Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
1. Der Kulturraum Schule 4
2. Die Schulklasse als soziales System. 4
2.1 Grundlagen der Rollentheorie. 6
2.2 Normen 7
2.2.1 Formelle Normen. 7
2.2.2 Informelle Normen 8
2.3 Klassenklima 10
3. Machtverhältnisse im Kulturraum Schule. 11
3.1 Soziale Erfahrungen in der Grundschule 11
3.1.1 Sozialereignisse beim Schulanfang 12
3.1.2 Soziale Beziehungen zum Schulanfang. 13
3.1.3 Welchen Einfluss nimmt die Schule? 13
4. Soziale Diskriminierung in der Schule 14
4.1 Führung und Außenseitertum 14
4.1.1 Ursachen für die Entstehung und Stabilisierung von Außenseiterum. 16
4.1.2 Integration von Außenseitern anhand ausgewählter pädagogischer Maßnahmen18
4.1.2.1 Einzelfallhilfe. 19
4.1.1.2 Veränderung des sozialen Kontextes „Schulklasse“ 19
4.1.1.3 Elternarbeit 20
5. Schlussbemerkung. 21
Literatur. 22
Abbildungen und Internetquellen. 23
2
Vorwort
„Auf einem Berg, wo der Wind pfiff, lebte ganz allein und ohne einen einzigen Freund Irgendwie Anders. Er wusste, dass er irgendwie anders war, denn alle fanden das. Wenn er sich zu ihnen setzen wollte oder mit ihnen spazieren gehen oder mit ihnen spielen wollte, dann sagten sie immer: „Tut uns Leid, aber du bist nicht wie wir. Du bist irgendwie anders. Du gehörst nicht dazu.“ Irgendwie Anders tat alles, um wie die anderen zu sein. Er lächelte wie sie und sagte „hallo“. Er malte Bilder. Er spielte, was sie spielten (wenn er durfte). Er brachte sein Mittagessen auch in einer Papiertüte mit. Aber es half alles nichts. Er sah nicht so aus wie die anderen und er sprach nicht wie sie. Er malte nicht so wie sie. Und der spielte nicht so wie sie. Und was er für komische Sachen aß! „Du gehörst nicht hierher“, sagten alle. „Du bist 1 nicht wie wir, du bist irgendwie anders!“ […]“
In jeder Kultur gibt es Menschen, die irgendwie anders sind. Diese Andersheit kann unterschiedlicher Natur sein: Man kann sich vom äußeren Erscheinungsbild von den anderen unterscheiden (z.B. eine körperliche Behinderung) oder von der Norm abweichende Einstellungen etc. vertreten. Diese Abweichung von der Norm wird von vielen als störend empfunden und führt unter Umständen zu gegenseitigen Abneigungen.
Die vorliegende Arbeit versucht am Beispiel des Kulturraums Schule zu erklären, wie es zur Herausbildung von soziometrischen Extrempositionen wie Führung und Außenseitertum kommt. Es wird erläutert, warum diese Extrempositionen so stabil und nur schwer „auflösbar“ sind. Ausgangspunkt ist die Betrachtung der Schulklasse als soziales System. Innerhalb des sozialen Systems Schulklasse entstehen Rollen und Normen, welche ein Klassenklima erzeugen. Diese Begrifflichkeiten bilden das Fundament der nachfolgenden Betrachtungsweise, in der deutlich gemacht werden soll, dass unterschiedliche Machtverhältnisse zu Stereotypisierungen führen, die wiederum soziale Diskriminierung (wie das Außenseitertum) zur Folge haben. Bestimmte pädagogische Maßnahmen versuchen sozialer Diskriminierung entgegenzuwirken. Im Mittelpunkt dieser Maßnahmen steht das soziale Lernen. Ziel von sozialem Lernen ist es u.a. zu erlernen, wie man befriedigende soziale Kontakte eingeht. In dieser Arbeit werde ich drei dieser möglichen pädagogischen Maßnahmen vorstellen.
1 Cave, Kathryn u. Riddell, Chris: Irgendwie Anders. Hamburg 1994.
3
1. Der Kulturraum Schule
Die vorliegende Arbeit betrachtet Schule als einen Kulturraum. Streng genommen könnte man sogar jede einzelne Schulklasse, ja sogar jede Peer-Group als einen eigenständigen Kulturraum begreifen. Innerhalb der Schule entstehen verschiedene soziale Systeme in denen Rollen entstehen, denen bestimmte Normen anheften. Zu Schulbeginn „schlüpft“ das Kind, das bisher u.U. bisher lediglich die Rolle des Sohnes bzw. der Tochter ausfüllte, in die Rolle eines Schülers. Die Rolle des Schülers fordert von dem Kind wiederum eine Zahl an einzuhaltenden Normen ab. Diese Normen muss es zu Schulbeginn kennen lernen und verinnerlichen, um sich im Kulturraum Schule „zurechtzufinden“ und einen festen Platz innerhalb dieses Kulturraums einzunehmen. Im folgenden Kapitel soll der Kulturraum Schule näher erläutert werden, in dem er in seine Bestandteile „aufgedröselt“ wird.
2. Die Schulklasse als soziales System
Schulische Ökologie soll das individuelle Erfahrungsfeld aus Sicht eines Kindes rekonstruieren. Um die schulische Ökologie überschaubar zu machen, konzentriert man sich auf drei zentrale Aspekte, welche das soziale Erfahrungsfeld eines Schülers repräsentieren: 2
1. Schüler-Lehrer-Interaktion
2. Die Interaktion mit einzelnen Mitschülern
3. Die Interaktion mit Schülergruppen bzw. die Mitgliedschaft in der Schülergruppe
Diese „Teilbereiche“ der schulischen Ökologie stehen im ständigen wechselseitigen Bezug. Außerdem sind sie in institutionelle, normative und räumliche Rahmenbedingungen eingebettet. Petillon stellt diesen Sachverhalt folgendermaßen schematisch dar 3 :
2 Petillon, H.: Das Sozialleben eines Schulanfängers. Die Schule aus Sicht des Kindes. Weinheim 1993, S. 63
3 Ebd.
4
Schule als informelles Erfahrungsfeld wird gekennzeichnet als ein Ort der sozialen Begegnungen Gleichaltriger. Die Beziehungen der Schüler untereinander, z.B. das Bilden von Freundschaften, die Zugehörigkeit zu einer Schülergruppe prägen diesen Erfahrungsbereich. Das informelle Erfahrungsfeld ist für die Identitätsentwicklung des Kindes von großer Bedeutung.
Der institutionelle, formelle Erfahrungsbereich umfasst die schulischen Anforderungen an das Kind, die Funktion des Lehrers und die Mitgliedschaft des Schülers in einer unterrichteten Gruppe. Es unterscheidet sich wesentlich von dem Erfahrungsbereich in der Familie. Mit Eintritt in den Erfahrungsraum Schule wird das Kind mit Sozialereignissen konfrontiert, welche von den bisherigen Ereignissen abweichen und muss lernen diese zu bewältigen. Es werden nicht mehr bloß die persönlichen Qualitäten und Fähigkeiten beurteilt, sondern es müssen Erwartungen und Forderungen erfüllt werden, die an alle Kinder gleichermaßen gestellt werden. Institutionell festgelegte Leistungsstandards messen nun die Aktivitäten der Kinder - die Individualität wird nur unter bestimmten schulischen Aspekten relevant. Die in den familiären Interaktionsprozessen errichtete Identität des Kindes wird mit dem Eintritt in die Schule in Frage gestellt. 4 Informelles und formelles Erfahrungsfeld entstehen, da der Lehrer Erwartungen an die Schulklasse hat: Diese Erwartungen an die Schüler können die emotionalen und sozialen Bedürfnisse der Schüler nicht ausreichend
4 Ebd., S. 73
5
berücksichtigen, aber andererseits auch nicht völlig aus der Institution Schule ausgeschlossen werden, sodass zwei Erfahrungsfelder innerhalb der Schule entstehen. 5
2.1 Grundlagen der Rollentheorie
Der Begriff der Rolle hat seinen Ursprung in der Umgangssprache. Dem Ausdruck fehlt zwar die nötige Schärfe, um eine klare Aussage machen zu können, dennoch gelangt man sehr schnell zu dem Eindruck, dass man sehr wohl wisse, was mit dem Begriff Rolle gemeint ist.
Ausgangspunkt der Rollentheorie ist die Annahme, „[...] dass es für den Zusammenhalt einer Gesellschaft und für ihren Fortbestand nötig ist, die Kooperation innerhalb und zwischen verschiedenen Gruppen ihrer Mitglieder zu sichern.“ 6 Menschen können nur dann erfolgreich miteinander kommunizieren und kooperieren, „[...] wenn sie zu einer gemeinsamen Interpretation der Situation, in der sie einander begegnen, und zu einer zutreffenden Einschätzung ihrer gegenseitigen Erwartungen gelangen können.“ 7 Es muss ihnen gelingen sich auf ein anerkanntes Bezugssystem zu einigen, sonst ist die erfolgreiche Interaktion gefährdet. Unser Verhalten steuern wir unbewusst. Es ist an den allgemein gültigen und sozial vorgeformten Erwartungen orientiert. Gemeinsame Symbole sind es, an die wir uns anlehnen um das gegenseitige Verständnis zu sichern (z.B. Symbol Schrift bzw. Symbol Sprache).
Um die soziale Interaktion und damit das Überleben der Gesellschaft zu sichern, „[...] haben betroffene Gruppen Bündel von Verhaltensnormen an die Positionen geheftet, in denen im arbeitsteiligen Gesellschaftssystem wichtige Aufgaben zuverlässig ausgeführt werden müssen. Die Rollentheorie nennt diese Verhaltenserwartungen Rollennormen.“ 8 Jede Person vereinigt zugleich mehrere Rollen. So kann z.B. eine Frau zugleich Tochter, Mutter, Ehefrau und Verkäuferin sein, ein Kind zugleich Sohn, Schüler, Mitglied einer Sportmannschaft, Freund von.... etc.. Jede dieser Rollen hat spezielle Rollennormen, die es nach Erwartung der Gesellschaft zu erfüllen gilt. Werden diese Normen nicht eingehalten, existieren Instanzen, die das abweichende Verhalten u. U. sanktionieren können. Diese Instanzen dienen der Überwachung und somit der Aufrechterhaltung der Gesellschaft. Jedoch ist keine Rollennorm exakt und widerspruchsfrei definiert. Der Idealzustand solcher
5 Vgl. Petillon, Hanns:Soziale Beziehungen in Schulklassen. Weinheim und Basel 1980, S. 27
6 Krappmann, Lothar: Lernen durch Rollenspiel. In: Kochan Barbara (Hrsg.): Rollenspiel als Methode sprachlichen und sozialen Lernens. 2.
Auflage, Kronberg: Scriptor 1981, S. 33
7 ebd
8 Krappmann, Lothar: Lernen durch Rollenspiel, S. 34
6
Arbeit zitieren:
Andrea Fuchs, 2006, Irgendwie anders - Der Kulturraum Schule unter besonderer Berücksichtigung von sozialer Diskriminierung, München, GRIN Verlag GmbH
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