietzsche geprägt. Die ,,im Begriff des Nihilismus festgehaltene radikale Verunsicherung traditioneller Denkformen und Wertsysteme" spiegelt sich in einer ,,tiefgreifenden Strukturkrise des Ich" wieder. Das bedeutet, dass auch die Religion keine Sinnstiftung mehr bieten kann. ,,Zwischen Transzendenzverlust und der Konstruktion neuer metaphysischer Perspektiven irrend (...) artikulieren die Expressionisten das Krisengefühl ihrer Epoche".
[...]
Arbeit zitieren:
Florian Schaffelhofer, 2002, Expressionistisches Drama, München, GRIN Verlag GmbH
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